Einzelbild herunterladen
 

Zulöaer Anzeiger

Erscheint je-en werktag.Vezugsprels: monatllch 2.20 RM. Bel LleferungsbehinSerungen durch .höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Kriedrich Ehrenklau, §ulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver. leger. Postscheckkonto : Srankftrrt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zul-a- und Haunetal Zul-aer Kreisblatt

Re-aktlon und Geschäftsstelle: Könkgstraße 42 Zernfprech-flnschluß Nr.-S-

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit (Quellenangabe .Zul-aer Anzeiger' gestattet.

Tinzeigenpreis: §ür Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvorschriften unverbindlich.

Nr. 109 1931

Fulda, Montag, 11. Mai

8. Jahrgang

Auftakt zur französischen Präsidentenwahl.

6cWt Illich dem PrSsidttttisesstl.

Eine taktlose Wahlrede Briands.

In der Französischen Kammer stand am zweiten Tage der Kamps gegen Anschluß und deutsch-österreichische Zollunion im Zeichen eines Werbefeldzuges, den Briand bei allen Par­teien um seine Präsidentschaftskandidatur eingeleitet hat. Er will sich eben unbedingt neue Verdienste um das Vaterland erwerben Gegen Überraschungen hat er sich aber von vorn­herein gesichert. Die einzelnen Abgeordneten haben Ver­trauensanträge gestellt, gegen Briand sprachen nur der blinde Abg. Scapini und der Kommunist Cachin. Briand wandte sich zunächst gegen diejenigen, die in Frankreich selbst seine Stel­lung untergrüben. Er wies aus seine Mitarbeit mit den rechtsstehenden Ministerpräsidenten Poincars und Tardieu hin und entbot unter dem Beifall des Hauses Poincarè seinen Gruß. Die Schwierigkeiten, die sich jetzt bemerkbar machen, sind aus die Friedensverträge zurückzuführen. Die deutschen und österreichischen Handlungen haben aber heute nicht mehr die Schlagkraft wie früher. ,

Der deutsch österreichische Anschlußvcrsuch ist in erster Linie wirtschaftlicher Natur. Er sage dies nicht, um seine Trag­weite abzuschwächen. Denn sicherlich hat er auch einige poli­tische Seiten. Wenn sich aber ein Land in wirtschaftlicher Not befindet und ein anderes großes Land, das geographisch günstig gelegen ist, die Gelegenheit ergreift, um mit diesem Lande eine gewisse Sprache zu sprechen, so kann cs Vorkommen, daß Europa vor Schwierigkeiten gestellt wird. Heute gibt es ledoch ein internationales Schiedsgericht, nämlich den Völker­bund, und es ist ein großer Fortschritt, daß selbst Fragen, bei denen das Prestige eines Landes auf dem Spiele steht, öffent­lich beraten werden können.

Frankreich habe sich im übrigen nicht lediglich erregt, son­dern habe auch einen Aufbauplan ausgestellt, der den wirtschaft­lichen Schwierigkeiten in Osteuropa begegnen werde und dessen moralische Auswirkungen schon jetzt zu spüren seien.

In Genf werde Deutschland seine Akten verteidigen und Frankreich die seinigcn. Verstehe man sich nicht, so werde der Internationale Schicdsgcrichtshos Recht sprechen.Deutsch­land und Österreich behaupten, das Recht für einen derartigen Plan zu besitzen. Er antworte: Nein! Denn wenn sie diesen saufen hatten, .so hätten sie ihn mit den anderen Mächten beiprcchcn müssen und insbesondere mit derjenigen, die ihnen Anleihen gegeben hat."

Briand erklärte dann, man werfe ihm vor, daß er mit seinen Friedensideen gerade das Gegenteil erreiche und den Krieg vorbereite. Mit Männern, die entschlossen seien, den Frieden aufrecht zu erhalten, sei jedoch kein Krieg möglich. Chauvinistische Kreise verlangten angesichts desAnschluß- versuches" den Abbruch der deutsch-französischen Beziehungen. Er sei nicht der Mann einer derartigen Politik. Frankreich sei der Staat des Friedens. Es sei zu jeder Solidarität bereit.

Die Fortsetzung der Aussprache wurde hieraus vertagt.

*

Die Tagung des Kontrollausschusses für die öster­reichische Völkerbundanleihe von 1922, die zum 12. Mai nach Gens einberufen worden war, ist nach einer der öster­reichischen Regierung zugegangenen Mitteilung verschoben worden.

Die Rede des französischen Außenministers Briand in der Kammer ist in Berlin mit gemischten Ge­fühlen^ ausgenommen worden. Sie wird als eine typische Wahlrede bezeichnet, die auf Moll ge­stimmt war und die erkennen läßt, daß Briand es jetzt mit keiner Seite verderben will. Die Grundtendenz der Rede steht man in politischen Kreisen Berlins darin, daß die französische Außenpolitik gegen die Zollunion Wider - st a n d bis zum ä u ß e r st e n leisten will, trotz der ver­ähnlichen Wendungen, die die Rede vielleicht hier und da enthielt. Als besonders bemerkenswert wird die Tatsache yttvorgehoben, daß Briand den angeblichen deutsch-öster- IMchen Anschlußversuch in erster Linie als einenAn - ^'.unwirtschaftlicher Natur charakterisierte. -U|c Feststellung Briands ist im Gegensatz zu seinen bis- ?ougen Äußerungen unbedingt ein Novum. Die Bemer- ung Briands, daß das Bekanntwerden des Zollunions- manes allenthalben Erregung ausgelöst habe, ist sachlich msich. Erft auf das Stichwort aus Paris setzte auch in -boten der Feldzug gegen die Zollunion ein.

. . Erns hat aber in der Briand-Rede in Berlin ganz â"ttderen Eindruck gemacht, nämlich die Feststellung, das französische Außenministerium von dem Plan

- N t.ü b e r r a s ch t gewesen sei. Tatsächlich hat ja die k unzosische Propaganda gegen das Zollabkommen die ^uptung, daß Wien-Berlin auf die anderen Länder * stewlsiermaßen einen diplomatischen Überfall verübt als Ausgangsstellung benutzt.

sm . Es sei noch hinzugefügt, daß Briands Äußerung über j ^nmlnister Curtius als dem Nachfolger Stresemanns "Berlin als wenig taktvoll empfunden wird, r 'and hatte gesagt, er hoffe, daß derjenige, der in Deutsch- ins^- ^lresemann ersetze, vom europäischen Gedanken i'p-r-ert sein werde und verstehe, daß Gewaltakte heute N'cht mehr modern seien.

Frankreichs //Verständigungspolitik".

Die Französisch- Kammer verurteilt das Zollabkommen.

die öcr französischen Kammer wurde über "gesordnung abgestimmt, die die Aussprache über ab schließ " ^^-österreichische Zollabkommen Kamm^ Tagesordnung hat folgenden Wortlaut: Die Nnlen >»- ^-"stchert ihre Zustimmung zu einer internatio« ebrlithp^j ?ö0un8®PoliHt und einer weitgehenden und Oenirt 'H oujammenarbeit der europäischen Völker. Sie in aller Form den Plan des deutsch-österreichi­

schen Zollabkommens, der sich im Widerspruch zu dieser Politik und zu den Verträgen befinden würde. Sie stimmt den Erklärungen der Regierung zu und hat Vertrauen in sie, verweigert jeden Zusatz und geht zur Tagesordnung über. Der Tagesordnung wurde schließlich durch Hand­aufheben zugestimmt.

Der Wahlakt in Versailles.

Am 13. Mai wird Frankreich seinen neuen Präsidenten wählen. Nicht das Volk selbst schreitet zur Wahlurne wie das bei uns der Fall ist, sondern die Volksvertretung Ab­geordnete und Senatoren finden sich im Schlosse von Versailles ein und geben ihre Stimmen ab. Nach dem Perfassungsgesetz von 1875 kann jeder Franzose zum Präsidenten der Republik gewählt werden. Eine Altersgrenze gibt es nicht, aber einen Attsschließungsgrund gibt es: Mitglieder fürstlicher Familien, die früher in Frankreich regiert haben, sind nicht wählbar.

Den Vorsitz bei der Wahlhandlung führt immer der Prä­sident des Senats. Diesmal ist das Herr Paul D 0 u m e r , der selbst unter den Kandidaten an aussichtsreicher Stelle steht Wenn der Wahlakt eröffnet ist, werden zunächst die üblichen Formalitäten erledigt. Man verliest das Dekret über die Ein­berufung der Nationalversammlung, wählt die Wahlleiter und Wohlprüfer und stellt durch Namenslisten fest, wer sich zur Wahl eingesunden hat. Die Wahl die dann beginnt, geschieht namentlich: die Abgeordneten und die Senatoren gehen ein­zeln zur Urne und werfen in sie die Stimmzettel Ergibt sich dann bei der Zählung der Stimmen, daß keiner der Kandi­daten die absolute Mehrheit erlangt hat, so wird die Wahl so lc nae wiederholt. bis eine absolute Mehrheit für einen der

Aufbau durch Bauen.

Bauten der Notzeit.

Die Teutsche Bauaus st elluny tft . iöffnet!

Die Deutsche Bauaus^cllung 1931 wurde vor etwa 2000 Ehrengästen, darunter Vertretern der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, der Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst sowie ausländischer Regierungen feierlich eröffnet. Der Eröffnungsalt begann mit dem Vorspiel zu den Meister­singern.

Oberbürgermeister Dr. Sahm hielt

die Begrüßungsrede.

Er erblickte in der reichen Beschickung der mit der Deutschen Bauausstellung verbundenen internationalen Aus - st e l l u n g für Städtebau und Wohnungswesen aus 22 aus­ländischen Staaten den Ausdruck der lebendigen Anteilnahme des Auslandes Er hoffe, daß durch diesen Teil der Aus­stellung tn Verbindung mit den wichtigen internationalen Kongreßen die Grundlage einer zwischenuaailtchen Zusammenarbeit aus dem Gebiete des Städtebaues und Wohnungswesens eine neue Stärkung zur allgemeinen Erböbuna des Kulturniveaus und nur Verbesseruna des

Ehrengäste bei der Ausstellungseröfsnung

In der ersten Reihe sieht man u. a. den preußischen Land- wirtschaftsministcr Dr. Steiger (ganz links) und den Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald.

Lebensstandards in allen Ländern erfahre. Der Veranstaltung komme gerade für

die Überwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eine besondere Aufgabe zu, da sie die Augen der gesamten Öffentlichkeit aus die beherrschende Schlüsselstellung, die dem Baugewerbe innerhalb der Volkswirtschaft zukomme, lenke.

Der Reichsarbeitsminifter

eröffnet die Ausstellung.

Daraus führte Reichsarbeitsminister Steger wald in seiner Eröffnungsrede u. a aus: In einer Zeil schwerster wirtschaftlicher Krisis treten wir an die Eröffnung der Deutschen Bauausstellung heran. Durchgeführt mußte sie nun werden in Tagen einer plötzlichen und umfassenden Depression, wie sie selten einer Berufsgruppe begegnet ist Notgedrungen mußte sich das Ergebnis der Ausstellung

der schweren Krise anpaffen.

Auch bei den meisten anderen Völkern sehen wir die Er­scheinungen einer ähnlichen Krisis Die besondere Schwierig­keit für Deutschland (trat aber darin dass es einmal außer­

Kandidaten vorhanden ist. Auf diese Weise kann es geschehen, daß zuletzt einAußenseiter", einer, der anfangs garnicht beachtet wurde, gewählt wird. Ter Kandidat, der als Sieger hervorgeht, wird sofort nach der Bekanntgabe des Ergebnistes in denSalon des Präsidenten" gebeten, wo ihm mitgetetlt wird, daß er Präsident von Frankreich geworden ist, und daß er einen Monat später sein Amt antreten kann. Er wird dar­aus in die Vesammlung geleitet, wo der Vorsitzende oder sein Stellvertreter eine Huldigungsadresse verliest. Und dann be­ginnt die große Gr a i u l a t i 0 n s c 0 u r. Der Wahl folgt die Triumphfahrt nach Paris, an die sich der von der Etikette oorgeschriebenc Besuch bei dem scheidenden Präsidenten schließt.

Was den äußeren Rahmen des Wahlbildes betrifft, so ist darüber dieses zu sagen: Die Nationalversammlung tagt in Zitiern großen Saale des Schloßes, aber für die verschiedenen polnischen Gruppen, die Besprechungen vor den Wahlgängen abhalten, muß eine große Anzahl kleinerer Räume eingerichtet werden. Selbstverständlich sind auch mehrere Büfette vorhan­den, da die Wahl ja längere Zeit dauern kann. Mehr als einmal ist am Büfett zwischen Schinkensem­meln der neue Präsident gemacht worden. Auch für Briefmarkensammler ist gesorgt: ein besonderes Postamt versieht die zu versendenden Briefe und Postkarten mit einem besonderen Stempel.

Ein Präsident von Frankreich bezieht ein Jahresgebalt von etwa 600 000 Mark; von dieser Summe muß er die Kosten des Aufenthaltes im Elysee, seiner Reisen, der Empfänge usw bestreiten Zur Kapitalanbäufung dürfte also kaum Gelegen­heit gegeben sein, und Präsidenten, die nicht ein großes eigenes Vermögen besitzen, wie es z. B. bei Felix Faure der Fall war, verlassen denn auch das Elysee meist genau so mittellos, wie sie es einst bezogen haben.

ordentliche Opfer auswenden muß, um seine Bevölkerung, ins­besondere seine A r b e r i s k r ä f I e, über die Krise hinweg- 5 u bringen, daß es gleichzeitig aber überaus hohe Beträge Jahr für Fahr auch in den Zeiten der höchsten Not ins Ausland abzuführen har Sonst war es im Lause einer Winschasts- krisis gerade der Bauwirtschast möglich, Betriebskapital zu besonders günstigen Bedingungen zu erhalten. Sie war damit in der Lage.

als Schlüffelgewerbr

Die allgemeine Aufwärtsentwicklung nach der Krise einzu- leilen Diese Möglichkeit ist leider heute unserer Bauwirt- schasi versagt Die heutige Notzeit verlangt, daß sich Baukunst und Baugewerbe den wirtschaftlichen und finanziellen Schwie­rigkeiten anpassen und die gestellten Ziele auf dem ein­fachsten und billtgsten Wege erreichen

Grundriß, Aufbau und Ausstattung jedes einzelnen Bau­werks muß von dem Gedanken ausgehen, wie in möglichst knappem Rahmen alle unerläßlichen Bedürfnisse befriedigt werden können, die Allgemeinwohl und Volksgesundheit er­fordern.

Die Ausstellung wird in einer Reihe fertig eingerichteter Wohnungen die Möglichkeit zu sparsamer, zweckmäßiger und doch gefälliger Grundrißbildung und Russttittung vor Augen führen Sie wird aber auch bei der Erfüllung anderer Bau­aufgaben zeigen, wie sich

planvolle Zweckmäßigkeit

selbst bet knappstem Grundriß sichern läßt. Wenn Dabei die Planqcstallung des ländlichen S i ed l u n g s b a u c s hier besonders berücksichtigt wurde, so kommt Die Ausstellung damit einer Forderung nach, Die wir beute in besonders starkem Maße an den ländlichen Siedlungsbau richten müssen, nämlich Die Wirtschaftlichkeit als unerläßliche Grundlage für die Existenz des Siedlers an die erste Stelle zu rücken

Ein arm geworden es Volk kann eS sich nicht leisten, durch prunkvolle Vauschöpfungen Rcichtum vor.zii- täuschen. Auch die Außenforinen des Bauwerks müssen viel­mehr die harte Beschränkung, die uns die Zeit auferlegt, zum Ausdruck bringen. Noch zu allen Zeiten prägte sich die Art des Denkens und Schaffens eines Volkes in der Form feiner Bauwerke aus. Künftige Geschlechter werden und sollen beim Anblick der Bauten, die heute entstehen, an die No« des Volkes erinnert werden, das sie geschaffen hat.

Der preußische Lanvwirischaftsmintster Dr Steiger würdigte eingehend die Abteilung

Der ländliche Siedlungsbau"

Der Ausstellung. Die Not der Zett, so meinte er, dränge dazu, zu prüfen, ob nicht eine Übertragung Der neuzeitlichen Bau- criahrungen und Bauweisen der Stabt auf das Land weitere Verbilligung mit sich bringe Die Bauausstellung könne der Anstoß werden jin finanziellen Entlastung der Siedler und Der Siedlungsiräger des Staates und Der Wirt­schaft Zum Schluß gab der Vorsitzende des Vereins Bau- ausstellung und Verwaliungsrai Der Deutschen Bauausstel­lung. Baurai Tr.-Ing Riepert, der Hoffnung Ausdruck daß eine Belebung der Bautätigkeit infolge ihrer weitreichenden Wirkungen zu einer fühlbaren Entlastung der öffent­lichen Finanzen führen werde

An Die Feier schloß sich ein mehrstündiger Rundgang Der Ehrengäste durch die Ausstellung

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die Deutsche Bauausstellung in Berlin wurde unter reger Beteiligung des In- und Auslandes eröffnet.

* Gegen das deutsch-österreichische Zollabkommen wendet sich die »xranzositche Kammer in einer Entschließung.

* In Madrid ereigneten sich gestern schwere Unruhen, in deren Verlauf es zu Schießereien zwischen Polizei und Demon­stranten sowie zur Plünderung von Waffenläden kam.

* Reichsaußenminister Dr. Curtius sprach in Berlin bei ^mBankettder Ausländischen Pressende? das deÜLöster! rerchlsche Zollabkommen.

. / Die zweitc Avril^ilste hat auf dem Arbertsm-rkt die Früh- iahrsentlap?rng in starkem Unrfeng gebracht