M-aer Mzeiger
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Nr. U« — 1931“
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Fulda, Mittwoch, 20. Mai
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8. Jahrgang
Schweres Erdbeben gemeldet!
Rätselraten um den Herd des Bebens.
Stuttgart, 20. Mai. (Eigene Funkmeldung.) Die Erdbebenwarte in Ravensburg meldet heute früh 3.42 Uhr ein Fernbeben, das, wie die Messungen vermuten lassen, in der Nähe des Herdes geradezu furchtbare Ausmaße angenommen haben muß. Der vermutliche Herd des Erdbebens befindet sich in südlicher Richtung, wahrscheinlich in I t a l i e n. — Eine weitere Erdbebenmeldung aus Frankfurt a. M. lautet: Die Instrumente der von Reinachschen Erdbebenwarte auf dem Kleinen Feldberg im Taunus verzeichnete heute nacht um 3 Uhr 24 Minuten 44 Sekunden ein katastrophales Erdbeben. Der Herd liegt in 1300 Kilometer Entfernung im Süden. Die Bodenbewegung betrug auf dem Taunus noch ein drittel Millimeter Pro Meter.
Weitere Nachrichten über verzeichnete Erdstöße.
Karlsruhe, 20. Mai.
Die Seismosgraphen der technischen Hochschule Karlsruhe registrierten heute früh ein äußerst starkes Erdbeben. Die ersten Vorläuferwellen erreichten 3.27.40 St., die zweiten 3.31.15 St. die Station. Der Beginn der langen Wellen fiel aus 3.34 Uhr. Die Aufzeichnungen über die Maximalbewegung
Für Frieden und Ehre
Der Slapellauf der „Deutschland".
Festtage in Kiel.
Kiel, 19. Mat.
(Von einem Sonderberichterstatter.)
gab wohl selten ein Ereignis, das ganz Deutschland und weiteste Kreise des Auslandes so stark in seinen Bann zog, der^am 19. Mai vorgcgangene Stapellauf des Panzer- schWs „A". So konnte es nicht wunder nehm.,», daß an diesem Tage Kiel im Mittelpunkt ungezählter Tausender wurde, die aus allen Gauen Deutschlands mit Kraftfahrzeugen, Schiff, Eisenbahn, Flugzeugen und zu Fuß herbeigeeilt waren, um Zeuge des bedeutsamen Stapellaufes zu sein, ein Ereignis, das besonderen Glanz dadurch erhielt, daß der Ablauf des Schiffes im Beisein des Reichspräsidenten von Hindenburg und der höchsten Spitzen der deutschen Behörden erfolgte.
Von allen Seiten setzte der Zustrom bereits am frühen Morgen in gewaltigen Massen ein, und der erste Gang galt der Kieler Föhrde, von wo aus der Blick auf die im Hafen versammelten Einheiten der deutschen Flotte und auf den grauen Leib des auf dem jenseitigen Ufer liegenden Panzerschiffes schweift.
Gegen 11 Uhr traf Reichspräsident von Hindenburg auf dem Bahnhof ein, von der Menge lebhaft begrüßt und von dem donnernden Salut der Kriegsschiffe empfangen. Inzwischen stauten sich vor den Toren der Deutschen Werke die unablässig einströmenden Gäste, trafen unübersehbare Kolonnen Tausender von Kraftwagen ein. — Schier verwirrt ist der Blick, wenn er das prächtige Bild des Anmarsches der 60 000 auf dem Werftgelände in sich aufnimmt. Ein Ruhe- dunkt in der Erscheinungen Flucht, der immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist das mit frischen! Grün und
«rb en p^â ch ti g en F la g g en g e sch m ü ckt e P a n z e r-
‘u „A", der Stolz der Reichsmarine; immer wieder fesselt s den Blick, immer wieder erfüllt es die Beschauer mit Be- wu n d e r u n g f ü r d i c L e i st u n g d e u t s ch e r S ch i f f s -
1 u Mt Noch war sein Name am Bug nicht sichtbar, noch sein gewaltiger Körper auf den Gleitbahnen, von ngen Stützen gehalten. Da verkündete, während in den b flinke Flugzeuge ihre Kreise zogen, immer lauter wer-
Brausen, immer mächtiger erklingende Hochrufe: m.^lschlands Reichspräsident ist da! Mit ehr- duw ^??lldm Schweigen geleiten die Tausende Hindenburg nah ’ - Menschenmauern nach dem Stapelplatz. Gebannt HebcnrF6^ folstt man den Vorgängen auf der Taufkanzel, wo
" Hindenburg der Reichskanzler Brüning, der Chef der der Nl Admiral Dr. e. h. Räder, Vizeadmiral Hansen, inihia ^er Marinestation der Ostsee und der Reichswehr- Cl Gröner Aufstellung nehmen.
waren von einer solchen Stärke, daß die Regist rierungen an der einen Komponente zeitweise aussetzten. Gegen 5 Uhr kamen die Apparate wieder zur Ruhe. Die Epizentralentfernung betrug etwa 2200 Kilometer. Nach den Aufzeichnungen mutz das Beben einen katastrophalen Charakter angenommen haben. Der Erdbebenherd ist nach vorläufiger Berechnung vielleicht in Kleinasien oder auf der Halbinsel Krim zu suchen.
Brüning spricht, spricht über die dauernden Opfer eines gequälten Volkes, über den Frieden, über eine Gemeinschaft gleichberechtigter Völker... da geschieht etwas Unerwartetes: Das Schiff setzt sich in Bewegung, ohne daß Hindenburg dazu kommt, die Hand zu heben, zur Flasche zu greisen, die Tausweihe zu vollziehen . . . Brüning stockt inmitten seiner Rede . . . Geistesgegenwärtig ruft Hindenburg dem gleitenden Schiffe die Tausworte nach: „„Deutschland" sei dein Name!". — Die Menge läßt sich nicht beirren . . . Hoch-
Hoch schäumt die Welle auf . . . Gleich ist das ganze Schiff von den Fluten der Kieler Föhrde umspült. . . Panzerschiff „Deutschland" schwimmt! Deutschlands herrlichstes Schiff ist vom Stapel gelaufen, ist glücklich seinem Element übergeben.
Die Tausfeierlichkeiten begannen mit einer Rede des Reichskanzlers, der u. a. ausführte:
Die Taufrede des Neichskanziers.
Ein stolzes Werk wird heute seiner Vollendung entgegen- geführt. Heiße Kämpfe haben sie lange gefährdet Um so mehr ist cs in dieser feierlichen Stunde für uns ein Gebot, zu bekennen, was uns der Bau dieses stolzen Schiffes bedeutet und aus welcher Gesinnung es geschaffen wurde. Nach unserer Niederlage ist für uns
das elementare Recht der Selbstverteidigung einseitig so eingeschränkt worden, daß viele geglaubt haben mögen, das deutsche Volk würde es als zwecklos erachten, für dieses unser Recht überhaupt noch Opfer zu bringen. Durch diese Feier zeigt das deutsche Volk in aller Offenheit der Welt, daß es auch unter den ihm auferlegten Beschränkungen und auch in allergrößter wirtschaftlicher Not die Kraft findet,
den Frieden zu sichern und seine Ehre zu wahren.
Was unsere stolze Flotte einst bedeutet bat. als ein reiches.
,reies x5ou ge pcy geicyassen patte, t|t unvergessen. Heute smv wir arm, aber wir wissen, daß gleiche Pflichttreue und Tapferkeit und gleicher Erfindungsgeist auch heute noch tut Rahmen der Verträge, die wir loyal erfüllen, und mit den geringen Mitteln eines verarmten Volkes unsere Flotte zu höchsten Leistungen befähigen. Trotz aller Not und Entbehrungen wird das deutsche Volk jedes Opfer für seine Ehre wie für die Idee einer Gerechtigkeit für alle Völker der Welt bringen. Wenn ein gequältes Volk den Frieden dienen will und ihm dauernde Opfer bringen soll, so kann es stolzer Augenblicke nicht entbehren, wie dieses, die ihm vor Augen führen, daß cs noch immer zu Großem befähigt ist. Ich glaube nicht, daß es irgendeinen wahren Friedensfreund in der Welt stören kann, wenn wir diesen Stapellauf, geweiht durch die Anwesenheit ; weres allverchrten und geliebten Herrn Reichspräsidenten von andepburg, feierlich begehen, währenddessen in Genf der eulsel-e Außenminister als Vorsitzender des Völkerbundrates dem hohen Ziele des Weltfriedens und der europäischen Ver- ständiauna dient. Deutschland kann mit arokem Recht und mit
Erdbeben in Lissabon.
Lissabon, 20. Mai.
Heute früh um 3.55 Uhr find hier zwei starke Erdstöße verspürt worden. Mehrere Gebäude stürzten zusammen. Ein gröberer Sachschaden ist aber nicht entstanden. Auch in anderen Teilen des Landes insbesondere in Porto und Coimbra sowie auf der Znsel Madeira war das Beben zu spüren.
liefern Ernst von sich sagen, daß es in der"gewissenhaften Erfüllung seiner Abrüstungsverpflrchtungen nichts von dem versäumt hat, was ihm die Verträge auferlegten. Wir erwarten darauf, daß, wenn aus diesen Verträgen überhaupt eine Hoffnung für die Menschheit entstehen soll,
unsere Abrüstung Nachahmung findet.
Daß wir aber bemüht sind, unserem Volke das geringe Maß von Sicherheit zu verbürgen, das uns die Verträge zu- billigt haben, ist selbstverständlich. Auch das liegt im Interesse Europas und der Welt. Nicht dadurch dient man dem Frieden daß man Völler zweierlei Rechts und zweierlei Sicherheit schafft. Nur eine Gemeinschaft freier, gleichberechtigter Völker, ihre Zufriedenheit, ihr eigenes Verantwortungsgefühl und ih« ^lMMâAMÄMW unter den Gedanken friedlichen Aus-
In dieser feierlichen Stunde
ltfrieden sein
strecken wir in tiefster Wahrhaftigkeit denen die Hand entgegen,
die uns gleiches Recht zugsstehen wollen wie sich selbst. Vie! Leid kann vergessen werden, wenn uns die anderen gleiche Vaterlandsliebe und gleichen nationalen Stolz zubilligen, wie sie diese für sich und ihr eigenes Land in Anspruch nehmen. Für solche Gesinnung möge das stolze Schiff, das jetzt von bei Hand des Herrn Reichspräsidenten seine Weihe empfangen wird, Sinnbild und Bürgschaft werden.
*
Hindenburg vollzieht die Taufe.
Ein Zwischenfall.
Der Reichskanzler hatte seine Rede noch nicht beendet, als das Panzerschiff sich plötzlich, anscheinend durch verkehrt verstandene Kommandos in Bewegung setzte und unter Hochrufen der Menge schneller als sonst üblich diè Bahn ins Wasser hinabglitt. Noch als der Kolotz auf feiner Bahn hinabglitt, sprach Reichspräsident von Hindenburg mit lauter Stimme folgenden Taufspruch:
„Und nun gleite in dein Element und ziehe hinaus aus das weite Meer! Tue deine Pflicht und Schuldigkeit, sei es, um Zeugnis abzulegcn von deutscher Arbeit und deutschem Können, sei es zum Schutze des Vaterlandes. Halte deine Flagge stets rein und hoch in Ehren! Dann wirst du deines Namens immer würdig sein, den ich dir nun gebe: Du sollst „Deutschland" heißen."
Das Panzerschiff „Deutschland" glitt nach dem Stapellauf trotz des sofort fallenden Bugankers mit einem gewaltigen Schwung bis über die Mitte des Hafens hinaus, ehe es zum Stehen kam und die Werftschlepper es in Gewalt bekamen. Durch den vorzeitigen Stapellauf konnte der Reichskanzler seine Rede nicht vollständig zu Ende führen, sondern er rundete diese ab, um dann sofort dem Reichspräsidenten das Wort für den Taufspruch zu überlassen. Tas Schiff ging also ohne Vornahme der traditionellen Taufe ins Wasser, ohne die übliche Zersplitterung einer Flasche deutschen Schaumweins an dem Bug des Schiffes. Während der Stapellauffeierlichkeiten freisten mehrere Flieger über dem Werftgelände und dem Schiff. Der Reichspräsident war in grauer Feldmarschalluniform mit Helm erschienen. Ihm wurden von allen Seiten überaus herzliche Ovationen dargebracht.
Sofort nach bem Stapellauf kam der Reichspräsident von der Taufkanzel herunter und begab sich, nachdem er nochmals die Ehrenkompagnie abgeschritten hatte, zum Ausgang der Werft. Dann bestieg er den Kraftwagen, um das Marineehrenmal zu besichtigen.
Nationalsozialistischer Protest.
Die dem Haushaltsausschuß des Reichstages angehörenden sechs nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten veröffentlichen eine Erklärung, in der sie gegen die Nichtzulassung der nationalsozialistischen Presse zum Stapellauf des Panzerschiffes „Deutschland" protestieren. Gleichzeitig teilen sie mit, daß sie aus diesem Grunde den Platz vor dem Stapellauf deinonstrativ verlassen hätten.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* In Kiel fand der Stapellauf des Panzerkreuzers „Deutschland" in Gegenwart des Reichspräsidenten statt.
• Der Völkerbundrat beschloß einstimmig, das deutsch-österreichische Protokoll dem Haager Gerichtshof zur jurÜtischen Begutachtung zu überweisen.
* ®fr BDA. veranstaltet zu Pfingsten in Aachen ein großes Masientreffen. ” "
. * Ei» Erdbeben, das entsetzliche Ausmaße haben muß, wurde in der letzten Nacht von verschiedenen Erdbebenwarten verzeichnet.