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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- un- Haunetal Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 117 1931

Fulda, Donnerstag, 21. Mai

8. Jahrgang

Verhüllte Rüstungen

Sie Äatsverhandluvgen

über die Abrüstung.

Unglaubliche Ausflüchte.

Der Völkerbundrat beschäftigte sich nunmehr mit der Frage der Abrüstung. Nach einer Begrüßung des Ver­treters der Spanischen Republik durch den Vorsitzenden der Ratstagung Dr. Curtius, begann im Rat eine längere Aussprache über die Offenlegung des gegenwärtigen Rüstungsstandes aller Länder. Curtius wies darauf hin, daß sich in dieser Frage

ein englischer und ein deutscher Antrag gegenüberständen.

Der englische Antrag wurde von Henderson begründet. Er betonte, es fei unbedingt notwendig, daß die Abrüstungs­konferenz gewisse Angaben über den gegenwärtigen Rüstungs­stand der einzelnen Länder erhalte und daß diese Angaben auf Grund gleichlautender Fragebogen erfolgen müßten. Der Vorbereitende Abrüstungsausschuß habe Tabellen aus­gearbeitet, die dafür richtunggebend seien.

Curtius begründete sodann den Standpunkt der deutschen Regierung zur Frage der Offenlegung des Rüstnngsstandes. Nachdem der Bölkerbundrat im Januar beschlossen habe, die Regierungen der an der Abrüstungskonferenz beteiligten

9er Sberschlesienberichl durchaus ungenügend

Vor einer Ablehnung durch Deutschland.

Die erste Prüfung des polnischen Berichts, der voraussichtlich am Donnerstag vor dem Rat verhandelt wird, muß auf deutscher Seite zu der Feststellung führen, daß er in keiner Weise die vom Rat geforderten Schutz­maßnahmen für die deutsche Minderheit in Ostober­schlesien trifft. Vor allem haben sich die Beziehungen der polnischen Behörden zum Aufständischenverband nicht geändert. Der Woiwode Graszynski ist weiter Vorsitzender des Aufständischenverbandes. Der Versuch der polnischen Regierung, die Ratsentscheidung in dem Sinne auszulegen, daß eine Lösung der Beziehungen zum Aufständischenverband nicht einzutreten habe, muß nach­drücklich zurückgewiesen werden. Der Hinweis auf einzelne Reden und Erlasse genügt in keiner Weise. Da die Forderungen des Rates von der polnischen Regierung nicht erfüllt worden sind, kann erwartet werden, daß Deutschland den polnischen Bericht als ungenügend ablehnen wird. Wegen der verspäteten Einreichung des Berichtes muß mit der Vertagung der endgültigen Entscheidung über den Bericht aus die nächste Ratstagung gerechnet werden.

Eine internationale Agrarbank.

Frankreichs goldene Kugeln.

Der Europaausschuß hat das Abkommen für die Schaffung einer internationalen landwirtschaftlichen Hypo­thekenbank mit dem Sitz in Genf einstimmig angenommen. In der Entschließung wird darauf hingewiesen, daß mit der Gründung dieser Bank eine Erleichterung der auf der Land­wirtschaft ruhenden Lasten in den einzelnen Ländern, eine Ver­minderung der Produktionskosten und eine Erhöhung de: Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung angestrebt wird. Die Bank soll ihre Tätigkeit Ende des Jahres beginnen.

Dr. Curtius erklärte, die deutsche Regierung sei grund­sätzlich bereit, das Abkommen zu unterzeichnen, mache jedoch ihren Beitritt von der Unterzeichnung des Abkommens auch derjenigen europäischen Staaten abhängig,

die heute über die meisten Kapitalien verfügten.

Er lege deshalb Wert darauf, daß nicht nur Frankreich, Belgien und Italien, sondern auch die Schweiz, Holland und Schweden dem Abkommen beiträten.

Die von der Europakommission beschlossene Gründung der Internationalen Landwirtschaftlichen Hypothekenbank geht im wesentlichen auf seit langer Zeil von der französischen Regierung verfolgte Plane zurück. Nach allgemeiner Auf­fassung verfolgt die französische Regierung bei Gründung dieser Bank das Ziel, auf dem Umwege über den internatio­nalen landwirtschaftlichen Kredit die Frankreich zur Verfügung stehenden außerordentlichen Finanzmittel zu einer

Stärkung des französischen Einflusses in den östlichen und südöstlichen Agrarstaaten zu benutzen.

Staaten zu Mitteilungen über den Stand ihrer Rüstungen aus zusordern, habe sich der deutschen Regierung die Überzeugung ausgedrängt, daß die Aufstellung eines einheitlichen Frage­bogens für die Feststellung des Rüstungsstandes unbedingt er­forderlich sei, weil sonst die Berichte der einzelnen Regierungen «hrer Ausdehnung und dem Charakter nach so stark vonein­ander abweichen iuürbcn, daß ein sachgemäßer Überblick über den sogenannten Stand der Rüstungen nicht zu gewinnen sein würde. Die Frage laute nur, was in den einzelnen Frage­bogen ausgenommen werden solle. Nach der Meinung der deutschen Negierung müßten alle wesentlichen Rüstungsfaktorcn darin enthalten sein, wenn das Ziel des Ratsbcschlusses vom Januar erreicht mcrben solle. Die Konferenz müsse sich, um zu einem wirklichen Ergebnis zu gelangen, ein völlig umfassendes

ander abweichen würden, da

den sogenannten Stand der

genaues Bild des vorhandenen 91 ü ft u n g §

^......, standes

wachen können. Es sei unvorstellbar, daß sich die Aorüstungs- konferenz ein gesichertes und zutreffendes Urteil über die not­wendige Herabsetzung des Kriegsmaterials der einzelnen Staaten werde bilden können, wenn sic über die vorhandenen Bestände des Kriegsmaterials, sei es über das im Dienst be­findliche, sei es des lagernden Materials keinerlei Angaben besitze. Leider entspreche der englische Vorschlag jedoch nicht den Erfordernissen der vollständigen Offenlegung des Rüstungs- standes, weil darin wesentliche Elemente der Rüstung, das lagernde Kriegsmaterial und die ausgebildeten Oti unberücksichtigt blieben.

Briand erklärte, daß jetzt, wo man kurz vor dem Ab­schluß der Abrüstungsarbeiten stehe, jede neue Verzögerung des Fortganges und jede neue Schwierigkeit unbedingt vermie­den werden müsse. Er schlage daher vor, die deutschen Vor­schläge abzulehnen und die englischen Vorschläge anznnehmen.

Der Vertreter Italiens, Grandi, wies darauf hin, daß die deutschen Vorschläge durchaus zweckmäßiger und besser seien als die englischen, weil sie den notwendigen genauen Über­blick über die Einzelheiten der heutigen Rüstungen liefern sonnten. Er fürchte jedoch, daß die deutschen Vorschläge

zu neuen schwierigen Verhandlungen und Verwicklungen führen

würden; aus praktischen Gründen erkläre er sich deshalb für den englischen Vorschlag, obwohl er ihn für unvollständig halte. Die endgültige Offenlegung des gegenwärtigen Rüstungs- üandes müßte auf der Abrüstungskonferenz selbst erfolgen.

Der Vertreter Japans legte Wert darauf, daß die Ver- Mntlichung der Rüstungen allgemein durchgeführt werde, weil sonst einige Länder darin eine Benachteiligung sehen Mutzten.

. Der südslawische Außenminister Marinkowitsch Wie, die deutschen Vorschläge widersprächen den Lau °«teidigungsgesetzcn der einzelnen Länder und würden zu einer Preisgabe der militärischen Geheimnisse führen und müßten abgelehnt werden.

m Der polnische Außenminister Zaleski, der zum ersten âale seine Erklärungen vor dem Rat in polnischer Sprache "Mb und damit offenbar

er-

'anbc^

gegen die deutsche Vcrhandlungsführung von Dr. Curtius demonstrieren

Ute, lehnte gleichfalls den deutschen Vorschlag ab. Da einige Machte dem Völkerbund nicht angehörten und die Mehrzahl Mächte im Völkerbundrat nicht vertreten seien, 1

Uerhaupt gar nicht die Möglichkeit, «sfenthchung des gesamten gegenwärt W? einzelnen Ländern zu verll

Ven müsse daher grundsätzlich

Hinblick auf die großen Gegensatze, die sich tm Alkerbundrat zwischen den deutschen und englischen Flauen gezeigt haben, beschloß der Bölkerbundrat, diese Mage auf die Freitagsitzung zu vertagen. Dr. Curtius als Präsident mit, daß in der Zwischenzeit versucht ^de, eine Lösung zu finden.

ächte im Völkerbundrat nicht vertreten seien, habe der Rat iu/i uit luiuyiiu/itii, eine obligatorische Ver- aesamten gegenwärtigen Rüstnngsstandes von verlangen. Ein derartiges Ver- tzlich abgelehnt werden.

Abrüstungskonferenz in Genf.

Unterredung Curtius Briand.

di-, Völkerbundrat hielt eine geheime Sitzung ab, in aL Schloß, die Abrüstungskonferenz im Jahre 1932 in Das Mandat des Danziger Vvttcrbund- »mimssars, Gras Gravina, das Mitte 1932 aufläuft, wurde '»eitere drei Jahre verlängert. .

der geheimen Ratssitzung trafen sich die Delega- U^rer zu vertraulichen Zusammenkünften. Bei der Mnung zwischen Dr. Curtius und Briand sind la»^!.0"dere die im Europa-Ausschuß zur Behandlung ge- einzelnen wirtschaftlichen Pläne sowie die ge- e --onferenzlage durchberaten worden.

Deutschlands Seemacht vor Hindenburg

Notteoparade vor bemSeitWäfibenfen

Rückkehr Hindenburgs nach Berlin.

Der Besuch des Reichspräsidenten in Kiel fand seinen Abschluß mit einer großen Flottenparade. Am Stoller Grund bildete sich die Kiellinie der ganzen Flotte, die, glänzend ausgerichtet, dem KreuzerKönigsberg" mit dem Reichspräsidenten an Bord folgte. In See drehte der KreuzerKönigsberg" auf Gegetlkurs, gefolgt von dem Pressodampfcr, und an dem Reichspräsidenten zog nun die Kiellinie der Flotte vorbei, während die Mannschaft an Bord paradierte. Das LinienschiffSchlesien" mit der Flagge des Befehlshabers der Linienschiffe führte. Es folgtenHessen",Hannover",Schleswig-Holstein" und die KröuzerKöln" undKarlsruhe", darauf die zweite Torpedobootsslottille mit den zehn Booten der Raubvogel- und Raubtierklassc, die erste Torpedobootsslottille, die Minensuchhalbflottille, zwei Spezialtorpedoboote, die Sperrfchèffe, das VermessungsschiffMeteor", die Flotten­tender und die sechs U-Boptszcrstörer.

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Hindenburg besucht die deutsche Flotte.

Im Anschluß an den Stapellauf des Panzerschiffes Deutschland" begab sich Reichspräsident von Hinden­burg an Bord des KreuzersKönigsberg", um der Flottenparade beizuwohnen.

Nachdem die Linienschisfe und Kreuzer wieder an bk Bojen gegangen waren, fuhr der KreuzerKönigsberg" zur Wik, vorbei an dem SegelschulschiffNiobe", auf dessen Rahen und Reeling die Mannschaft paradierte. Die Tor Pedoboote machten in der Wik fest. Zahlreiche Sonder dampfer und Segeljachten belebten das Bild. Kurz nach dem Festmachen des KreuzersKönigsberg" begab sich der Reichspräsident znm Mittagessen ins Offiziersheiln. Um 14.45 Uhr fuhr der Reichspräsident zum Bahnhof. Nach Abschreiten der Front der Ehrenkompagnie erfolgte dann tic Abreise des Reichspräsidenten mit dem fahrplan­mäßigen Zuge nach Berlin.

*

Die Kosten derDeuifchland".

Eine Richtigstellung des Reichswehrministeriums.

Das Rcichswehrmiuisterium teilt mit: _ Das Berliner Tageblatt veröffentlicht Angaben über die Kosten des Panzer schiffcsDeutschland", die richtiggestellt werden müssen Das Blatt zieht einen Vergleich mit den englischen Kreuzern, ferner mit den HandelsschiffenBremen" undEuropa" und be stäuptet schließlich, daß für zwei Torpedorohre drei Millionen Mark ausgegeben worden seien. Alle diese Vergleiche und Behauptungen sind unrichtig. DieDeutschland" ist kein Kreuzer, sondern der Ersatz für ein Linienschiff. Ihre Aus aaben sind aanz andere als die eines Kreuzers. Eie trüg?

schwerere Armierung und schwereren Panzer, auch eine erheb­lich komplizierte Feuerleitanlage und erhält eine neuartige Motorenanlage statt Serienmaschinen wie ausländische Kreuzer. Trotzdem kosten die modernsten Washington-Kreuzer von 10 000 Tonnen, die amerikanischen, 68 Millionen Mark, also säst ebensoviel wie das deutsche Panzerschiss.

Schon vor dem Kriege waren die Kosten eines Panzer schisses pro Tonne höher als die eines Luxusdampsers. Die Eigenart derDeutschland" ist bedingt durch den Zwang zur feinsten Gewichtsausnutzung (Leichtmetall, elektrische Schwei­ßung, Motoren von Sonderkonstruktionen). Dadurch ist ein höherer Preis pro Tonne unvermeidlich. Völlig falsch sind die Angaben über die Kosten der Torpedorohre. DieDeutsch­land", hat nicht zwei, sondern sechs Torpedorohre und bic Kosten von drei Millionen Mark beziehen sich nicht auf die Rohre allein, sondern auf die Torpedos, auf die Feuerlee.- anlage, die Luftpumpen, Luftsammler, Luftleitungen, Nebel- anlagen, das gesamte Torpedoinventar, sowie für das Ein­schieben der Armierung, Reise-, Fracht- und Transportkosten und Hilfspersonal. Das alles ist aus dem Marinchaushatt ohne weiteres ersichtlich. Wenn auch das Berliner Tageblatt glaubt, das Geheimnis um die 75 Millionen Mark Baukosten nicht klären zu können, so wird doch bei der nötigen Sach­kenntnis jeder Posten des Schifssbaues ohne weiteres ver­ständlich. Alle Vertrüge und Preise fino durch den Sparkom miffar nachgeprüft.

Hochachtung vor der deutschen Armee.

Das Ansehen der deutschen Reichswehr lm Ausland.

Der ehemalige Führer der Reichswehr, Generaloberst a. D. - Heye, wohnte einer festlichen Veranstaltung der 7. braun­schweigischen Batterie in Wolfenbüttel bei. Bei dieser Ge­legenheit hielt General Heye eine bemerkenswerte Ansprache, in der er der Braunschweigischen Landeszeitung zufolge sagte: Vor kurzem bin ich von einer viernionatigen Reise durch Mittelamerika zurückgekehrr Man sah in mir den alten General und Vertreter einer alten herrlichen Armee, die einer Welt von Feinden widerstand, und unserer deutschen Reichs­wehr. der man in Ehrfurcht unb Hochachtung gedenkt. Ich habe die Armeen von Venezuela, Guatemala und Mexiko ge­sehen und die Divisionen der Amerikaner am Panamakanal und konnte mit Stolz feststellen, daß man bestrebt war, es der deutschen Armee und der Reichswehr nachzutun Ich kann der Reichswehr versichern, was ich dort drüben gesehen habe, war gut, aber

in der Reichswehr ist es besser.

Eines darf ich Ihnen mittcilcn, daß die Hochachtung vor der deutschen Armee wieder da ist. Alan weiß, was das deutsche Heer geleistet hat und was in den zwölf Jahren, die kein Friede waren, die Reichswehr vollbrachte. Es geht uns schlecht, aber noch nicht so schlecht, daß wir den Mut sinken lassen müßten. Die da draußen missen, daß uns die Zukunft gehört und

daß wir uns nicht unterkricgcn lassen.

Wir wollen mitarbeiten und unserer Regierung den Rücken stärken. Hierzu brauchen wir den Mut und die Zuversicht znm Durchhalten und ein starkes Gottvertrauen.

Keine Nachrichten über Erdbeben-Verheerungen.

Bis jetzt verlautet noch nichts über schwere Erdbeben, die gestern von den Erdbebenwarten Feldberg und Ravensburg angezeigt wurden. Daß Erdstöße von ungeheuerer Stärke in größerer Entfernung sich im Süden oder Südwesten ereignet haben, steht angesichts der genauarbeitenden Seismographen außer Frage, zumal die schweren Erschütterungen an verschiede­nen Orten verzeichnet wurden. Es darf angenommen werden, daß es sich in diesem Falle um ein starkes Seebeben gehan­delt hat, durch welches das Land kaum in Mitleidenschaft ge­zogen wurde.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der Preußische Staatsrat stimmte dem Kirchenvertrag zu.

* Der Bölkerbundrat beschloß, die Abrüstungskonferenz im Jahre 1932 in Genf abzuhalten.

* Auf dem Lyoner Bahnhof in Paris ereignete sich cm Eisenbahnunglück, bei dem 50 Personen verletzt worden sind.

* Die Leiche des Grönlandforschers Proß Wegener ist fetzt gefunden worden.