Zul-aer finzeiger
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Nr. 121 — 1931
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal >§ulöaer Kreisblatt
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Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit DueUenangab» «ZulSaer finzeiger'segattrU^^
Fulda, Mittwoch, 27. Mai
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8. Jahrgang
Mit dem Mn ix die Strüsidhiiee. Professor Piccard aufgestiegen!
Start bei anbrechendem Tag vor 1000 Zuschauern auf dem Augsburger Flugplatz. Piccards Begleiter ist der Brüsseler Physiker und Ingen ier Kipfer. Der Ballon gegen 9 Uhr Vorm, bereits 10 000—12 000 Meter hoch.
Augsburg, 27. Mai 1931.
Professor Piccard ist heute früh um 3.56 Uhr zu seinem Stratosphären-Ballonflug gestartet. Bei fast windstillem Wetter erhob sich der Ballon ohne jede Schwierigkeit und schlug die Richtung nach Nordosten ein.
Mit der Füllung des Ballons war bereits gestern um 23
Uhr begonnen worden, heute früh um 3 Uhr war der Ballon startbereit. Trotz der frühen Morgenstunde hatten sich ungefähr 1000 Zuschauer eingefunden. Die Absperrung auf dem Flugplatz wurde sehr streng durchgeführt, so daß selbst die Pressevertreter nicht an die Gondel herantreten durften. Um 3.20 Uhr bestieg Professor Piccard mit seinem Assistenten, Ingenieur Kipser, die Gondel, die nach kurzer Verabschiedung geschlossen wurde. Der Ballon fliegt wieder unter Schweizer Flagge. Der Ausstieg ging ohne jede Kundgebung vonstatten. Professor Piccard war der Ansicht, daß der Ballon in größerer Höhe die Richtung nach Südwesten ändern werde.
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Als im Laufe des gestrigen Tages bekannt wurde, daß der schweizerische Professor Piccard wieder einmal nach Augsburg gereist sei, um die letzten Vorbereitungen für seinen geplanten Ctratosphärenflug zu treffen, da waren wohl nicht allzuviele, die dieser Nachricht besondere Bedeutung beigemessen hätten, denn — um offen zu sein — die meisten glaubten gar nicht mehr an die Verwirklichung dieses sensationellen Unternehmens. 3a, aller Gedächtnis stechen noch die ersten Septemberwochen^ des vergangenen Jahres; damals wurde bereits lang und breit gesprochen und geschrieben von dem bevorstehenden Flug über chie Atmosphäre hinaus; über jede Phase der Vorbereitungen des Gelehrten. Aber der Aufstieg wurde wieder und immer wieder wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse verschoben, um schließlich bis auf weiteres ganz aufgegeben zu werden. — Umso überraschender ist daher nun die kurzentschlossene Tat.
i Ein Flug im Dienste der Wissenschaft.
( Der Stratosphärenflug Professor Piccards dient, wie der Wissenschaftler, versichert, nicht dazu, einen Rekord auszustellen, sondern es sollen die kosmetischen Strahlen und die Leitungsfähigkeit der Luft erforscht, ferner die elektrischen Strömungen und die Luftelektrizität gemessen werden.
Tributnachlatz oder Tributaufschub.
M-RMarden-Anleihe
1 für Deutschland?
s r En^gckst"sche Gerüchte.
1 Der diplomatische Korrespondent des der engkischcri Regierung nahestehenden „Daily Herald" meldet, daß jetzt "eFrage einer internationalen Anleihe « Höhe von zwei Milliarden Mark für Deutschland ernst- M erwogen werde, die durch England, Frankreich und Italien zu garantieren wäre. Verantwortliche Kreise erachteten dies als die einzige Möglichkeit, um einen Z u - sammenbrnch des Young-Planes und der Reparationszahlungen zu verhindern.
Der Fall der Weltmarktpreise und die wirtschaftliche Krise m Deutschland hätten eine Lage hervorgerufen, die ?um im Haag nicht vorausgesehen habe. Da Deutschland w Gold zu zahlen habe, so hätten sich die Lasten um »0 Prozent über den Betrag erhöht, den M Young-Komitee als die höchste Grenze der Zahlungs- Wigkeit Deutschlands festgesetzt habe. Hinzu komme noch Fehlbetrag im Reichshaushalt.
Es Me außer Zweifel, daß die d-cutschen Minister in Chequers auf die Verzögerung der Durchführung des österreichisch-deutschen Zollabkommens hlnweisen würden, und daß daher Deutschland einen an- Aen Ausweg finden müsse. Deutschland könne zwar cm Moratorium für die ungeschützten Zahlungen fordern, aber es sei wahrscheinlich, daß Dr. Brüning lieber wr eine vollständige Revision der Zahlun- 8,c« in Höhe von 1620 Millionen Mark eintreten werde, fast überwiegend nach Frankreich gingen. Selbst für Fall, daß eine Revision verweigert werden sollte, sei es wahrscheinlich, daß Deutschland sich außer uande erklären werde, feine Gesamtverpslichtungen S auch nur einen Teil derselben begleichen zu können. Deshalb werde die Aufnahme einer 2-Milliardenâark für Deutschland erwogen, die zu einem niedrigen 2,'a^satz herausgebracht werde und durch die anderen uropen europäischen Mächte garantiert werden solle.
Frage werde durch das neue Komitee für utter- Anleihen nachgeprüft werden. Sollte bis zum ^uiammentritt der Völkerbundsversammlung im Septem- kn{, ^nc Antwort vorliegen, so sei es kaum zweifelhaft, Deutschland die Gläubigermächte von der Un- " ^tichkert unterrichten werde.,die vollen Zahlungen zu
Die Gondel
muß wegen der besonderen Zwecke, die der Flug erfüllen soll, kugelförmig und luftdicht abgeschlossen sein. Für Atmungsmöglichkeiten sorgen: ein Luftgenerator, zwei Drägerapparate, Preßsauerstoff und als äußerste Reserve zwei Liter flüssiger Sauerstoff. Die Gondel fällt äußerlich dadurch auf, daß sie aus einer Seite schwarz angestrichen ist, während die andere Hälfte in der natürlichen Aluminiumfarbe glänzt. Durch eingebaute Elektromotoren ist die Gondel drehbar, so daß je nach Bedarf die schwarze oder die glänzende Seite der Sonne zugewendet werden kann. Als Ballast dienen 300 bis 500 Kilo Bleisand. Das Innere der Gondel ist denkbar einfach. Drei Fallschirme werden mitgenommen, einer für die Gondel und je einer für die beiden Insassen. Professor Piccard rechnet mit einer Temperatur von 25 Grad Kälte innerhalb der Gondel und einer Außentemperatur von über 60 Grad unter Null.
Piccard ist Experimentalphysiker, er ist 46 Jahre alt, in Basel geboren. Er wirkte an der Technischen Hochschule in Zürich und ist seit acht Jahren als ordentlicher Professor für Physik an der Universität Brüssel tätig.
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Heute früh um 7.30 Uhr, also 3% Stunde nach dem Aufstieg, war Professor Piccards Ballon dem unbewaffneten Auge kaum noch sichtbar. Der Ballon hatte seine Route von Südosten nach Westen geändert. Man schätzte seine Höhe um die angegebene Zeit auf 7—8 000 Meter.
12 000 Meter hoch.
Eine Funkmeldung aus Augsburg besagt gegen 10 Uhr, daß nach Angabe von Ballon-Sachverständigen Professor Piccard, soweit man den Ballon verfolgen konnte, die Grenze der Cirruswolken bereits überflogen und damit die Höhe von 10 000 bis 12 000 Meter erreicht hat.
Der riesige Ballon Professor. Piccards wurde im Laufe des Vormittags in verschiedenen Orten in beträchtlicher Höhe als kleine ferne Kugel gesichtet, u. a. in Kempten und Lindau i. Bodensee.
leisten. Man könne mit der Erklärung eines Moratoriums kurz darauf rechnen, falls bis dahin keine neue Regelung erfolgt sei.
Eine Anleihe keine Lösung.
Zu der Meldung des „Daily Herald" wird in Berliner politischen Kreisen erklärt, man könne in dieser Anleihe keineswegs eine Lösung der Schwierigkeiten und im besonderen der Reparationsfrage sehen. Was Deutschland brauche, sei keine Verlängerung des bisherigen Zustandes, mit Ausländsanleihen die Tribute zu bezahlen, sondern die Herabsetzung der Reparations- f u m m e. Der Völkerbund könne das Reparationsproblem nicht lösen. Im übrigen ist von dem Plan einer Zweimilliardenanleihe für Deutschland an Berliner amtlichen Stellen nichts bekannt.
Curtius berichtet über Genf.
Die neuen Sparnolverordnltngen.
Das Reichskabiuett wird am Mittwoch zu seiner ersten Sitzung nach Pfingsten zusammentreten, um vor allem den Bericht des Reichsautzcnministers Dr. Curtius über Gens entgegenzunehmen. Dem Reichspräsidenten wird Dr. Curtius frühestens Ende der Woche, nach dessen Rückkehr aus dem Psingsturlaub, Bericht erstatten können. Der Reichskanzler Dr. Brüning hält, wie verlautet, nach wie vor daran fest, daß die innerpolitischen Sanierungsmaß- nahmen bis zur Abreise nach Chequers, die aus Mittwoch, den 3. Juni, abends, anberaumt worden ist, vom Kabinett beschlossen sind. Die Veröffentlichung der entsprechenden Notverordnung wird erst für die Zeit nach Chequers erwartet.
Da die Reichstagsfraktion der Zentrumspartei für den 14. Juni nach Hildesheim einberufen worden ist, wo Dr. Brüning ein längeres Referat zur politischen Lage erstatten wird, nimmt man an, daß die Veröffentlichung der Sanierungsnotverordnung ungefähr zu diesem Zeitpunkt erfolgt.
Über den Inhalt der Notverordnung verlautet neuerdings aus gut unterrichteter Quelle, daß sie eine Reihe von Abstrichen an den einzelnen Etats bringen wird. Auch der Wehretat soll nicht ausgenommen bleiben, bei dem 50 Millionen gestrichen werden sollen. Ob eine Kürzung de'- Beamtengehälter kommt und wie weit sie dann gehen wird, ist noch ungewiß. Man rechnet auch mit der Ein
führung einer sogenannten Beschäftigungsst euer, die von höher bezahlten Angestellten in der Privatwirtschaft erhoben werden soll. Schließlich wird auch an eine Kürzung der Kriegsrenten in den leichtesten Fällen und wenn ein ausreichender Verdienst da ist, gedacht.
Sechs Monate Abrüstungskonferenz.
Henderson über seine Teilnahme.
Henderson hat einer Londoner Zeitung gegenüber verlauten lassen, daß nach seiner Ansicht die Abrüstungskonferenz etwa sechs Monate dauern werde. Er halte es aber nicht für notwendig, daß er die ganze Zeit über in Genf bleiben müsse. Es würde eine Anzahl von Ausschüssen gebildet werden, bei deren Beratungen seine Anwesenheit nicht erforderlich sein werde. Während der Sitzungen der Ausschüsse werde er sich seiner Pflichten im Auswärtigen Amt widmen.
Die Serbsttagung des Völkerbundes.
Abrüstungs- und Minderheitenfrage nicht auf der Tagesordnung.
Reichsaußenminister Curtius hat in seiner Eigenschaft als amtierender Präsident des Völkerbund- rates die 12. Ordentliche Vollversammlung des Völkerbundes zum 7. September nach Genf einberusen. Der Europaausschuß sowie der Völkerbundrat treten bereits vor Beginn der Vollversammlung am 3. September zusammen.
Als besonderer Punkt steht auf der Tagesordnung der Vollversammlung die seit Jahren geforderte und im vorigen Jahre zum ersten Male praktisch in Angriff genommene Neuordnung des Völkerbundsekre- 1 a r i a t s im Sinne einer weitgehenden Beteiligung der übrigen Mächte, die, wie Deutschland, heute im Völker- bundfekretariat völlig ungenügend vertreten sind.
Auf der Tagesordnung des Völkerbundrates stehen nicht die Abrüstung-und die Minderheitenfrage. In der Minderheitenfrage ist trotz der Madrider Beschlüsse des Völkerbundrates, die eine wesentliche Verbesserung und Umgestaltung des völlig ungenügenden Minderheitenverfahrens des Völkerbundrales bringen sollten, noch keinerlei Änderung eingetreten, da die üblicherweise geheim tagenden Dreierausschüsse für die Minderheitenfragen bisher sämtliche Angelegenheiten ohne jede Bekanntgabe und ohne Behandlung vor dem Plenum des Völkerbundrates erledigt haben.
Französische Angriffe gegen Dr. Eckener.
Ein offener Brief des „Aëro Postalc".
Der Präsident der kürzlich zusammengebrochenen französischen Luftverkehrsgesellschaft „A8ro Postale" richtet tm „Ami de Peuple" einen „offenen Brief" an Dr. Eckener. In diesem merkwürdigen Schreiben heißt es: „^uc sind nach dem Eintritt unserer Schwierigkeiten nach sjank- reich gekommen, um hier die Ermächtigung für die Schaffung eines Stützpunktes zu erlangen, der notwendig ist, um
durch Ihre Zeppeline Europa mit Nordamerika
zu verbinden. Rach Ihren Erklärungen gegenüber der Presse sind Sie nahe daran, diese Ermächtigung zu erhalten. Wir hatten die Hoffnung, Ihnen zuvorzukommen, als wir die Flugzeuglime Paris—Newyork über Lissabon und die Azoren und die Bermuda-Inseln schaffen wollten. Zu diesem Zwecke hatten wir Ihnen in Portugal das Luftfahrtmonopol vorweggenommen, das uns die Schlüssel zum Atlantischen Ozean auslicferte. Auch die Wege über den Südatlantik hatten wir Ihnen versperrt, und wir glaubten schon die Partie gewonnen zu haben, als der Boden unter unseren Füßen plötzlich nachgab. Durch politische Umtriebe, Rachsucht, Ehrgeiz und Eifersucht ist eine Katastrophe entstanden, die in wenigen Tagen die „A8ro Postale" um die Frucht ihrer Leistungen gebracht hat."
Der Präsident der Aëro Postalc kommt dann zu der Schlußfolgerung, daß das Deutschland für dir Erfüllung des Young Planes bewilligte Geld dem Zeppclinbau zugute komme und diesen in die Lage versetze, dem französischen Flugwesen Konkurrenz zu machen. „Trotz der Ihrem Volke eigentümlichen Hartnäckigkeit, so heißt es zuletzt, „hoffe ich doch, daß es Ihnen nicht gelingen wird, Ihr Luftschiff aus französischem Boden unterzubringen, um die französischen Flugzeuge zu übertrumpfen."
Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der „Anu du Peuple" ein Blatt des bekannten Parfümsabrikanten und Politikers Coty ist.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Das englische Arbeiterblatt „Daily Herald", das der Regierung Macdonalds nahesteht, meldet. daß die Frage einer internationalen Anleihe in Höhe von zwei Milliarden für Deutschland erwogen werde.
* J?e£ ^^^a®*nett tritt am Mittwoch zusammen, um den Bericht des Rcchsaußenmmrsters über Genf entgegenzunehmen.
* An der Berliner Börse brachte der erste Tag nach ven Ferertagev ungewöhnlich starke Kursrückgänge, teilweise bis zu