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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 122 1931

Fulda, Donnerstag, 28. Mai

8. Jahrgang

Ungewißheit über das Schicksal Piccards.

Ist der Forscher mit seinem Begleiter den unbekannten Verhältnissen der Stratosphäre zum Opfer gefallen?

Nur für zehn Stunden Sauerstoff.

Am Mittwoch abend trieb der Ballan Piccard« in Per Gegend von Schongau in Bayern, und zwar in der )lirf)tmin gegen Mnrnau zu. Man nahm allenthalben an, oafi die Balloninsnssen nicht mehr am Leben sein fihumi, schon weil man sich nicht vorstrNrn kannte, datz sie frei- millig so lange Belt in der Höhe geblieben u>äreu. Auch war um diese Zett der Ballan schon wesentlich länger in der Lust, als von Piccard vargescben war. Nur für 3 e 0 n Stunden Gnu er st off war in der Ungelgandel mit» zcnömmeu worden.

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Aus Innsln uck wird gemeldet, dass dort bis b Uhr morgens telmriei Nachrichten über eine Landung oder den mutmal,' lichen Standort de« Ballons Piccard» eingelaufen sind. Die fehlen in Innsbruck bekanntge wordenen Berichte besagen, daß der Button durch da» Stubb att al anscheinend vor einer starken Gewitterfront her nach CUden abgetrieben wurde. Adr die Meldungen über eine Sichtung be» Ballon» in Bozen und Meran am Mllhvod) nach 22 Uhr war eine Be- liilllguHg bisher nicht zu erlangen.

Weiter wird aus Innsbruck milgeteilt, daß bis heute morgen 7 Uhr do s S chtck l n l Piccard« und sei n e s B e g l e i - te i * 110 ch u 0 l i k 0 m m e » 111 Dunkel g ehüll 1 ist. Seit der killen Sichtineldung um 22.110 Uhr über Bozen, die aber Iiüch von keiner Seite bestätigt worden ist, fehlt sedwede Wadp Uchl (j n ist daher nicht einmal mit Sicherheit zu sagen, ob bet Kallon tatsächlich diesen Weg eingeschlagen hat oder »V er im hintersten Stnbbaitnl niedergegangen ist Bon her AIWV Ha^nwitung in Innsbruck, die gestern abend durch Abschuß von H'âlM'G rbindung mit dem Ballon nufzunehinen »ersuchte, '"ME'"^«v wWA M »UMir von^r Elution' l-AMlng nicht beantwortet worden sind. Die Itugwetterwarte Jun Wruck luniml aufgrund der letzten Wrltermvlduugeu an, daß der Ballon, wenn er In der zuletzt gemeldeten Sichthöhe von etwa 3 000 Meter geblieben ist, noch weiter südlich, Kezw. südöstlich, also in die Gegend von Trient abgetrie­ben worden ist.

Der zur Verfolgung des Fluges von Piccard entsandte Ver­treter des Süddeutschen Korrespondenzbüros meldet, daß es end­lich um 8.36 Uhr früh möglich war, die direkte V e r b i n - dung mit Bozen und Meran zu erhalten. In Bozen ist die Erkundigung negativ verlaufen. Piccards Ballou ist nicht gesichtet worden. Weiter ging das Gerücht, daß das Luftfahrzeug wieder über Meran gesehen worden sei. Die Wet­terstation Meran bestätigte auch auf Anstage, daß der Ballon Ostern nacht nach 22 Uhr in sehr geringer Höhe über Lana (10 Edlich von Meran) im Oetztal gesehen worden sei. Man hatte den Eindruck, daß er sich anschickte, zu landen. Auch diese Nachricht stellte sich auf Erkundigung in Lana als Gerücht her­aus In Lana ist nicht das Geringste über eine Sichtung oder Ladung des Ballons bekannt. Nachdem seit 8.45 Uhr frü.h einerlei neue Sichtmeldungen vorliegen, mutz man wohl an- ^hmen, daß der Ballon entweder in den Stubaier oder Oetz- Alpen gelandet ist, ohne datz die Forscher bisher die Mög- hatten, ihre Landung bekannt zu geben. Oder aber, datz btc Forscher den ihnen vollkommen unbekannten Ver­hältnissen der Stratosphäre erlegen

sind und der Ballon irgendwo treibt oder in unwegsamem Ge­lände niedergegangen ist, so datz seine Auffindung Tage bean- fpriidjen könnte. Die Flugwetterwarte hat ebenfalls keinerlei WarbtIdyten. Man ist hier der Meinung, das, der Ballon nodj frei treibt oder in den Alpen verloren ist. Nach der Auskunft der Flugwetterwarle herrscht am Boden Ostwlnd, In den ver­schiedenen Höhenlagen Ost- und Nordwind.

Über den Dentaler Alpen?

An» Innsbruck meldet der Sonderberichterstatter unsere» Nachrichtendienste»: Die Gendarmerie von Sölden, der Höchst- gelegene Posten de« Ors, la le», meldet un» um » Uhr vor­mittag», das, Piccard» Ballon gestern um 21 Uhr in etwa 6000 Meter Höhe von Sölden au» zu beobachten war, das, er um 11.16 Uhr über Vent Im untersten Oetztal stand, und das, er dann die österretchischk Grenze gegen Italien zwischen den Nöderkogel und dem Storktogel überflogen habe, die beide etwa 3000 Meter sind. Der Ballon hat demnach also gestern abend zwetstllo» die Stubairr Alpen noch glücklich überquert und ist auf «taUent» schein Gebiet aber In da» weit g e f tt h r l i ch e r r G t r t s «ber­gt b i r t der Oetztaler Alpen mit ihren fast 4000 Meter hohen Gipfeln und ihren uleleu Quadratkilometer umfassenden «UeUchrrfeldern gelaugt. Seit dieser Fett fehlt nach wie vor lebe Nachricht.

Vergebliche Suche.

Um 10.30 Uhr wird gemeldet: Noch immer ist keine BuM- rung übex due SMcksgt Pircurd» zu geIBIInew Noch PteldUtt-

Ballon gestern abend um 18.30 Uhr in den Gchneebergen ber Sterntaler Alpen nördlich Bozen gesichtet. Der Ballon sei ziem­lich niedrig geflogen. Dieser Meldung wird wenig Bedeutung zukommen, ba die Auskunft nicht richtig sein kann. Bei den Wetterslugstellen in Trient und Bozen ist über das Schicksal be# Ballon nicht» bekannt. Die Flugwetterwarte in Innsbruck hat ausgrund der versckstedenen Sichtmeldungen genaue Berech­nungen über die mutmatzliche Höhe des Ballon» bet der Ueber» auerung der Alpen vorgenommen. Danach ist anzunehmen, das, der Ballon noch in der 8. bi» n Abendstunde eine Höhe von etwa 6000 Meter gehabt hat, und daß Theorettstch die Möglich­keit besteht, das, der Ballon nod, über die ^ntralalpen nach Überitalien hätte gelangen können. Diese Annahme |d>eliit je- bod> zweifelhaft, da keinerlei Standortmeldungen vorliegen. In Innsbruck sind zwei Augsburger Persönlichkeiten eingetros. sen, denen Piccard vor seinem Ausstieg den Austrag gegeben lmt, nach ihm zu su«hen, wenn am kommenden Tage keine Nach- richten von ihm vorlagen.

Wachsende Spannung.

Das Reichskabinett in Permanenz.

Pic Maßnahmen der angehhtbigkn Notverordnung werden von einem Sonderausschuß d e è Reichs- k a b f »e t t s in Dauersthungen beraten. Wann diese Beratungen zu Ende sind, und wann sich das Gesanrt- kabtnett mit den Plänen beschäftigen kann, ist noch un­bekannt. Es scheinen auch die Grundzüge der Notver­ordnung noch nicht endgültig festzuliegen Man glaubt sedoch, daß die Kürzung der Beamtengehälter nicht mehr tm Bordergrmid der Debatte fielst, daß man dafür einen anderen Plan vorgenonnuen hat, eine

Sonderbesteucr^ng aller Festbesoldeteu, also nicht nur der Beamten, sondern auch der Angestellten. Wie weit der Kreis der Besteuerten gezogen werden soll, steht noch nicht fest. Vorerst nimmt man an, daß nur die Kreise betroffen werden, die nicht mehr unter die Arbeitslosenversicherung fallen. Der Plan ist offenbar aus den Schwierigkeiten entstanden, eine Kürzung der Beamtengehälter durchzubringen. Man hofft nun wohl, auf diesem Umwege über diese sogenannte B c s ch ü f t i g t e n st e u e r den Beamten die Kürzung annehmbar zu machen. Der Steuersatz soll 4 bis 6 Pro­zent des Einkommens betragen. Daneben geht der Plan, die U m s a tz st e u e r zu erhöhen. Der bevorstehende

Parteitag der Sozialdemokratie trägt sehr viel dazu bei, die innerwolitrsche Spannung und Nervosität zu erhöhen. Der Reichskanzler hat am Mittwoch die Führer der SPD. empfangen, um ihre Wünsche zu hören. Aus den Berichten über den Erupfang geht hervor, daß für die SPD. die Entwicklung des Brotpreises eine sehr große Rolle spielt. Die SPD.- Führer wollen offenbar der Opposition auf dem Partei­tage sagen können, seht, es ist uns gelungen, den

Brotpreis

Herunterzudrücken. Und cs scheint auch, daß B-r ü n i n-g g e w i l l t ist, der SPD. diese Chance zu geben. Das geht aus einem ArtKel der Gerinania hervor, in dem die Re­

Die neueste Funkmeldung besagt, das, der Ballon Professor Piccards angeblilh gelandet ist. Näheres hierüber stehe unter Letzte Nachrichten-, letzte Sette.

Prof. Piccard in her Gondel.

Was ist die Stratosphäre?

Tie 2 trat 0 sphäre ist jener obere 5eil des die Erde iimgeUeiibeu Lustmeere«, wo in »volkentosen Negto- neu mit wachsender Lohe ketneNbn a h in c der I empe- ralur mehr stattsindet, wie bas in der eigentlichen A imo- fphckre der Fall ist. Nr Lustbewegung geht in der Stratosphäre fast nur in der Form von ivaagerechten Ttrömuugeu vor sich, im Gegcnsah zu dem uuruhigeu unteren zett de» Luiliueere», bei Troposphäre mit ihren mächtigen vertikalen vuitbewegnngen, ihren ewig wechselnden ^ emperainralmahmen nmb oben, ihren Wolken, Niederschlägen und Gewittern. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts hatte man angenommen, datz bk Wärnie vom Erdboden bis zur Grenze der Atmosphäre ziemlich stetig abnintml; die Aufzetchnungen von Negt« strierballonen haben aber geieigt, das, in rititb elf Kilo­meter Hähr' die Temperatur sich nicht mehr ändert oder so gar nach oben etwas zunimmt. Das Gebiet der Wtmo- spyäre unterhalb dieser ^nt ist die Troposphäre, das Gebiet darüber bk Stratosphäre Die Stratosphäre ist aber noch immer nicht die äntzerste Schicht des die Erde umgebenden (MasingnteH. Darüber befindet sich noch eine Wasser stoffsphäre; diese ermöglicht die Nordlicht- trfdieliruitgen; hier glühen die Sternsämuppen auf. mühte schon ein ganz geivaltiger Aufstieg fein, der einen Menschen aus der eigentlichen GaSsphäre der Erde hinaus- führen könnte. ES ist an herbem noch zweifelhaft, ob er, bereits das »Irdische" verlassen hätte und in M»leere" Weltall geraten wäre!

gierung dringend gemahnt wird, der Brotpretöfrage die allergrößte Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Sätze richten sich aber weniger an die Regierung als an die Soztaldeniokratie, der gesagt werden soll: wir tun schon, was wir können, beruhigt euch. Wenn auch allgemein damit gerechnet wird, daß die fetzige SPD.-Führung aus dem Parteitage einer starken Opposition gegenüberstehen wird, so glaubt man doch, daß es ihnen mit altbewährter Taktik gelingt, dem Parteitage zum Schluß doch die ge wünschte Stimmting zu geben.

(Lm-tius erstattet Bericht.

Amtlich Wirb mitgeteilt: An der Mittwockrsthmrg des Reichskabinett« erstattete Reichsminister Dr. CurtiuS einen ausführlichen Bericht über den Verlauf und die Er- gebniffe der Genfer Tagung des Pölkerbuudrateo und des Europa AuSfchufses. Nach eingehender WuSfpradic stimmte das Reichskabinett den Ausführnngen des Reichsaustcn- Ministers zu, tocldvm vom Reichskanzler der Dank der Reichsregierung zum Ausdruck gebracht wurde.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Ueber das Schicksal des Forschers Piccard und seines Be­gleiters, die gestern zu ihrem Statosphärenslug aufgeittegen sind, herrscht Ungewißheit.

* Der Reichskanzler empfing bis Führer der Sozialdemo­kratie, die ihm ihre Bedenken wegen der Brotpreisentwicklung und der geplanten Kürzung der Soziallcistungen vortrugen.

* Reichsau'genminister Dr. Curtius erstattete dem Reichs­kabinett über die Geiiser Tagung einen Bericht, der vom Reichsministerium einstimmig gebilligt wurde.

â Der sranzöfifche Premierminister Briand hat sich ent­schloß««, auf seinem Posten vorläufig zu bleiben und in der Kammer die Vertrauensfrage zu stellen.