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Zulöaer Anzeiger

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Nr. 127 1931

Fulda, Mittwoch, 3. Juni

8. Jahrgang

Was wird Chequers bringen?

Der Parteiführer, Abgeordneter Dingeldey, hat den Reichskanzler im Laufe des Dienstag über die Auffassung der volksparteilichen Reichstagsfraktion und ihre Bedenken unter- richtet.

Vor Prüfung deutscher Zahlungs­fähigkeit?

Der ®emei8 dèr deutschen Rotlage.

Anläßlich des bevorstehenden Besuches des Reichs­kanzlers und Reichsautzenministers in Chequers hebt wieder ein großes Rätselraten und Prophezeien an über den Inhalt der kommenden Unter­haltung der deutschen und englischen Staatsmänner und deren wahrscheinliches Resultat. Wichtige Fragen stehen za genug zur Debatte, und der Verlauf und Ausgang der Genfer Ratstagung haben zu den bei der Einladung vor­liegenden Themen noch neuen Umerhaltungsstoff in Menge hinzugefügt.

Die Nachprüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit zu erreichen soll nach englischen Mutmaßungen eins der Hauptziele der deutschen Delegation sein. Nicht unin­teressant ist, was dazu das offizielle Organ der Partei Macdonalds schreibt. Der diplomatische Korrespondent dieses Blattes legt eingehend

die voraussichtliche englische Antwort

dar, die die deutschen Minister in Chequers auf ihre Fra­gen über die Reparationen erhalten würden. Macdonald und Henderson würden ihren Gästen die Versicherung ab­geben, daß in England volles Verständnis für die Schwie­rigkeiten des deutschen Volkes vorhanden sei. Sie würden aber ganz klar darauf hinweisen, daß die Revision des Noungplans

nicht eine Angelegenheit Englands und Deutschlands allein sei. Macdonald und Henderson würden deshalb die deutschen Minister darauf hinweisen, daß sie sich an die anderen Mächte einschließlich Amerika wenden müßten, wenn sie

eine Revision des Aoungplans wünschten. Die ganze Angelegenheit werde baldigst uach- gMEt DMW, weriy ^ in Deutschland wirklich so ernst sei, wie die Deutschen behaupteten. Es sei anzu­nehmen, daß die Deutschen diesen Rat befolgten.

Eine Folge der Besprechungen in Chequers und Lon­don würde also sein, daß baldmöglichst die Frage der deut­schen Zahlungsfähigkeit wieder einmal von sachverstän­digen und zwar entweder durch einen Sachverständigen- ausschuß oder durch die BIZ. nachgeprüst werde.

Der Beweis, daß Deutschland am Ende seiner Kraft angelangt ist, dürfte für die deut­schen Minister nicht schwer zu erbringen sein. Sie brauchen in ihren Akten nur die Eingaben, Warnungen und Drohungen in Chequers vorzulegen, die das Bekannt­werden des vermutlichen Inhalts der Notverordnung aus­gelöst hat. Von Rechts und Links, von Industrie und Landwirtschaft, von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird gegen die bevorstehende Maßnahme Sturm gelaufen, und wenn auch die gute Absicht der Regierung im allge­meinen anerkannt wird, so erklingt doch überall der Not­schrei:Wir können nicht weiter, was jetzt da angekündigt wird,

geht über unsere Kraft!"

So hat jetzt der

Reichsverband der Deutschen Industrie

mitgeteilt, daß der bisher bekannt gewordene Inhalt der bevor­stehenden Notverordnung in allen Kreisen der Industrie schwere B e s 0 r g n i s s e hervorgerufen hat. Man sieht in der Absicht, im Wege einer Krlsensteuer eine neue direkte Be­lastung des Einkommens zu schaffen, einen überaus ver­hängnisvollen Entschluß, der sich dahin auswirken muß, oatz zum Nachteil aller schaffenden Stände weitere Mittel Der Kapilalbiidung entzogen werden. Damit wird die Mut­losigkeit nur vergrößert und jeder Ansatz zu einer allmäh- «chen Besserung der Wirtschaftslage erneut gefährdet. Ferner hat das

Präsidium des Reichslandbundes

an den Reichskanzler und den Reichsernährungs- Minister ein Schreiben gerichtet. In dem Schreiben an den Reichskanzler heißt es, die Landwirtschaft sei schwer be­unruhigt über die Pressemitteilungen, wonach der Kanzlet Den Sozialdemokraten unter Umständen

eine Senkung der Brotgetreidezölle

'Aussicht gestellt habe. Es dürfe nicht wieder Vorkommen, die Preise der kommenden Ernte so geschädigt werden, saß wieder mit Verlust für den Landwirt verschleudert werden nusse. Nicht Abbau der Getreidezölle, sondern

Aufbau des Schutzes der Veredelungswirtschaft

Gelwt der Stunde. Die unbedeutende Roggenpreis- !>,'sterung der letzten Wochen könne für die Verteuerung des knnx r Ulcht verantwortlich gemacht werden. Der Reichslaud- vordere erneut die Aushebung des Nachtbackverboles. Am m des Schreibens wird der Kanzler dringend ersucht, alle iiibrbc Erzeugerpreise des Landwirts erneut gc-

Die Bremer Handelskammer nimmt in einem Telegramm ?" den Reichskanzler und die Spitzenverbände der Wirtschaft wwle andere maßgebenden Stellen zur neuen Notver-

2 V g Stellung. In dem Telegramm heißt es:Der Atz der Wirtschaft vor neuen Belastungen ist durch ofsl- ° Versprechungen der Neichsregterung wiederholt

als dringende Staatsnotwendigkeit

lÄt Die allgemeine Entwicklung zeigt von Tag zu Tag d/?^.dotz schon die bisherigen Lasten die Leistungsfahigkeli bar ^lchaft übersteigen. Jede weitere Belastung, die ofsen- der Notverordnung geplant ist, muß unbedingt

fm völligen Zusammenbruch von Wirtschaft und Staat

Grundersordernts ist die Wiederbelebung der mimim aJL .Hierzu sind Produktionsverbilligung und Er- - aun8 der öffentlichen Lasten unerläßlich. Notwendig ist

daher vor allem auch eine durchgreifende Senkung des gesam­ten sozialen Aufwandes und bei allgemeiner Minderung der Ausgaben in der Erwerbslosenfürsorge die Herausnahme der Saisonarbeiter aus der Arbeitslosenversicherung. Wir warnen auf das dringendste vor jeder neuen Belastung der W i r t s ch a f t."

Für Revision der Tribute.

Erst Revision, dann weitere Opfer.

Über die Sitzung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei gibt die Fraktion folgenden Bericht aus:Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volks­partei wird nach der Veröffentlichung der von der Reichsregierung geplanten Verordnung und nach der Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichsautzenministers aus England erneut zur Beschlußfassung über die innen- und außenpolitische Lage zusammentreten. Schon jetzt aber wurde auf Grund der Pressemeldungen über die geplante Verordnung entschiedener Widerspruch gegen eine Reihe wesent- licher Punkte angemeldet.

Die Fraktion bestätigte dabei erneut ihre Beschlüsse, wonach weitere Opfer breitester deutscher Volkstreise nur tragbar seien, wenn die gleiche Regierung, die sie verlange, gleichzeitig aus eigenem Entschluß die Revisionsverhandlungen in der Tribut- stent in Gang bringt."

Dem Gedenken der Kriegsgefallenen.

Geifidn Pflicht«» Opferbereitschast"

Einweihung des Berliner Gefallenen- Ehrenmals.

Die Neue Wache Unter den Linden ist im Beisein MMMMMM^^^MWMWWWWMWWMMMWWästk Ms Gedächlnisstätte für die Gefallenen des Weltkrieges feierlich eingeweiht morden.

Mit klingendem Spiel erfolgte der Aufmarsch der Formationen der Reichswehr, der Reichsmarine und der Schutzpolizei, denen die Fahnenkompagnie mit den Fahnen der alten Armee, von der Menge der Zuschauer begeistert begrüßt, folgte. In einem großen Karree umfaßten diè zahl­reichen Abordnungen die Gedenkhalle. Punkt zwölf Uhr erschien der Reichspräsident in großer Generalsuniform und schritt unter den Klängen des Präsentiermarsches und des Deutschlandliedes die Front der Ausstellung ab Danach begab er sich unter dem Salut der Geschütze und dem Geläut der Glocken des Domes und der Hedwigskathedrale in die Gedcnkhalle, gefolgt von dem Mitgliedern des Reichs­kabinetts, des preußischen Staatsministe­rt u m s , den Spitzen der Provinz und der städtischen Be­hörden und Den Vertretern der Kirchen sowie der Generalität

Hindenburg vor der Ehrenlontpagnie.

des neuen und des alten Heeres. Nach Der Feier nahm der Reichspräsident vor der Gevenkhalle

den Vorbeimarsch

der Reichswehr-, Reichsmarine- und Schutzpolizciforma- tionen ab.

Bei Der Feier in der Halle sprach nach einem einleitenden Choral zunächst der preußische

Ministerpräsident Braun.

Das Ehrenmal, jo führte er aus, soll in der Reichshaupt- stadt das Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges wachhalten, nicht nur an die Söhne Berlins oder Preußens, sondern an Die gefallenen Söhne des gesamten Deutschland. Die Republik Preußen hat dieses Denkmal an der preußischsten Stelle errichtet und dafür eines Der edelsten Bauwerke des be­rühmten Meisters altpreußischer Baukunst bestimmt. Und auch das Gold, aus dem der den Stein krönende Lorbeerkranz von Künstlerhand gebildet ist, hat feine Geschichte. Es ist ge­wonnen

Die lehie Feile.

Ein Regierungsausruf zur Notverordnung.

Das Reichskabine it setzte die Beratungen der Notverordnung fort, die sich jetzt im wesentlichen nur noch aus die redaktionelle Fertigstellung erstreckt. Den beim Reichskanzler versammelten Ministerpräsidenten und Finanz minlstern der deutschen Län­de r wurden die Grundzüge der Verordnung mitgeteilt. Die Konferenz beschäftigte sich vor allem auch mit der Rück­wirkung der Verordnung auf die Sanierung der Finanzen der Länder und der Gemeinden, die einem Teil der Finanzverwaltungen der Länder keineswegs aus­reichend erscheint. Bei den Kabinettsberatungen handelt es sich nicht nur um die Verordnungen, sondern auch um den gleichzeitig mit ihr zu erlassenden Aufruf:

Dem Reichspräsidenten wird der Reichs­kanzler im Lause des Mittwoch über die Notverordnung und über die gleichzeitig mit ihrer Veröffentlichung beab­sichtigte Kundgebung der Reichsregierung Vortrag halten. Die formelle Unterzeichnung der Verordnung durch den Reichspräsidenten wird jedenfalls erst nach der Abreise des Kanzlers und des Außenministers vollzogen werden. Die Veröffentlichung wird erst für Ende der Woche Freitag oder Sonnabend er­wartet.

aus dem eingeschmolzenen Golde preußischer Orden, die Generationen Der Vorkriegszeit in Ehren getragen haben. Tag und Nacht wird nun diese Halle für ledermann offen stehen zu stillem Gedenken. Die Lebenden aber soll dieses Gedächtnisinal ermahnen, den Toten nachzuetfern an Opfersinn für das Ganze

; Ministerpräsident Braun legte sodann Den Kranz der preußischen Staatsregierung nieder.

Anschließend sprach

Rcichswchrminister Gröner:

Den Gefallenen des Weltkrieges weihen wir heute die um« gestaltete Neue Wache. An dieser durch Kunst und Schicksal geweihten Stätte gedenken wir Der ungeheuren Leistungen des deutschen Volkes und seiner Wehrmacht auf allen Schauplätzen des Weltkrieges. Wir gedenken insbesondere unserer Toten in Trauer, in Ehrfurcht und in tiefer Dankbarkeit. Wir wollen Dafür sorgen, daß Der Geist, Der sie beseelte, nicht stirbt, daß das Erbe des preußischdeutschen Heeres, der Geist der Pflicht und der Opferbereitschaft nutzbar gemacht wird für die Zu­kunft der deutschen Nation.

Netchswehrminister Gröner legte nun den Kranz der Reichsregierung nieder.

Nun trat

Der Reichspräsident

vor und legte seinen Kranz mit folgenden Worten nieder:

In bewegtem Gedenken an die vielen, die in den mehr als vierjährigen Verteidigungskämpfen unseres Vaterlandes gegen eine Welt von Feinden in Treue ihr Leben hin- gegeben haben, lege ich meinen Kranz in Ehrfurcht und Dankbarkeit für Die Toten an diesem Ehrenmale nieder. Möge diese Gedächtnisstätte dazu bettragen, die innere Einigkeit zu fördern! Damit ehren wir unsere ge­fallenen Brüder am besten, die auf Dem Schlachtfeld stets und ohne Unterschied treu zusammenstanden.

Die weiße Schleife des Lorbeerkranzes deS Reichspräsi­denten trägt die Inschrift:Seinen im Kriege gefallenen Kameraden, Generalfeldmarschall von Hindenburg, Reichs­präsident."

Nach Der Ansprache des Reichspräsidenten wurde die Feier in der Halle geschlossen mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes vom guten Kameraden. Von Vertretern der Kirchen nahmen an der Feier teil der Präsident des deutsch­evangelischen Kirchenausschusses und des Oberkirchenrates D. Dr. Kapler, der Vizepräsident des deutsch-evangelischen Kirchenansschusses Dr. Hundt, der evangelische Feldprobst Schlegel, der Apostolische Nuntius Orseuigo, der Bischof von Berlin Dr. Schreiber und der Generalvikar und Domprobst Dr. Steinmann.

Hindenburg an die Zeitungsverleger.

Der VereinDeutscherZeitungZverleger hat von feiner Wiener Tagung ein Huldigungstelegramm an den Reichspräsidenten gerichtet, in dem es heißt:Der Verein Deutscher Zeitungsverleger ist sich seiner verant­wortungsvollen Aufgabe bewußt, durch Sammlung der in der deutschen Presse lebendigen geistigen Kräfte mit­zuarbeiten an dem großen Einigungswerk." Der Reichspräsident hat hierauf wie folgt geantwortet:Haben oie vielen Dank für die freundliche Begrüßung von Ihrer Wiener Tagung, die ich herzlichst erwidere. Mit beson­derer Befriedigung habe ich Ihre Versicherung entgegen- gcnommen, durch Sammlung der in der deutschen Presse lebendigen geistigen Kräfte an dem großen Werk der Eini­gung der deutschen Nation mitzuarbeiten. Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit von Herzen guten Erfolg."

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Das Ehrenmal in Berlin ist in Anwesenheit des Reichs­präsidenten feierlich eröffnet worden.

Die 37 Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts­gesellschaft öffnete m Hannover unter großer Beteiligung der interessierten Kreise ihre Tore. 8 8

* Als Resultat der Konferenz von Chequers wird in eng- lischen unterrichteten Kreisen eine Prüfuuq der deutsch«! Zah­lungsfähigkeit vorausgesagt.