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Nr. 146 — 1931
Fulda, Donnerstag, 25. Juni
8. Jahrgang
Frankreich macht Schwierigkeiten.
Die französische Antwortnote auf Hoovers Vorschlag überreicht. Veröffentlichung des Inhalts am Freitag. — Amerika lehnt eine Teillösung ab.
Die französische Antwort an Hoover.
Deutschland soll 612 Millionen bezahlen
Die französische Antwort an Amerika, die sehr umfangreich fein soll, ist nunmehr fertiggestellt worden Ministerpräsident Laval erklärte, daß er vorläufig nicht in der Lage sei, irgendwelche Einzelheiten aus dem Inhalt der Note der Öffentlichkeit preiszugeben. Die französische Denkschrift ist dem Botschafter der Vereinigten Staaten zur Weiterleitung nach Washington überreicht worden. Die offizielle Veröffentlichung des Inhalts soll erst am Freitag erfolgen.
Wie die Pariser Blätter mitteilen, umfasst die Antwort vier Tchreibmaschincnscitcn und ist in äußerst höflichem Ton gehalten.
In der Einleitung begrüßt die französische Regierung, wie die Blätter weiter melden, die Absichten Hoovers und betont, daß ein Aufruf zugunsten der durch die Krise besonders betroffenen Länder stets Gehör finden werde. Frankreich habe bereits Beweise seines guten Willens ab gelegt und versucht, im Geiste einer aktiven Zusammenarbeit die Schwierigkeiten zu beheben, die in Mitteleuropa ausgetreten seien. Die französische Antwort weist dann auf die eigene Finanz- und Haushaltstage hin, die im Laufe des letzten Jahres schwieriger geworden sei, und die die Negierung verpflichte, die ihr vorgeschlagenen Maßnahmen genauestens zu prüfen.
„Vom Rechtsstandpunkt aus sei es der französischen Negierung außerdem unmöglich, auf den Uoung Plan zu verzichten, der feierlichst unterzeichnet worden sei, und wonach die Reparationen eine geheiligte Schuld darstellten. Eine Aufhebung der ungeschützten Zah ^HM* * ^' iÄ »* Nachwirkungen haben können."
„Der Aoung-Plan sei außerdem vom französischen Parlament ratifiziert, und die französische Regierung habe daher nicht das Recht, irgendwelche Änderungen anzubringen, ohne das Parlament vorher zu fragen.
Um dem weitherzigen Unternehmen des amerikanischen^ Staatspräsidenten die Hilfe im Rahmen des Möglichen jedoch nicht zu versagen, schlägt die französische Regierung ein Kompromiß vor, das zugleich
die Aufrechterhaltung des Aoung-Planes und eine Unterstützung Deutschlands
bedeutet. Dieser Kompromißvorschlag geht dahin, daß Deutschland in diesem Jahre wie in allen anderen Jahren den ungeschützten Teil der Reparationen in Höhe von 612 Millionen Mark abliefert. Zum Unterschied von anderen Jahren soll diese Zahlung jedoch nicht in Auslandsdevisen, sondern in Reichsmark erfolgen und außerdem an die B. I. Z. abgeliefert werden. Der Frankreich zustehende Teil soll von der B. I. Z. auf das Konto Frankreichs eingetragen werden, so daß die Form vollkommen getvahri bleibt. Tie französische Regierung ermächtigt die B. I. Z. jedych zu gleicher Zeit, diese Summe dem Reich in Form einer Anleihe zur Verfügung zu stellen.
Am Schluß ihrer Antwort gibt die französische Regierung der .Hoffnung Ausdruck, daß ihre Vorschläge die ungeteilte Zustimmung des amerikanischen Staatspräsidenten finden werden.
Da die französische Presse sich im allgemeinen in solchen außenpolitischen Fragen als gut unterrichtet erwiesen hat, darf man wohl annehmen, daß der von ihr wiedergegebene Inhalt der französischen Antwortnote mit dem offiziellen Inhalt übereinstimmen wird. Frankreich besteht also auf seinem Schein und macht nach wie vor Schwierigkeiten zur vernünftigen Regelung der Reparationsfraae.
Belgien schließt sich Frankreich an.
Wie nunmehr feststeht, wird Belgiens Stellungnahme zum Hoover-Moratorium dieselbe sein wie die Frankreichs.
Keine Teillösung!
Schwierigkeiten bei der Ueberreichung der französischen Antwortnote in Washington.
Washington. 25. Juni.
(Eigene Funkmeldung.)
Der französische Botschafter überreichte gestern Stimson den Text der Note der französischen Regierung aus den Vorschlag des Präsidenten Hoover.
Die Mitteilung, daß der französische Botschafter Claudel Staatssekretär Stimson die französische Antwortnote zum Vorschlag des Präsidenten Hoover überreicht habe, wurde später von höherer Stelle dahin richtig gestellt, daß Claudel allerdings vom Referenten für Westeuropa kurz empfangen worden sei. Man fügte jedoch hinzu, daß man eine Auskunft darüber, ob die Note überreicht wurde, strikt ablehne.
Stimson hatte im Weißen Hause eine lange Unterredung mit Hoover, dem stellvertretenden Schatzsekretär Mills und dem Führer der republikanischen Senatssraktion, Senator Watson.
In der Presse wird hieraus gefolgert, daß man warschcinlich die französische Antwortnote als nicht formell
empfangen betrachten will in der Erwartung, die französische Regierung zu einem größeren Entgegenkommen bewegen zu können.
Nachdem der Staatssekretär durch den Botschafter der Vereinigten Staaten, Edge, über den Inhalt der französischen Antwort unterrichtet worden war, äußerte Stimson, man werde von dem Grundprinzip des Vorschlages Hoovers nicht abweichen.
In Negierungskreisen vertritt man den Standpunkt, daß angesichts der so kritischen Lage Deutschlands eine Teillösung, geschweige denn ein Zurückgreifen auf die Bestimmungen des Poungplans Deutschland nicht die dringend benötigte Hilfe bringe.
Die Stimmung in Frankreich.
Nach dem Londoner Blatt „Daily Telegraph" hat sich die Aufregung über den Vorschlag Hoovers, die nicht nur in den französischen parlamentarischen Kreisen, sondern allgemein in Frankreich herrscht, noch keineswegs gelegt. Nach Ansicht des Berichterstatters ist diese Erregung erstens auf die Furcht, die ungeschützten Zahlungen Deutschlands zu verlieren, dann auf die Plötzlichkeit, mit der Frankreich dieser Vorschlag Hoovers bekanntgegeben wurde, zurückzuführen. Obwohl man in offiziellen Kreisen hofft, daß die französische Note Washington annehmbar erscheine, äußerten verschiedene zuständige Beobachter Zweifel über die Stärke der von Washington an Frankreich gerichteten Warnung. Einige Kritik erfahre der französische Botschafter in Washington, Claudel, weil er es bei der Bekanntgabe der amerikanischen Vorschläge angeblich unterlassen hat, den französischen Standpunkt geltend zu machen.
.»Herzliche grmdWiche SMmmmg"
Muffolinis Antwort an Amerika.
Der italienische Botschafter in Washington hat den telegraphischen Auftrag erhalten, die italienische Zustimmung zum Vorschlag Hoovers der Regierung der Vereinigten Staaten mitzuteilen.
Das entsprechende Telegramm Muffolinis lautet: „Ich bitte Ew Exzellenz, der Negierung der Vereinigten Staaten zur Kenntnis zu bringen, daß ich den Vorschlag des Präsidenten Hoover über die völlige Vertagung der Schuldenzahlungen während eines Jahres zwischen den Regierungen geprüft habe. Dieser Vorschlag bringt für Italien beachtliche Opfer mit sich. Aber ich habe nach reiflicher Überlegung beschlossen, ihm meine herzliche grundsätzliche Zustimmung zu geben. Ich behalte mir vor. später der Negierung der Vereinigten Staaten einige Bemerkungen zugehen zu lassen, die aus eine billige und praktische Durchführung der glücklichen Initiative der Regierung der Vereinigten Staaten hinziclcn, wie sie sicher in der Absicht des Präsidenten Hoover liegt. Ich hoffe, daß die Initiative des Präsidenten Hoover, deren hohe moralische Bedeutung vollkommen vom italienischen Volk verstanden wird, eine Periode wirklicher Zusammenarbeit zwischen den Völkern einlcitcn möge, die in diesem Augenblick allgemeiner Schierigkciten und am Vorabend der Abrüstungskonferenz besonders notwendig ist.
gez. Mussolini."
Die Zustimmung Italiens ist also nicht an irgendwelche Voraussetzungen hinsichtlich eines Verzichts Deutschlands auf die Zollunion geknüpft worden, wie dies zuerst von einer Agentur behauptet worden war.
Die englische Annahme des Hoover-planes.
Der britische Botschafter in Washington, Sir Ronald Lindsay, hat die Regierung der Vereinigten Staaten von der grundsätzlichen Annahme des Hoover-Planes durch England entsprechend der Äußerung des englischen Ministerpräsidenten im Unterhaus in Kenntnis gesetzt.
Stimson optimistisch.
Reuter meldet aus Washington: Staatssekretär Stimson war nach den gestrigen Besprechungen im Weißen Hause über die Gegenvorschläge Frankreich äußerst optimistisch. Was die Antwort Italiens zum Vorschlag Hoovers betrifft, so erfolgte diese ohne irgend welche Vorbehalte politischer Natur. Wie der amerikanische Botschafter in Rom meldet, wünscht Mussolini lediglich die Einzelheiten der Durchführung des Planes genauer zu prüfen.
Lugendlicke Erwerbslose bleiben in der Arbeitslose? Versickerung.
Wie von unterrichteter Seite verlautet, haben die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Führern der sozialdemokratischen Reichstagssraktion vor den beiden Sitzungen des Ältestenrates zu Anfang der vergangenen Woche ein Ergebnis gehabt, das die Wiederheretpnahme des größten Teiles der jugendlichen Erwerbslosen unter gewissen Voraussetzungen in Aussicht stellte
Nach den Ausführungsbcstimmuugcn zur Diotncrorbnung, in denen diese Angelegenheit geregelt werden soll, tuirb grundsätzlich der Rechtsanspruch der Erwerbslosen bis zu 21 Jahren an die Arbeitslosenversicherung anerfannt, seine Anwendung jedoch von einer Bedürftigkeüsprnsnng nach den Bestimmungen der Kriscnsürsorge abhängig gemacht, wobei der Reichskanzler zugesagt hatte, daß diese Brdürftiakeitsprüsung in milder Form gehandhabt werden solle. Angesichts der Kürze der znr Ver- fügung stehenden Zen sind den Landesarbcttsamtcrn ent- sprechende Weisungen vom Reichsarbeitsininistermm erteilt worden, da das neue Verfahren formell ab 1. Julr, Praktych tum ersten Male am 13. Juli rur Anwenduna aelanar.
Snowden zum Hoover-p an.
Im Unterhaus gab der Schatzkanzler Snowden im Namen der Regierung eine neue Erklärung zum Hoover-Plan ab.
Die englische Regierung, so sagte er, wolle den Dominien und Indien dieselben Zugeständnisse machen, wie sie im Plane Hoovers für die anderen ausländischen Länder vorgesehen seien. Sie sei bereit, diesen Teilen des englischen Weltreiches für die Kriegsschulden ebenfalls einen Zahlungsaufschub für ein Jahr, gerechnet vom 1. Juli ab, zu gewähren.
Die Vorschläge würden alles in allem etwa einen Verlust von elf Millionen Pfund (220 Millionen Mark) im gegenwärtigen Haushalt ausmachen Dies sei ein sehr ernstes und sehr großes Opfer für den englischen Steuerzahler, aber die Regierung hoffe, daß der Schritt des Präsidenten der Vereinigten Staaten durch die Hilfeleistung und durch die voraussichtliche Belebung des Vertrauens und der Prosperität mehr als gerechtfertigt sei.
Die Erklärung des Präsidenten fei eine sehr große und bedeutende Geste. Man müsse es tausendmal bedauern, wenn Europa ihn nicht in demselben Geiste beantworten würde.
Hinsichtlich der deutschen Zahlungen bemerkte der Schatzkanzler, daß
für eine Konferenz keine Zeit mehr vorhanden sei. Es müßte schnell gehandelt werden, um die amerikanischen Vorschläge zur sofortigen Einstellung aller deutschen Zahlungen auf ein Jahr in Kraft zu setzen.
Hinsichtlich der weiteren Behandlung der Frage begünstige die englische Regierung die Idee, die B. I. Z. einzuladen, sofort die Weilerbearbeitung der ,
Vorschläge zur Einstellung aller deutschen Zahlungen auf ein Jahr
in Angriff zu nehmen. England warte die Ansichten der anderen Regierungen ab. Man hoffe, daß es möglich sein werde, sobald wie möglich zu einem Abkommen zu gelangen, das den genannten Richtlinien folge. Die englische Regierung nehme Hoovers Vorschläge sowohl dem Geiste wie dem Buchstaben nach an.
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Hindenburgs Telegramm an Hoover im Englischen Unterhaus.
London. Im Unterhaus wurde der Vertreter des Auswärtigen Amtes über die Stellungnahme der englischen Regierung zu dem Telegramm befragt, das Reichspräsident von Hindenburg an b^n Präsidenten Hoover sandte Mr. Dalton, der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, antwortete, daß der Teri dieses Telegramms ver- l r a u l i ch sei. Soweit der Außenminister wisse, sei es bisher noch nicht veröffentlicht worden.
Dank an Hoover.
Die österreichische Regierungserklärung.
Im Nationalrat stellte sich die neue österreichische Regierung dem Parlamente vor. Bundeskanzler Dr. Buresch befaßt« sich in seiner Regierungserklärung zunächst mit der Innenpolitik. Österreichs Außenpolitik müsse, setzte er fort, im jetzigen Augenblick in ausschlaggebender Weise seiner wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragen. Die Negierung fei entschlossen, die freundschaftlichen Beziehungen zu allen Nachbarstaaten Österreichs sorgfältig zu pflegen. Insbesondere die alte brüderliche Freundschaft, die Österreich mit dem Deutschen Reiche verbinde, wird als wertvollster Bestandteil der österreichischen Außenpolitik von der gegenwärtigen Regierung mit aller Sorgfalt geübt werden.
In der Zollunionssrage Halle er es nicht für angebracht, vor der Entscheidung des Haager Schiedsgerichtshofes Stellung zu nehmen. Der Bundeskanzler erklärte weiter: In den schweren Tagen, dte wir und mit uns ein großer Teil der Staaten Europas durchleben, kommt die frohe Kunde von der von tiefem menschlichen Fühlen und Verstehen zeugenden Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten .von Amerika. Ein Lichtstrahl der Hoffnung ist in unser aller Herzen gedrungen. Für diese Großtat danke er im Namen Österreichs und seines Volkes von ganzem Herzen
Ta die neue österreichische Regierung den Kurs ihrer Vor gângerin forlsctzl, beschränkte sich die Aussprache über die Regierungserklärung hauptsächlich auf innenpolitische Fragen
Landrat Hansmann zur Disposition gestellt.
Berlin. In einer Kabinettssitzung der preußischen Regierung wurde u. a. Der Fall des Landrats Hansmann (Lenneper Ruhrkreis) entschieden, dem bekanntlich in Der Zeit der Propaganda für und gegen das Prcußenvolksbcgehren schwer- beleidigende Äußerungen gegen die deutschen Soldaten des Weltkrieges zur Last gelegt worden waren. Hansmann wurde zur Disposition gestellt; wie verlautet, jedoch nicht wegen der genannten Äusieruna. sondern aus anderen Gründen
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die französische Regierung hat die Antwort auf den Vorschlag des amerikanischen Präsidenten Hoover fertiggestellt und sie nach Washington übermitteln lassen.
* Das Luftschiff „Graf Zeppelin" trifft Vorbereitungen für die Arltissahrt die Ende Juli beginnen soll.
* Die Ozcanflieger Post und Gatty haben auf ihrem Fluge von Amerika nach Berlin in England eine Zwischenlandung vorgenommen; sie sind nach kurzem Aufenthalt in Berlin nach Moskau wettetgeflogen.