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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 147 1931

Fulda, Freitag, 26. Juni

8. Zahrgang

Amerika gibt nach!

Hoover bereit, den Wünschen Frankreichs entgegenzukommen.

Zahlungsaufschub ab 1. Juli?

Mellon nach Paris gereist.

Der französische Botschafter in Washington, Claudel, hat die Antwortnote der französischen Regierung auf den Vorschlag Hoovers für ein Reparationsfeierjahr überreicht. Präsident Hoover, der Staatssekretär des Äußern Stimson und der stellvertretende Schahsesretär Mills hatten nach dieser Überreichung eine dreistündige Besprechung, über deren Inhalt strengstes Stillschweigen bewahrt wird Es ist jedoch mit Sicherheit anzunehmen, daß sich die drei ame­rikanischen Staatsmänner mit der französischen Antwort be­sasst haben. Nach Beendigung der Konferenz erklärte Stimson der Presse gegenüber:Wir stehen inmitten von Verhandlungen und Unterhaltungen, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Ich bin sehr optimistisch, cs wäre ein Verbrechen, wenn dem Hoover-Plan etwas zu- stoßen sollte." Nach neueren Washingtoner Meldungen soll Hoover nicht ganz abgeneigt sein, Frankreich etwas entgegenzukommen und mit der französischen Negierung in einen Gedankenaustausch über eine Abänderung der Hooverschen Vorschläge zugunsten der französischen Auf­fassung zu treten.

Große Beachtung hat die plötzliche Abreise des amerikanischen Schatzsekretärs, Mellon, aus London gefunden, der sich auf telegraphische Anwei- sung von Washington aus nach Paris begeben bat. Schay- sekrelär Mellon soll von Hoover gebeten worden sein, mit der Pariser Regierung sowie den Vertretern der übrigen interessierten Mächte in der französischen Hauptstadt die Schuldenbesprechungen aufzunehmen.

Die Verhandlungen sollen so beschleunigt werden, daß bereits am l. Juli ein einjähriger Zahlungsaufschub in Kraft gesetzt werden könnte. Auch an Berliner Stellen liegen Informationen vor, daß das Reparationsfeierjahr lchm^n^^Jul^n.8rafl treten soll; sollten die Vcrhanv- iungcn bis zu diesem ZeitpMikt noch nicht ganz beendet sein, so glaubt man, daß der Zahlungsaufschub dann mit rückwirkender Kraft eintreten würde.

Mellons Pariser Besuch.

An maßgebender Stelle in Washington wird erklärt, daß die Anwesenheit Mellons in Paris genüge, die Schwierigkeiten zu beseitigen, die dem Zustanvekoinincn einer Einigung zwi­schen Washington und Paris gegenwärtig entgegenstände». Das Staatsdepartement sei zuversichtlich.

M e ll 0 n in Paris e i n ge 1 r 0 ffen.

Schatzkanzler Mellon ist, von London kommend, in Paris eingetroffen. Mellon hat sich sofort in die amerikanische Bot­schaft begeben und wird sofort in Fühlungnahme mit den für die Behandlung des Hooverschen Vorschlages zuständigen Ministern treten.

Kommt Mellon nach Berlin?

Bei seiner Abreise nach Frankreich antwortete der ameri­kanische Finanzminister Mellon auf die Frage, ob er nach seinem Besuche in Paris auch nach Berlin neben werde, e r

Deutsch-französisches Mimstertreffen.

Aussprache zwischen Deutschland und Irankreich.

Hoeschs wiederholte Besuche bei Briand

Das Angebot, das Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Rundfunkrede an Frankreich gemacht hat, in Fort setzung der deutsch-englischen Aussprache von Chequers ein Zusammentreffen zwischen deutschen und französischen Staatsmännern zu ermöglichen, soll demnächst verwirklich! werden. In Berliner diplomatischen Kreisen sind Mittei­lungen aus Paris eingetroffen, daß die französische Regie­rung den Vorschlag Dr. Brünings in bejahendem Sinnt beantworten wird Ort und Zeit der Zusammenkunfi sollen demnächst bestimmt werden, und es gilt nicht als un­wahrscheinlich, daß für die Zusammenkunft der Anfang Juli in Aussicht genommen wird. Die deutsch-französi­schen Besprechung würde dann noch vor dem Gegenbesuch der Engländer in Berlin erfolgen.

Der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, ist in den letzten Tagen mehrmals vom französischen Außen­minister empfangen worden. Man nimmt an, daß Herr von Hoesch sich um die deutsch-französische Zusammenkauf« bemüht hat, und daß er weiter sich über den Eindruck der Erklärungen Dr. Brünings im französischen Außenmini­sterium habe unterrichten wollen. Nach der ZeitungParis Nouvelle" soll Briand dem deutschen Botschafter gegen­über bei seinem letzten Besuch zum Ausdruck gebracht haben, daß die französische Regierung den Gedanken eines Besuches der deutschen Minister in Paris warm begrüße, sobald die finanzielle Lage ihnen eine Abwesenheit von Berlin gestatte. Auch in Paris wird allgemein von der Presse angenommen, daß bereits Anfang Juli die deutsch französische Aussprache vor sich gehen wird.

Zur Rundfunkrede des Reichskanzlers Brüning nehmen die Pariser Blätter erst jetzt ausführlich Stellung Wenn auch im allgemeinen noch eine gewisse Zurück­haltung beobachtet werden kann, so steht doch schon jetzt fest, daß die Ausführungen des Reichskanzlers und beson­ders sein Angebot, in direkte Besprechungen mit den maß­

wolle nicht sagen, daß er nicht nach Berlin ginge. Er wolle und könne nicht sagen, weil er während seines Aufenthaltes in London sich jeder Mitteilung der Öffent­lichkeit gegenüber enthalten habe.

Spanien begrüßt den Hoover-Plan.

Der spanische Ministerpräsident erklärte vor Vertretern der ausländischen Presse, daß Spanien, obwohl selbst nicht un­mittelbar dadurch betroffen, den Vorschlag Hoovers begrüße, weil er einen wesentlichen Schritt zur Erreichung einer end­gültigen Befriedung der Welt bedeute.

Stimsons Europareise. Der Stand der Verhand­lungen mit Frankreich.

London, 26. Juni.

(Eigene Funkmeldung.)

Times" berichtet aus Washington, Stimsons Beschluß, schon am Sonnabend nach Europa abzureisen, ist auf die Ueber­zeugung zurückzuführen, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wo er mit Nutzen persönlich an den inoffiziellen Besprechungen und Berhandlungen teilnehmen kann, die in Europa im Gange sind. Stimson wird weiterhin sehr an den Aussichten der Abrüstungs­konferenz interessiert sein, aber am meisten werden ihn die Be­sprechungen über die Einzelheiten des- Hoover-Planes beschäf­tigen. Amerika soll, derTimes" zufolge, bereit sein, dem französischen Wunsch nach einer Aenderung des Vor­schlages, die die Unversehrtheit des Poungplanes aufrecht erhält, weit entgegenzukommen. Wenn ein Plan aus­gearbeitet werden könne, der die französische Oeffentlichkeit da­von überzeuge, daß der Poungplan nicht für dauernd aufge­hoben werde und er zugleich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten davon überzeuge, daß die amerikanischen Opfer eine wirkliche Hilfe für Deutschland bedeuten, so würde die amerikanische Regierung einen solchen Plan sicher ««nehmen.

England entlastet seine Schuldner.

London, 26. Juni.

(Eigene Funkmeldung.)

In Verfolg der Entscheidung der britischen Regierung, Hoovers Vorschlag anzunehmen ist, wie Times berichtet, den Regierungen, die vereinbarungsgemäß ihre Kriegsschulden an Großbritannien in Raten zahlen, mitgeteilt worden, daß weitere Zahlungen dieses Jahr nicht erwartet werden.

Eine zweite italienische Note an Stimson.

Washington, 26. Juni.

Das Staatsdepartement veröffentlicht eine vom italienischen Botschafter überreichte 2. Note, in der erklärt wird, Italien beabsichtige, den Moratoriumsvorschlag Hoovers am 1. Juli prompt und restlos auszuführen.

gebenden Pariser Stellen zu treten, eine allgemein günstige Aufnahme gefunden haben DerPetit P a r i s i e n* erklärt, daß die Rede Brünings für die internationale Politik, und insbesondere für die deutsch-französischen Be­ziehungen, von ungeheurer Bedeutung sei. Er habe aus­drücklich anerkannt, daß ohne die Mithilfe Frankreichs politische Stabilisierung in Europa nicht möglich sei. Die Kühnheit, mit der der Reichskanzler gesprochen habe, ver­diene festgehalten zu werden, weil sie auf eine Neu­orientierung der deutschen Politik hin- deute.

Der deutsche Bogchafter in Paris, Herr von Hoesch.

Brüning und Curtrus eingeladen.

Begegnung mit Laval und Briand in Paris.

Aus Paris wird amtlich gemeldet: Die französische Regierung hat durch Vermittlung des Außenministers Briand der Reichsregierung mitteilen lassen, daß Ministerpräsident Laval bereit sei, Reichskanzler Doktor Brüning und Reichsautzenminister Doktor Curtius in Paris zu empfangen.

In amtlichen französischen Kreisen beschäftigt man sich schon jetzt mit dem Programm für den Aufenthalt der beiden deutschen Minister. Wahrscheinlich werden zunächst Besprechun­gen zwischen Dr. Brüning und Laval einerseits und dem fran­zösischen Außenminister und Dr. Curtius anderseits stattfinden, denen sich sodann ein allgemeinen Meinungsaustausch an­schließen wird.

*

Zu der Meldung aus Paris, wonach die französische Re­gierung in einer amtlichen Verlautbarung zum Ausdruck ge­bracht habe, gern bereit zu sein Dr Brüning und Dr Curtius in Paris zu empfangen, wird einer Berliner Korrespondenz von amtlicher französischer Seite erklärt, daß von einer amt­lichen Verlautbarung nichts bekannt sei.

Der Gicherheitswechsel.

Dem deutschen Volke geht es haargenau rote jenem bekanntenManne aus Syrerland", der in Der Uhland schen Ballade einKamel am Halflerband' führte und Dann i m Brunnen t n eine recht unerfreu­lich e Situation geriet Am peinlichsten war thm dabei, daß an dem ihn noch haltenden Strauch zwei Mäus- letn die Wurzeln benagten, also das Letzte zu zerstören tm Begriffe sind, was dem armen Mann noch Rettung vor dem Absturz in die Tiefe und in das aufgesperrte Maul des Drachen bedeutet. Gerade so halten wir uns verzweifelt an Hoovers Vorschlag eines Reparcnions- Feterjahres fest, um nicht in die Katastrophe hineinzu­stürzen. Aber wir müssen sehen, daß an den Wurzeln diesesStrauches" die Mäuse mit dem scharfen Zahn des Widerspruches, der Einschränkungen und Sonder-Forde­rungen nagen.

Obwohl so ziemlich alle Welt weiß, wie die französische Antwort auf den Hoover-Vorschlag aussiehl, hat sich die Pariser Regierung eine 48 stündige Frist ausbedungen, ehe ihre Antwon in Washington offiziell veröffentlicht wird. Schon dieses Verhalten ist unerfreulich, stört die schnelle, gute Entwicklung, die Hoover mit seiner Botschaft bisher erreichen konnte. Die Antwort selbst stört auch die großzügige Einfachheit dessen, was Hoover will, damit wohl leider auch die Unmittelbarkeit der weltwirtschaft­lichen Rückwirkungen, die er von seinem Plan erhoffte und erhoffen konnte Jeder Tag des Aufschubs gibt jenen Mäusen Zeit, an den Wurzeln dieses Planes zu nagen. Und so kann man es verstehen, und vom deutschen Stand­punkt auch von Herzen begrüßen, daß sich vor allem der englische Schatzkanzler Snowden wir Deutsche kennen ihn von der Haager Konferenz her ja recht gut und nicht gerade von seiner angenehmsten Seite mit außer­ordentlich scharfen Worten gegen diese französische Taktik der Verzögerung und Einschrän- k u n g , des Widerspruchs und der Sonder-Forderungen wendete. Und in Washington hält man immer noch an der hier nur allzusehr berechtigten, ja notwendigen Politik desAlles oder Nichts" fest, um so mehr, als Italien sich im lebten Augenblid doch noch besonnen habe und seine Zu­sage an Hoover nicht an die schon beabsichtigte Bedingung knüpfte, Deutschland und Österreich müßten ihre Zoll- unionspläne aufgeben. Man hat in Rom noch rechtzeitig gemerkt, daß in Washington für derartige Kleinigkeiten wohl kein Verständnis vorhanden sein dürfte.

Wenn die französische Politik Die Hoover-Botschaft zernagt, so ist dabei das eigentliche, dasstrategische" Ziel DieRettung" des Aoung-Plans, der vonaußen" her bedroht ist durch das in ihm nicht vorgesehene allge­meine Moratorium, wobei man natürlich nichts gegen Den Zahlungsaufschub der interalliierten Schulden hat. obwohl auch in den hierüber mir Amerika abgeschlossenen Verträgen nicht das Geringste, keinerlei Moratorium, vor­gesehen ist Um nun das taktische Ziel der französischen Gegenoffensive aus einen einfachen Satz zu bringen: Was Frankreich in seiner Antwort vorschlägt, vor allem die Weiterzahlung desungeschützten" Teiles der Voung- Plan-Verpflichtungen, aber bei sofortiger Kreditierung Dieser Summe, ist ein SicherheitS-Wechsel, der nach einem Jahr präsentiert wird und den Amerika. Eng­land, Italien usw. girieren sollen. Und die Wechselklage ist bekanntlich rasch und mühelos durchführbar, wenn etwa der Wechselzu Protest geht" Amerika und England be­zeigen aber herzlich wenig Lust, ihre Unterschrift zu geben, - einfach, weil das Vorhandensein eines solchen Wechsels psychologisch dem eigentlichen Wert des Hoover-Planes vernichtet.

Wenn der Ministerpräsident Laval und sein Außen­minister Briand auf diese Weise Steine in den W eg rollen, den Hoover und Macdonald gehen wollen, so haben Die französischen Minister Dabei die volle Zustim­mung der Deputiertenkammer, hinter die sie sich geflüchtet haben. Ihr werfen sie den Ball der Verantwortung zu und dies Spiel machen in der Kammer alle Parteien mit, von rechts bis links. Auch jene radikale Rechte, die schwere Angriffe aus Hoover richtet; auch Die Linke ein schließlich der Gefolgschaft der Sozialisten LSon Blum und

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* In diplomatischen Kreisen wird damit gerechnet, daß die Zusammenkunft zwischen deutschen und französischen Staats­männern Anfang Juli erfolgen wird.

* Die Reichsbank hat einen internationalen Kredit von 420 Millionen Mark erhalten.

* Ein Speicherbrand in Allenstein nahm einen so bedroh­lichen Umfang an, daß Reichswehr zu Hilfe gerufen werden mutzte.

* Amtliche amerikanische Kreise zeigen sich bezüglich der amerikanisch-französischen Verhandlungen wegen des Hoover- Planes optimistisch.