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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 149 1931

Fulda, Montag, 28. Juni

8. Jahrgang

Amerikas Zugeständnisse.

Hoovers Instruktionen für Mellon.

Die amerikanisch-französischen Verhandlungen.

In Paris haben die Verhandlungen des amerikani­schen Staatssekretärs Mellon mit der französischen Regie­rung über den Hoover-Plan und die französischen Abände­rungswünsche begonnen. In Amerika ist man noch immer trotz zu überwindender großer Schwierigkeiten optimistisch, daß die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluß führen werden.

Schatzfckretâr Mellon hat eine telephonische Aus­sprache mit dem Präsidenten Hoover gehabt, wobei eine Formel gesunden worden ist, die das äußerste Zugeständ­nis Hoovers darstellen soll. Aus der offiziösen Mitteilung, daß die französische Antwort weder dem Prinzip noch dem Geist nach dem Vorschlag Hoovers entspreche, geht aber hervor, daß die amerikanische Negierung sich zu einer ent­schiedenen Stellungnahme entschlossen hat

Hoover hat sich nach inoffiziellen Nachrichten damit bereit erklärt, daß Frankreich während des Schuldenjahrcs die für bereits begonnene Bauten, wie die Donaubrücke und Pieraulagen notwendigen Sachlieferungen weiter er­hält. Darüber hinaus müssen jedoch die ungeschützten Zahlungen der Wiederherstellung Deutschlands zugute­kommen.

Weijer ist Hoover damit einverstanden, daß Deutsch­land den ungeschützten Reparationsanteil an die B. I. Z. überweist, wenn die Rüükreditierung an Deutschland zinslos erfolgt und der belgische, rumänische und südslawische Reparationsanteil in Höhe von 37 Millionen Dollar ebenfalls als Kredit nach Deutsch­land zurückfließt. Auch für diese Länder sollen die lau­fenden Kontrakte für Sachlicferungen bestehen bleiben.

Entschieden abgelehnt wird aber der französische Vor­schlag, daß Deutschland im übernächsten Jahr die dovpelte in irgendwelche Kantrvllmaßnahmcn gegenüber Deutsch-

land hineinziehen zu lassen, wie beispielsweise Unter­suchung der deutschen Zahlungsfähigkeit am Ende des Moratoriums oder Überwachung der Verwendung der er­sparten Annuität.

Die amerikanische Regierung betont, daß sie absolut unbeteiligt an den Reparationsinteressen der früheren Verbündeten ist. Sie will lediglich die Krise von Europa abwenden und zur wirtschaftlichen Gesundung Deutsch­lands heitragen Jede andere Stellungnahme Amerikas würde der Kongreß als Hineinziehung in die politischen Affären Europas strikt ablehnen.

Chefbesmechung beim Reichskanzler.

Unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning hat in der Reichskanzlei eine Chefbesprechung stattgefunden, in der die außenpolitische Situation durchgesprochen wurde, die durch die französische Antwort an Amerika gegeben ist. In politischen Kreisen wahrt man weiter Zurückhal­tung, um zunächst abzuwarten, wie die für heute nach­mittag vorgesehenen Verhandlungen Mellons mit der französischen Regierung verlaufen werden.

*

Gachverständigenkonserenz.

Nach Annahme des Hoover-Planes.

über die weitere Entwicklung der Schulden- und Re­parationsfrage verlautet in Londoner diplomatischen Krei­sen, daß jetzt schon ernstlich mit der Einberufung einer Sachverständigenkonferenz gerechnet würde, sobald der Hoover-Plan von den verschiedenen Nationen angenom- men sei. Soweit die englische Politik in Frage kommt, scheint tatsächlich das ernste Bemühen zu bestehen, die Dinge nunmehr in Fluß zu halten und notwendige Entscheidun- gen möglichst in dem Sinne zu beschleunigen, daß das System der Kriegsschuldenzahlungen ein- für allemal sein Ende ereicht. Man hofft in London, daß die deutsche ~ip lomatie ebenfalls bei ihren zukünftigen Verhandlungen an diesem Grundsatz festhalten wird.

Abänderung des französischen Gegen­vorschlages notwendig.

Staatssekretär Stimson erklärte aus die Note bezug­nehmend: Die französische Negierung ist in der HaMlache dar um besorgt - daß die Unantastbarkeit des Young-Planesnicht durchbrochen werden soll. Frankreich bekundet den Willen, tue Einforderung feder deutschen Zahlung für em ^ahr au^z setzen. Der Plan des Präsidenten Hoover schlagt män Wiederaufrollung oder Beeinträchtigung irgendeiner tniernan nalen Abmachung vor, auch nicht die unserer elgenan Tchmoen abkommen. Seine Anregung erstreckte sich lediglich aus eme einjährige Stundung der unter diesen Abmachungen saMfl wer denden Zahlungen. Die Frage, nach welcher Methode die Stundung durchgesühr, uno die Zurückzahlung gestundeter «e träge erfolgen soll, ist Angelegenheit der Verhandlungen uno Vereinbarungen zwischen verschiedenen Mächten Die von v französischen Regierung empfohlene Methode enthalt Anregun­gen, die den Schuldncrnationcn nicht Erleichterung bringe, wi sie dem Hoover-Plan entsprich« ,

Abschließend erklärte Stimson, daß wettere Verhandlungen zwecks Abänderung des französischen Gegenvorschlages not­wendig seien, um völliges Einvernehmen zu erzielen. Die französische Note beweise, daß die Pariser Negierung mitar- beiten wolle, so daß jede Hoffnung auf Erfolg gegeben sei.

Offizielle Einladung nach Paris.

Ministerpräsident Laval hat den deutschen Botschafter von Hoesch zu einer längeren Aussprache zu sich ins Innenministerium gebeten. An der Unterredung nahmen der Außenminister Briand und der Staatssekretâi Francois Poncet teil. Gegenstand der Aussprache waren der Hoover-Plan und die französischen Gegenvorschläge über den näheren Inhalt der Unterredung wird von keiner Seite etwas bckanntgegcbcn.

Der Ministerpräsident teilte dem Botschafter offiziell mit, daß die französische Regierung den Besuch b e 1 deutschen Minister in Paris aufrichtig be­grüße. Der Zeitpunkt des Besuches ist späteren Ver­einbarungen Vorbehalten geblieben.

Auch nach Nom e-ngekaoen.

Aus gut unterrichteter Quelle verlautet, daß bet italienische Botschafter in Berlin dem Reichskanzler uni dem Reichsaußenministcr im Namen des italienischen Kabinettschefs eine Einladung zum Besuch der italienischen Regierung übermittelt hat. Der Reichskanzler und bei Reichsaußenministcr haben die Einladung angenommen. Wahrscheinlich werden sie ihr nach ihrer Pariser Reise, die voraussichtlich um den 10. Juli herum erfolgen roirb, Folge leisten. Die offizielle Einladung der französischen Regierung an Brüning und Curtius ist sofort nach dem Abschluß der Besprechungen zwischen Washington und Paris zu erwarten.

Ose pariser Verhehlungen.

Die ersten offiziellen Besprechungen zwischen dem amerikanischen Staatssekretär Mellon und den franzö­sischen Ministern über eine Angleichung der amerikanischen Vorschläge und der französischen Forderungen zur Ein­führung eines ReparationSfsierZahres dauerten etwa drei Stunden. Nach Abschluß der Besprechung wurde ein neuer Termin für die Fortsetzurts festgesetzt. Man hofft, ri-r ^UMtv^-Si.ur <KUiv ^S-..^ 0<i .-..««»pruvtk »ommen zu können.

Amerikas Finanzminister in Paris.

Bei seinem Pariser Aufenthalt stattete der amerikanische Schatzamtssekretär Mellon dem französischen Minister- präsidentcn einen Besuch ab. Von links: französischer Ministerpräsident Laval - Staatssekretär Mellon Briand, der französische Außenminister Edge, Amerikas Botschafter in Paris.

Schatzkanzler Mellon hat Hoover telephonisch über bic erste amtliche Besprechung unterrichtet. .

Bisher haben sich zwischen der amerlkamschen und der fran­zösischen Ausfassung drei Hauptpunkte Lerausgeschalt über die noch Meinungsverschiedenheiten bestehen, «menk» wünscht einmal, daß der gesamte Betrag bc» ungeschützten Teiles der Tribute lediglich Dcntschlnnd - und ^uar zinslos wieder zur Verfügung gestellt wird, während Frankreich auch die kleinen mitteleuropäischen Staaten daran teilhaben lall in will. Die französische Regierung wünscht außerdem, daß die BIZ. die Garantie für die Anleihe übernimmt, die ne mit dem ungeschützten Teil der Tribute an Deutschland trennet. Wie in amerikanischen Kreisen verlautet, soll geb Mellon wdoch nachdrücklich dagegen gewehrt haben. Schließlich sieht bie fran­zösische Regierung noch auf dem Standpunkt, daß ey u n m 0 g « l i ch sei, Deutschland so weitgehende finanzielle Erleichterungen zu gewähren, ohne dafür sehr ernste politische und wirtschaft­liche Garantien zu erhalten. ~

Es liegt in der Absicht Frankreichs, eine genaue Kontrolle über die Anwendung der freiwerdenden Tributgelder auszu­üben.

Laval verlangte von der Reichsregierung ganz bestimmte Garantien über ihre friedlichen Absichten unb ihren ehrlichen Wunsch einer Zusammenarbeit. Er soll bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen haben, daß sich Deutschland verpflichten müsse, aus die Durchführung der Zollunion mit Österreich zu verzichten.

Ferner verlangte er bte Versicherung, daß weder die Reichv- marine, noch das Reichsheer in irgendeiner Weise etwas von den freiwerdenden Geldern erhalte.

Besuch des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Rcichs- außenministcrS Dr. Curtius.

In Pariser politischen Kreisen ist man der Auffassung, daß eine Zusammenkunft mit den französischen Ministern nicht vor Ende Juli stattsindcn werde. Laval soll barattf Hingewiesen haben, daß noch gewisse Präliminarien zu regeln seien, bevor ein nutzbringender Meinungsaustausch ratsam erscheine.

...Herzlich dumm zu nennen."

Was Frankreich auf den Vorschlag Hoovers ant­wortet, ist noch viel schlimmer, als wir und wohl auch Hoover selbst erwartet haben. Nicht bloß, daß es dem Geist nach nichts von dem verspüren läßt, was man als Zustimmung zu dem Ziele der Aktion Hoovers auf saften könnte, sondern Frankreich verlangt etwas, was noch über den Young-Plan hinausführen würde aber nach rückwärts.

Daß die französische Antwort, daß das Kabinett Laval und die ganze Deputiertenkammer zwar durchaus und nicht ungern den einjährigen Zahlungsaufschub für Frank- reichs sämtliche Kriegsschuldenverpflichtungen annehmen will, wußte man schon, auch, daß es von Deutschland die Weiterzahlung der 660 Millionen ungeschützter Verpflich­tungen verlangte. Diese Summe sollte dann von der Tributbank in Basel umgehend Deutschland wieder zur Verfügung gestellt werden, so daß nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch der Young-Plan wenigstens in einem Teil seiner Bestimmungen weiter in Funktion blieb.

Und was wurde nun aus diesem Kredit- vorschlag? Zunächst einmal der Hinweis, daß dieser Kredit von Deutschland selbstverständlich sofort nach Schluß desReparationsseierjahres" zurückgezahlt wer- )en müßte: eine entsprechende Mehrbelastung würde der dann fälligen Jahresleistung des Young-Planes noch hinzugefügt werden. Natürlich müßten wir außerdem für die als ungeschützte Zahlung an die BIZ. hinüber* geleitete Summe nun auch noch Zinsen zahlen, wenn man ans die 660 Millionen zur Verfügung stellen würde. Übrigens soll noch erwähnt werden, daß diese 660 Mil­lionenungeschützter" Zahlungen die eigentlichenKriegs- Iribute* darstellen insofern, als diese Summe zum .Wiederaufbau der zerstörten Gebiete" Dienen soll. Mit diesemArgument" das natürlich nur- in der Theorie besteht haben die»Franzosen jetzt besonders heftig gearbeitet. Alle anderen Staaten, die dem Vorschlag Hoovers bedingungslos zustimmten, haben aber gerade auf diesen Teil der^Reparationszahlungen, also der Entschädigungen für ihre wirtschaftlichen Kriegs­verluste. glattweg verzichtet, Amerika an der Spitze.

Aber die ovenerwähnte nachträgliche Kreditierung der deutschen Zahlungen während diesesSchulden- feierjahres" soll ja gar nichtzur Gänze", wie man in Österreichs Amtsdeutsch sagt, allein zugunsten Deutsch­lands erfolgen, sondern auch andere Staaten Mittel­europas sollen Kredite aus dieser Summe erhalten, namentlich solche Länder,wo die Aussetzung des Young- Planes während eines Jahres eine finanzielle oder wirt­schaftliche Störung bringen" Mit diesem Vorschlag zer­stört übrigens Frankreich selbst seinen Einwand: die Weiterzahlung des ungeschützten Young-Plan-Ameils durch Deutschland verstoße nicht gegen den Vorschlag Hoovers, daß kein Schuldnerstaat etwas zahlen solle mit Ausnahme des Zinsendienstes für die Dawes- und die Young-Anleihe: denn Deutschland erhalte das bezahlte Geld sofort als Kredit zurück. Deutschland soll diese Summe nicht erhalten, höchstens einen Teil, und da z. B. Frankreich selbst behauptet, das Young-Plan-Moratorium füge seinem Haushalt finanzielle Störungen zu, so könne man in Paris auch einen Teil dieses von der BIZ. aus den deutschen Zahlungen ermöglichten Kredites in An­spruch nehmen! Was ja nun alles eigentlich der Idee der Vorschläge Hoovers kaum entsprechen dürfte.

Aber dann heitzt's obendrein:Rückwärts, rück­wärts, Don Rodrigo...", nämlich zurück in die für Frankreich so erfreuliche Zeit der interalliierten K 0 n - trollein Deutschland. Kontrolliert werden soll der französischen Note zufolge die Art, wie wir jenen Kredit der BIZ. verwenden, also was wir sozusagen mit unserem eigenen Geld machen würden. Kontrolliert soll ferner werden, wie Deutschland die Summen verbraucht, die es durch die übrige, die wirkliche Nichtbezahlung der Young- Plan-Verpflichtunngen einfpart beim Hausbalt des Reichs; die Gläubiger sollen aufpassen, daß Deutschland diese Er­sparnisse zu wirtschaftlich-vernünftigen aber nicht etwa zu Dumping-Zwecken verwendet, für Subventionen an die Wirtschaft u. bergt. Man kann ja schon darunter ver­stehen, daß z. B. die Industrie-Belastung aus dem DaweS- Plan, die immer noch erhoben wird, nun für ein Jahr nicht erhoben würde. Kontrolliert werden soll schließlich auch noch, ob Deutschland rechtzeitig die notwendigen Maß- nahmen trifft, die Reparationszahlungen nach Ablauf der einjährigen Frist prompt und pünktlich wieder aufzuneh­men, einschließlich der Abdeckung des von der BIZ. erhal­tenen Kredits. Man darf wohl zitieren, was Schillers Wallenstein" dem Gesandten des Kaisers antwortet:

Wohl ausgesonnen, Pater Lamormain!" um dann allerdings sofort in die drastische Kritik aus­zubrechen:

Wär' der Gedank nichi so verflucht gescheit,

Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen."

Und zum Schluß nun noch ein Hinweis: Die fran­zösische Regleruna hat dieAnnahme" der Vorschläge

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Zn der Reichskanzlei hat unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers eine Beratung der außenpolitischen Lage stattgefunden.

* Der amerikanische Präsident Hoover hat seinem Unter­händler in Paris genau umrissene Anweisungen für seine Besprechungen mit der französischen Regierung zugehen lassen.

* In der Ausschußsitzung des Zentralverbandes für das Deutsche Bank- und Bankiergewerbe hielten Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsbankpräsident Dr. Luther Ansprachen.

* Auf der Pariser Kolouialausstellung hat ein Riesenbrand die holländische Abteilung vernichtet.