Zulöaer Anzeiger
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Nr. 163 — 1931
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal * Söldner Kreisblatt
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Nachdruck der mit * versehenen Mikel nur mit Quellenangabe „Zuldaer Nnzeiger'geftattet.
Fulda, Mittwoch, 15. Juli
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8. Jahrgang
Heute keine Zahlungen an Frankreich!
Wie aus Washington gemeldet wird, teilte gestern Botschafter Edge in einem Telegramm aus Paris an das Staatsdepartement mit, Frankreich habe die V.J.Z. benachrichtigt, dah es die für heute fällige Monatsrate der Neparationsannuität nicht erwarte. Unterstaatssekretär Castle erklärte, die deutsche Krise hätte sich zweifellos viel ernster gestaltet, wenn Deutschland nicht aufgrund des Hooverplanes der heutigen Zahlungen enthoben worden wäre.
Selbsthilfe die einzige Reltaos.
Die Hoffnung, vom Ausland rechtzeitig Kredit- Hilfe zu bekommen, ist überall geschwunden, nachdem der Reichsbankpräsident auch aus Basel mit leeren Händen Zurückgekommen ist. Erreicht hat er in Basel bei der Internationalen Tributbank die Verlängerung des 1 W-Millionen-Kredits für die Reichsbank, der am 15. fällig gewesen wäre. Nicht erreicht hat er aber die Gewährung eines neuen Kredits von etwa 1% Milliarden Mark, der uns über die augenblickliche Krise hinweghelfen sollte. Zu dieser Forderung haben die ausländischen Geldgeber nur schöne Zusicherungen ganz allgemeiner Art gegeben, mit denen aber innerhalb weniger Tage kein Geld zu beschaffen ist. So hat Luther in der Nacht zum Dienstag der Reichsregierung telephonisch sagen müssen, daß wir uns selber helfen müssen, wenn wir über die augenblickliche Krise hinwegkommen wollen. Die Reichsregierung hat sich sofort darauf eingestellt und hat zunächst einmal die Schalter der Banken geschlossen, damit nicht durch unsinnige Abhebungen die Geldknappheit noch vergrößert wird.
Nun aber muß die Reichsregierung nach Mitteln Ausschau halten, um so schnell wie möglich die ungeheure Geldknappheit zu überwinden. Das deutsche Volk muß sich darauf gefaßt machen, daß harte Maßnahmen kommen, denn einen andern Weg zur Selbsthilfe gibt es nicht. Zunächst steht die Regierung vor der Notwendigkeit, die Lohngelder für die Unternehmungen zum nächsten , Zahltag zu beschaffen. Dann kommen die Fragen: Was 1 muß geschehen, um die Bankschalter wieder öffnen zu können, um die Kapitalflucht zu unterbinden und um den Wert der Mark unter allen Umständen zu halten?
In der Öffentlichkeit schwirren natürlich schon allerhand Gerüchte über die neuen Notverordnungen der Neichsregiernng. Es werden die verschiedensten Möglichkeiten erörtert. Beruhigend ist, daß die Öffentlichkeit sich einheitlich gegen alle Maßnahmen wendet, die irgendwie den Anfang einer Inflation bedeuten könnten. Die Erfahrungen schrecken. Deshalb werden auch die Auffassungen, durch Wiedereinführung der Rentenmark 1 neben der Reichsmark mit starken Bedenken ausgenommen. Ein anderer Weg, die Geldknappheit ohne Jnflationsgefahr zu überwinden, wäre der, den allgemeinen Geldbedarf durch ganz harte Maßnahmen herabzudrücken. Weiter wird von der Möglichkeit gesprochen, eine allgemeine Stundung der Schulden durchzuführen, das wäre ein sogenanntes inneres Moratorium. Wie die Regierung aus der schwierigen Lage herauszukommen hofft, werden wir in Kürze sehen, denn . neue Notverordnungen stehen bevor.
I Der Reichsbank fällt vor allen: die Aufgabe zu, mit allen Mitteln die Kapitalflucht zu verhindern, und nicht nur dies, sondern auch, die Besitzer von G u t - habenimAuslande, soweit sie zu fassen sind, durch irgendein Mittel zu zwingen, die Gelder aus dem Auslande wieder zurückzuholen. Derartige Maßnahmen würde das Volk außerordentlich begrüßen. Es ist bezeichnend, daß das Ausland, besonders Amerika, der Reichsbank vorwirft, sie habe nicht rechtzeitig eingegriffen, um die Kapitalflucht zu verhindern. Was in diesem Punkt nachzuholen ist, muß unbedingt nachgeholt werden. Jetzt heißt es, schnell und entschlossen handeln, nachdem feststeht, daß vom Auslande keine Hilfe zu «erwarten ist
Reichspräsident von Hindenburg wieder in Berlin.
Berlin, 15. Juli.
Reichspräsident von Hindenburg ist heute vormittag 7.09 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Ostpreußenzuge auf Bahnhof Friedrichstraße wieder in Berlin eingetroffen.
Der Reichstag meldet sich.
Freitag Ältestenrat des Reichstages.
um
Be
Präsident Löbe hat den Ältestenrat des Reichstages für Freitag, den 17. d. M., einberufen. Die Einberufung ist auf Grund der deutschnationalen, nationalsozialistischen und kommunistischen Anträge erfolgt, über die C i n b e r u f u n g des Reichstages schluß zu fassen.
Kein Geld ins Ausland
Ferienreiscnde in Schwierigkeiten.
Auf Veranlassung des deutschen Gesandten in Kopenhagen. der sich mit der Direktion der Nationalbank in Ber- vindung gesetzt hat, haben die Kopenhagener Großbanken und die Nationalbant L.'" " " 9 ~ " Ferienreisenden einz zu. einem Kurse von 85.
beschlossen, deutsches Geld bei deutschen nzulöie n, und zwar pro Kops 50 Mark . Es dürften sich auaenblicklich etwa
2UU0 Ferienreisende in Kopenhagen befinden, die sehr unerquickliche Szenen mit ihrem deutschen Geld erlebt haben. Auch die Leitung des Meiereikongresses hat alle Mittel ergriffen, damit die deutschen Vertreter, etwa 125 Herren, hier bleiben können
Keine Postanweisungen nach dem Ausland.
Das Reichspostministerium teilt mit: Da zurzeit Börsenkursnotierungen nicht stattfinden, ist es der Post bis auf weiteres nicht möglich, Einzahlungen auf Postanweisungen nach dem Auslande anzunehmen. Die Postanstalten sind entsprechend angewiesen. Außerdem sind die Postscheckämter, ebenfalls wegen der Unterbrechung der Kursnotierungen an den deutschen Börsen,
Er soll Die Danaibank in Ordnung dringen
Der Treuhänder der Reichsregierung.
Die Reichsregierung hat den Staatssekretär
a. D.
arl Bergmann in Berlin zum ersten Treuhänder
K
für die Darmstädter und Nationalbank bestellt.
Basel bringt Hilse
Die Beratungen der BIZ.
Nachdem im Berwaltungsrat der BIZ. Geheimrat Bocke ein eingehendes Exposé über tue Lage in Deutschland gab und die Notwendigkeit der Gewährung ausreichender und langfristiger Kredite barlegie, ergänzte tn den Nachmittagsverhand- tungen Dr. Luther, diese Darlegungen mvew er vor allem auch eingehend die Maßnahmen schilderte, die die Reichsregierung und die Reichsbankleitung getroffen haben und noch treffen werden, um Herr der Lage zu bleiben
ien worden sie nicht so
Er verhehlte aber auch nicht, baß keine Minute Zeit mehr zu verlieren sei und daß, wenn rascher eiugegrifß wäre. die politischen und wirtschaftlichen Verhaltn i
weit gediehen wären, wie sie heute sind.
In Anbetracht der Wichtigkeit der Verhandlungen wurden alle Einzelheiten ins Englische und Französische übersetzt, so daß die einzelnen Beratungsgcgenstände viel längere Zeit als sonst in Anspruch nahmen
Französischer Standpunkt in der Garantiefondsfrage angenommen.
Was die Frage des französischen Garantiefonds anbelangt,' so beschloß der Berwaltungsrat, daß die BIZ. als Treuhänderin dem Vorschlag der französischen Regierung zustimme, die Summen, die in dem im Treuhandvertrag vorgesehenen Garanticsonds tm Falle eines Moratoriums im Rahmen des Neuen Planes noch einzuzahlen verbleiben, durch monatliche Zahlungen auszu- füllen, und zwar in der Weise, wie es der sranzösische Minister der Finanzen vorgeschlagen hat.
Bessere Aussichten.
Nach Schluff der heutigen Spätabendsitzung war fol» aendes Kommunique zur Verteilung bereit:
Der Verwaltungsrat hat von der Darstellung Kenntnis genommen, die der Präsident der Reichsbank, Dr. Luther, von der Situation in Deutschland und von dem an sich befriedigenden Zustand der deutschen ökonomischen Kräfte und des Reichsbudgets gegeben hat, sö daß die ausgebrochene Krise auf die A b z ii g e d e r k urz- s r i st i g e n " ' führen ist.
Kapitalien aus Deutschland zurückzu
In Anbetracht des Umstandes, daß sich die deutsche Regierung an die verschiedenen Regierungen wegen sirran- geller Unterstützung in ihren entsprechenden Märkten ge- mandt hat, erklärt sich der Berwaltungsrat — über» »rügt von der Notwendigkeit einer solchen ll n t e r st ü tz u n g — unter den gegenwärtigen Nmstän- )eu bereit, an dieser Hilfe mitzuwirken und sic mit allen den Zentralbanken zur Berfüauna stehenden Mitteln zu stärken.
angewiesen worden, die bei ihnen eingehenden Ueber- Weisungen nach dem Auslande bis auf weiteres nicht auszuführen.
Die deutschen Banken in Danzig geschloffen.
In einer
Sitzung der Danziger Bankiers ist der Beschluß BHuD1 I vvivui, für einige Tage sämtliche deutschen Banken in Danzig zu schließen, ähnlich wie im Reich. Auf Grund eines Beschlusses der Vereinigungen Danziger Banken und Bankiers werden vorläusig die Auszahlungen je nach der Höhe des Guthabens auf 10 bzw. 20 Prozent eingeschränkt.
Die Sicherung der Lohnzahlungen
Die Lohnzahlungen im Ruhrgebiet gesichert.
Arbeit Nordwest und Zechenverband in Essen teilen mit: Entgegen Zeitungsnachrichten, die Lohnzahlungen für die Arbeiter seien gefährdet, erklären wir, daß von feiten der Werke für die Auszahlung der Löhne hinreichend Vorsorge getroffen worden ist.
Auszahlung der Gehälter im Bankgewerbe am 16. Juli.
Wie der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband mitteilt, werden die Gehälter im Bankgewerbe am 16. Juli ausgezahlt
Ruhe in der Reichshauvistadi.
Bor den geschloffenen Bankschaltern.
Die Befürchtung, daß nach der Zahlungseinstellung bei der Danatbank nun die Schließung aller Banken, Sparkaffen unb Postscheckämter für die Dauer von zwei Tagen zu Störungsversuchen von Unruhestiftern führen würde, scheint sich erfreulicherweise nicht zu bestätigen. In Berlin herrschte fast überall eine fast ungewohnte Ruhe. Es blieb bei Gruppenbildung vor den verschloss e n e n Türen der Sparkaffen und Banken, aber nirgends traten Ausschreitungen ein. Die Polizei beschränkte sich auf verstärkten Streifendienst.
In der Zwischenzeit hat der Berwaltungsrat den Präsidenten ermächtigt, in Übereinstimmung mit den anderen beteiligten Instituten die Beteiligung an dem der Reichsbank kürzlich gewährten Rcdiskontkredit zu erneuern.
Reichsbankpräsident Dr. Luther gab in tiefer Bewegung der Presse zu verstehen, welchen schweren Kampf Deutschland gegenwärtig führt, der nicht durch eigenes Verschulden hervorgerufen ist, sondern durch fremde Eingriffe von außen her, indem seit Mai Deutschland in unerhörtem Maße die ausländischen Gelder abgezogen werden, wodurch dasselbe natürlich immer weniger in der Lage ist, aus dem Auslande Rohstoffe zu beziehen und Waren einzukaufen.
Ohne eine gesunde und ruhige Entwicklung in Mitteleuropa ist auch an eine ebenso gesunde Weiterentwicklung der übrigen Welt nicht zu denken!
Keine deutsche Bitte um Hilfe im Ausland.
Der Wortlaut der Mitteilung, die die Baseler Tributbank am Montag veröffentlichte, könnte den Eindruck erwecken, als ob das Deutsche Reich im Auslande um Hilfe gebeten bzw. für sich selbst ausländische Kredite nachgesucht hätte. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle darauf hiugcwiesen, daß das Reich durch seine Botschafter die in Frage kommenden Regierungen lediglich auf den Ernst der deutschen Wut- s ch â,f t s l a g e hingewiesen hat.
Neichskabinelt ist zuversichtlich.
Das Reichskabinctt war auch am - .ntag bis weit nach Mitternacht versammelt. Weitere Beschlüsse sind je» doch kaum noch zu erwarten. In der Kabinettssitzung wurde das mitternächtliche Kommunique des Berwal- -ungSrats der BIZ. bekannt.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichsbankpräsident Dr. Luther kehrte von der Finanz- konferenz in Basel nach Berlin zurück.
* Der Aeltestenrat des Reichstages ist für Freitag einberufen worden, um über einen Wiederzusammentritt des Par, laments zu beraten.
* Bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Moskau fanden acht Personen, darunter der stellvertretende Chef des Militärflugwesens der Roten Armee, den Tod.