Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 173 — 1931
Fulda, Montag, 27. Juli
8. Jahrgang
Englische Staatsmänner in Berlin
Keine finanziellen Verhandlungen Siimsons in Berlin.
Unterstaalssekretâr Castle erklärte, er sei von Stimson in einem Funkgespräch unterrichtet worden, daß der Staatssekretär es ablehnen werde, während selnes Berliner Aufenthalts über eine neue Finanzhilfe für Deutschland zu sprechen.
Stimson habe hinzugefügt, daß die Kredithilse vom Finanzausschuß behandelt werden müsse
Der unveränderte Pessimismus der Newyorker Börsen- kreise gegenüber dem Londoner Verhandlungsergebnts Myrte zu erneuten Kurseinbußen aus der ganzen Linie. Deutsche ' Anleiben waren weiter abaekckwächi.
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Staatssekretär Stimson, der mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach Berlin abgefahren ist, erklärte seine Reise erfolge in Übereinstimmung mit dem vor seiner Abreise aus Amerika gemachten Plan, der Besuche in Rom, Paris, London und Berlin vorgesehen habe. Sein Aufenthalt in Deutschland sei ein reiner Höflichkeitsbesuch.
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(Stimson in Berlin.
Besprechung mit Brüning und Curtius.
Der Leiter der auswärtiigen Politik Amerikas, Staatssekretär Stimson, traf zu einem kurzen inoffiziellen Besuch in Berlin ein. An einem Essen in der amerikanischen Botschaft für Stimson nahmen auch Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius teil. Die in London begonnenen Unterhaltungen über die politischen Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten wurden fortgesetzt.
Hoovers weitere Pläne.
Die englische Zeitung „Evening Standard' meldet, daß Präsident Hoover seine Moratoriumspläne vor der Veröffentlichung eingehend mit den führenden amerikanischen Zeitungen in einer Gebeimsitzuna besprochen habe. um sich deren Unter
Das knappe Geld.
Werden sie „stillhalten"?
Der Kanzler begab sich nach feinere Rückkehr nach Berlin zum Rerchsprasidenten und erstattete ihm Bericht über die Pariser Besprechungen und die Londoner Verhandlungen.
Anschluß daran fand eine K a b i n e t t s si tz u n g statt, in der Dr. Brüning und Dr. Curtius über die Er- ^gnrsse der letzten Tage berichteten. Gleichzeitig wurden dle Maßnahmen erörtert, die die durch die Londoner Be- schlusse geschaffene neue Lage auf währungs- und finanz- polltlschem Gebiet erfordert. Nach der a u ß e n politischen
ermattet den Kanzler jetzt ein gerüttelt und geschüttelt Maß schwerer innen politischer Aufgaben
Aus der Regierung nahestehenden Kreisen verlautet, daß gegenwärtig Verhandlungen im Gange und zum Teil schon abgeschlossen sind, die das Tempo der Abbau- bezüglich der B a n k f e i e r t a a e wesentlich beeinflussen werden. Bezüglich der in London gepflogenen Verhandlungen ist man in Kreisen der Regierung überzeugt, daß sich zur Bildung eines S 11 l l h a l t e- k an s 0 r 11 ums nicht nur in London, sondern auch in anderen Orten besondere Ausschüsse bilden werden. Man Beobachtungen in London nicht, daß die X’9 ""haltenden Goldabzüge Frankreichs in London andere als Grunde der K a p i t a l f l u ch t p f y ch 0 s e rum Teil verursacht seien durch Kapitalabzuge anderer Lander in Frankreich selbst
jemals neutralen Ausland sind Befürchtun- baß diese Länder bei der Bildung des S werden könnten. ' Dies ist "ach hiesiger Ansicht durchaus nicht der Fall es sei n-ch nichts geschehen, was zu derartigen Befürchtungen Anlaß geben könnte. Weiter ist in der Messe worden, daß die kleineren Banken beXliÄr ffiHrfungen des Stillhaltekonsortiums Schwierigkeiten machten. Man glaube jedoch, daß das Vorbild der große Banken auf die kleinen Banken abfärben werde im ühri- gen müsse die Entwicklung der nächsten Tage, in ^eutsch- land selbst abgewartet werden. Um die kleineren Banken zum Mttmachen zu bewegen, gibt es notfalls eine Reihe ba" Wegen von denen der unerfreulichste natürlich der ^etzliche Weg der Z a h l u n g s i n h i b i e r u n g in Deutschland selbst ist, und den man ungern beschreiten Sn^ der bum normalen Zahlungsverkehr zurück! Barantieb ank mit 200 Millionen Mark. rrfirÄ»#m bcn möglichst schnellen Abbau der jetzigen Be- s-ch imfânK'i Y t^Ä"981”?16^ herbeizuführeu. haben ireb M ? die nachstehend benannten Berliner tU,te "'s Anregung der Reichsbank
ha?wiedèr^n Aussallbürgschast"übernommen
stützung zu sichern. Hierbei habe er sich dahin entschieden, seine ursprünglichen Absichten für ein zweijähriges Moratorium abzuändern, zunächst mit einem einjährigen anzufangen und nach Ablauf dieser Zeit das Moratorium für weitere zwölf Monate zu verlängern, falls die Lage eine derartige Maßnahme verlange. Dies sei im Hinblick auf die Notwendigkeit geschehen, die öffentliche Meinung in Amerika langsam zu dem beabsichtigten Ziele hin- zuführen, um auf jeden Fall Rückschläge zu vermeiden.
Macdonald kommt im Flugzeug.
Außenminister Henderson ist fahrplanmäßig mit dem „Goldenen Pfeil" von London nach Berlin a b g e r e i st. In seiner Begleitung befindet sich Sir Walford Selby. Minister- Sent Macdonald verläßt London in einem Armee- ug, einem zweisitzigen Doppeldecker, der von dem Fliegerleutnant Heslop geführt werden wird. Möglicherweise wird das Flugzeug zeitweise von einer zweiten Maschine be-- gleitet werden. Mit der Ankunft Macdonalds in Berlin ist am Montag zwischen 16 und 17 Uhr zu rechnen. Das Flugzeug wird während seines Aufenthaltes in Berlin bleiben und Macdonald am Mittwoch morgen, günstiges Flugwetter vorausgesetzt, wieder nach London zurückbringen.
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Außenminister Henderson eingetroffen.
Berlin, 27. Juli.
(Eigene Funkmeldung.)
Mit dem fahrplanmäßigen Nordexpreß traf heute früh 8.37 Uhr der englische Außenminister Henderson auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin ein. Zu seiner Begrüßung hatten sich neben dem englischen Botschafter, der vom gesamten Personal der Botschaft begleitet war, Außenminister Dr. Curtius, Staatssekretär von Bülow, der Chef des Protokolls. Graf Tat- tenbach, u. a. eingefunden. Ferner war der Berliner Polizeipräsident anwesend.
Als der englische Außenminister mit Dr. Curtius den Bahnsteig entlang ging, wurden sie vom Publikum herzlich begrüßt.
»Akzept- und Garantie bank A.-G." eine Aktien- zesellschaft mit einem Kapital von 200 Millionen Mark gegründet. Diese Gesellschaft wird das reibungslose Funktionieren des Zahlungsverkehrs durch Zurverfügungstellung der erforderlichen Mittel gewährleisten. Die hierfür notwendigen Kredite sind gesichert.
Der G e m e i n s ch a s l s a k t i 0 n gehören an: Bank für deutsche Jndustrieobligationeu, Berliner Handelsgesellschaft, Commerz- und Privatbank A.-G., Deutsche Bank und Dis- conto-Gcsellschafl, Deutsche Kolddiskontbank, Deutsche Rcnten- bankkreditausiaü «Landwirtschaftliche Zentralbank), Deutsche Verkehrskreditbank A.-G., Dresdner Bank, Mendelssohn u. Co., Preußische Staatsbank (Seehandlung) und Reichskreditgesellschaft A.-G.
Durch die Bildung der Akzeptbank ist es möglich, der Reichsbank sichere Handelswechsel als Unterlage für die Bereitstellung von Markkredilen zur Verfügung zu stellen. Man hofft auf diese Weise die Bargeldschwierigkeil zu überwinden. Denn die Reichsbank ist nun in der Lage, Markbeträge in Höhe der auf Grund des Stamm- kapitals der Akzeptbank ausgegebenen Handelswechsel bereitzustellen.
Man kann somit rechnen, daß die Ingangsetzung des normalen Zahlungs- und Überweisungsverkehrs spätestens von Mittwoch an möglich ist.
Steller- und Amnestiefriffen verlängert!
Vis 31. August.
Wie das Neichsfinanzministerium mitteilt, werden die Fristen für die Abgabe der Vermöge ns st cuererklä- 1 n n g, für die Anzeige von Beteiligungen und für die S t e u c r a in n e st i e allgemein bis zum Ablattf des 31. August 1931 verlängert. Zu den Vorschriften über die Stcucramncstie werden demnächst eingehende Durchführungsbestimmungen erlassen werden.
Keine Verlängerung der Anzeigepflicht für Devisen
Die Frist zur Ablieferung oder Anzeige von Devisen im Gesamtbeträge von 20 000 Mark und mehr läuft nur noch bis zum 29. Juli 1931 und wird nicht verlängert.
Überweisung durch „alte" Schecks. Einbeziehung des Scheckverkehrs in den nbcrweisungsvcrband.
Der Arbeitsausschuß des Überweisungsverbandes hat beschlossen, künftig auch den Gegenwert von Schecks, die auf alte Konten gezogen sind, zur Verrechnung zuzulassen. Soweit die Scheckbezogenen Verbandsmitglieder sind, gelten hinsichtlich der Höhe der Scheckbeträge die Vorschriften des Überweisungsverbandes. Für Schecks aus sonstige Kreditinstitute sind die allgemeinen Vorschriften für Überweisungen der Notverordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bankseiertagen vom 23. Juli 1931 maßgebend. Im übrigen wird bei dieser Gelegenheit von der Reichsbank daraus hingewiesen, daß die
zahlreichen Klagen der Bankkunvschafi
über die verspätete Gutschrift zur Einziehung übergebener Schecks ihren Grund darin haben, daß die Schecks zahlungshalber an von dein Sitz der bezogenen Bank weit entfernte Plätze versandt worden sind. Es ist daher erwünscht und zweckmäßig, daß Schecks möglichst nur im lokalen Verkehr Verwendung finden.
pünktliche Zahlung der Genien.
Um etwaigen Zweifeln zu begegnen, weist das Reichs- postministerium darauf hin, daß an den Postschaltern die Militärversorgungsgebührnisse und die Unfall- und Invalidenrente an den Zahltagen in voller Höhe zur Auszahlung gelangen.
Der gesunkene Merverbrauch.
Katastrophale Wirkung der Getränkesteuer.
Nach Mitteilungen der Berliner Industrie- und Handelskammer hat die am 1. Juni in Kraft getretene Erhöhung der Berliner Gemeindebier st euer auf 10 Mark eine weitere beträchtliche Verminderung des Bierabsatzes zur Folge gehabt. Der Rückgang beträgt gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres etwa 45 Prozent.
Vom Deutschen Gast Wirtsverband werden diese Zahlen bestätigt, und es wird hinzugefügt, daß die einzelnen Lokale in verschiedenem Maße davon betroffen sind. Restaurants mit klein- und mittelbürgerlicher Kundschaft dürften am meisten unter der Steuer zu leiden haben, weil die Gäste solcher Lokale, um allen Verpflichtungen gerecht werden zu können, zuerst auf das Bier verzichten. Im übrigen habe sich die Getränkesteuer im ganzen Reich katastrophal ausgewirkt.
Starke Angriffe auf den
Reichsbanlpräsidenten.
Hat er zu spät eingegriffen?
Schon seit Beginn der Geldkrise ist der Reichsbank- Präsident Dr. Luther starken Angriffen ausgesetzt. In den Pariser und Londoner Konferenztagen haben sich die Angriffe so sehr verstärkt, daß nun das Reichskabinett beschlossen hat, sich mit den Angriffen zu besassen. Wie aus politischen Kreisen verlautet, soll Dr. Brüning auf dem Standpunkt stehen, daß der Reichsbankpräsident das volle Vertrauen des In- und Auslandes besitzen müsse. Daraus wird der Schluß gezogen, daß auch der Kanzler mit Luthers Maßnahmen nicht zufrieden ist. Bemerkenswert ist auch, daß die Angriffe gegen Luther gerade von Blättern kommen, die einzelnen Kabinettsmitgliedern nahestehen. Die Gegner Luthers behaupten, er habe sich zu stark auf den Gedanken der A u s l a n d s h i l f e festgelegt und habe dadurch versäumt, rechtzeitig, durch eigene Maßnahmen dem Ausbruch der Krise vorzubeugen. Er hätte, so wird in den Angriffen gesagt, durch eine rechtzeitige starke Erhöhung des Diskontsatzes die Schließung der Bankschalter verhüten können, und die Verfechter dieser Auffassung erklären daß man auch jetzt noch die Lage retten könnte, wenn sich die Reichsbank zu einer sofortigen Diskonterhöhung auf etwa zwanzig Prozent bei gleichzeitiger Öffnung der Bankschalter entschließen wollte.
Der Reichsbankpräsident wird vom Generalrat der Reichsbank auf vier Jahre gewählt. Er kann nur dann von seinem Posten vorzeitig abberufen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt und wenn von den zehn Stimmen des Generalrates sieben dafür sind.
Der Mangel an Zahlungsmitteln.
Nltimosorgen der Regierung.
Dr. Schmitz, der auch an den Londoner Verhandlungen teilgenommen hat, gab einer französischen Finanzzeitung folgende Erklärung ab: Nach den Ergebnissen der Londoner Konferenz, die eine n e u e Ä r a in den Beziehungen der beiden Länder Deutschland und Frankreich eröffnet und das Vertrauen in die finanzielle Wiederaufrichtung Deutschlands wiederhergestellt hat, bleibt der deutschen Regierung als erste und hauptsächlichste Aufgabe, ein Mittel zu finden, um dem Handel und besonders der Industrie die Zahlungsmittel für die U l t i m 0 z a h l u n g e n zur Verfügung zu stellen. Die unmittelbare große Schwierigkeit liegt nicht in Dom Mangel an Krediten, nur sehr wenige ausländische Zahlungen werden unmittelbar fällig, sondern vor allem in dem Mangel an Zahlungsmitteln.
Die Delegation hat keinen Zweifel, daß es moguch sein wird, die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich jetzt schon vermindern, denn cs ist sicher, daß alle Siegte« rungen, die an der Konferenz von London tcilgcnommcn haben, ihnen die Aufgabe erleichtern werden.
Schecks für Steuerzahlungen.
Annahme durch die Kaffen der Reichsabgabenverwaltung.
Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichsfinanzminister hat in dem Bestreben, den Sieuerpflichtigen die Entrichtung thrct Steuerschulden möglichst zu erleichtern, die ^lnanzkassew Zollkaffen und Oberfinanzkassen angewiesen, bis auf werteres entgegen der bisherigen Regeluna auch indossierte Scheck», Kundenschecks und Orderschecks als Einzahlung anzunehmen wenn diese Schecks aus Geldanstaltcn mggciicUt sind, die am Sitz der Kasse, an die die Einzahlung entrrchiet werden soll oder an einem dem Sitze dieser Kasse unmittelbar benachbarten Orte liegen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg ließ sich vom Reichskanzler eingehenden Bericht über die Pariser und Londoner Verliandlungcn erstatten.
* Der Reichsbankausweis zeigte eine wenn auch geringe Erhöhung der Deckungsgrenze.
. * amerikanische Außenminister Stimson traf zu einem kurze» Besuch tn Berlin ein.