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Zulöaer /inzeiger

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Nr. 191 1931

Fulda, Dienstag, 18. August

8. Jahrgang

Die Zukunft des Houng-Plans.

Frankreich verzichtet nicht auf Reparationen.

Dasmagische Rezept eines Doktors".

Finanzminister Flandin äußerte sich in einer Unterredung über das R.eparationsproblem und die finanzielle Wiederaufrichtung Deutschlands. Er ant­wortete zunächst auf die Angriffe, Vie von verschieoenen Kreisen Frankreichs gegen die Regierung erhoben werden, weil sie überhaupt dem Hoover-Porschlag aus ein allgemeines Moratorium zugestimmt hat. Flandin er­klärte in diesem Zusammenhang, daß er sich schlecht die Lage Frankreichs am 15. Juli vorstellen könne, wenn es nicht zu dem Übereinkommen mit Amerika gekommen wäre.

Was die Zukunft des Young-Plans angehe und besonders die Wiederaufnahme der Zahlungen

nach Ablauf des Hoover-Moratoriums.

so betonte der Finanzmtnister, daß der Ausgleich zwischen einem Teil der deutschen Reparationen und den französischen Schulden an Amerika keinerlei Schwierigkeiten unterliege. Frankreich werde nie etwas dagegen einzuwenden haben, wenn Amerika die Initiative für eine Annullierung der Kriegs­schulden ergreifen würde. Auf der anderen Seite werde Frank- Leich jedoch

niemals einen Druck auf Amerika ausüben, da cs sich bei den amerikanischen Schulden um einen direkten oder indirekten Teil der deutschen Zahlungen handle. Was den französischen Anteil an den Reparationen angehe, so wiffe man, daß er nicht einmal die Zerstörungen decke, die durch den Krieg und besonders durch einen systematischen und gewollten Vernichtungswillen hervorgerusen worden seien. Niemand in Frankreich habe daher auch nur daran gedacht, dass die französische Regierung auf ein Recht verzichten könne, das nicht nur im Versailler Vertrag verbrieft fei, sondern auch den Willen der Gerechtigkeit zum Ausdruck bringe

Wenn man auf verschiedenen Seiten die Auffassung ver­trete, daß Deutschland von den Kriegslasten und von den zwischenstaatlichen Verpftichmngen entbunden werden müsse, um sein wirtschaftliches und finanzielles Gleichgewicht wieverzusinden, so könne er darauf nur ant­worten, daß er sich in diesem Fall der Auffassung der Sach­verständigen des Young-Plans anschliehe. Gewisse Zahlungs- Unfähigkeiten könnten sich sicherlich aus den Umständen ergeben. Diese Umstände wechselten jedoch sehr schnell, wie es die trost­lose Lage Frankreichs im Jahre 1926 und seine Wiederaufrich­tung am besten bewiesen hätten.

Die augenblickliche Krise

!ei äußerst verwickelt und man müsse sich deshalb vor ober- lächlichen Lösungen hüten. Die Geschichte lehre, daß man nie eine große Wirtschaftskrise durch das magische Rezept eines Doktors heilen könne. Hierzu sei vielmehr Zeit und allgemein guter Wille nötig. Wenn es sich darum handle, den Kredit w i e d e r h e r z u st e l l e n, so werde man notgedrungen zu dem einzig möglichen Mittel der Wieder­herstellung des Vertrauens greifen müssen. Wenn es sich jedoch um den Ausbau dieser Kredite handle, so müsse man durch Bildung neuer Kapitalien helfen, was nur durch

cn helfen, was nur durch

eine Ausgabeneinschränkung der Staaten

und der einzelnen Persönlichkeiten möglich sei.

Die Organisierung gegenseitiger Beziehungen setze den Verzicht auf den Wirtschaftskrieg, das Dumping, die ^arispolitik und die verschiedenartiger) Behinderungen voraus. Wenn man die Produktion dem Verbrauch anpassen wolle oder umgekehrt, so werde man sicherlich nicht umhin können, neue Kapttalten zu investieren. Hierbei müsse man jedoch vorsichtig U Werke gehen und aufhören, eine Überproduktion zu unter- stutzen Alle diese Maßnahmen könnten jedoch erst die Folge einer kollektiven Annahme der elementarsten Wahrheiten dès gesunden Menschenverstandes sein, Wahrheiten nk&t^ predige, nach denen zu handeln aber

^ der französische Finanzminister allerdings die ^«elementarsten Wahrheiten desgesunde n seinA standes" denkt, solange Frankreich der Reparationsfrage s w Geheimnis sein. Der Vorschlag ist st 6 l > che Rezept eines D 0 kt 0 rs", da-' der Munster in fernen Ausführungen als völlig ungeeignet zur Heilung der Wirtschaftskrise bezeichnet.

*

Kmanzschwierigkeiien überall

Panikgesahr in England.

In einer Unterredung äußerte sich der englische Finanzminister Snowden über die F i n a n z l a g e E Ug­lands und warnt vor allen Dingen vor einer Panik, für die trotz aller alarmierenden Nachrichten kein Grund vorhanden sei. England habe schon andere schwere Zeiten überstanden und werde auch diese Krise überstehen Trotz­dem sei die s-

e r n st und er

gegenwärtige Lage außerordentlich fordere entsprechende Maßnahmen. Diese würden drastisch sein, er hoffe aber, daß sie jeder willig tragen werde, wenn sie gerecht auf die einzelnen Bevölke­rungsschichten verteilt würden. Der Notzustand sei nur y o t übergehend. Die augenblickliche Lage des eng­lischen Geldmarktes sei durch die gänzlich unbegründete Nervosität ausläiidischer Gläubiger hervorgerusen. England müsse deshalb alles tun, die Befürchtungen zu veseltlgen und seinen Schuldnern beweisen, daß die Lage .S^fi 0efunb sei. Macdonald bezeichnete die einen neuen Aufruf, der auch von den Führer der Opposition unterzeichnet sein wird und der zu einem zeitweisen Abbau a l l c r L ö h n e und G e - e r ausfordern sollte, als eine böswillige Erfindung. Kabin-!^ eme Frage der Industrie und hätten mit den Es kei in dieser Woche nichts zu tun.

l daher ein a.oßer Fehler, die, RLtwendigkeil für

einen Haushaltsansgleich mit Geschwätz über einen Lohn­abbau zu verwechseln.

Die schwierige Finanzlage der Vereinigten Staaten.

Die Staatseinnahmen haben in den Vereinigten Staaten starke Einbußen zu verzeichnen. Allein die internen Einnahmen haben einen Rückgang von 600 Mil­lionen Dollar aufzuweisen. Die Gesamteinnahmen in dem am 30. Juni 1931 zu Ende gegangenen Rechnungs­jahr betrugen zufolge einer vorläufigen Verlautbarung des Schatzamtes 2,428 Milliarden Dollar. Die Einkommen­steuer erreichte nur 1,860 Milliarden Dollar, was einen Rückgang von rund 550 Millionen Dollar bedeutet.

Ohne Sparen kein Kredit.

Scharfe Sparmaßnahmen Deutschlands von Basel verlangt.

Der Neuen Zürcher Zeitung" wird von ihrem aus französischen Bank- und Delegationskreisen gut informier­ten BJZ.-Sonderberichterstatter zu dem von den Fi­nanzsachverständigen in Basel auszuarbeitenden Bericht an die Regierungen mitgeteilt, daß von Deutsch­land sofort sehr scharfe Maßnahmen verlangt werden sollen, damit es durch neue Ersparnisse den Haus­halt des Reiches, der Länder und der Gemeinden ins Gleichgewicht bringe. Die Reichsregierung werde nicht ausschließlich auf die Vorschüsse rechnen dürfen, die ihr eine Erweiterung der Einnahmeneingänge der Reichsbant gewähren könne. Eine ausländische Finanz­hilfe werde daher notwendig sein, aber die ausländischen Finanzmürkte würden trotz der Maßnahmen, die in Deutschland getroffen werden sollen, wenig geneigt sein, neue Kredite ohne weitgehende Garantien zu ge­währen.

^m öèe Bankenkonlrotle.

Die Prüfung der Verhältnisse im Bankgewerbe.

Der Wirtschaftsausschuß des Reichskabinetts wird am Dienstag zu einer Sitzung zusammemreien, um die Ver­hältnisse im Bankgewerbe zu prüfen. Zu den Besprechungen, an denen auch Reichsbankpräsident Dr. Luther teilnimmt, sind noch folgende Herren eingeladen worden: Geheimrat Schmitz von den J. G. Farben, der frühere Reichsfinanz-

Die Todesfahrl im

Die Zuükatakrophe bei Leoben.

Der schlafende Fahrdien st leiter.

Die Zugkatastropye, die sich bei Leoben ereignete, hat noch weitere Todesopfer gefordert. Zwei der schmerver- wundeten Passagiere sind ihren Verletzungen erlegen, so daß sich die Zahl der Getöteten auf 14 erhöht. Die Unter­suchung über den Unfall ist bereits vom Gericht eröffnet worden. Die Untersuchung wird sich auf zwei Tat­bestände erstrecken: aus das Telephongespräch zwischen den Fahrdienstleitern von Hintcrbcrg und Göß, in dem mitaeteilt wurde, daß der Gütcrzua bereits in Göß ein­

gelaufen sei, so daß der Fahrdienstleiter von Hinterberg den Schnellzug passieren ließ.

Nach den Angaben des Fahrdienstleiters von Hinter­berg war die Verständigung am Telephon sehr schlecht. Das zweite Moment, das untersucht werden wird, ist die Frage, warum der Güterzug vor der Einfahrt der Station auf offene Strecke so lange aufgchalten wurde. Der Auf­enthalt wird mit 8 bis 14 Minuten angegeben. Vor der Einfahrt in den Bahnhof ist das Signal immer auf Halt gestellt. Erst wenn der Fahrdienstleiter auf die Ankunft des Zuges durch ein Sirenensignal aufmerksam gemacht wird, gibt er die Einsatm frei.

Der Fahrdienstleiter von Göß behauptet nun, er habe sofort, nach dem er das Sirenensignal gehört habe, das Signal aufFreie Fahrt* gestellt. Einige Leute, die in der Nähe der Bahn wohnen, behaupten jedoch, daß der Güter- zug minutenlang fast unausgesetzt gepfiffen habe, so daß sie davon anfgewacht seien. Infolgedessen wird die Vermutung geäußert, daß

der Fahrdienstleiter von Göß geschlafen habe und erst durch das anhaltende Pfeifen des Zuges auf- gewachp sei und das Signal freigegeben habe. Dadurch sei der Zusammenstoß möglich geworden.

minister Dr. Hilferding, Bankdirektor Pferbmenaes- Köln, Professor Stein, der Nationalökonom Adolf Weber- München der frühere Staatssekretär Dernburg, Bank­direktor Reinhart von der Commerzbank, Rittergutsbesitzer von Flemming und der Industrielle Hackelsberger, Bei den letztgenannten neun Herren handelt es sich nicht um Mitglieder eines von der Regierung eingesetzten Aus­schusses, sondern die Herren sind lediglich als Sachverstän­dige zu den Beratungen hinzugezogen worden.

Die Beamiengehalier.

Länder beraten über eine Sonderkürzung.

In Oldenburg fand eine Tagung der Oldenburger Beamtenschaft statt, in der mitgeteilt wurde, daß nicht nur Oldenburg, sondern der größte Teil der Länder eine

Sonderkürzung der Beamtengehälter vornehmen wolle.

_ Die in Oldenburg stattfindende Konferenz der Minister­präsidenten und Finanzminister von Oldenburg, Braunschweig, Mecklenburg - Strelitz, Mecklenburg - Schwerin, Schaumburg» Lippe, Thüringen, Anhalt und Lübeck wird über die Frage einer Sondergehaltskürzung der Beamten in den Ländern Be­schluß fassen.

Der oldenburgische Ministerpräsident bestätigte die Nach­richten über die Abaupläne. Nach den bisherigen Plänen sollen die Gehälter unter 2000 Mark unverändert bleiben, von 2000 bis 3000 Mark sollen sie um 4 Prozent, von 3000 bis 6000 Mark um 5 Prozent, von 6000 bis 12 000 Mark um 6 Prozent, von 12 000 bis 14 000 Mark um 7 Prozent und über 14 000 um 8 Prozent gekürzt werden. Von der Gehaltskürzung sollen nur die Beamten, nicht aber die behördlichen Angestellten betroffen werden.

Die Angestellten sind durch Tarifvertrag geschützt und die Oldenburger Regierung glaubt nicht berechtigt zu sein, das Tarifrecht durch eine Landesnotverordnung zu brechen.

Der Lohnstreit bei den Gemeinden.

Die Verhandlungen im Arbeitsministerium.

Im Reichsarbeitsministerium fanden Verhandlungen statt in dem Lohnkonflikt, der durch die Notverordnung vom 5. Juni zwischen den Gemeinden und ihren Arbeitern hervorge­rufen worden ist. Der Reichsarbeitgeberverband der öffentlichen Verwaltungen hatte die Löhne um 9 Prozent gekürzt und dann diese Anordnung wieder zu­rückgezogen, weil zunächst das Resultat der Verhandlungen ab- gewartet werden sollte. In der Sitzung unter Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald machte zunächst ein Vertreter des Reichsfinanz mini st crs den Parteien einen Vorschlag zur Beilegung des Konfliktes, über den dann beraten wurde.

Durch die Geistesgegenwart eines mitreisenden Eisen- Äahnbeamlen wurde noch im letzten Augenblick eine zweite Katastrophe verhütet. Der Beamte erinnerte sich im Mo­ment des Zusammenstoßes, daß ein Personenzug unmittel­bar hinter dem D-Zug kommen mußte. Er lief, mit einer Taschenlaterne bewaffnet, dem Personenzug entgegen und konnte ihn tatsächlich durch seine Lichtsignale noch vor der Unfallstelle zum Halten bringen.

Wunderbare Rettung.

über die Emgleisung des D-Zuges werden noch folgende Einzelheiten besannt:

Die Lokomonve wurde aus Den Gleisen geschleuveri und stürzie, sich überschlagend, die Böschung hinab. Lokomotiv­führer und Heizer, die bis zum letzten Augenblick auf dem Führerstaild ausgeharrr hatten, wurden wie durch ein Wunder nur unerheblich verletzt. Der Postwagen prallte gegen die Steinmauer der Brücke und stellte sich senkrecht. Die nach­folgenden Wagen verschachtelten sich ineinander und bohrten sich tief in den Postwagen ein. Der vierte Wagen des Schnell­zuges, der Schlafwagen, hielt dem Anprall stand. Diesem be­sonderen Umstande ist es zuzuschreiben, daß die nachfolgenden Schnellzugwagen vollkommen unbeschädigi blieben. Die Passa­giere verspürten zwar einen heftigen Ruck, glaubten aber zu­nächst gar nicht an eine Katastrophe. In den ersten Wagen jedoch blieb kaum einer der Reisenden unverletzt. Lediglich zwei Kinder wurden auf geradezu wunderbare Weise vor Ver­letzungen bewahrt. Sie wurden durch die berstenden Fenster- scheiben geschleudert und fielen mitten unter die aus dem Post­wagen fallenden Pakete. Auch der Zugbegleiter wurde aus dem Wagen geschleudert, fiel die Böschung hinunter und erlitt nur unerhebliche Verletzungen. Ein Mann, der gerade zum Fenster hinaussah, wurde zwischen Trümmer eingeklemmt.

Wieder ein Eisenbahnattentat.

Zwischen den Bahnhöfen Weinberg und Luhe (Ober­pfalz) wurde auf das Gleis RegensburgHof in ver­brecherischer Absicht eine Brückenschwelle gelegt. Die Loko- Motive eines Eilgüterzuges zertrümmert di- Schwelle, ohne zu entgleisen. Der Lokomotivführer erstattete im nächsten Bahnhof Bericht. Als Bahnpersonal an die an­gegebene Stelle kam, waren auf das Nachbargleis wieder- um zwei Schwellen gelegt worden. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat noch zu keinem Ergebnis geführt. Für die Ermittlung der Täter wurde eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Bei einem starken Rückgang der deutschen Einfuhr weist die letzte Außenhandelsbilanz einen Aussuhrüber chuß von 254 Millionen Mark aus.

* Der Wirtschaftsausschuß des Reichskabinetts hat seine Be­ratungen über die Sanierung des Bankwesens ausgenommen.

* Zn England ist durch schwere Regengüsse ein großer Teil der Ernte vernichtet worden.