Zulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg
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Nr. 192 — 1931
Fulda, Mittwoch, 19. August
8. Jahrgang
Bon Versailles bis Basel
Neue Noi!
Vom grünen Tisch in Basel.
Der Bericht des Ftnanzsachverstäudigeu-
Mögliches und Wünschbares.
Mit der Berliner Reise des französischen Ministerpräsidenten und des Außenministers wird sich am Donnerstag ein Ministerrai in Paris beschäftigen, und die Frage, ob und wieweit ein solcher Besuch eine deutschfranzösische Verständigung vorbereiten kann, beschäftigt die öffentliche Meinung sowohl Deutschlands wie Frankreichs. Vor allzu hochgespannten Erwartungen sich hütend, wird man als kühler Rechner, ohne jede Gefühlsphrase vom rein realpolitischen, d. h. machtpolitischen Standpunkt aus die Voraussetzungen einer solchen Verständigung prüfen müssen. Der Realpolitiker wird vor allem Sinnesart und Gemütsverfassung der Mächte, mit denen er zu verhandeln hat, berücksichtigen müssen, wenn es ihm auch schwer fallen mag, sie von seinem eigenen
Standpunkt aus zu begreifen und sich den politischen Ev
Wägungen, die st
_ _ . Je in ihrem Interesse anstellen, anzuschließen. Er muß den „sacro egoismo“, den heiligen Egoismus des Verhandlungsgegners als eine gegebene Tatsache in seine Berechnung einstellen und darf sich nicht durch nebelhafte Vorstellungen von Wohlwollen oder Entgegenkommen den klaren Blick trüben
lassen. Im Verkehr von Macht zu Macht werden keine Beschenke gemacht, sondern man gibt in der Politik nur jm des eigenen Vorteils willen, wobei es allerdings nicht ausgeschlossen ist, daß sich der eigene Vorteil mit dem des Kontrahenten deckt. Mit solchen Erwägungen wird man guttun, an alle außenpolitischen Ereignisse der nächsten Zeit heranzugehen. Der Deutsche ist ja nur allzu leicht geneigt, auf den Sieg der gerechten Sache zu hoffen, er vergißt aber dabei gern, daß die „Justitia", neben der ausgleichenden Waage aus das Schwert führt und dies besonders, wenn sie zum Richter aufgerufen wird zwischen den Völkern. Der Idealist wird und muß im politischen Kampf dem Realisten gegenüber den Kürzeren ziehen, und leider wird man feststellen müssen, daß der vielgepriesene deutsche Idealismus, den
anderen Gebieten njemqnb in d?r ganzen Wri4 mMu mochte, auf autzenpolitifchem Felde sich oft als Hemmung für klare Einsicht und richtige Behandlung des Gegners erwiesen hat. Wir werden mit allen Kräften bemüht sein müssen, uns aus dem Wolken-, kuckuckshelm unserer begeisterten Wünsche Herauszureitzen, um uns wieder mti beiden Füßen auf den festen Boden der gegebenen Tatsachen zu stellen. Politik heißt die Kunst, das Mögliche zu erreichen, nicht die, irgendwie Wunschbarem nachzujagen.
Daß mit dem Besuch der französischen Minister, wenn er erfolgen sollte, realpolitisch noch nicht viel erreicht sein durfte, daß der Weg zu einer deutsch-französischen Verständigung noch dornig und lang sein wird, das wird uns immer wieder bewiesen durch französische Stimmen, die uns vor überspannten Hoffnungen warnen, auf die Schwierigkeiten Hinweisen und klar heraus anleiten, daß Frankreich irgendwelche Opfer für die Durchführung der Verständigung nicht zu bringen gedenkt, sondern daß nur sehr allmählich sich eine Besserung in den deutsch- französischen Beziehungen anbahnen kann. So vertritt fetzt der außestpolitische Leitartikler des „Petit Parisien" Lucien Romier, der in deutsch-französischen Angelegen- w«nJur besonders gut unterrichtet gilt, die 1 Auffassung, daß zwischen Deutschland und Frankreich eine dauerhafte Verständigung nur dann möglich sei, wenn man aus der bisher eingenommenen falschen Stellung von Verteidiger und Förderer heraustrete und sich ■ -^"L^ZL? u^s.u " d - - «.- l m â bi 9 «Oe 8«.
deutschen Regierung ging von Dem Wert der Handelsflotte im Augenblick der Ablieferung aus, während die Neparationskommission die Summe einfetzte, die durch den Verkauf der Schiffe erzielt worden ist.
Gemäß dem Dawes-Plan sind 8 Milliarden Mark und gemäß dem Young- Plan 2,7 Milliarden Mark bezahlt worden. Die amerikanische Schätzung von 26 Milliarden zugrunde gelegt, ergibt dies also eine Gesamt- zahlung von deutscher Seite in Höhe von 3 6,7 Milliarden Mark. Frankreich hat davon 52 Prozent, also 18,5 Milliarden Mark erhalten. Die Wiederaufbaukosten in Frankreich schätzt die französische Regierung selbst mit 109 Milliarden Frank, also 16,7 Milliarden Mark ein. Demnach hat Frankreich also bereits mehr erhalten, als die Kosten für den Wiederaufbau in Frankreich betragen.
*
Einigung in Basel.
Basel, 19. August.
Die bis in die späten Nachtstunden fortgesetzten Verhandlungen des internationalen Sachverständigenausschusses und des sogenannten Stillhaltekonsortiums wurden kurz vor 1 Uhr zu Ende geführt. In sämtlichen Punkten gelangte man nach langwieriger, oft unterbrochenen Verhandlungen zu^einer Einigung. . Dies gilt auch für die so heiß umstrittene Frage der ausländischen Markguthaben in Deutschland. Dieses Problem, dem von deutscher Seite erhebliche Bedenken beigemessen wurden, ist, wie man hört, in der Weise gelöst worden, datz 20 Prozent dieser Guthaben sofort und der Rest allmählich abgezogen werden kön-- nen. Das Abkommen über diese Frage sieht jedoch einen Vorbehalt vor insofern, als die Reichsbank gewisse Matznahmen treffen kann für oen- Fall, datz sich durch den Abzug dieser Markguthaben eine Gefährdung der Devisenlage der Reichsbank ergeben könnte. Der Bericht des Stillhalteausschusses wird erst am Mittwoch hier unterzeichnet und zur Veröffentlichung kommen.
*
an die Tributbank.
Die Deutsche Reichsbank hat am 15. August der Tributbank als monatliche Ratenzahlung für die ungeschützten Annuitäten einen Betrag von 51 Millionen Mark überwiesen 47 Millionen werben davon der Deutschen Reichsbank zur Verfügung gestellt. Der Rest — mit Ausnahme des südslawischen Anteiles — wird sur den Zinsendienst, u. a. auch für die Young-Anleihe Der- wendet. Die Zahlungen sind bekanntlich nootwendig infolge oes mit Frankreich getroffenen Abkommens.
ausschusses bei der
und die von ihm gc’
faßten Entschließungen enthalten für Deutschland eine Reihe schwerwiegender und einschneidender Schlußfolgerungen, die nicht nur in die gesamte Finanzgebarung von Reich, Ländern und Gemeinden eingreifen, sondern auch in die Lebenshaltung des einzelnen Deutschen. Auch bezüglich des deutschen Außenhandels macht der Bericht einschneidende Angaben und erhebt verschiedene Forderungen. Die deutschen Delegierten haben wohl verschiedentlich gewisse Milderungen bei der Absaffung des Berichtes erreicht, aber die grundlegenden Meinungen der ausländischen Bankiers über das, was dem deutschen Volk noch möglich ist, nicht ändern können. Gewiß haben die ausländischen Bankiers eine feine Beobachtungsgabe für das, was über ihre Konten läuft, und was sich auf den einzelnen Finanzmärkten abspielt, aber über das, was das deutsche Volk feit dem Kriege und von Jahr zu Jahr unter steigenden Entbehrun- und Verlusten seiner wirtschaftlichen Existenz erlitten hat — es sei nur an die vielen Selbstmorde aus Nahrungssorgen erinnert — weiß man am grünen Tisch in Basel nickts.
15.
Die Golddeckung wächst.
Verringerter Notenumlauf. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom August 1931 hat sich in der zweiten Augustwoche die
gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 542,6 Millionen auf 3 306,8 Millionen Mark verringert. An Reichs- bankn 0 ten und Rentenbankscheinen zusammen sind 144,1 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 138,3 Millionen auf 4237,3 Millionen Mark und derjenige an Rentenbank- scheinen um 5,8 Millionen auf 403,3 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 24,3 Millionen Mark erhöht. - Die f remden Gelder zeigen mit 525,6 Millionen Mark eine Abnahme um 255,0 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 10,6 Millionen auf 1682,8 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 760 000 auf 1365,8 Millionen Mark und die Bestände an veckungs- fähigen Devisen um 9,8 Millionen auf 317,0 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deâungsföhige Devisen beträgt 39,7 gegen 38,2 Prozent in der Vorwoche.
Der Zeppelin besucht England
Enalandschrt des „Graf Zeppelin".
' Nachbar zu Nachbar zu behandeln. Man werde len SÄ Ebensowenig auf idealistischen Gefüh- m tme auf provisorischen K 0 m p r 0 -
/ ^fnmm^n S durch Gewalt oder Geschicklichkeit zustande ^tir ein Ausgleich der beiderseitigen eiZ ttrhi Interessen könne als wahre Grundlage
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regelmäßige und häufige Verbindung herzustellen Nur auf diesem Wege könne man ernsthafte EV^
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist bei leichtem Regen in Friedrichshafen zu einer Landungsfahrt nach England aufgestiegen. An der Fahrt nehmen 22 Pasiagiere teil, darunter fünf Engländer. Die Führung des Luftschiffes hat Dr. Eckener selbst übernommen.
Von Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin* ging im französischen Außenministerium ein Funkspruch ein, worin Dr. Eckener um die Erlaubnis zur Überfliegung französischen Bodens nachsuchte. In diesem Funkspruch wurde ferner die Mitteilung gemacht, daß das Luftschiff Paris überflieg e n würde, falls man dies französischer» seits wünschte. Da der französische Luftfahrtminister ab- wesend ist, wurde diese letzte Frage in der Antwort nicht berücksichtigt. Man erklärt im Luftfahrtministerium lediglich, daß Dr. Eckener Paris berühren könne, wenn er dies wünsche, und daß man französischerseits nichts einzuwenden habe. Auf jeden Fall wird das Luftschiff übet Besancon, Orleans und Le Havre seinen Weg nach London nehmen.
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*
Deutschlands Äber-Neparaiionen.
Was Frankreich an der „Wiedergutmachung" verdient.
Erklärungen des französischen Finanz- minifterë Flandin, daß Frankreich nicht aus die deut- Ichen Reparationen verzichten könne, da sie nicht einmal in de*Herstellung der Kriegsschäden \ Frankreich ausreichten, wird von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Die bisherigen deutschen Leistungen und verschieden berechnet worden. Deutschland dei seiner Berechnung auf die Summe von 56 Mil- Mark bahrend amerikanische Sachverstäu- J9' 26 Milliarden Mark errechnet haben. Die
Sinn». 0 a ^ k 0 m Mission dagegen schätzte die
^ 8 SnUrU^ Leistungen bis 1923 auf
ausfallen M 8816 verschieden die Berechnungen
die' abael'i-k-^B. daran zu ersehen, daß die Deutschen für »edÄ?te Handelsflotte 5,8 Milliarden in nur 750^ R^illion'^qv'"^^ die Neparationskommission 750 Melonen Mark errechnet. Die Rechnung der
Die Rundfahrt, die der „Graf Zeppelin* nach feinet Landung in London über England unternimmt, wird das Schiff über Norfolk führen, wo sich augenblicklich das Königspaar auf seinem Sommersitz Sandringham auf- Alle englischen Eisenbahngesellschaften haben billigt Rückfahrkarten sowie Extrazüge für den Besuch des deutschen Luftschiffes anaekündiat.
,y®rof Zeppelin" über England.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin* traf vom Kanal her kom- meild gegen 16.30 Uhr über englischem Gebiet in der Nähe von Hastings ein und flog, überall mit größtem Interesse begrüßt, in westlicher Richtung weiter. Man nimmt an, daß Dr. Eckener Siefen Umweg nicht nur wählte, um die Hunderttausende von Lasten in den Seebädern zu begrüßen, sondern auch, weil das Luftschiff so gute Fahrt gemacht hatte, daß der Flugplatz Han- suorth durch Funkspruch bat. die vorgesehene Landezeit möglichst innezuhalten, um die vielen Tausende von Menschen, die nach Bureauschluß in Hanworth erwartet werden, nicht durch ^lne frühzeitige Landung zu enttäuschen.
Bereits gegen 16.30 brachte ein britisches Postslugzeug, das von Basel kommend, die englisch-indische Post befördert, die ersten Ausnahmen des „Gras Zeppelin* von dieser Fahrt mit, die es im Vorbeifliegen gemacht hatte.
Von Friedrichshafen nach pernambuko.
Südamerilafahrtdes „Gras Zeppelin*.
Der Start zu der geplanten Südamerikafahr« des Luftschiffes „Graf Zeppelin" ist, wie Kapitän Lehmann erklärte, vom -ib. auf den 29. August verschoben worden. Veranlassung dazu
Sab diè verspätete Ankunft des vom Luftschiffbau nach Pernam- uko entsandten Ingenieurs Rösch. Dieser ist beauftragt, di« Verbesserungen und Erneuerungen auf dem südamerikanische» Fluggelände nachzuprüfen. An der vom Luftschiffbau Zeppelin erstellten Gasanstalt und auch an dem Ankermast wurden Verbesserungen vorgenommen. Die Werft in Friedrichshafen ha: einen Spezialwagen mit einem Drehgestell gebaut, auf dem das Heck des Luftschiffes ruhen soll, wenn es am Mast veranker: wird. Der sogenannte Heckwagen ist vor einigen Wochen vom Luftschiffbau nach Pernambulo abgeschickt worden. Um den Ankermast in Pernambulo wurde ein Schienenkreis neugetcgt, auf dem der Heckwagen mit dem Luftschiff sich in der Windrichtung bewegen sann.
Das Luftschiff wird diesmal in Sevilla keine Zwischenlandung vornehmen, sondern von Friedrichshafen direkt nacs Pernambulo fliegen, wo es am 1. September eintreffen wird Die Fayrtlinie wird das Luftschiff te nach der Wetterlage über die, Kanarischen oder Kapverdischen Inseln nehmen, wo über Santa Cruz, Teneriffa oder Porto Prava Post abgetDorfe« wird. Nach zweitägigem Aufenthalt, also am 3. September, wird das Luftschiff von Pernambulo die direkte Heimreise nach Friedrichshafen antreten. Während des zweitägigen Aufenthalts wird das Luftschiff mit Brennstof! und Gas nachgefüllt, Post sowie der vor einiger Zeit durch das Kurgartenhotel Friedrichshafen vorausgeschickte Proviant (300 Kilogramm) an Bord genommen. Für die Postbeförderung wird die Deutsche Lufthansa zum Anschluß an die Süd- amerikafahrt einen Sonderflug von Berlin nach Friedrichshafen ausführen. Von Pernambulo aus soll die Post mit einem Sonderflugzeug bis Rio de Janeiro gebracht werden, wo sie der brasilianischen Postverwaltung zur Weiterbeförderung übergeben wird. Sendungen an Empfänger in den süd» brasilianifchen Staaten Parana, Santa Catharina und 9iio Grande do Sul werden außerdem mit planmäßigem Streckenflug des Condor-Syndikats weiterbefördert.
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„Kiel in die Welt" flieg, nach Tokio.
Die deutsche Fliegerin Marga von Etzdorf ist in ryrem Junkers-Kleinslugzeug „Kiek in die Welt* zu einem Flug über Königsberg, Moskau und Sibirien nach Tokio aufgestiegen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der erste Ausweis der Reichsbank nach der Diskontsenkung läßt eine starke Entlastung erkennen.
* Der Finanzsachverständigenausschuß bei der Tributbank in Basel hat sich geeinigt.
* Die Einfuhr stickstoffhaltiger Düngemittel wird von einer Einfuhrbewilligung abhängig gemacht.
* Maskierte Banditen überfielen eine ReichebLuksilialc in Berlin und raubten dort 20 000 Mark. ' l