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ul-aer /lnzeiger

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^198 - 1931

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" Zulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt

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Fulda, Mittwoch, 26. August

Mzelgenprels: Für Behörden, Genossenschaf, ten,Banken usw.betrâgt dieKleinzelle 0^0 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Ulk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 M^ Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel. Jung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platz Vorschriften unverbindlich.

8. Jahrgang

Englands Sparkabinett.

Oas neue englische Kabinett.

Die amtliche Liste der neuen Männer in England.

Die Bildung des neuen Kabinetts hat geraume Zeit in Anspruch genommen, noch im letzten Augenblick wurden verschiedene Änderungen in den Persönlichkeiten durch- (icfiiW. Die amtliche Ministerliste ist soaar noch unvoll-

Minister Baldwin, der Wortführer der Regierung im Unterhaus.

ständig, denn weder der Sitz des Kriegsministers noch der des Landwirtschaftsministers ist endgültig vergeben; man [Wirb erst später die Träger dieser Portefeuilles nennen.

Die Ministerliste ist folgende:

Ministerpräsident Macdonald (Arb.), Schatzkanzler Snowden (Arb.), Präsident des Staatsrates, Baldwin (Mf.), Außenminister Lord Reading (Lib.), Dominions Thomas (Arb.), Lordkanzlcr Sankey (Arb.), Innenminister Sir Herbert Samuel (Lib.), Minister für Indien, Sir Samuel Hoare (Kons.), Gesundhcitsw.: Neville Chamber­lain (Kons.), Handclsminister Sir Lister (Kons.), Luftfahrt- minister Lord Amulree (Arb.), Erster Lord der Admiralität Darineminister) Austen Chamberlain (Kons.), Minister für Schottland, Sir Archibald Sinclair (Lib.), Erziehung Sir Donald Maclean (Lib.), Arbeitsminister Betterton, Minister für öffentliche Arbeiten Marquis von London­derry, Kanzler der Grafschaft von Lancaster Marquis von Lothian (alle drei Kons.).

; Baldwin ist als Präsident des Staatsrates der Führer der Regierungspartei int Parlament.

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Die englischen Sparmaßnahmen.

Starke Kürzung der Arbeitslosenunterstützung.

Das Finanzprogramm, auf dem die neue Regierung ist das Kompromißprogramm, das die Revolte im «abinett nach sich zog. Dieses Programm enthält keinen vlnanzzoll. Es bringt die Kürzung der " l; e l t s l 0 s e n u n 1 e r st ü tz u n g um 510 Prozent, p .^obfetjung der Bezüge der Polizisten, Lehrer und â^vwaten und die Einkübruna der Nentiersteuer auf fest­

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1 Die wichiigsten Gegenwarisaufgaben.

/ Das Zentrum in Stuttgart.

Zentrumsfraktion des Reichstages hielt im I Vereinshaus St. Binzens in Stuttgart eine

I Besprechung ab, zu der auch Vertreter der I sa i5"°ndtage sowie sonstige Vertreter der Länderor^ mt= I äugezogen waren. An den Beratungen nahmen I ÈinLsu .. ^^iden Württembergischen ZentrumsmtNlster, I scln->!^^sident Dr. Bolz und Justizminister Dr. Barerle, i Mi^?^ badische Staatspräsident Dr. Witteman sowie I i^nenminifter Dr. Wirth teil. ..

I ni»^ Laufe der Sitzung hielt Reichskanzler Dr. Bru- Gr hOktlte ^iede über die politische Lage im allgemeinen. I htn bündelte dabei insbesondere das Arbeitslosen- »Älm,. das er als Weltkrise charakterisierte, deren IliwW1 von Deutschland allein durchgeführt werden I grih i ."d^rn nur unter Zusammenwirkung aller von der »,/^vssenen Länder und Staaten.

I dir P. Mittelpunkt seiner Ausführungen bildeten mcht I linmuS sondern allgemein wirtschaftliche und zpollttsche sowie soziale Fragen.

I lanup. ,, ^age der Reichsreform bemerkte der Retchs- I nisten "' d"i? diese Frage unter den heutigen Verhalt- I stehen».?, b^vüber den anderen mehr im Vordergrund I Mktsl,>s',,.Fragen, namentlich gegenüber den Fragen I Sie kiw > ch^? und finanzieller Natur, zurücktrctcn müsse. I Ueli)ft 's11 in gegenwärtigen Augenblicken nicht abrupt I sanden n^^v' Die Darlegungen des Reichskanzlers I Mei, (...L^cu Beifall und waren von Pessimismus ebenso

1 Dion/?^ ivte von einem übertriebenen Optimismus. ^unn nachmittag fand eine engere Frakttons- I ^"ls d»â L°"^rums statt, auf der der Reichskanzler aber- 1 Nitiu," ergriff. Dr. Brüning machte wetterhm »âbend^.^" Erlegungen auf einem parlamentarischen 15s8eben wurde ^^^' der Zentrumssraktion in Stuttgart

verzinsliche Werte als Vorbereitung aus die Konvertierung der Kriegsanleihen.

*

Sie englischen Gewerkschasten

und die Aationalregienmg.

Zunächst keine Unterstützung der Regierung.

Der Generalsekretär der Gewerkschaften, Citrine, teilte in einer offiziellen Erklärung mit, daß, solange der Voll­zugsausschuß der Arbeiterpartei und der Generalrat der Gewerkschaften nicht die Angelegenheit der National­regierung erwogen und hierüber eine Entscheidung gefällt hätten, die Unterstützung der Negierung durch die Arbeiter­bewegung mit dem Augenblick aufgehört habe, in dem das Kabinett zurückgeireten ist.

Generalsekretär Citrine teilte noch mit, daß für nächsten Mittwoch eine Sondersitzung des Generalrats der Gewerkschaften zusammen mit dem Nationalen Voll­zugsausschuß der Arbeiterpartei, sowie dem beratenden ständigen Ausschuß der Arbeiterpartei nach London ein- berufen worden sei.

Mlliardenkredit Amerikas an England?

Das englische GewerlfchaftsblattDaily Herald" be­hauptet, daß unter dem Druck amerikanischer Banken die Kürzung der Arbeitslosenunterstützung in das englische Sparprogramm ausgenommen worden sei. Wenn diese Behauptung auch übertrieben sein mag, so gewinnt das Gerücht an Wahrscheinlichkeit, daß Amerika nunmehr bereit ist, der neuen englischen Regierung einen kurz­fristigen Kredit von 1,52 Milliarden Mark zu geben.

Sir Herbert Samuel, der neue englische Innenminister.

Amerikanisches Kreditangebot an England.

Aus Washington wird gemeldet, daß der Federal Reserve Board bereit sei, England nötigenfalls weitere Kredite zu gewähren, um ihm über die gegenwärtige Notlage hinwegzuhelfen.

Die Nachricht von der Bildung einer Nationalregierung hat auf die Börse eine sehr beruhigende Wirkung ausgeübt.

Neue Zollpolitik.

Schiele für Wiedereinführung der Einfuhrscheine.

Anfang Juli hatte sich der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartet. Abgeordneter Schäffer, in einem längeren Schrei­ben an den Reichskanzler Brüning gewandt, worin auf die besorgniserregende Lage der Landwirtschaft aufmerksam ge­macht und zugleich aus mehrfache Hilfsmöglichkeiten hinge- wiesen wurde.

Im Auftrag des Reichskanzlers hat nunmehr Reichs- ernährungsminister Schiele u. a. geantwortet, auch er sei der Auffassung, daß eine wirksame und dauernde Hilfe für die Milchwirtschaft nur geschaffen werden könne, wenn eine Erhöhung des Bullerzolles und auch eine entsprechende Er­höhung der Käsezölle erfolgt.

Das Rcichskabinett habe aber bisher in der gespannten politischen und finanzpolitischen Lage Deutschlands jede Be- unrnhigung des Auslandes auf handelspolitischem Gebiet ver­meiden wollen. Dr. Schiele gibt jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß nach eingetretener Klärung der Verhältnisse ein neuer An­trag aus Erhöhung der Zölle bessere Aussicht auf Erfüllung haben werde

Zur Frage des H 0 p f e n z 0 l l e s betont der Reichsernäh- rungsmtnister, daß die bisherigen Versuche der Reichsregierung, auch Belgien zur Freigabe dieser Zollbindung zu veranlassen, ergebnislos gewesen seien.

Bezüglich der Absatzregelung für dtekommendeErnte verweist Dr. Schiele aus die Verordnung vom 13. August und bezeichnet die schleunige Wiedereinführung der Einsuhrscheine für die Gerste und Hafer verarbeitende Industrie als unbedingt notwendig. Lediglich die schlechte Fi­nanzlage des Reiches habe bisher die Wiedereinführung dieser Einfuhrscheine verhindert. Der Reichsernährungsminister be­merkt ferner, daß er auch die Wiedereinführung der

Einfuhrscheine für Rindvieh für erforderlich halte.

Es wäre auch zu begrüßen, wenn für Braugerste und Hafer wieder Einfuhrschetnc eingeführt werden könnten. Das Reichs- ernährungsministerium führe in der Frage der Verringerung der Preisspannen zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen für die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse unablässig Perhandlungen mit den Beteiligten.

Macdonald III.

Nachdem das Arbeiterkabtnett in England ausein­andergefallen ist, hat sein bisheriger Führer, Macdonald, den Auftrag zur Bildung einer neuenNationalen Regie­rung" übernommen. Ihr werden außer einigen Ministern der Arbeiterpartei vor allem führende Männer der bisheriger Oppositionsparteien, der Konservativen und der Liberalen angehören. Die Opposition wird dann nur aus den Gewerkschaften bestehen, an deren Spitze sich der bisherige Außenminister Henderson stellen dürfte. Macdonald tritt damit zum drittenmal an die Spitze eines Kabinetts, von denen zwei Arbeiterregie- rungen gewesen sind, wobei man nicht vergessen darf, daß die BezeichnungArvetterregierung" in England einen viel weniger parteipolitischen Klang hat, als sie ihn in Deutschland haben würde. Die englischeLabour Party" entspricht nicht unserer Sozialdemokratischen Partei und deswegen darf auch ein Auseinanderfallen von politischer Partei und Gewerkschaft, wie wir sie jetzt in England sehen, durchaus nicht allzu große Verwunderung erregen. Es ist sehr wohl möglich, daß Macdonald, nachdem er sein ja nur für die Durchführung der Notmaßnahmen be­fristetes Kabinett zum Ziel gebracht hat, wieder zu seinen alten Parteifreunden zurückkehrt. Der Engländer denkt hier weniger Partei- als staats politisch und hat Ver­ständnis für das Abgehen von Punkten des Partei­programms, wenn das Wohl der Allgemeinheit es von einem regierenden Parteimitgliede erfordert. Auch die Bildung dieses Kabinetts besonders zu einem Zweck, zur Überwindung der englischen Finanznöte, zeigt den Zug echter englischer Realpolitik, unbekümmert um Theorien von Freihandel und Schutzzoll, von Parteischlagworten und programmatischen Wünschen.

Die Frage, die Deutschland vor allem bei dem englischen Kabinettswechsel interessiert, ob die Außenpolitik Englands, besonders die Stellungnahme zu Deutschland, eine Änderung erfahren wird, kann wohl dahin beant­wortet werden, daß sich grundsätzlich darin kaum etwas ändern wird. Nach dem Sturz des konservativen Kabi­netts Baldwin, in dem Außenminister Chamberlain ganz besonders die Freundschaft mit Frankreich ge­pflegt hatte, seine Liebe zu Frankreich hat er einmal mit derLiebe zu einer Frau" verglichen, wandte Mac­donald fein ganzes Interesse aus die Herstellung guter Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, wie man weiß, mit gutem Erfolg, während sein Außenminister Henderson mit weniger guten Erfolg in Rußland operierte. Diesem amerikanischen Kurs, gegenüber dem vor­hergehenden ausgesprochen französischen, ist Mac­donald während seiner ganzen Regierungszeit treu ge­blieben und wird es wahrscheinlich auch weiter bleiben. Deutschland konnte aus dieser Einstellung Englands manchen Vorteil ziehen, es sei nur erinnert an die durch die Zurückziehung der englischen Besatzungstruppen ins Rollen gekommene Entsatzung der besetzten Gebiete. Mac­donald hat immer bewiesen, daß er zunächst Staatsmann und in zweiter Linie erst Parteipolitiker ist, deswegen fiel es auch den beiden Parteien, die bisher in Opposition stan­den und die jetzt in das Kabinett eintreten, nicht schwer, schon in den letzten Monaten die Politik Macdonalds, so weit sie sich auf Deutschland, bzw. auf die für uns ausschlaggebenden europäischen Probleme bezog, zu unter­stützen. Es ist also wohl anzunehmen, daß sie diese Linie auch nach ihrem Eintritt in die Regierung weiter ver­folgen werden.

Macdonalds bisheriger Außenminister Henderson wird nicht mehr in das Kabinett eintreten, und damit ist die Frage aufgelaucht, ob er bei der kommenden Ab­rüstungskonferenz den Vorsitz führen wird. Er ist bekanntlich zu ihrem Präsidenten gewählt worden, und es fragt sich jetzt, ob diese Wahl auf ihn persönlich, oder auf ihn als englischen Außenminister gefallen ist. Jedenfalls wird, wenn nicht der ausgesprochene Pazifist Henderson, so doch ein anderer englischer Staatsmann, den Vorsitz führen und England, das augenblicklich außer seinen finanziellen Nöten zu Hause, auch in seinem Weltreich allerhand Schwierigkeiten zu überwinden hat, hat ein Interesse daran, daß in Europa Ruhe herrscht. Ein bis an die Zähne bewaffnetes Frankreich steht dem aber ent­gegen, so daß zwar nicht Deutschlands Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage von England vertreten, aber auf die französischen Rüstungswünfche ein Druck ausgeübt werden wird, den wir bei den bescheidenen Hoffnungen, die wir auf das Resultat der Abrüstungskonferenz haben, schon dankbar verzeichnen müssen.

Kommunistenrazzia in Warschau.

Der Warschauer politische Sicherheitsdienst setzte die in Den Vortagen begonnenen Komniunistcnverhaftungen fort. Ins­gesamt wurden 178 Haussuchungen unter den Warschauer Kom­munisten vorgenommen, die von Moskau Instruktionen er­halten hatten, den Roten Jugendtag am 6. September für agitatorische Zwecke auszubeuten. Die Polizei kam auf die Spur eines Lagers kommunistischen Propagandamatenals und einer vollständig eingerichteten Redaktion. Die Zahl der ver- hafteten Konununisten beträgt gegenwärtig etwa 100.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichskanzler Brüning sprach auf der Drgung der Reichs- tagsfraktion des Zentrums über die politische Laqe.

* Nach dem letzten Reicksbankausweis beträgt die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen 41,5 Prozent gegen 39,7 Prozent in der Vorwoche.

* Der Verband der deutschen Volksgruppen in Europa hält in Schandau seine Verbandstagung ab.

* Die Nankingregierung hat wegen eines Wassentransportes eines deutschen Dampfers den Boykott über deutsche Waren verhängt.