Zul-aer Mnzèlger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal -Zulöaer Kreisblatt
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IFulda, Dienstag, 8. September
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8. Jahrgang
52 Regierungen
Die Phrase.
Die Interessen Gesamteuropas sind jetzt ein Schlagwort, mit dem viel Unfug getrieben wird. Es hat sich jedenfalls noch niemand gefunden, der darzulegen wüßte, wie denn eigentlich diese Interessen beschaffen sind, denen zuliebe man die Völker auffordert, auf die Wahrnehmung ihrer E i n z e l interessen zu verzichten. Die Summe dieser Einzelinteressen dürfte demnach dieses Melhafte Gefamtinteresse nicht sein, und es bleibt nichts weiter übrig, als ein über den Einzelinteressen im luftleeren Raum schwebendes Phantasiegebilde anzunehmen. Es ist e i n e Phrase ohne jeden praktischen Wert, die man nur hervorholt und sich zurechtnadelt, wenn man damit Geschäfte für sich selbst zu machen gedenkt, oder wenn man damit Niederlagen, die man erlitten hat, zu verdecken sucht. So fordert man vom Gegner Zollabbau im Ge- samtinteresse und erhöht gleichzeitig unter Berufung auf dieses felbe europäische Interesse die eigenen Zollmauern. Oder man gibt einen Plan auf, den durchzusetzen man nicht stark genug ist, und begründet den Verzicht dann damit, daß man es im Interesse von Gesamteuropa getan hätte. Wo diese Phrase auch auftaucht, man sollte sie stets mit größter Sorgfalt prüfen, und man wird als des
Pudels Kern stets nur fclbstisches Interesse finden. Nicht daß man die Staatsmänner, welchen Volkes sie auch immer sein mögen, deswegen tadeln könnte, daß sie zuerst und vor allem die Belange des eigenen Landes wahrnehmen, denn das ist ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, aber sie sollen das dann auch offen erklären und nicht durch moralische Bemäntelung den Eindruck eigener Selbstlosig- kèit erwecken und diese dann auch vom Gegner verlangen. Ist es mit der Uneigennützigkeit im Privatleben schon eine eigene Sache, so noch vielmehr im Leben der Völker.
Die Erschütterung, die das Ansehen des Völkerbundes letzter Zeit zweifellos auf allen Seiten erlitten hat, ist Ht zum wenigsten darauf zurückzuführen, daß er stets,
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föhne Tatsachen und praktische Einzelfälle an ihn hcran- «etragen wurden, sich in das Nebelheim der „Gesamt- mteressen" zurückzog, „von des Bezirk kein Wanderer wiederkehrt". So erwartet man auch von der diesjährigen Tagung des Völkerbundes keine großen Beschlüsse und icine Aufbauarbeit und wird schon zufrieden sein müssen, wenn die zweiundfünfzig in Genf versammelten Weisen aus dem Morgen- und Abendland nicht allzuviel Schaden wuchten im Namen der „Gesamtinteressen Europas", .
Oer Völkerbund tagt
21 Außen ui knister in Genf.
Die 12. Vollversammlung des Völkerbundes in Genf wurde den amtierenden Ratspräsidcntcn, den spanischen Außen mmstcr Lerr 0 ux, eröffnet. Die Vollversammlung tagt in eigens für die Völkerbundtagung mit großen Kosten her- J mten Lichtsaal des Batimcnt Delectoral, in dem auch Weltabrü stun g sk0 n f er cnz tagen soll. Der An Mg des Publikums, der Presse und der Photographen ist M stark. 52 Regierungen find ans der diesjährigen Voll-
t , •» ^uviuuiH», vvi ^^kss^ uiiu uvv ^i/uvum-w. A itark. 52 Regierungen find ans der diesjährige Wminlung vertreten. Anwesend sind u. a. 21 A
K 1I» e r. Vor ocr rxrounung jianocn oiv x ?Mn zusammen und erörterten insbesondere
Z bisherigen Gepflogenheiten des Völkerbundes noch jetzt Marte Frage der Wahl des Präsidenten der Voll- .Binmlung. Die üblichen vertraulichen Verhandlungen C' den Kulissen zur Klärung dieser Frage waren in diesem â Min erstenmal erfolglos geblieben.
Giroux erklärte die Vollversammlung für eröffnet und
die Eröffnungsrede,
s einem kurzen Überblick über die Arbeiten des Völker- abgelaufenen Geschäftsjahr und in einem kurzen gipfelte. Gleich zu Beginn seiner Rede wies Lerroux h "^Einberufung der Abrüstungskonferenz Mn» $ zehn Jahren mühevoller Arbeiten und Unter- sowie zahlreichen Debatten sei man jetzt endlich zur "Ufung der Abrüstungskonferenz gekommen. Diese
des Friedens bei
erste Weltabrüstungskonsercnz
lla ».wesentlich zu einer Aufrechterhaltung des Friedens bei-
Staaten hätten bereits die Verpflichtungen der lästerlichen Regelung internationaler Rechtsstrettlg- dlM n^ch den Haager Gerichtshof angenommen. Einen bc
Fortschritt zur Aufrechterhaltung des Friedens stelle ifo Bestehen des Europa-Ausschusses bar. Die bas »Minden Verhandlungen der Vollversammlung mußten de für die kommenden Verhandlungen und Beschlusse Die hier vertretenen Regierungen der Welt Empfinden haben, daß sie solidarisch bereit seien, ^s zMlwortung auf sich zu nehmen. Im Sinne des Geistes uerbundpaktes sei es jetzt an ihnen,
die 0. i °llo des Pessimismus zum Stillstand zu bringen, der Bemühungen auf finanziellem, Wirt- Nt n J.m politischem Gebiete zu sichern und unter den Welle diuder Befriedung und Vertrauen zueinander her- Maininr Unter diesem Zeichen müsse die diesjährige Voll . des Völkerbundes stehen.
Vollversammlung wählte darauf in namentlicher Ab Rufern den rumänischen Londoner Gesandten
^s Präsidenten der diesjährigen Vollversammlung ^"'des. Für Titiilescu wurden von insgesamt >m W w Stimmen 25 abgegeben. 21 Stimmen entfielen ^cu h.^'J^titocii Staatsmann Grafen App 0 nyl. ^-Uu- Äehâ die vorjährige Vollversammlung des Volker- ist damit entgegen allen bisherigen Ge- zum zweiten Male zum Präsidenten der ^olker- , »i")"Upug gewählt worden. , ^lii^r kurzen Rede erklärte Titulescu die 12. Vollver- des Völkerbundes für eröffnet.
beraten in Gens.
Der Besuch der französischen Minister in Berlin.
Der Staatssekretär von B ü l 0 w hat sich nach Genf begeben, um mit dem Reichsaußenminister das Programm für den Besuch der französischen Minister in Berlrn zu besprechen. Dabei wird auch unter Fühlungnahme mit dem französischen Außenminister die Frage besprochen werden, ob das bisher angegebene Datum für den Besuch bestehen bleiben soll.
Der Präsivem der 12. Bölkcrüundversammlung, Titulescu, der rumänische Botschafter in London.
Unerhörte polnische Hetze.
Preußen der „Schandfleck in der Weltgeschichte".
In Fricdenshütte sand anläßlich der Fahnenweihe der dortigen Ortsgruppe des Hallerverbandes eine nationalistische Kundgebung statt, an der auch General Haller, der Begründer der polnischen Formationen im französischen Heere während des Weltkrieges, teilnahm. Der General bemerkte in seiner Ansprache, daß der Augenblick nicht mehr fern sei, wo es zwischen Frantreich und Deutschland sowie zwischen Polen und Deutschland zu Auseinandersetzungen kommen und dem Preußentum, das einen Schandfleck in der Weltgeschichte darstelle, ein Ende bereitet werde. Die Deutschen würden es Frankreich und Polen noch einmal danken, daß sie von Preußen abgelöst seien. Eine Lawine würde hierüber hinwegfegen und es von der Oberfläche beseitigen. Dem General wurde für diese Ausführungen von den Teilnehmern, deren Zahl mit 15 000 angegeben wird, stürmischer Beifall gezollt. Das Ergebnis dieser Kundgebung war eine Entschließung, in der die Versammelten schwören, alle deutschen Angriffe auf polnischen Boden bis zum letzten Blutstropfen abzuschlagen. Die Grenzen Schlesiens, wie überhaupt die polnischen West- grenzen, werde man bis zum äußersten verteidigen, selbst wenn auch dieser Kampfeinen allgemeinenWelt- brand entfachen sollte. Unter der Führung Korfantys werde man die verbrecherischen Hände, die sich nach polnischem Gebiet nusstrecktcn und schon einmal mit Hilse des treuen Frankreich zurückgeschl^gcn wurden, ab- wcisen.
Die Beziehungen zwischen Danzig und Polen.
Gravinas zweiter Bericht.
Der ziveile politische Bericht des Danziger Völkerbund- kommissars, Graf Gravina, über die Danztg-polnischen Beziehungen, der in einer der nächsten Sitzungen des Rates zur Sprache tommen wird, enthält in seinem entscheidenden
Kommunistische Stoßtrupps aufs Land.
Einheitsfront zwischen Stahlhelm und Nationalsozialisten.
Aus der Führertagung des Stahlhelms in Frankfurt an der Oder erklärte der Lândesführcr, Rittmeister a. D. von Morozowicz, u. a.: Der Kampf um Preußen gehe weiter, denn ehe nicht die Macht der SPD. gebrochen sei, könne auch keine Reichsregierung eine nationale Politik in Preußen im Sinne des Stahlhelms treiben. Bei der Wahl des Reichspräsidenten im Frühjahr müsse die nationale Bewegung geschlossen austreten. Dann sei ihr nach den Erfahrungen des Volksentscheids der Sieg sicher.
Der Stahlhelm wolle keinen Bürgerkrieg, aber ihm sei ei» kommunistischer A u f m a r s ch p l a n in die Hände gefallen. Die Kommunisten beabsichtigten, in Zehntausenden von Stoßtrupps hinaus auf8 Land zu gehen und zu brandschatzen. Die Regierung sehe die Sache nicht so ernst an, genau so wie Anfang November 1918 kein Minister an die Revolution geglaubt habe. Der Stahlhelm sei nicht gewillt, mit den Bolschewisten zu Paktieren, sondern er werde kämpfen. Vor wenigen Tagen fei zwischen den Führern der NSDAP, und dem Stahlhelm eine Vereinbarung getroffen worden, daß sie im Falle eines roten Aufruhrs einheitlich handeln wollten.
Falls die Regierung wieder die Hilfe der nationalen Bc wegung brauche, so werde man sie nicht bedingungslos zur Verfügung stellen, wie man cs leider zur Zeit des Spartakus- Aufstandes getan habe.
Litwinow verhandelt weiter mit Frankreich und Polen.
Der russische Außenminister Litwinow wird trotz der abgeschlossenen Tagung des Europa-Ausschusses, dessen Mitglied er ist, noch weiter in Genf verweilen, um in den nächsten Tagen persönliche Verhandlungen mit Briand zu führen. Ferner sind Verhandlungen zwischen Zaleski und Litwinow vorgesehen.
Die Nachmittagssitzung des Rates.
Ungarn hat den Völkerbund ersucht, in eine Prüfung der Finanz- und Wirtschaftslage Ungarns und der zu ergreifenden Hilfsmaßnahmen einzutreten. Die ungarische Regierung hat sich somit ebenso wie die österreichische Regierung um Hilfe in der Krise an den Völkerbund gewandt. Der ungarische Antrag wurde ohne jede Aussprache dem ständigen Finanzausschuß überwiesen.
Die Verhandlungen des Völkerbundrates über den deutsch-österreichischen Zollunionsplan sind, nach den in den letzten Tagen zwischen den Abordnungen getroffenen Vereinbarungen, nur von kurzer Dauer, — kaum fünf Minuten — gewesen und beschränkten sich ausschließlich auf eine vom Ratspräsidenten verlesene kurze Erklärung.
Der Völkerbund nimmt von dem Gutachten Kenntnis, das der Haager Gerichtshof in Verfolg des auf der Maitagung des Rates an ihn gerichteten Antrages über das zwischen Deutschland und Österreich abgeschlossenen Zollunionsprotokolls erstattet hat, dankt dem Internationalen Gerichtshof für seine Bemühungen und nimmt von der am 3. September im Europaausschuß abgegebenen Erklärung Kenntnis. Der Rat stellt daher fest, daß für ihn keinerlei Veranlassung mehr vorliegt, die Prüfung dieses Punktes weiter fortzusetzen."
Teil u. a. folgende Darlegungen: Seit Ende Mai habe eine gewisse Beruhigung der Gemüter, die durch die be- dauernswertei, Danzig-polnischen Vorfälle im Mai entstanden waren, festgestcllt werden können. Diese befriedigenden Feststellungen seien jedoch nicht möglich hinsichtlich der allgemeinen Lage Danzigs, die infolge der Parteilämpfe noch unruhig sei. Es müsse anerkannt werden, daß die
von der Danziger Regierung getroffenen Maßnahmen sich bis jetzt als wirksam erwiesen hätten, um in ausreichendem Maße die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung sicherzustellen. Als den guten Danzig-Polnischen Beziehungen zweifellos schädlich müßten gewisse Kundgebungen erwähnt werden, die von Rechtsparteien sowohl Deutschlands als auch Danzigs selbst auf dem Gebiete der Freien Stadt Danzig veranstaltet worden seien und in deren Verlauf das nationalistische Trachten nach dem
Rückfall Danzigs an das Reich mehr oder weniger lebhaft zum Ausdruck komme. Graf Gravina lenkt sodann die Aufmerksamkeit des Rates auf die Finanz- und Wirtschaftslage der Freien Stadt Danzig, die derart sei, daß sie in der nächsten Zeit zu ernsten Besorgnissen Anlaß geben könnte, über den Bericht, den der Rat auf der Grundlage des Berichtes des Grafen Gravina annehmen wird, sind die Verhandlungen zwischen den interessierten Regierungen im Gange.
Der Schulstreik in Dirschau.
Die polnischen Behörden versuchen mit aller Macht, den seit drei Tagen an der deutschen Volksschule in Dirschau andauernden S ch u l st r e i k zu brechen. Einige Eltern wurden vor die Kriminalpolizei geladen, wo ihnen in schroffem Tone mit Gefängnis und Ausweisung gedroht wurde, falls sie ihre Kinder nicht in die polnische Volksschule schicken würden. Das deutsche Gymnasium in Dirschau hat bis zum heutigen Tage noch nicht die Konzession erhalten, so daß die 150 Schüler des Gymnasiums jetzt schon eine Woche lang ohne jeglichen Unterricht sind.
Kommunistische Kundgebungen in Warschau.
Zm Norden der Stadt kam es gestern zu kommunistischen Kundgebungen. Bei der Zerstreuung der Demonstranten machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Eine verirrte Kugel traf ein neunjähriges Mädchen, das bald darauf starb.
Besoldung der Bürgermeister.
Auswüchse nur vereinzelt.
Der Vorstand des Deutschen Bürgermeisterbundes nahm in einer Sitzung zu der Frage der Besoldung der Bürgermeister, Stadträte und Beigeordnecen Stellung. In einer Erklärung bedauert er, daß einige wenige — ausnahmslos in Großstädten — tatsächlich vorhandene Auswüchse ungerechterweise verallgemeinert und dazu benutzt würden, einen ganzen Berufsstand in Verruf zu bringen Insbesondere ln den Städten, deren Besoldungspolitik ja in der Hauptsache die neuesten Angriffe gelten, ist die Festsetzung sämtlicher Be- Isige der leitenden Beamten in jedem einzelnen Falle nach den eit Jahrzehnten geltenden und angewandten gesetzlichen Betimmungon seitens staatlicher Stellen nachgepruft und beson- >ers aenebmiat worden.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die 12. Völkerbundoersammlung wurde in Genf eröffnet und der Rumäne Titulescu zum Präsidenten gewählt.
* Der chilenische Aufstand wurde durch ein Flregerbombarde» ment auf die meuternde Flotte niedergeschlagen.
* Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist wohlbehalten von seinem Fluge nach Südamerika wieder in Firiedrichsha^en ein- getroKen und dort glatt gelobet