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Zul-aer /lnzeiger

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Nr. 217 - 1931

Fulda, Donnerstag, 17. September

8. Jahrgang

Schiffe, Männer und Geld".

Siellimche» mderenglischenMarme

Drei Hurras für den König.

Es gab vor dem Kriege ein bekanntes Liedchen, das der Engländer gern sang:Wir haben die Schiffe, wir haben die Männer, wir haben das G e l d." In diesen stolzen Refrain ist in der letzten Zeit ein böser Mißton ge­kommen. Das Geld schwand dahin und dadurch haben anscheinend auchSchiffe und Männer" in England eine Erschütterung erfahren. Vorkommnisse aus der englischen Flotte, wo die Unzufriedenheit mit einer èurch das englische Sparprogramm geforderten S 0 l d - Herabsetzung zu offenem Ausbruch kam, sind fo weit gegangen, daß die englische Admiralität sogar der Offent- lichkeit Mitteilung davon machen mußte. Diese Bekannt­machung lautet:

Der älteste Offizier der atlantischen Flotte hat be­richtet, daß die Bekanntmachung der herabgesetzten Sätze der Marinelöhnung bei einem Teil der niedrigeren Ränge zu Unruhen geführt hat. Infolgedessen hat er es für wünschenswert gehalten, die programmäßigen Flottenmanöver abzubrechen und die Schiffe in die Häfen zurückzubeordern, während Untersuchungen von Beschwerden über die durch gewisse Abzüge entstandenen Härten angestellt werden, damit über diese Beschwerden -'n die Admiralität zur Erwägung berichtet werden kann."

Die Admiralität teilt weiter mit, daß sie der zeit­weiligen Unterbrechung der Übungen der Atlantikflotte ihre Zustimmung erteilt habe so lange, bis gewisse Klagen über die durch die neuen Lohnsätze entstandenen Härten untersucht sind und das Ergebnis der Admiralität vorliegt.

Oie Matrosen und der gekürzte Gold.

Die wegen der Herabsetzung des Soldes entstandene Un- zilsriedenheil unter den Mannschaften der atlantischen Flotte schosste sich bei größeren Versammlungen qn s^and Lust. Diese Verliesen recht geräuschvoll, so daß

besondere Patrouillen

an Land geschickt werden mußten, um Ausschreitungen der Ur­lauber zu verhindern. Die Matrosen und Heizer veranstalteten mehrere Versammlungen. Es wurden Entschließungen ange­nommen, und dem ältesten Offizier mit dem Ersuchen über­mittelt, sie der Admiralität zuzustellen.

Ein hoher Offizier flog nach London,

nm der Admiralität Bericht zu erstatten. Die Schiffe stoppten ven Landurlaub, so daß reine Matrosen, mit Ausnahme der Limialwache, an Land zu sehen waren. Das Linienschiff .Repulse", das zu Übungen ausgelaufen war, wurde nach einigen Stunden wieder zurückqerufen. Als aus dem Schiff abends

Licht asis!"

Nüssen wurde, weigerten sich eine Anzahl Matrosen, sich in bängematten zu begeben. 375 Seeleute des Schiffes

Ein großes Friedensproblem.

9et mangelhafte Schutz der Minderheiten.

Kritik des Reichsautzenministers am Völkerbund.

Achsaußenminister Curtius führte im Politischen

Muß der V ö l k e r b u n d v e r s a m m l u n g bet der Mung der Aussprache über das M i n d e r h e t t e n -

I ^^irm u. a. aus: Die deutsche Delegation hat es für I Michi gehalten, den das Minderheitenproblem be- 1 Welnben Teil des Jahresberichts des Generalfekre- M des Völkerbundes zur Überweisung an den Men Ausschuß der Versammlung zu beantragen, nämlich unbedingt notwendig, einen Rückblick

! Jahrestätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete âiiderheitenbehandlung zu werfen und hierzu t r t = $ Stellung zu nehmen, Erfahrungen auszutauschen

1 j praktische Anregungen für den Ausbau des Mmdn- Mnverfahrens beim Völkerbund zu machen. Dte deutsche Äon hat jedoch nicht die Absicht, jetzt bereits prak- M Vorschläge zum Ausbau des Minderhettenschutzes "Megen. Sie geht von dem im Vorjahre angenom- â Gericht über die Minderheitenfrage aus, in dem chtung vor den heiligen Rechten der Gottheiten auf Sprache, Religion und Kultur anerkannt Ausdrücklich festgestellt haben, daß im Minderhelten- j A eingrotzesFriedens Problem vorlrcgt.

' Huderheitenproblem ist nicht ein nationales, fon- dk?â" internationales Problem. Es ist die Aufgabe thi.^'kerbundes, über die Minderheiten zu wachen. Eine Nir^n^ der Minderheiten entspräche nicht den 1^2 , Interessen der Mehrheitsvölker. Die Münder- Ki2 huben die Pflicht. mit den Mehrheitsvolkern zu- Einarbeiten

betonte sodann, daß die Minderheiten allen Am dAii Ä! Einhaltung dieser Grundsätze hätten. Er setzte pch Mseiien^ mit dem au^ der Madrider Ratstagung gc

I UM,. Beschwerdeversahren der Minderheiten

und stellte hierbei fest, daß die Zahl der denn I J i ^gegangenen Beschwerden von 57 im vorigen I ei. u^i 204 im abgelaufenen Geschäftsjahre g est ie gen I » 204 Beschwerden seien nur 73 vom Völkerbund- I ^EÄFr zulässig erklärt worden. Die Einbringung von I em» fei das selbstverständliche Reckt der

Jron Duke" überreichten dem Kommandanten eine Ent­schließung. Dieser ließ die Mannschaften antreten und setzte ihnen auseinander, daß die Lohnherabsetzungen nicht von der Admiralität ausgingen, sondern ein Teil der Regierungs- Politik seien.

Zu den Vorgängen an Bord der Schiffe

wird noch bekannt, daß nach der Flaggenparade die Mann­schaften sich weigerten, Sie Anker zu lichten. Sie brachten drei Hochrufe auf den König aus, um zu zeigen, daß sie mit ihrer Art der Geborsamsverweiaeruna in keiner Weise

Tas englische SchlachtschiffRepulse".

eines von den Kriegsschiffen, auL denen die Matrosen- Unruhen ausbrachen.

illoyal gegen den König feien. Sie setzten sich dann rittlings auf die Änkerketten, so daß die Anker nicht gelichtet werden konnten.

Die Hochrufe auf den König wurden zuerst auf dem LinienschiffRooney" ausgebracht und Dann von den Mannschaften der übrigen 15 Schiffe aufge­nommen. Die Mannschaften hatten zunächst damit erreicht, daß Die Schiffe nicht in See gingen. Sie machten dann ^Frei­zeit" Au. nächsten Tut' wiederholn sich das Schauspiel, - die Matrosen nach der Flaggenparade ein Hurra auf den König ausbrachten. Die Heizer halten sich jetzt geweigert, Dampf aUf- zumachen

Oie Gründe der Ltnzufriedenhsii.

In den Marinekreisen in Plymouth herrscht ziemlich starke Unzufriedenheit über die Herabsetzung der Löhne und Gehälter. Man behauptet, daß bei den Herabsetzungen große Unge­rechtigkeiten zu verzeichnen seien Der Lohn eines Obermatrosen werde um eine Mark je Tag oder um 25 Prozent herabgesetzt. Ein Vizeadmiral verliere aber nur 10 Prozent oder 11 Mark je Tag. Ein jüngerer Kapitän zur See verliere nur 1,85 Mark bei einem Tages- gehalt von 37,20 Mark, während sich die Kürzung bei einem Matrosen auf 92 Pfennig bei 5,25 Mark Lohn stelle. Man schätzt, daß die Lohnherabsetzungen bei der Marine für den H a iFb e l von Plymouth einen Verlust von 5 200 000 Mark im Jahr bringen.

Minderheiten. Es dürfe nicht verkümmern. Besonders dürften daraus den Minderheiten keine Nachteile in ihren eigenen Ländern erwachsen. Die Beschlüsse des Völkerbundrates aus der Madrider Ratstagung sehen eine Reihe von Vervoll- kommnung des bisherigen Minderheitenverfahrens vor. Er hoffe dringend, daß künftig häufiger als bisher eine Erweite­rung der Minderheitenausschüsse bei der Behandlung grund­sätzlicher Minderheitenfragen stattfinden werde. Bisher sei es nur einmal erfolgt. Curtius brachte sodann eine Reihe von

Anregungen zur Verbesserung

des gegenwärtigen Veschwerdeverfahrens des Völkerbundes vor. Besonders bedeutsam sei die Stellung der bejchwerde- führenden Minderheit. Wie unbefriedigend dieses Verfabren sei, zeige ein besonders bedeutsamer Fall, der kürzlich vor dem Völkerbundrat verhandelt worden sei, und wo der ^olker- bundrat eine endgültige Stellungnahme geben wollte, obwohl der beschwerdeführenden Minderheit keinerlei, Ge­legenheit geboten wurde, zu der in letzter Stunde emgetrouenen Antwort der Regierung Stellung zu nehmen, ^er Völkerbundrat hätte somit

in diesem bedeutungsvollen Falle (Oberschlesien) eine endgültige Regelung getroffen, ohne zu der letzten Phase der Verhandlungen Stellung zu nehmen. Un­bedingt notwendig sei daher, daß den Minderheiten die Ge­legenheit gegeben würde, auch zu diesem im l c tz t e n A u g c n - blies eingehenden Material der Regierung Stellung zu nehmen. Ferner sei es durchaus wünschenswert, daß noch weit mehr als bisher von Dem den Minderheitenausschussen eingeräumten Recht der Rückfrage bet den Minderheiten Gebrauch gemacht würde.

Die Veröffentlichung der Beschlüsse

der Minderheiten, die nach dem Madrider Verfahren durchaus möglich sei, bedeute einen wesentlichen Schutz der Minder­heiten imb Deckung gegen Gefahren, die aus einer Geheim­haltung des laufenden Verfahrens für Die Minderheiten ent­stehen können. Im Vorjahre seien von 29 Minderheitenculichel- buugen lediglich drei veröffentlicht worden. Es sei daher dringend notwendig, daß die Zahl der Veröffentlichungen der Minderheitenentscheidungen sich rasch erhöhe.

Dr. Curtius schloß seine Ausführungen sodann mit der Erklärung, es bestehe kein Zweifel daran, daß

noch sehr viel getan werden müsse,

bis man zu einer Lösung des Minvcrheitenproblems gelange, dis eine befriedigende Zusammenarbeit zwischen den Mehrheits- und Minderheitsvölkern schasse.

Der Völkerbund dürfe in seinem Eintreten für Die Minder­heiten nicht erlahmen. Er dürfe nie die heiligen Rechte der Minderheiten, die Garantieverpflichtungen des Volkerbunp.xS

gegenüber den Minderheiten und die fccitfme und materielle Notlage der Minderheiten außer acht lassen.

Nach der Curtius-Rede fand eine große Aussprache über die Minderheitenfrage statt. Sodann wurde beschlossen, der Vollversammlung nur über den Verlauf der Verhandlungen im politischen Ausschuß zu berichten.

Die Behandlung der Minderheitenfrage auf der diesjähri­gen Vollversammlung ist somit ohne jede praktischen Ergebnisse in einer zweistündigen vollständig allgemeinen Aussprache ab­geschlossen. Es wurden nur Erklärungen abgegeben, die keinen grundsätzlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Behandlung der Minderheiten durch den Völkerbund bedeuten können.

*

Enttäuschung der Minderheiten.

Die Kritik Curtius' war nicht scharf genug.

In Kreisen der Minderheitenvertreter in Genf hat die Rede des deutschen Außenministers stark enttäuscht. Es wurde allgemein erwartet, daß Curtius in weit stärkerem Maße, als es geschehen ist, die tatsächlichen Leiden der Minderheiten und das völlige Fehlen des Völkerbundschutzes für die Minderheiten fest- stcllen werde. Man vermißt daher einen Hinweis auf die erschütternde Lage der Millionen von Minder­heiten, ihre seelische und materielle Notlage sowie ihre Rechtlosigkeit. Wenig verständlich erscheint ferner, das den die Minderheitenfragen bearbeitenden Stellen des Völkerbundsekretariats erteilte Lob, da in weitesten Minderheitenkreisen gerade die Leitung der Minderheiten- abteilung in letzter Zeit Gegenstand scharfer Kritik gewesen ist. Auch wird ein Hinweis aufdiefortgesetzteVer- l e tz u n g der Minderheitenschutzverträge in zahlreichen Ländern vermißt.

Die deutsche Oberschlesienbeschwerde.

Vor der Behandlung im Völkerbund.

Der japanische Botschafter in Paris, Joshisawa, der im Völkerbundrat Berichterstatter für die Oberschlesienfrage ist, stattete Dr. Curtius einen Besuch ab. In dieser Unterredung ist über die bevorstehende Erörterung der noch immer nicht ent­schiedenen großen Beschwerde des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien wegen der polnischen Terrorakte gesprochen wor­den. In den in der letzten Zeit zwischen der deutschen und der japanijchen Abordnung geführten Verhandlungen ist von deut­scher Seite mit großem Nachdruck der Standpunkt vertreten worden, daß der aus der Maitagung vom japanischen Bericht­erstatter borgelegte abschließende Bericht, der eine befriedigende Lage und allgemeine Entspannung in Oberschlesien seststellt, von Deutschland nicht anerkannt werden könne, da er in keiner Weise der wahren Lage entspreche.

Es wird erwartet, daß der Rat Ende dieser Woche zu­sammentritt, um über die Oberschlesienfrage zu verhandeln. Reichsminister Dr. Curtius stattete dem japanischen Unter- generalsekretär des Völkerbundes, Sugimura, dem Leiter der politischen Abteilung des Völkerbundsekretariats, einen Besuch ab. In dieser Unterredung ist das Programm Der kommenden Ratsverhandlung über die Oberschlesien- und Danziger-Frage erörtert worden.

Harte Vebingungen für Österreich.

Schwierigkeiten im Genfer Finanzausschuß.

Bei den Verhandlungen des Ständigen Finanzausschusses über das österreichische Fiuanzhilfegesuch sind Schwierigkeiten entstanden, die zunächst zu eingebenben Beratungen innerhalb der österreichischen Abordnung und zur Fühlungnahme mit der Wiener Regierung geführt haben.

Der Finanzausschuß hat ein Programm aufgestellt, in dem von Österreich weiteste Einschränkung des Haushaltes und all­gemeine Ersparnisse gefordert werden. Auf österreichischer Seite werden diese Forderungen zunächst als nicht tragbar an­gesehen.

Das Geheimnis der Rüstungsziffern.

Nur 19 Staaten haben ihre RüstungSziffern bekanntgegeben.

Der Termin für die Einreichung der Angaben über den Rüstungsstand an den Völkerbund ist abgelaufen. Bisher haben von den 60 zur Abrüstungskonfe­renz eingeladenen Staaten nur 19 der Aufforderung des Völkerbundrates Folge geleistet und ihre Rüstungs­ziffern bekanntgegeben. Unter diesen 19 Staaten befinden sich die europäischen Großmächte, ferner Ruß­land, die Vereinigten Staaten, Polen, Bulgarien, Irland, Norwegen und Estland. Der Aufforderung des Rates sind bisher noch nicht nachqckommen sämtliche südamerika­nischen Staaten, die Tschechoslowakei, Südslawien, China, Lettland und Finnland.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichsaußcnminister Dr. Curtius unterzog die Minder­heitenpolitik des Völkerbundes einer Kritik in einer Rede in Genf.

* Die Herbsttagunq der Deutschen Landwirtschastsgesellschast in Darmstadt nahm ihren Anfang.

* Der Führer des gescheiterten Heimwehrputsches in Steier­mark, Dr. Plriemer, befindet sich in Italien.

* Zn Rumänien stürzte ein französisches Verkehrsflugzeug ab. Alle sechs Insassen sanden den Tod.