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Zulöaer Anzeiger

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Sir. 220 1931

Fulda, Montag, 21. September

8. Jahrgang

Währungskrise in England.

Außerkraftsetzung der Goldwährung. Schließung der Londoner Börse.

Die englische Negierung beabsichtigt, mit Rücksicht auf die letzten großen Abziehungen außerordent­liche Schritte zu tun. Die Bank von England stellt heute die Einlösung der Pfundnoten in Gold ein. Die erste Folge ist die Schließung der Londoner Börse. Es ist zum erstenmal in der Geschichte Englands eine solche Maßnahme ergriffen worden. Ihre Auswirkung in Dentschland dürfte in der vorüber­gehenden Schließung der deutschen Börsen bestehen.

London, 21. September.

Der vergangeneschwarze Samstag" an der Londoner Börse, r»Angriff auf das Pfund Sterling", hatte den Premiermini­ster zur eiligen Rückkehr nach Downingstreet zu Beratungen über die letzten Entwicklungen der internationalen Krise ver- anlaht. Macdonald erörterte gestern mit führenden Bankiers die Finanzlage. Die Konferenz mit den Bankiers wurde not­wendig durch die Bedrohung des Pfundes infolge der zunehmenden Wirtfchaftssch w i erigkeiten auch in Holland, Deutschland, den Bereinigten Staaten und da­durch, daß die Spekulation in Wa llstreet und Amsterdam englische Papiere in größerem Ausmaße ver­lauste. Macdonald und die Bankiers stimmten darin überein, dah sofort Maßnahmen getrossen werden müssen, um der neuen Gefahr zu begegnen.

ZnBerlin liefen schon im Laufe des Sonntags in Krei­sen, die im allgemeinen als gut unterrichtet gelten, auf private Nachrichten aus London sich stützende Gerüchte um, die die Schließung der Londoner Börse ab Montag und Bankseiertage in der Art wie während der Julikrise in Deutschland ankündig- ten. Das englische Kabinett war trotz des Sonntags gestern nachmittag zu einer Sitzung versammelt, in der die ent­scheidenden Beschlüsse gefaßt wurden.

Die Regierungsbeschlüsse:

Reuter veröffentlichte gestern abend folgende amtliche Ver­lautbarung: Die Regierung ist sich nach Zurateziehung der Bank von England darüber klar geworden, daß es notwendig ist, ab Sonntag, den 20. September Mitternacht, die Gold­währung außer Kraft zu setzen. Ein Gesetzent­wurf, der die Bank von England ermächtigt, die Ein­lösung der Bankuoten in Gold einzustellen, wird dem Palament heute zugeleitet und sofort in allen Lesungen erledigt werden.

Bauernnot und Bauernhilfe.

Rückblick auf die Darmstädter DLG.-Tagung.

Seit einer Reihe von Jahren hat die größte landwirt gastliche Fachvereinigung, die Deutsche Landwirtschafts Msellschaft, ihre der Arbeit in zahlreichen Ausschüssen ge widmete Herbsttagung nicht mehr in Berlin abgehalten Mdern sie wandert damit im ganzen Reiche herum Mau wie mit ihren großen Ausstellungen zum Sommers Winn. Die Sorge, ob diese auf der Welt einzig bastelten u ânderkurse einer hohen Schule der Landwirtschaf > W die Dauer über diese Notzeiten hinweg Werver k ^ lassen, ist jetzt in Darmstadt behoben worden I And und Hauptausschuß sind übereinstimmend zu I lAs^l gelangt, daß die wandernde Tagung grundsätz' ehalten werden müsse; aber man trägt dem alb » Minen Sparzwang auch hier Rechnung, indem man statt'" 'n/ âer Woche auf drei, höchstens vier Tag« gerade die Tagung in Da rmstadt har der Menden Beweis erbracht, daß auf solche Lehrwocher Hebend sichtet werden kann. Man muß sich einmal ganz derr Unterschied vergegenwärtigen, der etwa teo hk d^ Wirtschaftsverhältnissen rings um Stettin Meht vorjährige Herbsttagung stattfand, und von Hessen

Ein großer Teil der pommerschen Landwirte kann und^?^gene Anschauung Verhältnisse, wie sie in Hessen sind ftartn°e^en südwestdeutschen Staaten der Durchschnitt gefegt vfcht vorstellen und selbstverständlich ebenso um- biüen m Hier in Hessen haben 84,5 Prozent aller selbstän- 645 Nrn""nbetriebe eine Fläche von unter fünf Hektar, hier der f°gar von unter zwei Hektar, und dabei ist an dem , ^besitz ganz überragend und ausschlaggebend Wesen L^errübenanbau beteiligt! Das Genossenschafts­hessen landwirtschaftliche Bildungswesen stehen in Aehwi^V^Dültig da, die Erträge des Ackers und der schnitt ^v übertreffen diejenigen im Reiche im Durch- LandwN^' und was ist der Erfolg? Eine Not der Gebieten , J1, genau so drückend wie in allen anderen aus reftfna f ^ar trotz der hier so nahen Absatzmärkte durch die m ^ u Gebieten der Erzeugung. Eine Fahrt §eij frflh, Strafte kann um diese Jahreszeit jedem das sault das sei fachen. Zu Tausenden von Zentnern ver- nicht lohnt !lo.bM- B. die Pfirsiche, weil sich das Pflücken schon eine 'fcr sich kein Käufer findet, oder weil, wenn N ^offPH tWßglidjfeit da ist, für den Zentner Obst ^licktewbe^» Pf. dis eine Mark (in manchen Gegenden N da den^6070 Pfennige!) geboten werden. Müßte .. Neu, f uicht verlieren?

Nen wir ldie Tagung der DLG. geantwortet, ver- en Mut. so geben wir nicht nur unsere eigene

Seit Mitte Juli sind die Summen, die sich auf über 2 0 0 Millionen Pfund belaufen, vom Londoner Platz weg- gezogen worden. Diesen Anforderungen ist man teilweise mit Hilfe der Bestände an Gold und fremden Valuten nachgekom­men, teilweise mit Hilse der in Frankreich und Amerika ein­geräumten Kredite.

Durch die oben angesührten Beschlüsse werden Verpslich- tungen der englischen Regierung oder der Bank von England, die in fremden Währungen zahlbar sind, nicht berührt.

Eine Unterbrechung des gewöhnlichen Bankgeschäfts wird morgen nicht eintreten, und es besteht kein Grund, daß solche Transaktionen, die sich in Sterling vollziehen, durch die neuen Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Börse wird am Montag nicht geöffnet sein.

Wie verhält man sich in Berlin?

Als gestern abend in Berlin die Beschlüsse der englischem Regierung, deren wesentlichster die Außerkraftsetzung der Gold­währung ist, bekannt wurden, waren die interessierten Kreise schon zu Beratungen über die deutscherseits erfor­derlichen Maßnahmen versammelt. Zu diesen Maß­nahmen wird wahrscheinlich eine vorübergehende Schließung der deutschen Börsen gehören. Ueber diese Frage dürfte schon heute Beschluß gefaßt werden. Auch eine Verschärfung der Devisenvorschriften wird sich voraussichtlich als notwendig erweisen.

Henderson zur Lage. Rundsunkansprache.

London, 21. September. (Eigene Funkmeldung.)

Der Führer der Opposition, Artur Henderson, erklärte stern abend: Die Lage, der wir gegenüberstehen, erfordert e rt rauen und nicht Verzweiflung. Die innere Kraft der

Zukunft als Nährstand, sondern auch jede Aussicht aus den Wiederauf stiegdesgeliebten Vaterlandes preis. Hier zeigte sich nun der volle Wert, der in der Zu­sammenführung der verschiedenen deutschen Stämme und ihrer Wirtschaftserfahrungen bei solchen Gelegenheiten besteht. Denn so mustergültiges die hessische Landwirt­schaft auch leistet, auch sie kann und muß noch vieles lernen. Der süddeutsche Bauer weiß noch gar nicht, was es bedeutet, daß er stets über eine feste Anzahl von zuverlässigen Arbeitskräften aus der eigenen Familie ver­fügen kann, und er weiß noch nicht, welche Stärke ihm das gegenüber dem Großgrundbesitz verleiht. Er kennt auch die Mittel noch längst nicht alle, die er ohne Auf­wendung von Geldbeträgen, welche ihm jetzt nicht zur Verfügung stehen, mit seinen vorhandenen Geräten und Maschinen, mit der Verbesserung feiner Handarbeit, mit verständiger Steigerung der Bodengare, und mit manch­mal so einfachen Maßnahmen wie Frühsaat und Spät- ernte offen stehen.

Anregungen dieser Art hat die Darmstädter Tagung freigebig ausgesät und andächtig lauschten die Klein- und Mittellandwirte der süddeutschen Staaten diesen heilsamen Lehren. Das aber ist das Gesamtergebnis, daß hier mit aller Klarheit verkündet wurde, nicht Gehenlassen, sondern vielmehr zielbewußte, aber mög­lichst kostenlose Produktions steigerung verbürgt die einzige Rettungsmöglichkeit für unsere Land­wirtschaft, freilich in Verbindung mit staatlichem Schutz für bie Veredelungsproduktion und mit Hilse der Konsumenten, die einsehen müssen, welcher Irrsinn darin liegt, daß an der Bergstraße die Pfirsiche des deutschen Bauern ver­faulen, während in den Großstädten unzählige Men­schen ihren Kindern in diesem Jahre noch nicht ein Pfund dieser lieblichen Früchte haben taufen können. Warum? Weil in denselben Großstädten Millionen von Mark in Groschenbeträgen für ausländisches Obst ausgegeben werden, das zwar besser und für die oberflächliche Augen­betrachtung bestechender verpackt, aber viel weniger wohl­schmeckend und gesund ist. Das gilt aber nicht nur vom Obst. Aße jeder Deutsche nur ein Pfund Tilsiter Käse mehr im Jahre, dann brauchte die darbende Land­wirtschaft in Ostpreußen und Ostpommern usw. keinen Pfennig Osthilse vom Reiche.

Damit kommen wir zu Tatsachen, die nicht nur die Landwirte augehen, sondern wahrscheinlich im kommen­den schwarzen Winter uns Deutschen allen, vielleicht aber den Nurverbrauchern in erster Linie, schwer zu denken geben und hoffentlich dann zu einer großen Be­sinnung, Ein- und Umkehr führen werden. W. S.

Nation ist unvermindert, und wenn wir nur Ruhe und Ge­schlossenheit bewahren, werden wir unsere Schwierigkeiten umso schneller und erfolgreicher überwinden.

Schatzkanzler Snowden wird heute abend um 21.15 Uhr eine Rundfunkansprache an die Nation halten, um den gestrigen Beschluß der Regierung zu erläutern.

*

Die Aufhebung der Goldwährung in England nur für

6 Monate?

Den Blättern zufolge verlautet, daß die Vorlage, die heute in beiden Häusern des Parlaments eingebracht werden wird, eine Suspendierung der Goldwährung nur für 6 Monate vor- fehen werde.

Genf leert sich.

Der Genfer Korrespondent derTimes" meldet, alle ver­antwortlichen Politiker in Genf hätten ihre Pläne geändert und träfen Vorbereitungen, um nach Hause zurückzukehren, da sie der Meinung seien, daß die jetzige Krise die schlimmste seit August 1914 sei.

«

Die französische Regierung prüft die von ihr zu treffenden Maßnahmen.

Paris, 21. September. (Eigene Funkmeldung.)

Die französische Regierung prüft, wieMatin" mitteilt, die Maßnahmen, die angesichts der englischen Krise und des Be­schlusses der englischen Regierung, den Goldstandard aufzu­geben, zu treffen seien. Gestern abend war ein offizieller Be­schluß noch nicht gefaßt worden. FinanMinister Flandin wird heute mit den in Frage kommenden Sachverständigen, die zum Teil aus Genf zurückberufen worden find, Fühlung nehmen.

Nach dem englischen Fioiienstreik.

Die Mannschaften auf Landurlaub.

Sieben Torpedoboote der Atlantikflotte und der KreuzerYork" sind in Sheerneß eingetroffen. Die Mann­schaften haben wie gewöhnlich ihren Landurlaub erhalten. Man sieht überall Seeleute und Unter­offiziere in den Straßen, die aber keine Auskunft über die Vorkommnisse bei der Flotte geben wollen. Ein Teil der Mannschaften des VermessungsschiffesEn­deavour" hat um sofortige Entlassung gebeten, da sie mit den herabgesetzten Löhnen nicht auskommen könnten. Diese Forderung liegt den vorgesetzten Dienst­stellen zur Entscheidung vor. Die LinienschiffeValiant" undRepulse' sind durch Nebel am Einlaufen nach Sheerneß verhindert. Den Mannschaften der in Devonport und in Plymouth beheimateten Schiffe ist auch der ge* wöhnliche Landurlaub erteilt worden.

tim Die Verlängerung des Soover-Zahres

Der Stand der interalliierten Schuldenzahlungen.

Wie aus Washington gemeldet wird, fand im Weißen Hause eine neue Beratung des Präsidenten Hoover mit Mellon, Stimson und Lamont statt. Es handelte sich da­bei, wie aus guter Quelle versichert wird, um eine bedeut­same Aussprache über die Wirtschaftslage Englands und Deutschlands und über eventuelle Hilfsmaßnahmen. Die Frage des Zahlungsaufschubs im Sinne einer Verlänge­rung des Hoover-Jahres wurde gleichfalls erörtert.

Hierzu interessieren Ausführungen, die der englische Schatz­kanzler Snowden über den Stand der interalliierten Schulden­zahlungen machte. Snowden teilte in Beantwortung. einer Anfrage im Unterhaus mit, daß sich die Nettokrtegsschulden Italiens an Großbritannien bei der Unterzeichnung des Schuldenfundierungsabkommens aus 560 Millionen Pfund (11,2 Milliarden Mark) belaufen hätten. Der seitdem von Italien bezahlte Gesamtbetrag betrage 23 Millionen Pfund (460 Millionen Markt. Aus Grund des Abkommens habe Groß­britannien 254 550 000 Pfund (5 091 000 000 Mark) zu erhalten.

Die französische Kriegsschuld an Großbritannien zur Zeit der Unterzeichnung des Fundierungsabkommens habe ilch auf 600 Millionen Pfund l12 Milliarden Mark) belaufen. Seit­dem habe Großbritannien von Frankreich 43 625 000 Pfund (872 500 000 Markl erhalten, und habe noch zu erhalten 799 500 000 Psund (5,99 Milliarden Mark).

Der Gesamtbetrag, den Großbritannien an die Vereinigten Staaten zur Zeit der Unterzeichnung des Fundierungsabkommens schuldete, betrug 4600 Millionen Dollar (19 555 Millionen Mark). Gezahlt habe England an Amerika bisher 1 351 720 000 Dollar (5 744 810 000 Mark), noch zu zahlen habe Großbritannien 11 105 963 000 Dollar (47 200 342 750 Mark).

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Eine neue Notverordnung über Bankenaussicht und Aktien- rechtssorm, die am 1. Oktober in Kraft tritt, wurde ver- össentlicht.

* In Stettin sand der Dcutschnationale Parteitag unter starker Beteiligung statt.

Neue Funde, die an der Cisenbahnattentatsstelle bei Bia Torbagq gemacht worden sind, bestärken den Verdacht, daß zwischen dem ungarischen Eisenbahnanschlag und dem von Jüterbog gewisse Zusammenhänge bestehen.

* 3» der Mandschurei ist es zu einem schweren kriegerischen KonNttt zwischen Japan und China gekommen.