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Zul-aer Mzeiger

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Nr. 222 1931

Fulda, Mittwoch, 23. September

8. Jahrgang

Hindenburg an Frankreich.

Ser französische Aoffchaster beim Reichspräsidenten.

Für deutsch-französische Zusammenarbeit.

Der Reichspräsident empfing den neuernannten fran' Mschen Botschafter Franyois - Poncet zur Entgegen­nahme seines Beglaubigungsschreibens. Der Botschafter wurde nach dem üblichen Zeremoniell durch den Chef des Protokolls, Grafen Tattenbach, abgeholt und im Wagen bt§ Reichspräsidenten zum Präsidentenpalais geleitet; das Mschafterpersonal folgte in besonderen Wagen. Im Mos- des Reichspräsidentenhauses erwies eine Ehren­wache dem Botschafter die militärischen Ehrenbezeugungen.

Der Botschafter hielt folgende Ansprache: Die hohe Mission, mit der ich betraut und deren voller Bedeutung ich mir bewußt bin, ist mir unter Verhältnissen übertragen worden, die zu mancher Besorgnis Anlaß geben.

Die gesamte Welt leidet unter einer Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich seit Monaten fortsetzt, niemand schon, und unter den Völkern ein Gefühl der Unruhe verbreitet Diese Lage erfordert von allen Staaten insbesondere von Frankreich und Deutschland, daß sie ihre An­strengungen auf eine

zielbewußte Zusammenarbeit

richten. Dies ist die Überzeugung der Regierung der Fran­zösischen Republik. Sie wird sich zu dieser Überzeugung dem­nächst in Berlin erneut bekennen, wenn der Ministerpräsi­dent und der Minister des Auswärtigen der Französischen Re­publik der liebenswürdigen Einladung, die an sie ergangen ist, Folge leisten werden. Die französische Regierung wünscht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern

das Höchstmaß an Festigkeit und Sicherheit zu geben. Um meine Aufgabe entsprechend erfüllen zu können, wäre es für mich wertvoll Ihre Unterstützung, Herr Reichspräsident, zu finden, der Sie, von der Achtung aller um- geben, so würdevoll die Geschicke des deutschen Volkes lenken.

Reichspräsident von Hindenburg erwiderte Miaus:Sie treten Ihr hohes und verantwortungsvolles Amt in einer besonders schweren Zeit an. Die große Gefahr, welche die außerordentliche Wirtschaftskrise für die ganze Welt bedeutet, ist auch nach meiner Überzeugung nur durch Zusammen- wirken aller Völker zu bannen. Bei solcher gemein­samen Abwehr von Not und Zusammenbruch hat das Schicksal

Deutschland und Frankreich eine besondere Aufgabe zugewiesen. Sie wird nur dann erfolgreich zum Heile Europas

Was geht in der Mandschurei vor?

Der Völkerbund soll den japanisch-chinesischen Konflikt schlichten.

9er Arand im Fernen Osten.

Krieg und Friedensverträge.

Die militärische und politische Lage in der Man­dschurei ist nach wie vor für die europäischen Zuschauer geklärt. Chinesische, japanische und russi -

Meldungen widersprechen sich und müssen vom Jnter- Mnstcmdpunkt der einzelnen Staaten gewertet werden. Ebenfalls hat es den Anschein, als ob zunächst ein seld- mdtger Handstreich dex japanischen Besatzung des süd- mndschurischen Konzessionsgebietes vorlag, der jetzt vom Machen Kabinett gedeckt und begründet werden soll, f kein Zweifel, daß im japanischen Kabinett

- Militärs und Diplomatie große Mei- .,MM)iedenheiten bestehen, die inzwischen außer- I heikel geworden sind Die Lage ist aber so ernst I daß der chinesische Gesandte in Genf erklären I daß man unmittelbarvoreinem Kriege ? ^Durch den Appell Chinas an den V ö l k e r b un d On.Konflikt noch besonders interessant, da sich jetzt

Beispiel erweisen soll, ob die Macht und das An- .Völkerbundes stark genug ist, um einen zwischen fMi/ânen ausgebrochenen kriegerischen Konflikt in

- diplomatische Verhandlungen zurückzuleiten, aen^-ö^^ina sich bereiterklärte, sich den Empfehlun-

Völkerbundes zur Beilegung des Konfliktes zu ItFUen, schlug der japanische Botschafter vor, WHispanische und chinesische Regierung in direkte

Verhandlungen ohne Hinzuziehung bey leiht £Unbe§ arbeiten solle, was aber von China abge- wurde.

vEn Verhandlungen des Rates schlug nach der uiivh^r chinesischen Erklärung Lord Robert Cecil vor, bct S $ ?ie Protokolle der Aussprache im Völkerbund mit uioÄ??ischen Regierung zu übermitteln, mm ihr da- besji^.i -Möglichkeit eines Eingreifens in die in Gang

Regelung des Konflikts zu geben.

Tluph^. Müßten, so forderte Cecil, unbedingt die die in das andere Gebiet eingedrungen seien, werden. Derartige Maßnahmen seien vom

Wissen v dei allen internationalen Konflikten cr- Mlle und es gebe keine Veranlassung, in diesem bett Mfhhsuahme zu machen. Jedoch würden durch chinesischen Konflikt zwei internationale ^zn- er Kellogg-Pakt und der pazi- hierin?,-,011' berührt, die beide von der amerikanischen Die Sh1"öeichnet seien.

^unn wurde vom Präsidenten nach der Er- Robert Cecils unterbrochen.

^t. hn ^'^st Cecils hat allgemein größtes Aufsehen durch dieses Vorschlag das bisberi-'e Verfahren

und der gesamten Welt gelöst werden können, wenn Vie vewen Völker an sie mit dem Willen zur Verständigung nn Geiste aufrichtiger Zusammenarbeit herangehen. Die Ab­sichten der französischen Regierung, ein solches gedeihliches Zu­sammenwirken aus der Grundlage vertrauensvoller Beziehun­gen herbeizuführen, begegnet sich durchaus mit unseren aus­richtigen Wünschen, deren Erfüllung auch der bevorstehende

Besuch der führenden Staatsmänner Frankreichs

in Berlin fördern möge. Ich begrüße es lebhaft, daß Sie, Herr Botschafter, dem Beispiel Ihres Herrn Vorgängers folgend, es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, mit allen Ihren reichen Kräften nachdrücklichst dabei mitzuwirken, um zur Wohl-

Frankreichs neuer Botschafter verläßt das Reichs- Präsidentenpalais.

fahrt unserer Länder, zur Befriedung des ertatunetnoen Europas und damit zum Heil der Menschheit das von uns allen Erstrebte zu erreichen. Eure Exzellenz dürfen überzeugt sein, daß die deutsche Regierung und ich selbst alles tun werden, um Sit bei diesem Bemühen zu unterstützen. Ich heiße Sie. Herr Botschafter, im Namen des deutschen Volkes herzlich -»illkommcn."

Hieran schloß sich eine Unterhaltung, in deren Verlauf der Botschafter dem Reichspräsidenten die Mitglieder der Botschaft vorstellte. Beim Verlassen des Hauses erwies die Ehrenwache dem Botschafter erneut militärische Ehrenbezeu­gungen, der unter gleichem Zeremoniell wie bei der Hin­fahrt "nach der Botschaft zurückgeleitet wurde.

des Völkerbundes zur Beilegung von internationalen Konflikten ausgehoben und die amerikanische Regierung trotz ihrer fehlenden Zugehörigkeit zum Völkerbund un­mittelbar zur Beilegung des Konflikts angerusen wor­den ist. -

*

Vertrauliche Verhandlungen

im Völkerbundrat.

China und Japan nehmen teil.

Im Anschluß an den Vorschlag des Ratspräsidenten gaben die Vertreter der Großmächte Erklärungen ab. Curtius druckte die Hoffnung aus, daß der Vorschlag des Ratspräsidenten ein­stimmig von sämtlichen Ratsmächten einschließlich der beiden am Konflikt beteiligten Regierungen angenommen würde

Der Vertreter Frankreichs, Massigli, schloß sich den Aus­führungen Dr. Curtius' an und betonte gleichfalls, daß der Rat die Pflicht habe. seine ganze Autorität zur Regelung dieses außerordentlich ernsten Konfliktes einzusetzen.

Sodann gaben noch der italienische Außenminister Grandt, der polnische Regierungsvertreter Sokal und der norwegische Außenminister Braadländ Erklärungen ab, in denen überein­stimmend auf den außerordentlichen Ernst der Lage bm- gewiesen und die Notwendigkeit sofortiger Maßnahmen des Völkerbundes hervorgehoben wurde.

Der Vertreter der chinesischen Regierung betonte, daß die nach der Sitzung beginnenden vertraulichen Beratungen mit dem Ratspräsidenten und dem japanischen Vertreter nicht als eine offizielle Verhandlung zwischen den beiden in Konflikt stehenden Regierungen aufgesaßt werden dürften. Unter diesem Vorbehalt nähme er den Vorschlag des Ratspräsidenten an.

Der japanische Regierungsvertreter gab die Zusicherung, daß er sofort neue Instruktionen seiner Regierung etnholen werde.

Lord Robert Cecil betonte, wenn Die Erklärung des chine­sischen Regierungsvertreters über d ie Massakers im Fernen Osten zuträfen, daß dann zweifellos eine außer­ordentlich ernste Lage bestehe.

Der Vorschlag des Ratspräsidenten wurde in den drei Punkten sodann einstimmig vom Rat angenommen und die Weiterverhandlung vertagt.

Die vertraulichen Verhandlungen über die Beilegung des chinesisch-japanischen Konfliktes baten bereits unmittelbar nach dem Schluß der Ratssitzung wieder begonnen. An den Be­sprechungen nehmen außer dem Ratspräsidenten und den Ver­tretern der chinesischen und fapanischen Regierung noch Curtius, Grandi, Massigli und Lord Robert Cecil teil.

Schwere Kämpfe in der Mandschurei.

Bei T s ch a n t s ch u n sind neue Kämpfe ausgebrochen. Der japanische General Hayashi hat ohne weiteres Befragen seiner Regierung seinen Truppen in Korea Anweisung gegeben, in die Kirinprovinz cinzumarschieren. Der japanische Kaiser habe einen Kabinettsrat cinbcrufcn, in den man zwar die Handlungs­weise des Generals verurteilte, aber doch zu dem Beschluß kam. daß cs nunmehr au spät sei. die Truvven AuriidAuberufen. .

Der japanische Außenminister Yoshisawa erklärte, daß die niilitärischen Operationen in der Mandschurei keine Verletzung des Kellogg-Paktes seien, da diese in Selbstverteidigung und zum Schutze der Verkehrsverbindungen und der Vertragsrechte erfolgt wären.

Der russische Botschafter tn Tokio hatte mit dem japanischen Außenminister eine längere Unterredung über die allgemeine politische L a g e in China, über das Ergebnis der Besprechung ist nichts bekanntgegeben worden.

Nach einer Meldung aus Tokio sollen japanische Truppen in Tientsin gelandet sein. Der Oberbefehlshaber der japanischen Truppen in Mulden hat das Chinesenviertel be- setzen lassen, weil dort aus japanische Soldaten geschossen wor­den sein soll

Die chinesischen Truppen haben die Stadt Kirin ge­räumt, um Blutvergießen zu vermeiden. Die japanische Ka­vallerie steht vor der Stadt.

Im Anschluß an die Entscheidung der Japaner, die den Chinesen gehörende von Tschantschun nach Kirin führende Eisenbahn zu übernehmen, entsandte die südmandschurische Eisenbahnverwaltung 130 Beamte nach Tschantschu.

Die Chinesen haben die Stadt Lungtschientsin bombardiert.

*

In Peking haben eine Reihe chinesischer nationaler Ver­bände an das Volk einen Aufruf erlassen, in dem zum Boykott japanischer Waren aufgeforderi wird: auch sollen die japani­schen Dampfer nicht mehr benutzt werden Der Boykott soll vom 26. September ab in ganz China durchgefübri werden.

Tschanghsueliang erklärte, daß der überraschende Angriff Der Japaner einen Krlegsakl darstelle Der Angriff sei in einem Augenblick erfolgt, wo China sich infolge der großen Über­schwemmungen, der kommunistischen Unruhen und des Bürger­krieges in den größten Schwierigkeiten befände.

*

Japanische Ausschreitungen in Charbin.

Paris, 23. September. (Eigene Funkmeldung.)

Der Berichterstatter desPetit Parisien" in Schanghai stellt die baldige Besetzung Charbins durch die Ja­paner in Aussicht. Charbin sei der Zufluchtsort der vor den japanischen Vormarsch zurückweichenden Mandschutruppen. Die chinesische Bevölkerung von Charbin sei gegen die Japaner sehr aufgebracht und habe gestern

Bomben gegen das japanische Konsulat, die koreanische Bank, das Gebäude einer japanischen Zeitung und einer japanischen Gesellschaft geschleudert. Opfer seien nicht zu beklagen. Die Menge habe auch japanische Läden mit Steinen beworfen. Der japanische Konsul in Charbin habe den Kommandierenden der japanischen Armee um Hilfe gebeten unter Hinweis darauf, daß die in Charbin leben­den 4000 Japaner sich in Gefahr befänden. Der kommandie­rende General habe die verfügbaren Truppen der zweiten japa- nischen Division angewiesen, sich für den Abtransport nach Charbin bereit zu halten. Man berichtet sogar, daß er bereits den Abmarschbesehl erteilt habe, obwohl die Regierung von Tokio zögere. Als Gesamtverluste würden von japanischer Seite angegeben 68 Tote, darunter 3 Offiziere, und 95 Verletzte, dar­unter 7 Offiziere. Der gleiche Berichterstatter meldet, daß Tschiangkaischek eine Kundgebung veröffentlicht habe, in der China zur Bildung einer gemeinsamen Front gegen die Japaner aufgefordert werde. Wenn der Völkerbund, an den China appelliere, die Mandschurei nicht befreie, so werde er Tschiangkaischek die chinesischen Trup­pen in den Kampf führen und nötigenfalls auf dem Schlacht­felde fallen, um die nationale Ehre zu retten.

Ein große antijapanische, von Studenten und Beamten ver­anstaltete Kundgebung habe gestern in Nanking stattgefunden. Die japanischen Frauen und Kinder werden heute Nanking ver­lassen, um nach Schanghai zu flüchten.

Im Gegensatz hierzu wird aus Tokio gemeldet, daß der japanische Konsul das Auswärtige Amt gebeten habe, eine solche Aktion zu verhindern. Trotz der widersprechenden Nachrichten aus dem Osten ist anzunehmen, daß der japanisch-chinesische Kon­flikt eher eine Zuspitzung als eine Entspannung erfahren hat.

Die SirMorengehälker fubbentiomerfer Setriebe.

Ein Zenirumsantrag.

Im Preußischen Landtag hat die Z e n 1 r u m s f r a k t i 0 n folgenden Uranlrag eingebracht:

In den letzten Jahren haben sich sowohl der Preutzftchc Staat als auch das Reich in zunehmendem. Maße an der Sub­ventionierung notleidender industrieller Betriebe beteiligt. Durch diese Subvention werden öffentliche Mittel zur Aufrecht- erhaliung Der Beiriede verwandt.

Bei der in diesen schweren Zeiten notwendigen Sparsam- keil würde es sich nicht vereinbaren lassen, daß in diesen durch öffentliche Mittel gestützten Betrieben übermäßig hohe Direk- torcngehälter gezahlt werden.

Wir beantragen daher, der Landtag wolle beschließen: Das Staatsministerium wird ersucht, im Einvernehmen mit der Reichsregierung alsbald in eine Prüfung einzutreten, 0 b dte Direktoren gehälter in den vom Staat subventionierten Unternehmungen angemessen sind. Gegebenenfalls soll von einer angemessenen Festsetzung dieser Gehälter die weitere Unterstützung abhängig gemacht werden.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Im Völkerbundrat beantragte der Vertreter Englands, die Regelung des chinesisch-japanischen Konfliktes in der Man­dschurei Amerika zu übertragen.

* Der Reichspräsident empfing den neuen französischen Bot­schafter zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens.

* Gegen den Kriminalkommissar Waltz in Schneidemühl ist wegen Äpionageverdrchtes die Untersuchung eingeleitet worden.