ZulSaer /lnzeiger
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«Hr. 223 — 1931
Fulda, Donnerstag, 24. September
8. Jahrgang
Japan marschiert
Chinesischer Wirrwarr.
Dazu der Völkerbund.
Der ewige Bürgerkrieg in China zwischen der Kanton- und der Nankingregierung, der das Land nicht zur Ruhe kommen läßt, gibt immer wieder den Anlaß für fremde Mächte, insbesondere Japan und Rußland, zur Selbstverteidigung ihrer gefährdeten Belange zu greifen. An der Mandschurei haben Japan sowohl wie Rußland so starke politische wie wirtschaftliche Interessen, daß dieses Land immer von neuem den Zankapfel bildet md zum Aufmarschgebiet kriegerischer Unternehmungen wird. Nachdem jetzt Japan einen neuen Vorstoß gegen die chinesische Ostbahn unternommen hat und von der See- und der Landseite her zu weiterem Vorgehen entschlossen scheint, meldet sich auch Rußland wieder. Bei einer Unterredung mit dem japanischen Botschafter in Moskau erklärte der russische Außenminister Litwinow, daß die russische Regierung gegen einen Vormarsch der japanischen Truppen an dic chinesische Ostbahn sei, und bat, die japanische Regierung sofort davon in Kenntnis zu fetzen. Ein militärischer Vorstoß gegen die chinesische Ostbahn sei nach russischer Meinung durchaus unzulässig und llnerwünscht. Inzwischen mehren sich die Meldungen von Bombenanschlägen, schweren Gefechten zwischen Chinesen und Japanern und Bombardements chinesischer Dörfer durch japanische Flugzeuge. Die Verluste dabei sollen sehr groß sein. Japan, das die Schuld dieser kriegerischen Zusammenstöße auf China abschiebt, nimmt sie zur Veranlassung neue Truppen in der Mandschurei zusammenzuziehen.
Wird es dem Völkerbund noch gelingen, durch sein Dazwischentreten diesen Kampf durch die Macht in einen Rechtsstreit abzubiegen? In einem Telegramm an die japanische und chinesische Regierung weist der Präsident des Völkerbundrates darauf hin, daß unverzüglich I mit den Vertretern der beiden Regierungen in Genf B e - 1 Tötungen über die Durchführung des Vorschlages der Zurückziehung der Truppen beginnen würden. Zu diesen Verhandlungen seien die Vertreter von Deutschland, England, Frankreich und Italien zugezogen worden. Werden diese Verhandlungen von Erfolg sein und vor allem wird sich Japan einem auf die Zurückziehung seiner Truppen lautenden Beschluß fügen? Oder wird als Vollstrecker des Völkerbundwillens die amerikanische Regierung, der die Protokolle der Ratssitzung und das gesamte Dokumentenmaterial bereits übermittelt worden sind, einschreiten müssen, um die Angelegenheit noch mehr zu verwirren. Wir würden dann in der Mandschurei außer den beiden chinesischen Parteien, Japan, Rußland und Amerika am Wert sehen, die jeder auf seine Art versuchen würden, natürlich unter Berücksichtigung der eigenen Interessen Ordnung in den chinesischen Wirrwarr zu bringen, und trotz aller schönen Friedensbemühungen des Völkerbundes erscheint hier doch der Stoßseufzer berechtigt: -Wenndas nur gut geht!"
Wünsche Sparmaßnahmen in England.
Keine Besichtigung von Schlachtfeldern mehr.
Das englische Kriegsministerium hat verfügt, daß aus ^arsamkeitsrücksichten die Manöver von Divisionen ^ größeren Verbänden im nächsten Frühjahre ausfallen. , Brigadeübungen finden nur in der Nähe der Garni- Mn statt. Die großen Artillerieschießübun- M werden nur alle zwei Jahre abgehalten. In den Wildungsplänen der Luftabwehr wird nichts geändert, Verfügung stehenden Munitionsmengen werden y befdjräntt. B e s i ch t i g u n g s r e i s e n aller Axt , 9 den Schlachtfeldern von Frankreich und Flandern in Zukunft aus.
Die Psundkrise und die Mark.
Geringere Abzüge ausländischer Markguthaben
Srh k d^" deutschen Geldmarkt hat sich die ' des Pfundes insofern günstig ausgewirkt, als die 8 e von ausländischen Markguthaben, die den aus- u Gläubigern nach dem kürzlich abgeschlossenen ^ uyaitevertrag vom l5. September ab in Höhe von °âent zustehen, nur einen ganz geringen 11 m = Srei-M genommen haben. Man scheint in ausländischen Aua!., ^sonders bei den englischen Gläubigern, im HalbT l£ d i e Anlage in M a r k für sicherer _zu Tevi^n?'. in anderen Währungen. Für die denische Habk i t L n3 bleiben die geringen Abrufe der Markgut- ■ n >ehr erfreulich.
Feste Kurse in London.
kech^^^ouer Börse hatte bei ihrer Wiedereröffnung etwa e T e n d e n z. Die Kurssteigerungen standen D e u t; ^"^âltnis zu der Abwertung des Pfundkurses. 46 nach ° Anleihen stark gesucht. Young-Anleihe selbst Dawes-Anleihe 66 nach 62. DasPf u n d 17,75 ®° wurde die Reichsmark mit 18,50 nach m Vortage genannt.
de» Information aus Genf, wonach auch Schwe- ^ch 'Penland und Italien die Zahlung f ^vn einer aufgehoben haben, ist festzustellen, daß ^fteUpH^^isen Maßnahme an den zuständigen Ans- ! nichts bekannt ist.
Japan erklärt.
Das japanische Außenministerium hat im Zusammen Hang mit den Genfer Verhandlungen sämtliche japanischen diplomatischen Missionen angewiesen, den Regierungen eine Mitteilung zu machen, daß die japanische Regierung die chinesischen Beschuldigungen, die in Genf gemacht wurden, für haltlos erklärt, und daß sämtliche militärischen Schritte in der Nord- und Südmandschurei nur zum Schutze der japanischen Bevölkerung und zum Schutze anderer Ausländer unternommen wurden. Japan verfolge keinerlei Annexionspolitik gegenüber China.
Truppen der chinesischen Nordarmee, die mit den Japanern im Kampfe steht, beim Exerzieren.
Die japanische Flotte greift ein.
Lüre anilUche russische Meldung aus Schanghai berichtet von der Ankunft zweier japanischer Kreuzer in Nanking. Weitere japanische Kriegsschiffe hätten Nanking passiert. In Schanghai rechnet man nach der russischen Meldung mit dem Eintreffen der j a p a n i s ch e n Flotte in den chinesischen Gewässern.
Ein vor Tschifu liegender chinesischer Kreuzer wurde von der Besatzung eines dort eingetroffenen japanischen Kreuzers kampflos besetzt; Geschütze und Funkanlage wurden unbrauchbar gemacht.
Japan lehnt Völkerbundvermittlung ab.
Das japanische Kabinett hat beschlossen, die Völkerbundintervention nicht anzunehmen und direkte Verhand
lungen mit China anzubahnen. Das Kabinett hat angeordnet, keine japanischen Truppen nördlich von Tschang- èschung zu stationieren. Ein Teil der Besatzung
Tsingtau soll zurückgezogen werden.
von
Schweden, Griechenland und Italien heben Goldstandard auf.
Bei der Finanzabtetkung des Völkerbundsekretariats die Mitteilung eingegangen, daß auch Schweden,
Griechenland und Italien die Zahlungen nach der Goldparität aufgehoben haben.
Iraners poncei im Amte.
Der neue französische '-Botschafter über seine Aufgabe.
Aniätzttch eines Presseempfanges übermittelte der neue französische Botschafter tn Berlin, Franeols-Boncet der Presse eine Erklärung, in der es u a. heißt: Obwohl Frankreich bisher von Der Wirtschaftskrise weniger betroffen wurde als andere Länder, so wünsch, es doch keineswegs, sich von der übrigen Well abzuschließen Selbstverständlich möchte es feine eigenen Interessen wahren, bleibt aber dabei nicht dem Schicksal benachbarten Völker gegenüber gleichgültig. Im Gegenteil sühli Frankreich, daß eine immer enger geknüpfte Solidarität die Nationen miteinander verbindet, und daß
der
nur eine ehrlich gemeinte Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe Europas und die Welt instandsetzen werden, eine besonders schwierige Zeitspanne ohne übermäßige Leiden zu überwinden.
Sowelt es in ihrer Macht stehl, wird Die Negierung der Französischen Republik alles versuchen, um mit Deutschland zu be» ständigen Beziehungen und einer wirksamen Zusammenarbeit zu gelangen Ich werde mich Dieser Ausgabe, sowett es in meinen Straften sieh, und mit um so größerer Freude widmen, als Deutschland für mich kein unbekanntes Land ist Vor 24 Jahren war ich Student bet Der 'Berliner Universität, wo ich mit lebhaftem Interesse Die Vorlesungen des Professors Erich Schmidi hörte Ich bin durch viele deutsche Städte gereist habe mich Dort auch ausgefallen und gedenke stets mit Vergnügen teuer Juaendjahre
Der französische Ministerbefuch in Berlin
Minlsterpräsideni Laval und Außenminister Brland
verlassen Paris am Sonnabend nachmittag mit dem Nord» erpreß und treffen am Sonniag, den 27. September, früh um 8 Ubr in Berl in ein Am Sonniag mittag findet zu ihren Ehren im Außenministerium ein Frühstück statt, dem sich am Abend ein Durer in der Reichskanzlei an schließt
, Am Moniag abend gibt die französische Botschaft ein Essen, das ledoch möglicherweise in ein Frühstück umgeändert werden kann was davon abbängt. wann die französischen Minister vom Reichspräsivenicn empfangen werden. Die Rückreise nach Paris wird am Montag abend angetretem
Der hilflose Völkerbund.
Man solle dieser „lokalen Angelegenheit" keine über- trrebene Bedeutung beimessen, hat der japanische Delegierte beim Völkerbund geäußert, als die ersten Nachrichten über den Zusammenstoß in der Mandschurei auch nach Genf gelangt waren und es dort zu „Erklärungen" der beiden beteiligten Mächte kam. Wie hoch aber die Flammen i m F erneu Osten inzwischen emporgelodert sind und welche Opfer sie gefordert haben, ist deswegen recht schwer zu jagen, weil man Nachrichten von dorther immer mit einigem Mißtrauen 'aufnehmen muß. Daß der Konflikt aber mit militärischen Kräften hüben wie drüben weitergetrieben wird, ist auch in Genf gar nicht mehr bestritten worden, — nur hat auch dies den Völkerbundrat nicht zu einem wirklichen Einschreiten veranlassen können.
Aber es gab doch den Anstoß wenigstens zu einer Aussprache in Genf, in der — mit nicht gerade originellen Worten — wie üblich die „Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Friedens betont" wurde. China hatte sich als Mitglied des Völkerbundes in einer Note über das militärisch-kriegerische Vorgehen Japans, auch eines Völkerbundmitgliedes, beschwert und das schleunige Eingreifen des Bundes gemäß Artikel 11 seiner Satzung verlangt. Dieser Artikel handelt davon, daß j e d e r K r i e g und jede Kriegsdrohung eine den ganzen Völkerbund angehende Angelegenheit sei und der Bund alle Maßnahmen treffen müsse, die zur Erhaltung des Völkerfriedens geeignet seien. Eigentlich schießt man doch in der Mandschurei ein bißchen aufeinander, auch die Flugzeuge treten in entsprechendeTäügkcit! Japan scheint außerdem aus dem von ihm annektierten Korea neue Truppen dem Kampfgebiet zuzuführen, und ganz still und ohnmächtig scheinen sich die Chinesen auch nicht zu verhalten, sondern sich, so gut oder so schlecht sie es vermögen, doch ihrer Haut zu wehren, was man ihnen ja auch nicht verdenken kann. Denn es gibt zwar ein paar internationale Verträge, die die Machtverhältnisse im Fernen Osten, besonders in der Mandschurei, „regeln", aber mit solchen Verträgen hat China öfter schon recht sonderbare Erfahrungen gemacht. Wenn Japan seine mandschurischen Interessen „bedroht" glaubt — seit Jahren ergießt sich in das dünnbevölkerte Gebiet ein Strom chinesischer Einwanderer von den überfüllten Gebieten Chinas her —, so hätte es ja formell eigentlich doch den Weg über den Völkerbundrat gehen sollen! In Genf war man — auf Grund desselben Artikels 11 — jedenfalls zum Eingreifen sehr rasch entschlossen, als das deutsch-österreichische Zollunionsprojekt nach französischer Auffassung „geeignet war, die internationalen Beziehungen zu berühren und in der Folge das gute Einvernehmen unter den Nationen zu bedrohen"!
Mit dem japanisch-chinesischen Konflikt ist man in Genf nun aber anders verfahren. Der Beschluß hierfür sagt an sich schon genug: Der Völkerbundrat vertagt die Geschichte und wird sich „möglichst bald" wieder mit dem Konflikt befassen. Was natürlich wohl nur heißt: Man läßt ganz die Finger davon. Und empfiehlt nur dringlichst, daß die beiden Mächte sich allein einigen und vertragen, „im Geist des Völkerbundes", wie der englische Vertreter Lord Cecil
äußerte. Man nennt das in der Sprache der Diplomaten: „Der Völkerbundrat bietet seine guten Dienste an." Dabei ist freilich noch eine besondere, mehr formelle als tatsächliche Schwierigkeit vorhanden: Die Vereinigten Staaten sind an den Machtverhältnissen im östlichen und nördlichen China stark interessiert, sind auch an den Verträgen beteiligt, jedoch — nicht Mitglied des Völkerbundes! Amerika verlangt im Fernen Osten aber nur die berühmte „0 f f e n e T ü r" und ist heute allein in der Lage zu verhindern, daß die Japaner durch ihr Vorgehen diese Tür den andern Mächten vor der Nase zuschlagen.
Im Nordenlauertautzerdemdie sowjetrussische Sphinx, die von irgendwelchen diplomatischen „Hemmungen" überhaupt nicht bedrückt wird und einfach mit Gewalt den Konflikt um die Ostchincsische Bahn löste. Mit Gewalt und mit Erfolg. Gan; unrecht hat Japans Vertreter in Genf auch wieder nicht, wenn er äußerte, in der Mandschurei sei eine Atmosphäre geschaffen, die sich von»Ettropa aus „nur schwer übersehen" lasse. Sie läßt sich aber sicherlich kaum als erfreulich bezeichnen. Und zwar schon seitdreißigJahren nicht. Das istauch demVölker- bundrat nicht gerade unbekannt, jetzt auch sehr unbequem. Ein „Statut" zu besitzen, aber es nicht zu verwirklichen, wo es nottut, ist aber wohl noch unbequemer, freilich auch nicht mehr — ungewohnt. Man läßt sich in Genf daher lieber vor die vollendeten Tatsachen stellen, als vorher die Finger in solche Machtäuseinandersetzungen hineinzustecken.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der französische Finanzminister Flandin nahm im Wirt- schaftsausschuß der Bölkerbundversammlung in einer größeren Rede zu den aktuellen internationalen Finanzproblemen Stellung.
* Der chinesisch-japanische Konflikt hat durch die Zurückweisung der Völkerbundvermitttung durch Japan eine starke Verschärfung erfahren.
* Der Reichspräsident hat dem Industriellen Dr. Bosch in Stuttgart anläßlich seines 70. Geburtstages den Adlerschild des Reiches verliehen.
* Wie verlautet, beabsichtigt die Reichsregierung, vom 1. April 1932 ab die Hauszinssteucr um 25 Prozent zu senken und zwar auf Kosten des bisherigen Wohnungsbauanteils. Weiter wird erwogen, für die Ansiedlungen monatlich 20 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, davon 12 Millionen für Landsiedlungen und 8 Millionen für Randsiedlungen.
* Im bayrischen Allgäu schneite es 24 Stunden lang fast un. unterbochen. Riesengeöirge, Harz und Rhön melden ebenfalls Schneefälle. ,