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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 225 1931

Fulda, Samstag, 26. September

8. Jahrgang

Der französische Staatsbesuch.

Slopsaogsvorbereitlmgen für Laval und Vriand.

Bittere Erinnerungen und Hoffnungen.

Der französische Ministerpräsident Laval und der sranzösische Außenminister Briand werden am Sonntag als Gäste der Reichsregierung nach Berlin kommen. Es wird dies das erstemal seit dem Berliner Kongreß von 1878 fein, daß französische Minister offiziell Berlin be­suchen. Laval und Briand werden im Hotel Adlon woh­nen, das den Vorteil der unmittelbaren Nähe der fran­zösischen Botschaft hat. Den Gipfelpunkt des französischen Besuches wird der Empfang b e im Reichspräsi­denten bilden und diese Zusammenkunft hat leider bit­tere Erinnerungen wachgerufen.

Im Zusammenhang mit der Meldung über den ge­planten Empsang der französischen Minister durch Reichs­präsident von Hindenburg ist die Frage aufgeworfen wor­den, ob die französische Regierung amtlich Mitteilung von der Annullierung der berüchtigsten Kriegsver­brecher! iste, auf der bekanntlich auch Hindenburg stand, gemacht habe. Eine derartige Mitteilung ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, nicht eingetroffen. Die Tatsache, daß der französische Ministerpräsident den Wunsch ausgesprochen habe, vom Reichspräsidenten empfangen zu werden, spreche viel mehr für ein Nicht­weite r b e st e h e n der Kriegsverbrecherliste, als eine formal-juristische Regelung der Angelegenheit das tun könne. Es sei unwürdig, die Streichung einer Liste zu verlangen, die von Deutschland nie anerkannt worden sei. Die Tatsache des Besuches beweise schon, daß Frankreich von den alten Methoden abgerückt sei. Wir wollen hoffen, daß vor allem auch die Fol­gen des Besuches beweisen werden, daß Frankreich von

Gcharse Erklärung

gegen Znflaiionsgerüchte.

Spekulationsmanöver an der Produktenbörse.

Zu einer bemerkenswert deutlichen Stellungnahme gegen allerhand Redereien über dieMöglichkeit einer wation ist es in einer Regierungserklärung gekommen, °>e durch Vorgänge an der Berliner Produkten- ° ° rie veranlaßt worden ist. Da dort die Ba iss e- pekulationen vor allem in Weizen und Roggen geschlagen sind, weil das Angebot zurückhaltend und daher ein Anziehen der Preise erfolgte, sind die ^eingefallenen Baifsespekulanten in erhebliche Schwierig- men gekommen. Das geringe Angebot von Getreide hat 1 eJ Weit ganz natürliche, betriebswirtschaft- "Lachen, entspringt z. B. auch der Enttäuschung een Ernteausfall und dem Bestreben der Landwirte, : e "icht Hals über Kopf und zu jedem Preis zu zumal ausgiebige Gelegenheit zu einer recht /-omborbierung der Ernte besteht. Im Getreide- / , hatte man aber seit dem Juli vielfach mit einem 1 drängenden Angebot und entsprechender Preis- gerechnet. An der Berliner Produktenbörse kann ^ 'M hören, die Zurückhaltung beim Angebot und w die Preisbefestigung entspringe der Furcht

|möglichen Inflation" oder der Besorg- ?te Entwicklung der englischen Währungskrise; auf ^tasse" die Landwirte, möglichst wenig Ware S zu bringen. ttiadier Regierungserklärung gegen diese Gerüchte- toirb hJh "^sichtlich den Markt stark beunruhigen wollten, Meid. Zf; ouf die wiederholten Zusicherungen der daß und der Regierung selbst verwiesen, . J fragten Stelle^"* ®$u$e der deutschen Währung beauf- "^feinen U m st â n d e n eine erneute , .'»»flation zulasscn werden".

Gefahr einer Inflation" ein völlig unbe- I geht QuA "Ud mehr als unverantwortliches Gerede ist, I banka«-^. dem soeben veröffentlichten 9t e i cb § = hervor.

Honen 1 ^ch der Notenumlauf um etwa 80 Mil- dur, verringert und ist zu 4 0,1 Prozent bestand anri .Vn b Devisen gedeckt. Der Gold. «nein stieg etwas, aus jetzt 1374 Millionen Mark.

Amerika für Rüstungsstittstand.

Staats? ^erzicht auf Krcuzerbautcn.

Vollme w ;CtÄr^^mf°n erklärte sich grundsätzlich zur ^H^en Völkerbund vorliegenden italie - eillfUn h I ges bereit, der einen R ü st u n g s- q^en unzweNâ ^^' Dieser Rüstungsstillstand würde günstigen Einfluß auf die kommende r Gedankens rl,^. ^ben. Zur praktischen Unterstützung S ihr na* amerikanische Regierung bereit, auf ^henden N nLondoner Flottenübereinkommen zu- Der ^" 6er Kreuzer zu verzich- ^"gebote einaekn^ V * Zerstörern, für den kiirzlich »glich betr£ wurden, wird jedoch als unum- ^Men für veraltei-^ t8 lich hierbei einerseits um Ersatz- ' ^e gegen die av^"^^"lle, andererseits um eine Maß- ö,e öro^ Arbeitslosigkeit handelt.

seinen bisher geübten Methoden einer Verewiaung des Weltkrieges abgegangen ist.

Polizeiliche Vorbereitungen.

Der Empfang der französischen Minister in Berlin ist, wie vom Berliner Polizeipräsidium mitgeteilt wird, mit der größten polizeilichen Sorgfalt vor­bereitet. Allenthalben werden sehr starke Polizeikräfte bereitgestellt, um dafür zu sorgen, daß sich der Empfang ohne Störung abspiele. Der Vorplatz am Bahnhof Friedrichstraße wird völlig abgesperrt sein. Ferner wird die Neustädter Kirchstraße, durch die die Fahrt der Minister zum .Hotel Adlon erfolgt, polizeilich gesichert sein. Die Polizei wird ferner dafür Sorge tragen, daß es nirgends zu Menschenansammlungen kommt.

Oie Reichslertung der NGOAp. verbietet Kundgebungen.

Die Reichsleitung der NSDAP, veröffentlicht folgen­den Aufruf:Es ist der Reichsleitung zur Kenntnis ge­kommen, daß Linkskreise beabsichtigen, anläßlich des Besuchs" der französischen Minister durch Provokateure Nationalsozialisten zu Kundgebungen in Berlin oder auf den Bahnhöfen, die der Zug durchfährt, anzureizen. Es soll dadurch der französischen Regierung der Porwand ge­geben werden, ihre bekannten politischen Forderungen, welche sich in erster Linie gegen die NSDAP, richten, neuerdings zu stellen, wobei gleichzeitig der Berliner Re­gierung die Annahme derselben erleichtert würde. Die Reichsleitung verbietet daher allen Parteigenossen die Teilnahme an irgendwelchen etwaigen Kundgebungen gegen die französischen Minister. Von deren Anwesenheit ist keinerlei Notiz zu nehmen. Parteigensssen, welche da­gegen verstoßen, schließen sich von selb st wegen parteischädigenden Verhaltens aus der NSDAP, a u s."

Aeuer iialienischer Vorschlag.

Rüstungswafsenstillstand vom 1. Nove mder 1931 an.

Der italienische General Marinis stellte dem Abrüstungs­ausschuß einen neuen italienischen Vorschlag zur Verhandlung, nach dem die Völkerbundversamnilung einen feierlichen Appell an alle diejenigen Mächte richtet, die die Grundsätze der Gerechtigkeit und des Friedens durchzuführen bereit sind, um auf diese Weise eine öffentliche Meinung zu schaffen, die aus die Abrüstungskonferenz in der Richtung Prak- tischcr Ergebnisse einwirken könnet.

Ferner sollen alle Regierungen sich verpflichten, die bereits bewilligten Ausgaben für die Landrüstungen bis zum Abschluß des Waffenstillstandes nicht zu erhöhen, keine neuen Schiffs- bauten vorzunehmen und den Bau neuer Militärflugzeuge em- zustellen. Der Rüstungswaffenstillstand soll für die Dauer eines Jahres, beginnend vom 1. November 1931, abgeschlossen werden. Der Rat soll die Negierung ersuchen, dem Generalsekretär des Völkerbundes bis zum 15. Oktober Mitteilung zu machen, ob sie entschlossen sind, den Rüstungswaffenstillstand auf Grund dieser Bedingungen anzunehmen.

Die Vollversammlung des Völkerbundes soll nach Möglich­keit in einer Nachtsitzung von Sonnabend aus Sonnlag ab­geschlossen werden. Jedoch ist bereits jetzt vorgesehen, daß im Einblick aus die Fülle der noch laufenden Verhandlungen die Vollversammlung des Völkerbundes erforderlichenfalls b i s Dienstag ausgedehnt wird. Der Völkerbundrai soll bis zur Regelung des japanisch-chinesischen Konflikts zu- sammcnbleiben.

Gewehr bei Fuß.

Die japanische Note an Genf.

Der japanische Botschafter Uoshisawa hat dem Präsi­denten des Völkerbundrates die Note seiner Regierung überreicht. Die japanische Negierung erklärt, sie habe mit allen Mitteln das Ziel verfolgt, eine Ausdehnung des Zwischenfalles und eine Verschärfung der Lage zu ver­hindern und suche mit allen Mitteln eine friedliche Regelung durch direkte Verhandlungen zwischen den beiden Ländern, und zwar so schnell wie möglich, herbeizuführen.

Weiter wird erklärt, daß der größte Teil der japa­nischen Truppen bereits in die Eisenbahnzone zurück­gezogen und gegenwärtig dort konzentriert sei. Außerhalb der Eisenbahnzone befänden sich lediglich einige wenige Truppen, die aus Gründen der Vorsicht nach Mukden und Kirin gelegt seien. Diese Maßnahmen stellten jedoch keine m i l i t ä r i s ch e B e s e tz u n g dar. Die japanische Regie­rung habe die Absicht, die Truppen noch weiter in die Eisenbahnzone zurückzuziehen, und zwar in dem Maße, in dem sich die Lage verbessere. Die japanische Regierung gebe sich der Hoffnung hin, daß der Völkerbundrai der Ehrlichkeit ihrer Haltung vertrauen werde.

Große nationale Kundgebungen der Chinesen.

In N a n k i n g und in Schanghai fanden große nationale Kundgebungen gegen Japan statt, an denen sich in Nanking über 100 000 Menschen beteiligten Die Redner der Kundgebung erklärten, daß China endlich eine scharfe Antwort an Japan geben und es zwingen müsse, das chinesische Gebiet unberührt zu lassen. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der erklärt wird, daß nur ein m ilitärisches Vorgeh en von chinesischer Seite Japan zur Achtung vor der chlnesijchen .Souveränität zwingen könne.

Notsignale.

Was wird England tun? Die Hand aus dem Porte­monnaie. Der französische Besuch in Berlim

Sprichwörter oder sonstige Ausbrüche der Volks­meinung haben stets das eine an sich, höchstens zur Hälfte oder sehr bedingt richtig zu sein. Und wenn die eine Hälfte des Sprichworts:Die Zeiten ändern sich . . .' zweifellos richtig ist, so darf man um so stärkere Zweifel in die Rich­tigkeit dessen setzen, daßauch die Menschen sich mit den Zeiten ändern". Die Menschheit ändert sich, wenn über­haupt, dann nur sehr langsam; selbst dann beeilt sie sich nicht allzusehr damit, wenn das Schicksal, dieZeiten" ihr einen tüchtigen Faustschlag versetzen, wie das jetzt durch den offenen Krisenausbruch in England ge­schehen ist oder vielleicht ganz absichtlich erfolgen sollte. Das heißt ja auch viel mehr, ist von ungleich größerer Be­deutung für die Welt und ihre Wirtschaft, wenn England sich jetzt mit aller Kraft, mit ganz rücksichtslosen Maß­nahmen zur Wehr setzt gegen den Ansturm der anderen auf seine Währung und seinen Kredit, als wenn Deutschland einen noch so lauten Hilferuf in die Welt hin­aussendet. Man hat in London gehandelt, ehe man dort auf dem letzten Loch pfiff. Und darum ist heute die mit leichter Besorgnis untermischte Frage drüben in Amerika, aber besonders in Frankreich zu hören: Waswirdman denn nun in England tun, wozu wird man sich dort entschließen? Der politische Streit zwischen dem Koalitionskabinett Macdonald und seinen Kritikern ist so gut wie verstummt; das Notsignal flattert zwar am Mast des britischen Staatsschiffes, aber die Be­satzung denkt gar nicht daran, tatenlos nur auf die Rettung von denGoldküsten" her zu warten, sondern will sich in einigender Arbeit selbst helfen, die Lecke stopfen und das Schiff wieder in Fahrt bringen. Da wird man von jedem das Letzte an Kräfteeinsatz verlangen.

*

Nun etwa schadenfroh oder mahnend den Finger hoch­zuheben und den Engländern zu dozieren, sie seieneigent­lich" selbst an der ganzen Geschichte schuld, weil sie immer nur pro-französische Politik getrieben haben, anstatt mit Deutschland gemeinsam wirklich den Weltkrieg zu liqui­dieren und den Kampf gegen unsere Tributbelastung auf­zunehmen, derartige politische Weisheiten von sich zu geben, wäre nur wieder ein Beweis dafür, daß sich zwar die Zeiten ändern, aber manche Menschen nur sehr lang­sam oder gar nicht! England ist Deutschlands größter Kunde und größter europäischer Geldgeber, mit dem wir durch zahllose Fäden kredit- und auch wäh­rungspolitisch verbunden sind. Alles dies wird aber aufs stärkste berührt und zum Teil gefährdet durch das, was gestern in England geschehen ist und was morgen geschehen wird. Warum also gar noch eine Rechnung über eine längst hinter uns liegende Vergangenheit aufmachen, aus der sich überdies auch einige für uns nicht gerade erfreu­liche Posten befinden würden! In Genf hat es der franzö­sische Finanzminister mit der Hand fest auf dem Porte­monnaie fertigbekommen, solch ein Sündenregister aus der verflossenen Geld- und Kreditpolitik den anderen Staa­ten vorzulesen und in gleichem Atem jede Hilfe in der au­genblicklichen Weltlage unverändert von derÄnnnahme aller französischen Bedingungen abhängig zu machen, außer­dem eine Hilfe auch dann nicht etwa fest zu versprechen, sondern sie höchstens anzudeuten! In Paris liebt man es nicht, sich zu ändern seit den Tagen von Versailles, als alles so gestaltet wurde, wie Frankreich es sich nur wün­schen konnte. Man verneint dort auch, daß die Zeiten sich geändert hätten.Vom sicheren Port aus läßt sich's trefflich raten heißt's ja mit Hohn und Bitterkeit imTell". Denn die französische Erde bebt noch nicht unter dem zermalmenden Tritt der Weltwirtschafts­krise. Zur größten Militärmacht ist Frankreich geworden, zur größten Geldmacht denn auf den Kopf feiner Be­völkerung entfällt fast noch einmal soviel Gold wie in den Vereinigten Staaten und es wurde damit auch zur größten politischen Macht. Nie ist dies so deutlich sichtbar geworden, wie es heute geschieht.

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Wie wenig sich die Menschen ändern, zeigt ja auch der Losbruch des chinesisch-japanischen Konflikts. Wirtschaft­liche Expansionsgründe, vielleicht auch nur der Wille, einen mit Waffengewalt eroberten und mit den Mitteln der friedlichen Durchdringung" erworbenen Gewinn zu halten, führten zu militärischen Maßnahmen des Angriffs und der Abwehr. Natürlich bat dann wie schon immerder andere" angefangen! Aber fastunnatür­lich" ist es, daß dem chinesischen Nordreich zwar nicht der Süden zu Hilfe kam, wohl aber der Völkerbund und was besser ist Amerika, sobald China die Notflagge gehißt hatte. Wir Deutsche haben ja hinsichtlich des Ver­haltens des Völkerbundes gegenüber deutschen Notrufen solcher Art ganz andere Erfahrungen machen müssen! Da ist's erfreulich, daß wenigstens diesmal in Genf doch einiges für die deutschen Minderheiten in

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Die japanische Regierung teilte dem Völkerbund mit, daß sie bereit sei, mit China zu verhandeln und den Vormarsch ihrer Truppen eingestellt habe.

* Der Reichsverband der Deutschen Industrie veranstaltete zu Ehren seines scheidenden Präsidenten, Dr. Karl Duisberg, eine Feier, zu der zahlreiche Persönlichkeiten der Regierung, der Wissenschaft und der Wirtschalt erschienen waren.

* Ulrich Wilamowitz-Möllendorss, der Altmeister der klassi­schen Philologie, ist in Berlin im 83. Lebensjahr verschieden.

* In Gera sind durch den Magdeburger Scharfrichter zwei Mörder hingerichtet worden.