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Zul-aer Mnzèiger

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Nr. 227 - 1931

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

Zulöa- und Haunetal *§ulöaer Kreisblatt

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NachSrv^ der mit * versehenen Artikel not mit Schellenaagab» .ZulSaer finzetgee" gestatt»«.

Fulda, Dienstag, 29. September

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8. Jahrgang

Der Berliner Besuch.

Ständiger deutsch-französischer Ausschuß eingesetzt.

Das erste Ergebnis der Berliner Besprechungen.

Eine amtliche Mitteilung über die deutsch-französi­schen Verhandlungen in Berlin besagt, daß als wesent­liches Ergebnis der Besprechungen

ein Ständiger deutsch-französischer Ausschuß eingesetzt wird, der aus Vertretern der Regierungen, der Industrie und des Handels sowie der Arbeiterschaft be­stehen wird. Dieser deutsch-französische Ausschuß wird ein

Ständiges Sekretariat einrichtewund je nach Bedarf in Berlin oder Paris tagen.

Der Ausschuß wird alle Wirtschaftsfragen behandeln und die bestehende deutsch-französische Verständigung weiter stärken und entwickel«. Der Ausschuß wird eine Reihe von Wirtschaftsfragen behandeln, u. a. Fragen, die sich auf den Handelsvertrag, die Zollfragen, Fragen der Handelsschiffahrt und der Handelsluftfahrt beziehen.

In der Mitteilung wird ausdrücklich betont, daß die Bestrebungen selbstverständlich

gegen kein anderes Land gerichtet seien. Ferner wird der Hoffnung Ausdruck ge­geben, daß damit die Grundlage für eine deutsch-franzö­sische Zusammenarbeit gelegt sei.

*

Än weiter und schwieriger Weg vor uns.

Dr. Brüning begrüßt die Gäste.

Sonntag abends versammelten sich die französischen Gäste in der Reichskanzlei zu dem Staatsdiner, das Reichskanzler Dr. Brüning gab, an das sich ein Empfang schloß. Zu dem Abendessen waren neben der Begleitung bet französischen Gäste die Mitglieder des Reichskabinetts, das Präsidium des Reichstags, Vertreter des Reichsrats lotete einige Mitglieder des Reichstags und der höheren Beamtenschaft geladen. Während des Essens wurden zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Minister­präsidenten Trinksprüche gewechselt.

Reichskanzler Dr. Brüning

begrüßte die Gäste im Namen der Reichsregierung.

»In Ihnen, £>err Ministerpräsident, begrüße ich den ^hef der französischen Regierung, der in besonders schwerer und ernster Zeit berufen ist, die Geschicke des lianzösischen Polkes zu leiten, es in kurzer Zeit verstanden W, sich größtes Ansehen und höchste Achtung unter den Völkern Europas und der Welt zu erwerben. In Ihnen, ben Minister Briand, sehen wir den ersahrenen Staats­mann, der an der Spitze zahlreicher französischer Kabinette gestanden hat und seit nunmehr fast sieben Jahren un- lnnerbrochen die Außenpolitik der Französischen Republik 'eitet. Für uns wird Ihr Name stets verbunden bleiben der Erinnerung an den leider so früh dahingerafften Mister Stresemann, dessen sich auch in dieser Stunde Rebenfen dars. Mit ihm sind Sie erstmalig in Locarno zu- wmmengetroffen und haben die gemeinsame Arbeit in Häu- N" Zusammenkünften in Genf fortgesetzt, wobei ich die Zusammenkunft aus Anlaß der Unterzeichnung ° mstogg-Paktes nicht vergessen darf.

».Während der Pariser Paktabschluß einen bleibenden politischem Gebiet gebracht hat, ist die wirt- j ! "^ Sage der Welt mehr und mehr zum Mittelpunkt im, geworden. Sie bildete den Hauptgegenstand

^fsprechungen, anläßlich des Besuches, den Reichs- s^?" Curtius und ich Ihnen in Ihrer schönen Haupt- "ostatteten.

unserem Pariser Besuch hat sich die Lage Europas S^^rschlechtert. Die wirtschaftlichen und finanziellen

^ugkeiten einzelner Länder haben sich

zu einer Weltkrise verdichtet,

der?n £u§m6 wohl niemand voll vorausahnte und zu boten »^r^N'wng außerordentliche Anstrengungen ge- fübertJ, tnen- Allenthalben quälen Not und Sorge, Un- attf jL und Verzweiflung die Völker, die erwartungsvoll aus hJ Legierungen schauen und von ihnen Befreiung längsß erhoffen. In dieser sorgenden Zett ist uur m.!^"enntnis Allgemeingut geworden^ daß Europa arbeit zielbewußte und verständnisvolle Zusammen- tzilf° ", r Nationen, nur durch schnelle/und gegenseitige lainntenh1 ^m schlimmsten Elend und dauernden Zu- gerettet werden kann.

für bi des deutsch-französischen Verhaltmsses Nâführ, d,tcfe der leidenden Nationen bedarf keiner Be- lann ""g mehr; sie ist aller Welt offenkundig. Heute über,», "ter Zustimmung der gesamten Öffentlichkeit der Slonate» ?9t "Neul Ausdruck geben, die ich vor wenigen Echene iinx - ^ zufammenfaßte, daß eine wirklich ansge- ^Uiovas ..Züchtbare Zusammenarbeit unter den Völkern Mt her nnb ^ie für den lebendigen Wirtschaftsaustausch Mifaen ^eP Welt notwendige Stabilisierung des euro- dei ben hp^6116 erst an dem Tage gesichert erscheint, wo ^«nlrei^großen Nachbarvölkern Deutschland und Will sich Ergangene seelisch überwunden ist und der ^ßljch»,, MejNsam der Zukunft und ihrer geistigen, wirt- Wir h)£ politischen Gestaltung zuwendet.

Züchen .?T^"^ die Erinnerung an die Vergangenhett ^ndes -et^. ^""d und Frankreich unendlich viel Drcn- oolt Aber h^se Erinnerungen dürfen kein

Hindernis sein, aus der Erkenntnis die notwendigen Fol­gen zu ziehen, daß eine deutsch-französische Zusammen­arbeit unentbehrlich ist, wenn die Wirtschaftsordnung Eu­ropas und der Welt von dem sie bedrohenden Zusammen­bruch gerettet werden soll.

Wir werden uns beiderseits von dem Willen leiten lassen, Trennendes beiseite zu lassen und das Gebiet zu suchen und auszubauen, auf dem eine Gemeinsamkeit der Interessen besteht und eine Übereinstimmung gefunden werden kann. Angesichts des Ernstes und der Bedeutung der gemeinschaftlich in Anariss genommenen Aufgaben

Aus dem Wege zu Hindenburg.

Laval und B r i a n d vor dem Palais des Reichs­präsidenten in Berlin.

dürfen wir uns aber nicht verhehlen, daß bis zur Er­reichung des beiderseits erstrebten Ziels

noch ein weiter und schmieriger Weg vor uns liegt. Manches aus der Vergangenheit muß noch beiseite- geräiinit werden, aber auch dies wird die Vollendung des gemeinsam in Angriff genommenen Werkes nicht aufhalten dürfen.

Indem ich der Hoffnung Ausdrucks gebe, daß das Er­gebnis unserer Zusammenkunft durch Förderung der Ver­ständigung zwischen den beiden großen Nachbarvölkern der Befestigung des Friedens in Europa dienen wird und daß sie dazu beitragen wird, die Völker mit neuem Mut zur Ertragung der gegenwärtigen schweren wirtschaftlichen Nöte zu erfüllen, erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl Euerer Exzellenzen."

Ministerpräsident Laval erwiderte:Herr Reichskanzler, meine Herren Minister, meine Herren! Mein Freund Briand und ich danken Ihnen für Ihren freundlichen Empfang, den wir sehr zu würdigen wissen. Sie können davon überzeugt sein, daß wir uns der Bedeutung unserer Anwesenheit in Berlin voll und ganz bewußt sind. Nichts kann dies besser charak­terisieren als die Tatsache, daß wir heute abend in dem­selben Saal versammelt sind, in bem vor mehr als einem halben Jahrhundert der Berliner Kongreß getagt hat, und daß seit der Zeit als Herr Waddington uns in Berlin ver­trat, kein französischer Minister in amtlicher Eigen­schaft nach Berlin gekommen ist.

Wir freuen uns, Sie, Herr Reichskanzler, sowie den Herrn Reichsaußenminister Dr: Curtius heute begrüßen zu können. Sie, Herr Reichskanzler, gehören zu jener geistigen Elite, deren hohe und seltene Eigenschaften die Welt an­erkennt und die in den schwierigsten Zeiten ihren Gletch- mut voll und ganz zu erhalten wissen. Herr Briand und ich sind nach Berlin gekommen mit den gleichen Bestrebun- gen, von denen der Herr Reichskanzler soeben gesprochen hat. Wir haben nicht nur einen Akt der Höflichkeit voll­ziehen und der freundlichen Einladung, die an uns er­gangen war, Folge leisten wollen. Wir wollten in dieser großen und schönen Hauvtstadt des Reiches die Fäden der Besprechungen von Paris und London wieder aufnehmen und fortsetzen.

Seit zwei Monaten hat sich die wirtschaftliche Lage der Welt nicht gebessert; sie erfordert von allen Staats­männern, die in der gegenwärtigen Zeit die schwere Auf­gabe haben, die Völker zu führen, eine Anstrengung des guten Willens und der gegenseitigen Zusammenarbeit. Nur dann wird das Gefühl des Vertrauens, ohne welches es keinen Kredit, keinen Warenaustausch, keine fruchtbare Arbeit und keine Hilfe in der jetzigen Krisis gibt, allmäh­lich wiederhergestellt werden.

Das Beispiel, das Deutschland und Frankreich in dieser Hinsicht geben können, ist sicher dazu angetan, den stünstiasien Einfluß auszuüben. Ist den wirtschaftlichen

Fragen und in dem Rahmen, der erst kürzlich in Gens auf­gestellt worden ist, wollen wir versuchen, zwischen den beiden Völkern eine

engere Zusammenarbeit und vertrauensvolle Beziehungen

herzustellen. Wir hoffen, daß aus unseren Besprechungen mit den deutschen Ministern, deren Weitblick wir bereits Gelegenheit hatten zu würdigen,

nicht nur ein ständiger Organismus, sondern auch eine Methode hervorgehen, aus denen sich sehr bald vollständige, prak­tische Resultate ergeben werden.

Indem wir so handeln, sind wir der Überzeugung, nicht nur für das Wohl unserer beiden Länder, sondern auch für die Ordnung und den Frieden der ganzen Welt zu arbeiten. Ich erhebe mein Glas zu Ehren unseres Gast­gebers, des Herrn Reichskanzlers Brüning und des Herrn Reichsaußenministers und ich trinke mit ihnen auf den Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit."

Die deutsch-französischen Besprechungen.

Von maßgebender deutscher Seite wird zu den deutsch­französischen Besprechungen in Berlin erklärt, daß der Ver­laus der Besprechungen beherrscht gewesen sei von der abso­luten Notwendigkeit engster deutsch-französischer Zu­sammenarbeit, nicht nur im Interesse der beiden Länder, sondern zur Rettung Europas und darüber hinaus/ zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft. Diese Auffassung habe die gesamten Besprechungen beherrscht.

Das sei auch in der Unterredung, die am Montag vor­mittag zwischen dem Reichspräsidenten und den beiden französischen Ministern stattgefunden habe, zum Ausdruck gekommen. Deutscherseits habe man mit den französischen Staatsmännern in diesen Tagen eine vertrauensvolle Aussprache gesucht und gesunden. Diese Aussprache habe sich nicht nur beschränkt auf die praktische Zusammenarbeit, man habe vielmehr auch den

Blick in die Zukunft gerichtet. Daß man hierbei auch an die allgemeine Wäh­rungskrise und an die Weltkrise gedacht habe, verstehe sich von. selbst. Warr habe aber den Beschluß, hierfür eine Lösung zu suchen, zunächst zurückgestellt.

Nach eingehender diplomatischer Vorbereitung man jetzt übereingekommen, einen interministeriellen Ne­gierungsausschuß einzusetzen. Er werde aus Regierungs­mitgliedern bestehen, die dazu bestimmt würden. Außer­dem würden aus den Kreisen der Wirtschaft, der Finanz und des sozialen Lebens berufene Vertreter je nach Maß­nahme der Aufgabe hinzugezogen werden.

An der Spitze des Ausschusses stehe jeweils ein deut­scher oder französischer Minister, je nachdem der Ausschuß in Berlin oder in Paris tage.

Außerdem werde ein Generalsekretariat eingerrchtct werden, das die Organisation des Ausschusses überwache.

Es handele sich, so wird weiter erklärt, in erster Linie um die Wirtschaftsfragen, die beide Länder interessierten. Zu dem Ausgabenkreis des Ausschusses gehörten^. a. die Kartellfrageu und ganz allgemein gesprochen die Frage des Ausbaues der Wirtschafts-, Handels- und Verkehrs­beziehungen. Es sei ferner ins Auge gefaßt, keinerlei ein­seitige deutsch-französische Abmachungen zu treffen. wn- dern sich im Rahmen der bestehenden internationalen 'Ab­machungen zu halten. Der Ausschuß solle so elastisch wie möglich gestaltet sein. Die Bedeutung des Arwschuncs dürfe nicht unterschätzt werden. Er habe vor allem Be­deutung auch für die deutsch-französische Zusammenarbeit überhaupt. Man habe ein Instrument geschaffen, das ge­eignet sei, die deutsch-französische Zusammenarbeit zu ver- tièfen.

Der interministerielle Ausschuß dürfe nach Erledigung der nötigen Vorarbeiten voraussichtlich Mitte Oktober zu- sämmentreten. Er solle ein Kristallisationspunkt sein <ur weitere Fragen, die später noch zu lösen seien.

Es sei nicht beabsichtigt, irgendwelche Maßnahmen in der Richtung von Zollerhöhungen zu treffen. Die Frage der weiteren Kartellierung habe man natürlich mit in den Ausgabenkreis des Ausschuffes hiiicingezogen.

Was die Frage des See- und Luftverkehrs angehe, ,0 sollen auch hier Abmachungen im internationalen Rahmen getroffen iverden, um den ruinösen Wettbewerb auf diesem Gebiete entgegenzutreten. . .

Über die Frage der K 0 l 0 n i a l m a n d a t e sei, wie mitgeteilt wird, nicht gesprochen worden. Dagegen habe man sich über die Möglichkeit einer Zujammenarbelt aus Gebieten außerhalb Deutschlands und Frankreichi- unterhalten.

Preffeempfang bei den französischen Ministern.

Nach einem von der Neichsregierung veranstalteten Empfang, der vor allem der Fühlungnahme zwischen deut­schen und aus Frankreich mit den französischen Ministern gekommenen Journalisten dienen sollte, war ein Pressc- cmpfana durch Laval und Briand angesetzt. Nach einer

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichskanzler Dr. Brüning hielt auf der Zubiläums- tagung des Sparkasienverbandes eine Rede, in der er Aus­führungen über die zukünftige Finanzpolitik der Regierung machte.

» In stundenlangen Verhandlungen erörterte der Völker­bund von neuem de» japanisch-chinesischen Streitfall, ohne daß ein Fortschritt erzielt werden konnte.

* Schweden hat sich nunmehr genötigt gesehen, die Goldein- lösuna der schwedischen Noten für die Zeit vom 28. 9.30. 10. aufzuheben.

* In Oberschlesien ist das Hochwasser im Fallen begriffen; bei der Ortschs.it Kremp« starke von den Fluten ein Oderdeich durchbrochen.