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M.245 — 1931
Fulda. Dienstag, 20. Oktober
8. Jahrgang
Das Washingtoner Programm.
Was Laval bei Hoover will.
Soll Deutschland nicht gefragt werden?
Die führenden Staatsmänner der beiden großen Gold- mächte, Laval und Hoover, werden sich in dieser Woche in Washington treffen und da Laval auch noch der Leiter des militärischsten Staates Europas ist, so vermutet die Welt in bezug auf die beiden größten derzeitigen Probleme: die W ä h r u n g s - und die Rüstungsfrage, bedeutende Resultate, über die Vorschläge, die der französische Ministerpräsident dem Amerikaner machen will, veröffentlicht eine sonst immer gut informierte französische Zeitung einige Einzelheiten, die, wenn man sie auch nicht als offiziöse Regierungserklärung werten kann, wahrscheinlich doch amtlich inspiriert sind oder auf Erkundigungen an unterrichteten Regierungsstellen zurückgehen. Es spricht also sehr viel dafür, daß die Veröffentlichung tatsächlich die Pläne Lavals richtig wiedergeben.
Was die zwischenstaatlichen Schulden anbelangt, so stehe Frankreich auf dem Standpunkt, daß die von Amerika gewünschte
Methode des Moratoriums ernste Bedenken Hervorrufe.
Durch ein Moratorium werde die Schuldenlast nicht aufgehoben, und es bestehe die Gefahr, daß die Regierungen dazu verleitet würden, sich in den Zustand einer scheinbaren Zahlungsunfähigkeit zu versetzen.
Dagegen wäre die Herabsetzung der Schulden, z. B. um 50 Prozent, eine wahre Erleichterung. Die dadurch gleichfalls herabgesetzten deutschen Zahlungen könnten auf unbestimmte Zeit nicht in Devisen geleistet, sondern i n Mark der BIZ. überwiesen werden, die sie ihrerseits zu einer Hilfeleistung an Länder benutzen könnte, die in finanzielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten seien.
Zur Abrüstungsfrage wird festgestellt, daß Frankreich als Gegenleistung sür eine Herabsetzung der Schulden bereit sein werde,
einer fortschreitenden Abrüstung seine Zustimmung zu erteilen, und zwar unter zwei Bedingungen: Die Rüstungsbeschränkung müsse aus dem Wege der Herabsetzung der zurzeit bestehenden H e e res- tz a u s h a l t e und nicht auf dem Wege des Rüstungs- a u s g l e i ch e s durchgeführt werden.
Der Kellogg-Pakt müsse durch einen oder zwei Punkte ergänzt werden, in denen festgelegt werde, daß sich die Vereinigten Staaten im Falle eines drohenden oder ausgebrochenen Konfliktes ungesäumt den übrigen Mächten anschließen müßten, und daß der als Angreifer erkannte ^cil jeder Unterstützung oder Hilfe, gleichviel welcher Art, beraubt werde.
Zur Tributfrage selbst wird gesagt, daß Frankreich nicht auf die ungeschützten deutschen Zahlungen verzichten könne, da es auf dieser Grundlage Anleihen für den Wiederaufbau seiner zerstörten Gebiete ausgenommen habe. Frankreich wäre jedoch bereit, an Stelle der Barzahlungen
von Deutschland Sachlieserungen ^igegènzunehmen.
Der Tod im Schacht.
nJu dem schweren Explosionsunglück, das sich Schachtanlage Mont Cenis I/III bei Herne ereig- Ü6er das wir bereits gestern kurz berichteten, er- wir weiter: Es waren bis gestern abend
neun Tote und 27 Verletzte
geborgen. Zur Morgenschicht sollen im ganzen 67 Mann «gefahren sein; eine größere Anzahl von ihnen konnte mverletzt ans Tageslicht befördert werden. Es ist jedoch in s $' daß die Zahl der Todesopfer noch größer ist, als n den ersten Stunden nach der Katastrophe angenommen vrdeii konnte. An der Unglücksstelle entstand ein Brand, tnn ^od) infolge des raschen Eingreifens der Rettungs- wnnschasten, die aus dem ganzen Grubenrevier herbei- " waren, schnell gelöscht werden konnte. Der Schacht nicht gefährdet, ebenso sind die benachbarten Be- ,,,bv»punkte gefahrenfrei. Die Toten und Verletzten wiesen ’ w Teil schwere Brandwunden aus. >
Ein Geretteter berichtet.
@ r®^ Geretteter erzählte: „Ich arbeitete auf der fünften Knâ 5- Revier. Plötzlich hörten wir einen dumpfen Baubien aber, daß es sich um einen gewöhnlichen Dann wirbelte der Staub der Gesteins- Kranke auf, und der Wetterstrom führte dichten Mein» ^' ^er immer beißender wurde, so daß ich mich , ct^cile "ampe nicht mehr sehen konnte. Ich arbeitete errei^^ ^aupischacht durch, den ich mit fünf Kameraden Kamp ^ während der Korb hochging, brach einer meiner laufp zusammen. Aus dem Unglücksrevier tönten gerät- "b« wir konnten ohne Atmungsschutz- eiwetn-^ m ausrichten. Die Gewalt der Explosion hat en verunglückten ganze Gliedmaßen abgerissen."
Erinnerung an eine frühere furchtbare Explosion.
20. ^hni^L9/6^" Zeche ereignete sich vor 10 Jahren, am der fitrrftth « eine Schlagwetterexplosion, durch die eins Bergbau?^^ Grubenunglücke in der Geschichte des Wente wurde. 83 Tote und mehr als 80 toaren iu beklauen. Die danraliae Eivlosiou
Durch die Gesamtheit der genannten Höchsterleichre- rungen (Herabsetzung der Schuld, Zahlung in Markwährung und Naturalleistungen) werde Deutschland bereits die Möglichkeit zur Wiedcraufrichtung geboten.
Was zunächst bei diesen Plänen im allgemeinen für Deutschland zu bemerken wäre, ist, daß anscheinend die Absicht Lavals dahin geht, einen französisch-amerikanischen Vertrag zustande zu bringen, der über den Kopf Deutschlands hinweg entscheidende deutsche Zu- kunftssragen regeln soll. Wo Frankreich sich anscheinend großzügig gibt, in der Herabsetzung der Schulden um 50 Prozent, da tut es dies
auf Kosten Amerikas.
Im übrigen wäre es für Deutschland natürlich nicht tragbar, daß mit dem Gelde, das es an die Tributbank zahlen soll, die Länder subventioniert werden sollen, die — natürlich nach Frankreichs Meinung — in finanzielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Es tritt hier das alte Bestreben Frankreichs zutage, seinen politischen Freunden Vorteile aus den Taschen anderer zuzuschanzen.
Die Abrüstungsvorschläge andererseits sind so nichtssagend und ausgesprochen gegen die deutschen Interessen gerichtet, daß man nur feststellen kann, sie bedeuten lediglich eine Verschleierung der bisherigen Rüstungsbestrebungen Frankreichs unter Zugrundelegung seiner sogenannten „Sicherheit".
Bleibt nur zu hoffen, daß H 0 0 v e r seinem Gast bessere Projekte wird vorlegen können, die geeigneter sind, als die Pläne Lavals zur Befriedung der Welt in politischer und wirtschaftlicher Beziehung. Will Laval in Washington wirklich etwas Weltbewegendes zusammen mit Hoover schaffen, so muß er zunächst alle
kleinlichen Krämerkniffe und Schacherzüge beiseite taffen. Zu diesen gehört auch das Bestreben Frankreichs, bis zur Konferenz in Washington seine Stellung Amerika gegenüber noch möglichst zu stärken, durch die G 0 l d q b z ü g e, die täglich in Schiffsladungen aus Amerika in Frankreich eintreffen.
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Goldfranc und „Papierdollar".
Frankreichs Angst vor Währungsisolicrung.
In Pariser Finanzkreisen beschäftigt man sich mit der großen Gefahr, die darin liegen würde, wenn die Vereinigten Staaten unter dem Druck der Verhältnisse etwa gezwungen wären, nach dem Porbilde Englands die Goldwährung preiszugeben und zum P a p i e r d 0 l l a r überzugehen. Ein derartiges Ereignis würde die Goldvaluta einfach blockieren und die Lage Frankreichs unerträglich gestalten. Der französische Wirtschaftsorganismus wäre der Krise in ihrer schärfsten Form preisgegeben, da er die Konkurrenz der Länder mit Papierwährung nicht aushalten könnte. Schon jetzt machten sich im Zusammenhang mit dem Angriff des P a p i e r- Pfun des Depressionen geltend. In der Zeit der Weltwirtschaft erscheine eine isolierte Goldwährung vollkommen unhaltbar, da der Goldwert in dem Augenblick sinken wüßte, wo er aufhöre, dem internationalen Warenaustausch zu dienen. Auch in dem ständigen G 0 l d z u - ström nach Frankreich liege eine unverkennbare Gefahr.
entstand auf der östlichen Abteilung der vierten und fünften Sohle des Schachtes III. Os es sich auch diesmal um eine -Schlagwetterexplosion handelte, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Ansicht der Grube Mont Cenis.
Unter den neun Toten bei dem schweren Grubenunglück auf der Zeche „Mont Cenis" ist auch der Reviersteiger Otto Schneider aus Herne-Sodingen. Von den im Bochumer Bergmannsheil liegenden 13 Verletzten haben fünf gefährliche Gasvergiftungen erlitten. Zwei weitere weisen am ganzen Körper schwere Verbrennungen auf. Der Zustand dieser sieben Opfer ist besorgniser- regend. Dagegen scheint es sich bei den im Börninger Krankenhaus untergebrachten Verletzten durchweg um leichtere Verletzungen zu handeln.
Das letzte Grubenunglück auf Zeche „Mont Cenis" hat sich vor zehn Jahren, am 20. Juni 1921, ereignet Damals fanden 79 Bergleute den Tod, 75 wurden schwer verletzt.
Die Staatsregierung zum Grubenunglück.
Wie der Amtliche Preußische Pressedieust mitteilt, hat der Minister für Handel und Gewerbe der Gewerkschaft und der Betriebsvertretung der Zeche „Mont Cenis" im Namen der Staatsregierung telegraphisch das herzlichste Beileid zu dem schweren Grubenunglück ausgesprochen.
Der Vrand im Fernen Osten.
Zu beneiden ist der Völkerbundrat nicht gerade um die Aufgabe, den chinesisch - japanischen Konflikt irgendwie beizulegen! Schon seit Wochen „doktert" man daran herum und die Lage im Fernen Osten hat sich derart kompliziert, daß man schleunigst eine Sonderiagung des Völkerbundrates nach Genf zusammenberufen hat, in den seither verflossenen acht Tagen aber praktisch nicht vom Fleck gekommen i st. Das eine weiß man freilich: In den „eroberten" Teilen der Mandschurei richten sich die Japaner zunächst einmal für den Winter recht häuslich und warm ein und vom Norden her beobachten die Russen sehr genau, wie die weitere Entwicklung in diesem Lande vor sich geht. An zweierlei denken die Japaner zurzeit jedenfalls nicht: Zurückgehen und den Forderungen des Völkerbundrates nachzugeben.
In Genf tagt man in Geheimsitzungen, so geheim, daß der Ratspräsident — niemand anderes als der alte, vielgeplagte Herr Briand — ausdrücklich noch auf strengste Geheimhaltung des Ganges der Verhandlungen hinwies. Formell ist ja das Auffallendste bei diesen Besprechungen, daß nun auch ein amerikanischer Vertreter daran teilnimmt, obwohl ja die Vereinigten Staaten gar nicht Mitglied des Völkerbundes sind. Zuerst, als der japanisch-chinesische Konflikt ausgebrochen war, war auch nur eine Art Parallelaktion von Washington und von Genf aus erfolgt. Aber sie führte überhaupt nicht weiter, vielmehr spitzten sich die Dinge so zu, nahm der chinesische Massenboykott gegen die Japaner und ihre Wareneinfuhr in China einen derartigen Umfang an, daß die Japaner schon Kriegsschiffe vor Schanghai konzentrierten und mit einer Truppenlandung drohten, weil ihre dort ansässigen Landsleute auf andere Art nicht zu schützen seien. Das hätten — so heißt es tu einer japanischen Note nicht ganz unberechtigt — ja auch die Engländer 1927 ebenfalls gemacht, als die innerchine fischen Wirrey zu einer Bedrohung Der fremdländischen Niederlassung führten. Erklärt doch die Regierung in Tokio immer wieder, daß die chinesische Nordregierung gar nicht in Der Lage sei, irgendwelche Bèrsprechnngen über Abstellung des ântijapanischrn Boykotts oder des amyfeS gegen die — angeblichen oder wirklichen Banden. -er- fälle nun auch wirklich ausführen zu können. Infolgedessen ziehen es die japanischen Truppenführer in der Mandschurei vor, mit Flugzeugen und Bombenabwürfen arbeiten zu lassen.
Selbstverständlich — so betont jedenfalls die jüngste japanische Note an den Völkerbund — bestehe „nicht d-. geringste Kriegsgefahr" mit China. In b-enf denkt man ja ein bißchen anders darüber und verweist nicht bloß a Die Völkerbundstatuten, sondern auch auf den K eiln g 1 -Pakt über Die Kriegs stich t u n g. Demgegenüber protestiert nun wieder Japan schärfstens gegen Die Teilnahme eines amerikanischen Regierungsvertreters an Den Genfer Verhandlungen, obwohl dieser durch einen chr Heitsbeschluß des Rates zugezogen worden ist; es sei ein Verstoß gegen das Völkerbundstatm. Das sind höchstens Die Diplomaten noch interessierende Streitigkeiten über das Verfahren, die aber die materielle Seite der ganzen Streitfrage gar nicht berühren. Und diese Seite stellt sich doch so dar, daß Japan mit Waffengewalt Die Wahrnehmung dessen vollzogen hat, was es als sein sogenanntes Recht betrachtet.
Gewiß hat der Rat — natürlich wurden hierfür die beiden streitenden Parteien, China und Japan, nicht hinzugezogen — bereits bestimmte Beschlüsse gefaßt, die den Japanern zwar die Räumung der von ihnen besetzten Gebiete auferlegen, dafür aber auch die nochmalige Anerkennung ihrer besonderen Rechte in der Mandschurei und den Schutz der dortigen japanischen Staatsangehörigen aus- und versprechen. Aber das alles steht vorläufig auf dem Papier. Was will der Völkerbund machen, wenn Japan einfach Nein! sagt oder gar unter Hinweis auf die angeblich statutenwidrige Teilnahme Amerikas an den Verhandlungen in Genf den — Austritt aus dem Völkerbund erklärt? Man hat Sorgen in Genf, schwere Sorgen, denn es geht ja letzten Endes nicht bloß um Völkerbundstatut oder Kellogg-Pakt, sondern um die ganze Reputation" von Genf einschließlich der gerade von Amerika angeregten und in feierlichem Völkervertrag verbrieften Kriegsächtung.
Wir Deutschen haben gegenüber den Genfer Verlegenheiten nur ein mäßiges direktes Interesse, da wir irgendwelchen Einfluß doch nicht geltend machen können. Wir haben uns einst, vor 36 Jahren, zuungunsten Japans in dessen Auseinandersetzungen mit China eingemischt und erhielten die Quittung darüber durch das japanische Ultimatum und den Angriff auf Kiautschou im August 1914. Mögen die Außenminister Englands, Frankreichs, Italiens usw. zusammen mit dem amerikanischen Vertreter in Genf zusehen, wie sie den Brand im Fernen Osten löschen! *
Oer Völkerbund an Japan.
Außenminister Briand hat in seiner Eigenschaft als Präsident des Völkerbundrates der japanischen Regierung die Rechtsgrundlagen der Zuziehung der amerikanischen Regierung zu der Regelung des Streites eine Note
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der Staatsbesuch des italienischen Außenministers Grandi in Berlin findet am 25. Oktober statt.
* Im Calmette-Prozeß in Lübeck erklärte der Angeklagte, Prof. Dr. Deicke, daß seine Annahme, das Calmettc-Versahren sei unschädlich, ein wissenschaftlicher Irrtum genesen sei.
* Auf der Zeche Mont Cenis bei Herne wurden infolge
einer Grubenexplosion neun Bergleute getötet und mehr ats
zwanzig schwer verletzt.