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1. 246 — 1931
Fulda, Mittwoch, 21. Oktober
8. Jahrgang
Paris—Washington.
Frankreichs Goldsorgen.
Was Laval Hoover mitbringt.
9U§ Lavaldie Einladung ^ooüerë nach Washington annahm, handelte es sich in erster Linie um Maßnahmen gegen die d e u t s ch e F i n a n z k a t a st r 0 p h e. Die Entwicklung der Dinge in England und ihre internationalen Auswirkungen haben die deutsche Frage jedoch in die zweite Stelle gerückt. Jetzt handelt es sich um die Bekämpfung der Weltkrise, die Frankreich und Amerika in gleichem Maße wie Deutschland und England dedroht. Nicht weniger als „Reisender in Weltinteressen", als „in eigener Sache", kommt Laval nach Amerika, denn die Befürchtung, Amerika könnte von der Goldwährung ähnlich wie England abgehen, scheint nicht zuletzt die Reise des französischen Ministerpräsidenten beschleunigt zu haben. Alle Bemühungen Frankreichs, auch die Goldschätze Amerikas in seine Bankkeller zu leiten, wären bet einem solchen Schritt Amerikas zum großen Teile vergebliche Mühe gewesen.
Frankreich muß jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, Am Amerika beim Gold standard zu halten und seine eigenen Goldschätze nicht der Entwertung verfallen zu lassen. Es lenkt auch anscheinend schon ein, und wie aus zuverlässiger Quelle in Newyork gemeldet wird, ist dort ein Vertrag zwischen der Bank von Frankreich und den führenden Persönlichkeiten der Federal Reserve Bank abgeschlossen worden, nach dem sich die Bank von Frankreich verpflichtet, 2 0 0 Millionen Dollar auf dem Newyorker Markt zu belassen. Außerdem hat die Bank von Frankreich seit langer Zeit wieder einmal für 20 Millionen Dollar amerikanische Papiere gekauft. Es sei wahrscheinlich, so heißt es, daß sie diesen Kauf mit den in Amerika noch vorhandenen Geldmitteln bezahle, die ursprünglich zurückgezogen werden sollten. Was im übrigen die Zurückziehung sranzösischer Guthaben vom amerikanischen Geldmarkt anbelange, so ständen einige qroße Goldsendungen für eine Reihe Pariser Großbanken bevor, die sich trotz der außerordentlich optimistischen Berichte der französischen Sachverständigen noch nicht völlig beruhigt hätten.
Die neuen Washingtoner plane.
Herabsetzung der deutschen Tribut- leistung auf 2l0Millionen Markjährlich?
Von Bord der „Jle de Franc" wurde der Pariser Presse gemeldet, daß Amerika angeblich beabsichtige, die deutschen Tributzahlungen nach Ablauf des Fcècrjahres auf 50 Millionen Dollar jährlich (rund 210 Millionen Mark) herabzusetzen.
Der Sonderberichterstatter der „Information", drahtet seinem Blatt von Bord der „Jlè de France" einen bemerkenswerten Bericht über den mulmaßlichenJnhalt der Washingtoner Besprechungen. Als Quelle für diesen Bericht dürften in erster Linie die ebenfalls mit der „Ile de France" reisenden amerikanischen Sachverständigen und Finanzmänner in Frage kommen, da Laval selbst bekanntlich abgelehnt hat, irgendwelche Auskünfte zu erteilen. Brinon meldet, es fei wenig wahrscheinlich, daß Präsident Hoover eine einfache Verlängerung des im Juli ablaufenden Feierjahres vorschlagen werde. Gegen eine derartige Äsung mache sich in parlamentarischen Kreisen eine starke Opposition geltend.
. Ein Teil der amerikanischen Öffentlichkeit scheine ânsalls einen weiteren Zahlungsaufschub zugunsten '^Waiths zu fordern. Die Schuldverpflichtungen der ®Wn Staaten gegenüber Amerika sollten jedoch nicht “uWbcii, sondern nach Maßgabe der Zahlungsfähigkeit Schuldner bestimmt werden, wobei natürlich an Franl- gedacht werde.
-, ädere Gruppen, und zwar vornehmlich die gut unter- läjtcten Finanzkreise, träten ihrerseits für eine Aufrecht- der Reparationszahlungen in ver -
- ^en Grenzen ein. Man könne damit rechnen, eine Herabsetzung der Tributleistungen gebilligt werde, man von einer Jahreszahlung von 50 Millionen N , ar (210 Millionen Mark) spreche. Man habe sogar ins - uge gefaßt, von Deutschland gewisse Bürgschaften in von Sonderabgaben zu verlangen.
Was die A b r ü st u n g anbelange, so würden die ^m^gten Staaten auf einer Herabsetzung der Heeres- ^M>en nach einem bestimmten Satz beharren.
nor» di? Wirtschaftskrise und die internatio- naw, eldlage angehe, so habe man Grund zu der An- > une, daß die Regierung der Vereinigten Staaten über g,.,l!emcinsamen Maßnahmen der Emissionsbanken hin- ermt sein würden, mit Frankreich zusammen eine ,e Erklärung über die Aufrechterhaltung der Gold- üung abzugeben.
*
, Lavals Trümpfe.
MinM^â^ ikch das Schiff mit dem französischen dem ml». ?^denten und dessen großem Gefolge an Bord «Ä H-!-" "äliert, befto satllmd)«, wid-r. werden alle möglichen und un= breitet^ über die Pläne Lavals vermischen S man auch sagen von dem, was tretern bereits in Amerika weilenden Ver- ^MerikanstMen Frankreich und der Leitung der lchen Bundeszentralbank vereinbart oder nicht
vereinbart worden ist. Immerhin scheint es doch den Amerikanern gelungen zu sein, zu erreichen, daß Frankreich seine in Newyork gekündigten kurzfristigen Guthaben nicht mehr aus den Goldvorräten der Bundesbank nach Paris in die Keller der Bank von Frankreich abtransportieren, sondern drüben als Goldsonderkonten stehen läßt; es soll sich dabei um 200 bis 300 Millionen Dollar handeln, wie eine bekannte französische Finanzzeitschrift behauptet. Nach derselben Quelle sollen sich die ausländischen Guthaben in Amerika auf 1,2 Milliarden, umgekehrt die amerikanischen Anlagen im Auslande auf 600 Millionen Dollar belaufen, so daß für Amerika ein Passivsaldo von 600 Millionen Dollar besteht. Sie abzudecken, würde theoretisch etwa der sechste Teil des amerikanischen Goldvorrates genügen. Irgendeine Gefahr für die Währung Amerikas besteht also nicht im entferntesten, aber die fortdauernden Angriffe auf die Goldschätze in Newyork machen eine Beruhigung der Wirtschaft, die Wiederkehr des schon fast sagenhaft gewordenen „Weltvertrauens" ganz unmöglich; auch die jetzt angeblich erreichte Sonderregelung zwischen den beiderseitigen Notenbanken ist weit entfernt von einer wirklichen Zusammenarbeit zwischen Paris und Newyork, sondern ist einem ständigen französischem Druck ausgesetzt. Außerdem haben die Maßnahmen der Bank von Frankreich den amerikanischen Bankdiskontsatz in die Höhe gedrückt, was natürlich nicht gerade geeignet ist, einer Belebung der Wirtschaft Amerikas zu dienen. Ob von Hoovers großen Plänen, diese Wiederbelebung durch eine umfassende Kreditaktion „anzukurbeln", nun noch viel übrigbleiben wird, ist recht zweifelhaft geworden. Laval findet aber, wenn er den Fuß auf den Boden von Newyork setzt, dort eine Lage vor, die ihm für seine Besprechungen mit Herrn Hoover sozusagen garantierte, fast unfehlbar stechende Trümpfe in die Hand gibt.
Trotzdem scheint er es, wenigstens nach außen hin, vermeiden zu wollen, mit bestimmten Forderungen, mit einem genau formulierten Programm im Washingtoner „Weißen Haus" zu erscheinen. Eher dürfte alles auf eine Art Defensivtaktik des Vertreters Frankreichs binaus
Nachklänge zum SA.-Aufmarsch.
Die Vorgänge in Vraunsthweig.
Bericht des Gar/isonätlesten.
Reichsinnen- und Reichswehrminister Gröner, der den Bericht der braunschweigischen Regierung über die Vorgänge in Braunschweig anläßlich des SA.-Treffens noch abwartet, um seine endgültigen Entscheidungen zu treffen, hatte außerdem den Garnisonältesten der Reichswehr, Obersten Geyer, zur Berichterstattung aufgefordert, der pflichtgemäß und in Fühlungnahme mit dem Schutzpolizeikommando die Vorgänge beobachtet hat.
Der Bericht des Garnisonältesten besagt, daß der Aufmarsch der Nationalsozialisten schon mehrere Tage vor dem 17. Oktober durch Zeitungsartikel, Plakate usw. eine gewisse gereizte Stimmung verursacht habe, die u. a. dazu geführt habe, daß ihm ein Redakteur
das falsche Gerücht von der Erklärung des Belagerungszustandes
zugetragen habe. Da jedoch die Polizei vollkommen Herr der Lage gewesen sei, sei eine militärische Vorsorge besonderer Art nicht gegeben gewesen. Auch jetzt (17. Oktober) sei ein solches Vorgehen nicht notwendig gewesen, obwohl bekannt geworden war, daß auch die Gegner der Nationalsozialisten Zuzug von auswärts bekommen hatten und es bereits Schlägereien mit Verletzten gegeben habe. Am Abend des 17. Oktober habe ein Fackelzug von 6000 Nationalsozialisten stattgesunden, der durch die Haupt- und Nebenstraßen geführt habe. Niemand habe Bedenken gehabt, auch Frauen und Kinder den Fackelzug zuschauen zu lassen. Zu ernsthaften Zwischenfällen sei es nirgends gekommen. Ich selbst, so berichtet der Standort- älteste, war den ganzen Abend hindurch in der Stadt und kam erst nach Mitternacht nach Hause, und zwar, ohne jeden Zwischenfall bemerkt zu haben. Über die Ereignisse des 18. (Sonntag) sagt der Bericht, daß sämtliche Veranstaltungen außerordentlich diszipliniert gewesen seien. Lediglich'das lange Warten und gelegentliche Überfälle auf Nationalsozialisten haben an einzelnen Stellen vorübergehende Spannung ausgelöst. Von der einen Seite, und zwar nicht von Nationalsozialisten, wurde das Pflaster aufgerissen, wogegen von der anderen Seite mit Stürmen, auch auf Häuser, geantwortet wurde, wobei
eine Menge Fensterscheiben zerschlagen
wurden. Am kritischsten war nach Auffassung der Polizei die Zeit zwischen 17 und 18 Uhr. Die Polizei war jedoch in jedem Augenblick Herr der Lage, so daß es nicht nötig war, von der Waffe Gebrauch zu machen. Mil großem Erfolge wurde ein Sprengwagen eingesetzt. Auch nachts war die Lage so, daß kein Bedenken bestand, auch Frauen und Kinder ausgehen zu lassen. Die verhältnismäßig hohe Zahl (zwei Tore und sechzig Verletzte) erklärt sich aus der großen Teilnahme an den Ereignissen und an der gereizten Stimmung der Bevölkerung.
Ergänzend hierzu kann mitgeteilt werden, daß nach einwandfreien Feststellungen folgende Flugzeuge über den Veranstaltungen in der Luft gekreist haben: Ein Flugzeug der Luftreklamegesellschaft Hamburg, zwei Verkehrsflugzeuge der Deutschen Verkehrsflug A.-G, (ehemals
kommen —, und darin hat der französische Ministerpräsident vom Sommer her einige, weder für Hoover noch für die Welt sehr angenehme Erfahrung. Fast alles, was damals und seitdem von - amerikanisch-englischer Seite unternommen worden ist, scheiterte an dieser Defensivtaktik Lavals, der zu allem einfach Nein! sagte. Daß seitdem die Weltkrise ihr Trümmerfeld nach außen hin noch vergrößerte, ihre Bekämpfung oder gar Überwindung noch schwieriger machte, hat die Leiter der französischen Gold- und Kreditpolitik so wenig gekümmert, daß, wie erinnerlich, der Finanzminister Flandin auf der letzten Völkerbundtagung sich lediglich in heftigstem Tadel gegenüber allen andern Mächten erschöpfte, ohne aber im geringsten oder auch nur andeutungsweise zu sagen, was denn nun heute oder morgen zur Bekämpfung der Krise geschehen solle oder eine Ingangsetzung der französischen Goldkräfte für diesen Zweck in Aussicht zu stellen. Infolgedessen nimmt das „Rette sich und sein Gold, wer kann!" in immer schnellerem Tempo zu und z. B. die „Vereinigten Staaten Europas" Briandscher Erzeugung weisen geradezu grotesk verzerrte Züge auf.
Noch grotesker freilich ist unter diesen Umständen, da Laval saft als Welttriumphator nach Amerika gefahren ist, das ständige Verlangen Frankreichs, sich weltpolitisch eine noch größere „Sicherheit" zu schaffen, die selbst beim „besten Willen" niemand zu bedrohen vermag. Auch in den beiden hierfür in Frage kommenden Weltproblemen, also der A b r ü st u n g und eine neue, irgendwie verstärkte „Friedensgarantie" soll es in Washington zu Verhandlungen kommen, bester gesagt: wird Laval sich zunächst einmal anhören, was ihm Hoover hierüber zu sagen hat. Das gleiche dürfte ja wohl auch von der Reparationsfrage bzw. den interalliierten Schulden gelten. Auch hier hat Laval schon deswegen alle Trümpfe in der Hand, weil Hoover Rücksicht nehmen muß auf seinen im Dezember zusammentretenden Kongreß, dem er doch das Eingestäno- nis machen muß, daß der eigentliche Zweck des „Feierjahres", also des Verzichts Amerikas auf die Schuldenbezahlung durch Europa, nicht erreicht worden ist, der Anstoß zu sein für die Überwindung der Weltwirtschaftskrise und damit auch des fortgesetzten wirtschaftlichen Niederganges in Amerika.
Die Partie, die in Washington jetzt anheben wird, ist also sehr ungleich!
Nordbaherische), die ein Abkommen mit der Hearstpreste zur Beobachtung der Vorgänge aus der Luft getroffen hatten, ferner eine Reihe von Privatsportflugzeugen. Hakenkreuzabzeichen an Flugzeugen wurden von der Luftpolizei nirgends beobachtet.
Im Braunschweiger Polizeipräsidium haben sich wahre Berge von Akten über Vernehmungen Festgenommener angesa'mmelt. In einem besonderen Raum hat man eine nahezu
zwei Zentner schwere Sammlung von Totschlägern,
Keulen und anderen gefährlichen Kampfwaffen aufgestapelt. Aus Tisch- und Stuhlbeinen sind regelrechte Keulen und Schlaggegenstände angefertigt worden. Vereinzelt sind diese Mordwerkzeuge sogar mit langen spitzen Nägeln versehen. Am Montag wurden bereits zwei Personen, die mit Waffen in der Hand von der Polizei angetroffen wurden, vor dem Schnellrichter zu einem Monat bzw. zwei Wochen Gefängnis verurteilt.
Die sozialdemokratische Fraktion des Landtages hielt eine Sitzung ab, in der zu den Vorgängen beim SA.- Treffen Stellung genommen wurde. Es wurde die sofortige Einberufung des Landtages geforderr. Weiter wurde eine Große Anfrage an das Staatsministerium gerichtet, in der Auskunft über die angebliche Ausstellung von Waffenscheinen für Nationalsozialisten verlangt wird. Ferner wird das Ministerium gefragt, ob es die unterschiedliche Behandlung der Versammlungsverbote aufrechterhalten wolle. Der Abgeordnete Thielemann hat nochmals ein Telegramm an den Reichsinnenminister gesandt, in dem er gegen die Darstellung der braunschweigischen Regierung über die Vorgänge Stellung nimmt.
Neue Zottverirage mit Rumänien und Ungarn.
Mit Rumänien und Ungarn sollen neue Zolltarifabreden in nächster Zeit in Kraft gesetzt werden. Ob die mit diesen Staaten getroffenen Präferenzabmachungen für Getreide gleichzeitig mit den obenerwähnten Abreden in Kraft gesetzt werden, dürfte hingegen davon abhängen, ob bis zu dem für die Inkraftsetzung vorgesehenen Zeitpunkte die erforderlichen Zustimmungserklä- rungcn der anderen Mächte eingegangen sind.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Der Garnisonälteste von Braunschweig hat dem Reichs- wehrminister Bericht erstattet über die Vorgänge bei der Tagung der Nationalsozialisten.
* Der gesamte Vorstand der Breslauer Ortskrankenkasse ist auf Antrag des Wohlfahrtsministeriums zwangsbeurlaubt worden.
* Die Zahl der Todesopfer bei dem Grubenunglück bei Herne hat sich aus 17 erhöht.
* Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spihenverbände schildert^ in einer gemeinsamen Kundgebung die Notlage der