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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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ftZ47 - 1931

Fulda. Donnerstag, 22. Oktober

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8. Jahrgang

Laval bei Hoover.

DieAtmosphäre".

Die Fahrt des OzeandampfersIsle de France", der den französischen Ministerpräsidenten Laval mit seinem Gefolge und zahlreichen Interessenten über den Ozean zu Hoover brachte, gab Gelegenheit, von Bord des Schisses durch Funkspruch die verschiedensten Nachrichten und Ver­mutungen über die französischen und amerikanischen Pläne in die Welt zu senden. Behauptungen und Demen­tis wechselten sich in rascher Folge ab, und wenn jetzt Laval seinen Fuß aus das Festland setzt, so ist man eben st klug, wie man war, als er an Bord seines Schiffes ging. Es ist sogar zweifelhaft geworden, ob überhaupt feste Ab- Mchungen irgendwelcher Art zwischen den beiden Staats- Mnern getroffen werden sollen, und es gibt Stellen, die pupten, daß es sich überhaupt nur um die Schaffung der jetzt so beliebtenA t m 0 s p h ä r è" für Verhandlun­gen zwischen Frankreich und Amerika handelt. Deutsch­land wird trotz dieser Beschwichtigungsversuche den Ver­lauf der Unterredungen mit Aufmerksamkeit verfolgen müssen, damit nicht Frankreich die Trümpfe, die es bei dem Spiel mit Amerika in der Hand hat, dazu benutzt, sich auf Kosten Deutschlands Vorteile zu verschaffen. Nur, wenn es Hoover gelingen wird, Laval zu zeigen, daß Amerika nicht gewillt ist, irgendwelche Streichungen der Kriegsschulden vorzunehmen, solange das Hegemonie­streben und die Rüstungen Frankreichs den euro­päischen Frieden bedrohen, wird auch etwas Ersprieß­liches für Deutschland aus dem Besuch herauskommen können. Solange Frankreich nicht seinen goldenen Thron wackeln fühlt, wird es in seinen militärischen Rüstungen nicht nachgeben. Wenn also eine politische Atmosphäre geschaffen werden soll, so vor allem für die kommende Abrüstungskonferenz. Diese ist der Punkt, um den sich für Frankreich auch letzten Endes alle finan­ziellen und wirtschaftlichen Verhandlungen zur­zeit drehen, und das werden auch die deutschen Unter­händler im Auge behalten müssen, wenn jetzt die Verhand­lungen in der Gemischten deutsch-französischen Wirtschafts­kommission beginnen werden.

*

Laval wird prunkvoll empfangen.

Mit militärischen Ehren und Automobilparade.

Die A n k u n f t derIsle de France" in Newyork ist für Donnerstag vormittag um 4 Uhr vorgesehen. Ministerpräsident Laval wird das Schiff um 8 Uhr ver­lassen. Der offizielle Empfang des französischen Ministerpräsidenten wird an Ausmaß alles bisher Dagewesene übersteigen. Neben der Newyorker Stadtverwaltung mit dem Bürgermeister Walker an der Spitze wird Laval von den Vertretern der Newyorker Unanzwelt und der amerikanischen Regierung begrüßt, â Namen Hoovers wird Staatssekretär Stimson den Ministerpräsidenten empfangen und ihn zunächst über den Äoadway nach dem Newyorker Rathaus begleiten, wo au offizielle Begrüßung durch die Stadt Newyork statt- smdet.

Militärische Formationen lverden vom Hafen bis zum Rathaus Spalier bilden, während etwa 40g Automobile den Ehrenzug abschließen.

Der Völkerbund in der Klemme.

Macht oder Recht?

_ Mandschurei oder Ruhrgebiet.

. ^«Völkerbund wird wohl einst in dem Buch Ruhmestaten auch verzeichnen, daß er den J.e 9* zwischen Japan und China verhindert habe, nur zu bemerken ist, daß der AusdruckKrieg" sehr geworden zu sein scheint, und nach Japans immer b^holten Versicherungen das, was sich dort unten in r andschurei abspielt, gar keinK r i e g" ist. Man nn 10 etwas nach dem Kellogg-Pakt ,,Sicherheits - st^NvNahmen" oder ähnlich und entzieht es so der Zu- t des Völkerbundes. Schießt ein wehrloser ist es Krieg, aber ein mächtiger und wafsen- mn6 k r sührt keine Kriege, sondern ergreift nur Schutz- ,j.°nahmen oderSanktionen", die nicht unter den garan- mieden fallen. War es nicht so ähnlich auch beim x M*^ Frankreichs, als der Völkerbund sich nicht d^nns mächtige Frankreich herantraute, wohl wissend, "sich mit seinen Einsprüchen nur blamiert hätte'? D Völkerbund maßt sich nie zu weit vor, damit sein fick hAu 0 "icht gar zu augenscheinlich wird. Er dreht t ehr mit Notenwechseln und Entschließungen im >vo h d"um, und bei einem Kreis kann man nie sagen, ^omh °der hinten ist. Indessen wirst Japan weiter essen u ?nd behauptet, es tun zu müssen, um seine Jnter- das, ,'" der Mandschurei zu schützen, in der Erkenntnis, den u^-chon Völkern schließlich das Recht noch immer bei Iavânâ^ Bataillonen ist. Die Veranlassung.zu Grones. rgehen mögen immerhin die Angriffe und Minh/»* n ^ Räuberbanden des in völliger Anarchie schon Chinas sein, der tiefere Grund ist aber die Mandt^.^b? bestehende Begehrlichkeit Japans nach der Riesen ^âpan ist auf sein Jnselreich allein ange- her WnnsL^ 0 t k ohne Raum, und nach Korea und als dem Äs1 wendet es schon seit langem die Blicke Äenkcben^»!^^ 2and, in das es seinen Überschuß an ctzen und Waren ergießen kann. Solch machtpoliti-

Um 11 Uhr erfolgt die Abfahrt nach Washington. Um 18 Uhr stattet Laval dem amerikanischen Staatspräsidenten einen Besuch ab, und um 20 Uhr findet im Weißen Haus ein großes Essen statt. In den frühen Nach­mittagsstunden des Freitag beginnen dann die eigentlichen

Besprechungen mit Präsident Hoover.

Laval, der eigentlich in der Villa des amerikanischen Bot­schafters in Paris Wohnung nehmen wird, verbringt die Nacht zum Sonnabend im Weißen Haus und wird am Freitag abend mit Hoover allein sein. Am Sonn­abend ist Laval auf den Sommersitz Staatssekretärs Stim- sons eingeladen, wo er sich voraussichtlich bis Sonntag abend aufhalten wird. Am Montag morgen findet dann die

Abreise von Washington

statt. Über Philadelphia begibt sich Laval nach Newyork, wo er sich um Mitternacht wieder auf derIle de France" einschifft, die in den frühen Morgenstunden des Dienstag die Anker lichtet.

Hier wohnt Laval als Gast Amerikas.

Das Weiße Haus in Washington, die Amts­wohnung des Präsidenten Hoover, wo der französische Ministerpräsident Laval während seines Besuches in Amerika Wohnung nehmen wird.

Die deutsch-französischen Wirtschafls- verhandlnuaen.

Die deutschen Sachverständigen benannt.

Der Reichskanzler hat jetzt die Vertreter von In­dustrie, Handel und Landwirtschaft sowie der Arbeit­nehmer benannt, die eingeladen werden in der Eigenschaft von Sachverständigen an den Arbeiten der Gemischten deutsch - französisichen Wirtschaftskom­mission teilzunehmen.

Diese Liste ist nicht ausschließlich und endgültig. Es ist vielmehr vorgesehen, gegebenenfalls auch andere Sach­verständige zu den Beratungen der Kommission zuzu­ziehen.

scher Expansionsdrang wird immer als Naturtrieb alle künstlichen Hemmungen durch Verträge und Pakte wie ein reißender Strom über den Haufen werfen. Es sei denn, daß ihm wiederum eine Macht entgegengesetzt wird. Wo aber soll die der Völkerbund an seinem grünen Tisch hernehmen?

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Verhandlung erst nach Vaumung.

China lehnt die fünf japanischen Punkte ab.

Marschall Tschanghsueliang hat erklärt, die chine­sische Regierung lehne die fünf Punkte Japans ab und verlange, daß die japanischen Truppen in einer brift von zwei Wochen aus chinesischem Gebiete zurückgezogen werden. Erst nach der Räumung des besetzten Ge­bietes durch die Japaner werde die Nankingregierung Verhandlungen mit Japan einleiten.

Staatssekretär Stimson übersandte gleichlautende Noten an China und Japan, in denen er die beiden Mächte auf ihre Verpflichtungen aus dem Kellogg- Pakt hinweist. Stimson unterrichtete Japan im übrigen, daß die Vereinigten Staaten von dem im Kellogg-Pakt vorgesehenen Mittel wirtschaftlicher Zwanasmaß- nahmen keinen Gebrauch machen würden.

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Mianglatschet bittet Amerika und England um Gniienduna von Kriegsschiffen.

Tokio. Nach einer Meldung aus Schanghai hat Marschall Tschiangkaischck an die Bereinigten Staaten und England die Bitte gerichtet, Kriegsschiffe nach Schanhaiguan zu entsenden, um einen drohenden Zusammenstoß zwischen japanischen und chinesischen Truppen zu verhindern.

Moratorium oder nicht?

Wir haben vielfach immer noch an den Problemen zu knabbern", die uns die seit nunmehr acht Jahren hinter uns liegende Inflationszeit zurückgelassen hat. Und dar­unter befinden sich Probleme von ganz gewaltigen finan­ziellem wie allgemeinwirtschaftlichem Umfang, darunter das größte zweifellos dieFragederAufwertungs- hypotheken und »Obligationen. Die erste Regelung aus dem Jahre 1925 hatte eine Sperrung für Zinshöhe und Kündigungsmöglichkeit vorgesehen, der nun mit dem Fälligkeitstermin des 1. Januar 1932 wenigstens grundsätzlich ein Ende bereitet sein sollte. Im großen und ganzen jedenfalls sollten die Hypothekengläubiger an diesem Tage wieder die volle Verfügungsberechtigung über ihr Eigentum zurückerhalten, allerdings eben nur soweit, als Inflation und Aufwertungsgesetzgebung davon etwas übriggelassen hatte.

Angesichts der ganzen Entwicklung in der Wirtschaft, im Geld- und Kreditwesen bedeutet es keine Überraschung, daß nun von den Organisationen vor allem des städtischen Grundbesitzes, also der Masse der Hypothekenschuldner, vom Reichsjustizministerium Schritte gesetzgeberischer Art fordern, die eine Hinausschiebung des Fällig­keitstermins über den 1. Januar 1932 herbeiführen sollen. Aber dieses Ersuchen bezieht sich nun nicht etwa bloß auf die Aufwertungshypotheken selbst. Seit 1925 haben sich die Verhältnisse im deutschen Hypothekenwesen vielfach verschoben, wurden in großem Umfang alte, teil­weise auch Aufwertungs- durch neue Hypotheken ersetzt, auch zahlreiche neue Hvpotheken investiert, aber zum allergrößten Teil waren diese neugeschaffenen ober um­geänderten Schuldverhältnisse abgestellt ebenfalls auf den 1. Januar 1932, weil ja an diesem Termin laut Auf- Wertungsgesetz von 1925 eine gründliche Neu­ordnung desRealkreditwesens erfolgen sollte und die Gläubiger sich daher für diesen Zeitpunkt freie Hand schaffen wollten. Vor Jahresfrist erfolgte dann auch diese Neuordnung, die für die Aufwertungshvpotheken grundsätzlich die Kündigungsmöglichkeit ebenso brachte wie übrigens auch für die alten aufgewerteten Industrie- obligationen.

Daß es sich dabei um Summen handelt, die in die Milliarden gehen, ist aus den früheren Debatten über die ganze Aufwertungsgesetzgebung bekannt. Und verständlich ist auch, daß angesichts der augenblicklichen Verhältnisse auf dem Realkreditmarkt, außerdem der immer noch be­stehenden Hauszinssteuer- und Mietenzwangswirtschaft usw. die vom Fälligkeitstermin bedrohten Schuldner vom Staat gerade jetzt ein neues Moratorium ver­langen, und zwar nicht nur für die Aufwertungs-, sondern auch für die neuen, dieGold"hvpotheken und für die Obligationen der Industrie. Aber mit nicht minderem Recht weisen die Hypothekengläubiger darauf hin, daß jene Besorgnisse übertrieben seien, weil der vorhandene Real- kredit in der Hauptsache doch wieder auf dem gleichen Gebiet Anlage suche.

Natürlich liegen die Dinge hier ungeheuer ver­schieden, sind z. B. Wertminderungen bei Grundstücken ein­getreten, die die bisherige Belastung als viel zu hoch, mit­hin die betreffenden Hypotheken als schon gar nicht mehr sicher erscheinen lassen. Des weiteren pochen die Gläubiger auf das ihnen 1925 für den 1. Januar 1932 zugesprochene Recht, wieder über ihren an sich schon auf ein Viertel ge­schmälerten, seitdem auch noch gering verzinsten Besitz das Verfügungsrechtzurückzuerhalten; es würde zu einer weiteren Erschütterung des Rechtsbewußtseins führen, wenn diesem Verlangen nicht stattgegeben würde, also ein neues Moratorium ausgesprochen wird. Die Heraufsetzung der zulässigen Höhe für das Zins­niveau sei kein genügender Ausgleich. Und schließlich müsse daran gedacht werden, daß der Hypothekengläubiger nun nach anderer Richtung hin Schuldner ist, Verpflicht tungen hat, auf deren Ausgleich zum 1. Januar 1932 er rechnen zu können glaubte. Auch hier würde cs zu größten Schwierigkeiten und Verlegenheiten kommen, wenn ein Moratorium zugunsten der Hypothekenschuldner dazwischen käme.

Die Dinge liegen gewiß ungeheuer kompliziert, und sind sehr schwer in ihren Folgen nach der Schuldner und nach der Gläubigerseite hin zu übersehen; muß man doch z. B. sehr eindringlich an das Schicksal der zweit- und drillst eiligen Hypotheken denken, die ja zum Wohl allergrößten Teil nicht von den großen Real­kreditinstituten, sondern aus dem Mittelstand herstammen. Man rechnet insgesamt mit einer Summe von sechs bis sieben Milliarden, die als Aufwertungshypotheken an­gelegt sind und am 1. Januar fällig werden würden. Andererseits ist der Moratoriumsgedanke heute zeitgemäß, aber gefährlich und wenn er vom größten Teil des Realkreditmarktes wieder einmal Besitz ergreifen dürfte, dann würde das auch nach dem sonstigen Zahlungs­verkehr herüber nicht ohne verhängnisvolle Rückwirkun­gen bleiben können.

Man kann hier dies alles nur andeuten. Das eine weiß man freilich nur allzu genau: Die Reichsregicruug ist auf alle Fälle vor eine Entscheidung von schwerster Bedeutung gestellt in der Frage: Moratorium oder nicht?

Kleine Zeitunß für eilige Leser.

* Die deutschen Sachverständigen für die Gemischte deutsch­französische Wirtschaftskommission sind ernannt worden.

* Der braunschweigische Innenminister hat die in Braun­schweig erscheinende sozialdemokratische Zeitung Volkssreund für acht Wochen verboten.

* Der DampferIsle de France" in Newyork cingetroffen. Die offizielle Begrüßung Lavals an Bord findet um 8 Uhr (14 Uhr MEZ.) statt.

" Graf Zepelin ist im Laufe des Mittwoch in Rio bc Janeiro etngetroffen.