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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zulöa- un- Haunetal >Zul-aer Kreisblatt

Redaktion un- Geschäftsstelle: Könkgstrafte 42 Zernfprech-Rnsthluß Nr. 989

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Wr. 249 1931

Fulda, Samstag, 24. Oktober

Zahrgang

Nach der Erholungspause.

905 Mter-Wkmm in Arbeit

Der Reichskanzler

wieder an der Arbeit.

Reichskanzler Dr. Brüning hatte sich nach den schweren politischen Kämpfen der letzten Zeit für einige Tage zur Erholung in einem Kurort im Sieben­gebirge aufgehalten. Während dieser Zeit hatte er ver­schiedene Besprechungen, u. a. mit führenden Vertretern der Wirtschaft und der Finanzen. So weilten der west­deutsche Industrielle Springorum und der Amsterdamer Bankier Dr. Broel sowie der Leiter der Reichsbankfiliale Köln bei dem Kanzler. Im Laufe des Mittwoch hatte der Oberpräsident der Rheinprovinz mit ihm eine längere Aussprache.

Nach der Rückkehr des Kanzlers nach Berlin werden jetzt sofort die Beratungen des Reichskabinetts wieder aufgenümmen werden, um das drängende Winter- programm fertigzustellen. Die Verhandlungen mit dem neuen Wirtschaftsrat unter Vorsitz des Reichs­präsidenten werden einen neuen Ton in die Kabinetts- oeratungen bringen. Hauptsächlich in der Frage der Be­handlung der Tarifverträge, aber auch in zollpolitischen Beziehungen, wo die teilweise sich widersprechenden In­teressen der Industrie mit denen der Landwirtschaft unter einen Hut gebracht werden müssen, wird der Rat sein Urteil abzugeben haben.

An der Zusammensetzung des Wirtschaftsbeirates ist verschiedentlich Kritik geübt worden. Von zuständiger Stelle wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß es sich bei dem Wirtschaftsbeirai um keine Körper­schaft handelt, die Beschlüsse fassen, sondern nur um eine solche, die Ratschläge erteilen soll. Es komme also nicht darauf an, wie sich zahlenmäßig das Verhältnis der Arbeitgeber zu den Arbeitnehmern im Wirtschaftsbeirai, stelle, sondern welche Vorschläge aus der Körperschaft gemacht würden.

Auch eine neue Notverordnung ist bereits wieder fertiggestellt worden und erwartet die Sanktion des Reichskanzlers. Auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten wird in wenigen Tagen eine Verord­nung erscheinen, die allgemein der Herausgabe von Notgeld vorbeugen soll.

Tas außenpolitische Arbeitsprogramm des Reichskanzlers für die nächsten Tage weist den Besuch des italienischen Außenministers Grandi in Berlin auf.

Die Besprechungen in Washington.

Ein wunder Punkt.

Hoover und FrankreichsSicherheit".

Ministerpräsident Laval hat sein politisches Ge^ck, «äs er auf der überfahrt nach Amerika mitbrachte uni emem Punkt beschwert, der leicht dazu führen kam- daß p ganze Reise, besonders für Frankreich, eine ichwere Täuschung werden kann. Die Forderung, d^en Er- Mung durch Hoover Lavel offenbar sehr am H^Zen liegt, M Amerika dieS i ch e r h e i t" Frankreich- in gewisser Mhvng bei den Abrüstungsverhandlunplt garantiere, Ann Ansinnen, das Laval besser hätte 4 Hause lassen ®$ kann zu einer Weigerung Hovers führen, die LIM Gast nicht gerade angenehm bn. dürfte. Jeden- L^ken amerikanische politische Kreise bereits sehr °b. In einigen Meldungen s° wird erklärt, ist Me-eutet worden, die franzten Staatsmänner sich mit der Absicht, Vorschlägen, daß die Ver- igten Staaten sich entweder erpflichten, Frankreich im Me eines Krieges Hilfe zu -isten oder aber wenigstens ttalle einer 'Kriegsdrohung mit Frankreich in Be- einzutreten. Es bucht jedoch keinerleiAb- '.sich in einen dera^gen Vorschlag einzulassen. Die vereinigten Staaten - so schließt die Information a^Mnsulativ-Ver^ge über den Fernen Osten w/Mlossen, wo' sie Sonderinteressen bestehen. Die .Hebungen mit E-' r 0 p a jedoch haben sie von jeher in . .ne andere Klasi eingereiht und sie beabsichtigen auch, °'es weiterhin zv tun.

. xsu affigiern amerikanischen Kreisen ist die Erkennt- vielfach »urchgedrungen, daß das Problem der 'iderkevisionen im Vordergründe der Be- ^»khung^ stehen muß. Ferner haben die Vereinigten aalen(chon immer die ungeheuren R ü st u n g s - e u als den verschärfenden Faktor für die Welt- [ ?lf'n M^Lvsehen. Unter einem solchen wirtschaft» vrüleni ^^tointel wird auch das gesamte Rüstungs- coße Sun Hoover betrachtet werden. Da Frankreich ooovc/ tA ten. tVr seinen Rüstungsetat verwendet, wird Reifen ^"ört man in amerikanischen politischen SU über'".,^ unmittelbaren und gewaltigen Wirkung Ansich. Ersuchen, die ein derartiges Gebaren nach Gin ^ Weltzahlungsbilanz haben muß. folgereuerer Programmpunkt Lavals scheint, soweit ° nie ru ^ die Bildung eines französisch- berliner &n Wirtschafts-Ausschusses surfte, wenn ^"- Eine derartige Anregung Äscher Seilr- toufltd> vorgebracht wird auf amerika- kemen ernsten Widerstand finden.

. Grandi morgen in Berlin.

Grandi wird ja'hier Dr. Curtius, mit dem er in Rom verhandelt hatte, nicht mehr vorfinden, und Dr. Brüning wird feinen Partner in Rom, Mussolini, vermissen. Es ist aber zu hoffen, daß deswegen die Aussprache nicht weniger herzlich sein und zum guten Einvernehmen der beiden Völker beitragen wird.

*

Grandi freut sich auf Hindenburg.

Die Bedeutung seiner Berlinreise.

Der italienische Außenminister Grandi empfing die deutschen Pressevertreter in seinem Arbeitszimmer im Palazzo Chigi in Nom. Grandi wollte keine Erklärungen über seine Reise abgeben, da er den Berliner Unterrebv-i* gen nicht vorgreifen könne. In der zwanglosen Uv-er- haltung erklärte er, daß es ihm eine Freude und Ehr^ sein werde, den Reichskanzler wiederzusehen uro die Unmittelbare Fühlung mit ihm wieder aufzunehrien. Er freue sich ferner, auch mit den übrigen Reichsministern zu­sammenzutreffen. Eine große Ehre sei es f*r ihn, dem Reichspräsidenten Feldmarschall von Hindenburg vorgestellt zu werden. Er verwies im vorigen auf den Widerhall, den die deutsch-italienischen Besuche in Rom und Berlin in der öffentlichen Meinung beider Länder ausgelöst haben und der beeise, welche Bedeu­tung diese Besuche über den offi^en Charakter hinaus für das gegenseitige Verständnis Md die Zusammenarbeit beider Völker habe. Der d euMHe Ministerbesuch in Rom sei seinerzeit so bea^ftert ausgenommen worden, wie das sicher bei solchen Anlässen kaum je der Fall ge­wesen sei.

*

Reise Grandis nach serlin. Begrüßung durch Dr. Held in München.

München. DerMlienische Außenminister Grandi wird aus seiner Reise nach «erlitt in München einen kurzen Aufenthalt nehmen, währe.'id dem er vom bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held iw Ewpfangssalon des Bahnhofs begrüßt werden wird.

Grandis Abreise nach Berlin.

Der itatenische Außenminister Grandi ist gestern abend von Rom nach Berlin abgereist. Wie wir erfahren, fährt Legatior^rat Thomsen vom Auswärtigen Amt dem ita­lienische Außenminister nach Kufstein entgegen, um ihm durch Deutschland das Geleit zu geben.

Wenn es also in Washington nicht an schönen Tafel- reden und Freundschaftsbeteuerungen fehlt, so ist das ein Gebot der allgemeinen Höflichkeit und Gastfreundschaft; Laval wird aber sich davor hüten müssen, daß, wenn er wieder in der stillen Kabine seines Ozeandampfers sitzt, seine Seekrankheit nicht noch verschlimmert wird, durch di­aufdämmernde Überzeugung, daß er auf politischem Gebiet wenigstens mit leeren Händen zurückkommt.

Die Korridorfrage in Washington.

Der Korridor kein Schacherobjekt!

Von selten des Deutschen Ostmarkenvereins wird mit­geteilt: Es geht das Gerücht, daß bei den Verhandlungen in Washington auch die sogenannte Korridorfrage zwischen dem Präsidenten Hoover und dem Ministerpräsi­denten Laval besprochen werden soll. Der Deutsche Ost­markenverein entnimmt hieraus mit Genugtuung, daß die Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung der Korridorfrage im Auslande wächst. Um so bedenklicher würde aber jeder Versuch sein, die Korridorfrage zum Schacherobjekt zwischen den Mächten zu machen. Sie ist keine Frage des Verhandelns, sondern der Wiedergutmachung.

Fragen, die Herrn Laval unangenehm sind.

Wie aus Washington gemeldet wird, erklärte gestern Senator Borah französischen Pressevertretern gegenüber u. a., daß eine Revision des Versailler Ver­trages eine gebieterische Notwendigkeit sei. Er würde, falls die Alliierten die deutschen Repara­tionen streichen, die Streichung der alliierten Schulden be­günstigen.

LautHerold Tribune" erklärte der französische Mini­sterpräsident Laval unter Anspielung auf die gestrigen Ausführungen des Senators Borah, er sei nicht nach Washington gekommen, um sich in eine Polemik mit Borah einzulassen und auch nicht, um über eine Revision des Ver­sailler Vertrages zu verhandeln. Die französische Bot­schaft will allerdings von einer solchen Erklärung Lavals, die übrigens auch von der Newyorker Presse veröffentlicht wurde, nichts wissen.

Erstarrtes Geld.

Zivilisation oder Barbarei? ^- Notenhamsterei in aller Welt. Die Aufgabe des Wirtschastsbeirates.

Sicherlich wird der T/g kommen, an dem kein leben­des Wesen mehr die gegenwärtige Zerstücke­lung des Menschengeschlechts verstehen und an dem alle Welt sich fragen wird, ob wir Heutigen in einem Zeitalter der Z i v t l is a t i 0 n oder der B a r b a r e i ge­lebt haben!" Wrr Deutschen haben selten Veranlassung gehabt, Herrn Poincare zu zitieren, aber warum sollen wir nicht diesem von ihm unlängst niedergeschriebenen, nur allzu richtchen Satz zustimmen! Man kann heute auch nicht fügen, daß der Auftakt des Laval- Besuche s in Washington gerade sehr geeignet erscheint, endlich etwaszivilisiertere" Beziehungen zwischen den Staaten und Völkern herbeizuführen und derbarbari­schen" Ausplünderung erst der Schwachen durch die starken, dann fast der ganzen Welt durch Frankreich ein Ende zu machen! Vielleicht ist der französische Minister­präsident auf seiner Amerikareise auch Schiffen begegnet, die wiederum Hunderte von Millionen Goldes hinüber­transportierten nach Europa, vor allem nach Frankreich. Daß aber die ganze Frage der Goldwährung als Weltproblem damit am kritischen Punkt angekommen ist, weiß man dies- und jenseits des Meeres ganz genau. Wird man bei den Unterredungen zwischen den beiden Staatshäuptern weiterkommen? Laval trägt ja noch weitere politische Wünsche in seiner Reisetasche, die allerdings haargenau wie Bedingungen aussehen. Aber alles, Abrüstung und Erweiterung des Kellogg- Paktes, selbst die interalliierte Schulden- und die deutsche Tributfrage, alles und jedes hängt doch letzten Endes von dem einen Hauptproblem ab, also, ob und wie man in Washington endlich zu einer vernünftigeren Weltverteilung des Goldes und dann zu seiner Nutzbarmachung für die Überwindung der Welt­krise, für die Wiederbelebung des Kredites in der ganzen Welt, des Vertrauens zu einer Stabilisierung der so schwer erschütterten Weltwirtschaft gelangen kann; denn auch das Amerika, du hast es besser als unser Kontinent, der alte," stimmt ja gar nicht mehr, dafür haben wir aber in Europa desto zahlreicher dieBurgen und Schlösser" machtpoliti-i scher Gegensätze und Vorurteile.

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Schließlich treibt es Frankreich in gewissem Um­fang machen ihm dies Holland und die Schweiz nach auch nicht anders als der kleine oder großeKapitalist", der aus Angst vor der allgemeinen Unsicherheit im Geld- und Kreditwesen überall in der Welt zur Bank oder zur Sparkasse läuft und dort sein Guthabenflüssig" macht, um es zu Haus im Kommodenkasten zu verbergen. So geschieht es auf dem alten Kontinent Frankreich ein­geschlossen, so greift das auf dem neuen Weltteil um sich. Dasflüssig" gemachte Gold erstarrt. Und darum haben wir auch überall Frankreich wiederum einge­schlossen einen nicht bloß träge dahinfließenden, sondern gegenüber der letzten Vergangenheit daher auch stark ver­größerten Notenumlauf, der in einem immer grotesker werdenden Gegensatz zu der gewaltig eingeschrumpften Umsatztätigkeit der Wirtschaft steht. Man schätzt diese N 0 t e n h a m st e r e i z. B. in Amerika auf rund eine Milliarde Dollar. Aber auch in Deutschland rechnet man mit Hunderten und aber Hunderten von Millionen, die entwedergehortet" sind oder als Barbestände in den Kassenschränken aller Wirtschaftszweige liegen, zum großen Teil aus Besorgnis davor, ob man für den Bedarfsfall auch genügend bares Geld von den Banken, Sparkassen usw. erhalten würde. Im großen und im kleinen, bei den Staaten wie beim einzelnen, ist ein förmliches Wett­rennen um dieseLiquidität" entstanden und im Gange. Aus Angst und Mißtrauen vor Dem Heute und Morgen. Besiegt werden kann diese Besorgnis, die die Grundlage des Weltwirtschaftssvstems, den internationalen wie den nationalen Kredit, immer mehr zermürbt und zerstört, natürlich nur durch die praktische Erfahrung, daß dieses Mißtrauen, diese Angst grundlos ist. Und wenn z. B. bei den preußischen Sparkassen endlich die Höhe der Auszahlungen zurückgehl, die der Ein­lagen wieder steigt, so zeigt sich darin die lang­same Rückkehr des früheren Vertrauens, das feine Berechti­gung in der prompten Erfüllung aller an die Sparkassen gesteckten Forderungen gefunden hat.

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Um diesem zögernd den Fuß vorwärtssetzenden Ver­trauen den Weg zu weiterem Fortschreiten zu ebnen, ist nun in Deutschland auch der Wirtschaftsbeirat der Reichsregierung geschaffen und jetzt in seiner Zusam- menfetzung bestimmt worden. Da man es ja niemals allen Dienschen recht machen kann, stellte sich auch gleich die Kritik ein. Doch sollte man nun erst einmal abwarten, wie er arbeiten, was er l e i st e n wird, darauf kommt doch schließlich alles an! Doch nein, nicht alles! Denn sehr viel kommt auf schnelles Arbeiten, auf schnelle Leistung an im Kampf eines sich nun hoffentlich zu einer Noteinheit zusammenschließenden Volkes gegen die Wirt- fchaftskrife und die Arbeitslosigkeit. Den Weg frei machen von den Hindernissen falschverstandener Jnleressenvcr- teidigung einzelner Teile der Wirtschaft, der Arbeitgeber

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichskanzler Brüning ist von einem kurzen Urlaub nach Berlin zurückgelehrt.

* In Berlin erschlug ein Arbeitsloser seine Familie und be­ging dann Selbstmord.

* Bei dem Schultheitz-Patzenhofer-Konzern sind schwere Ver­luste entstanden, die auf 30 Millionen geschätzt werden.