Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer /inniger

scheint jeden werktag.Vezugsprels: monatlich 2 oo ZM. Bei Lieferungsbehmöerungen Surch Mere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, xchnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Sprüche. Verlag Zrieörich Ehrenklau, Kulöa, Mitglied des Vereins deutscher Zeitungsver- ^cr. Postscheckkonto: Kranksurt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a» un- Haunetal Zul-aer Kreisblatt

Redaktion un- Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-flnsthluß Nr. 4-2

no4>Are<f 4« «U* »erfehea«, firttt»! mrr mit Hg»e»WMig<*e,futoe«Aeylgtr'gtN«

Jtayfgttqsteie: §ür Veh-rdev, Genossen schasi. ten,Banken usw. beträgt die Kletnzrü« 030 M^ für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk^ für die

Reklamezeile 0.90 Mk. tu alle endeten 0.15 M^

Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnnngsstel»

lang hat Zahlung innerhalb 8 Tagte -0 erfoU

I. 252 1931

Fulda, Mittwoch, 28. Oktober

8. Jahrgang

Neuwahlen in England.

Sieg der nationalen Regiemg. Gewaltige Erfolge der Konservativen. Große Verluste bei der Arbeiterpartei.

London, 28. Okt. (Eigene Funkmeldung.) Nach den bis 4.50 Uhr vorliegenden Ergebnissen der Wahlen zum englischen Unterhaus sind gewählt worden: Nationale Arbeiterpartei (Gruppe Mac­donald) 4, Konservative 222, Arbeiterpartei (Gruppe Henderson) 23, Splitterparteien 2, Liberale (aller Richtungen) 37; davon Gruppe Simon 14.

Die grohe Ueberraschung.

Die Konservativen haben bisher 101 Sitze ge­wonnen und keinen Sitz verloren. Die Arbeiterpartei (Gruppe Henderson) hat bisher keinen Sitz gewonnen und 111 Sitze verloren. Die Liberalen (aller Richtungen) haben bisher 13 Sitze gewonnen und 2 Sitze verloren. Ihr bisheriger Gesamtgewinn beträgt 11 Sitze. Von den bisher gewählten Abgeordneten unterstützen 263 die Politik der gegenwärtigen nationalen Regierung. * Vis jetzt sind 8 Frauen gewählt, die sämtlich der Konservativen Partei angehören.

*

Die beispiellose politische Umwälzung, die die Folge der gestrigen Wahlen sein wird, hat die politischen Kreise sehr über­rascht. Die Freude der Konservativen ist nur durch die bittere Enttäuschung der Arbeiterparteiler überboten. Es ist möglich, daß sie weniger als 100 Sitze erhalten. Es fehlen jetzt den Konservativen nur noch 90 Sitze, um die Mehrheit über alle anderen Parteien zu erlangen. Wahrscheinlich werden sie mehr als 400 Sitze bekommen, was ihnen eine Mehrheit von 185 Sitze verschaffen würde. Die Nationalregierung würde dann über eine überwältigende Mehrheit verfügen. Die Regierungs­blätter frohlocken und buchen mit Begeisterung die Ergebnisse, die sie als den Sieg einer ehrlichen Uuä gesunden Negierung leiern.

Wie man in England den Wahlkampf ausfocht.

Es mutet uns Deutsche, die wir uns schon vollkommen daran gewöhnt haben, höchst seltsam an, daß man in England grundsätzlich nuran Werktagen zur Wähl' urne schreitet. Das liegt aber in dem religiösen Empfinden des Engländers begründet, der eine Wahl am Sonntag unbedingt als eine Entweihung und Entwürdigung des Feiertages ansieht. Um die 615 Sitze, die das Unterhaus zu vergeben hat. stritten sich jetzt 1 3 0 0 Kandidaten.

Am Wahltag.

Ä englische Ministerpräsident (rechts) stu- mit seinem Parteigenossen, dem Kolonialminister Thomas, die Wahlaufrufe in der Zeitung.

verschiedenen' Parteien angehören.

dies das erstemal, daß in England so viele Parteien L Wahlkampf aufmarschierten, allerdings befinden sich

"er ganz wie bei uns mehrere Splitterparteien. Die M der Wahlberechtigten in ganz England auf rund 30 Millionen, von denen schätzungs- Millionen von ihrem Wahlrecht Gebrauch .haben dürften. Eine Reichsliste, auf der, wie stimm lm deutschen Wahlsystem, die zahlreichen Rest- no$ verwertet werden könnten, ist in England ^Ju jedem Wahlkreis ist derjenige Kandidat die r Jf+rT die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte; Wa^I»??en Stimmen bleiben ganz unberücksichtigt. Der fonnr k;^ bis 8 Uhr abends und kann auf Verlangen Wäbl-v , âuf b Uhr ausgedehnt werden. Auch der englische z c 11 \ erhält im Abstimmungslokal einen Stimm- etn dem er hinter dem Namen seines Kandidaten ,($en hat. Interessant ist, daß einige Tasche bereits vor der Wahl ihr Mandat sicher in der uberlwn^ >'^e>l in ihrem Wahlkreis ein Gegenkandidat Di M Jt ""faestellt worden war.

ber politischen Parteien erreichte am Vor­wahl der s^»! ) 'hren Höhepunkt. In London allein wird die WacJ^ auf 25 000 geschätzt.

Dacht M «Rr-c» hielt in seinem Wahlkreis am Tage vor der âyrredM und fm* außerdem, noch in fünf Massimo

Versammlungen. Er ließ sich von einem Lastwagen mit Laut­sprechereinrichtung begleiten, von dem aus er an zahlreichen Stellen der Stadt Seaham und im Wahlkreise sprach.

Times" zünden Wahlergebnissen.

London, 28. Okt. (Eigene Funkmeldung.)

Times" spricht in ihrem Leitartikel von einem überwäl­tigen Sieg der nationalen Regierung, der bereits gesichert sei, und fährt fort: Die bisherigen Ergebnisse sind umso bemerkenswerter, als von den betreffenden Wahlkreisen mehr als 130 sozialistisch waren und von diesen mehr als 75 bei den letzten Wahlen noch sozialistische Mehrheiten von über 5000 auf­gewiesen hatten. Das Blatt nennt das bisherige Wahlergebnis einen Sieg des Demokraten über den Demagogen und sagt, für eine Ration, die gegen die Arbeitslosgkeit kämpft, die durch Ein­schränkungen gereizt und die von einer schweren Steuerlast be­drückt ist, bedeutet es eine schwere Probe, den Verwirrungskün­sten des Demagogen zu entgehen. Diese Probe hat aber, wie es scheint, die britische Demokratie bestanden.

In einem weiteren Artikel führtTimes" über die n ä ch st e Zukunft b 6M Regierung aus: Die britische Regierung wird vor allem die Kaufkraft des Sterlings zu erhalten haben, was keine unüberwindlichen Schwierigkeiten bieten sollte, wenn das Budget ausgeglichen und die Handelsbilanz gebessert wird. In außenpolitischen Fragen wie der der Abrüstung, der Sicher­heit und der Vertragsrevision wird die Regierung ihre bis­herige Politik der Befriedung und Versöhnung nicht abzuän­dern haben. In wirtschaftlicher Beziehung wird nach wie vor auf allseitige Herabsetzung der Tarife gedrungen werden, aber die Methoden, um dieses Ziel zu erreichen, werden geändert werden müssen. Die Politik, die britischen Märkte anderen Ländern weit offen zu halten, sogar solchen Ländern, die den britischen Handel von ihren Märkten ausschließen, ist teilweise für die Haltung der Schutzzolländer verantwortlich. Der Frei­handel wird aufgehoben werden, und soweit wie möglich, werden

Schwerwiegende Wirtschaftsfragen.

Oie Arbeit im Wirtschafisbeirat.

Das Reichskabinett wird in erster Linie die Vor­arbeiten für den am 29. Oktober zusammentretenden Wirt- schastsbeirat erledigen. Die Verhandlungen des Wirt- schastsbeirates werden nicht selbständig sein, sondern in ständiger Fühlung mit der Reichsregierung erfolgen, die durch ihre Ressorts den Mitgliedern des Beirates an Hand des vorliegenden Materials die gegenwärtige Wirtschafts­lage Deutschlands schonungslos darlegen wird.

Deutschland, das größte Ausfuhrland Europas, müsse entweder dem Beispiel von 25 Ländern folgen, deren Wäh­rung ins Rutschen gekommen ist, oder, wenn nicht, in sehr kurzer Zeit Beschlüsse fassen, um den gesamten deutschen Preisstand herabzudrücken und Deutschlands Wettbewerbs­fähigkeit zu erhalten. In England hat sich die Inflation zwar preispolitisch noch nicht voll ausgewirkt. Es ist aber anzunehmen, daß dies etwa drei oder vier Wochen nach den Wahlen der Fall sein wird Ein Volk, wie das deutsche, werde jedenfalls nach den Erfahrungen der ersten Infla­tion eine zweite nicht ertragen können.

Lebensmittel, Miete und Verkehrstarife werden das Hauptaugenmerk des Wirtschaftsbeirats erfordern. Aber auch die Schwierigkeiten, die einer Preis-undTarif- s e n k u n g auf diesen Gebieten entgegenstehen, werden dem Wirtschafisbeirat in ihrem vollen Ernst bewußt wer­den müssen. Die Handelsspannen, überhöhte Abgaben an Steuern, Senkung der Mieten, Hauszinssteuer, Reichs­bahntarife sind alles Fragen, an denen man nicht vorüber­gehen könne. In der Kartellfrage wird man Vorschläge erwarten

Die Frage der Tarifverträge würde im Zuge mit einem wirklichen Preisabbau auf allen Gebieten verhält­nismäßig leicht zu lösen sein. Dasselbe würde für die Probleme der Sozialversicherung gutreffen.

Die Reichsregierung beabsichtigt nicht, dem Wirt- schastsbeirat ein festes Wirtschaftsprogramm vorzusetzen, sondern im Gegenteil diesem selbst entscheiden zu lassen, was nach seiner Ansicht in der gegenwärtigen Lage ge­schehen kann und muß.

*

Die Reichsregierung ist zur Ausarbeitung des großen Wirtschaftsprogramms zusammengetreten, das dazu bc- stimmt ist, die deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln, sic vor allem aber glücklich über den Winter zu bringen. Den Beratungen des Reichskabinetts liegen Entwürfe zu­grunde, die das Reichsarbeitsministerium, das Reichswirt- schaftsministerium und das Reichswohlfahrtsministerium ausgearbeftet haben. Man will versuchen auf Siefen Ent­

wir grundsätzlich nur von unseren Kunden kaufen. Dann wird es nicht lange dauern, bis die Tarifländer einen neuen Geist zeigen werden. Extreme Maßnahmen, die den Rest der Welt schädigen, werden auf britischer Seite vermieden werden, denn man weiß in England, daß die eigene Wohlfahrt und die allge­meine Wohlfahrt innig verbunden find.

Was sagt Paris?

Matin" über die Wahlen in England.

Zu dem Ergebnis der englischen Wahlen, soweit es bisher bekannt ist, schreibtMatin": Diser eklatante Sieg des Re­gierungsblocks, der den Willen des englischen Volkes bestätigt, gegen die Politik der Unordnung und der Verschwendung, der Saumseligkeit und der Untätigkeit anzukämpfen, ist von An­fang an in den wichtigsten Arbeiterzentren, wo die Sozialisten mit einem leichten Erfolg rechneten, zutage getreten. Diese Wahl werde eine ungeheure Rückwirkung in der ganzen Welt und namentlich in den Ländern haben, in denen die berühmten demagogischenExperimente" das Wirtschaftselend verschärft und in den Arbeiterreihen schreckliche Leiden geschaffen haben.

Gemeindewahten in Frankreich.

Das französische Innenministerium veröffentlicht eine Übersicht über den Ausgang der Gemeinde- und General­ratswahlen am 18. und 25. Oktober. Von den 1517 frei gewordenen Sitzung wurden 1516 neu besetzt. Nur in einer Gemeinde in Korsika ist die Wahl für ungültig er­klärt worden. Die äußerste Rechte verliert insgesamt 25 Sitze, d. h. 26,8 Prozent ihrer bisherigen Mandate, wäh­rend die Sozialisten Sitze gewinnen. Die Kommunisten verlieren einen Sitz. Wenn auch die Gemeinde- und Ge­neralratswahlen nicht von unmittelbarer politischer Be­deutung sind, so wirken sie sich doch auf die Parlaments­wahlen aus und lassen schon je$t für das kommende Jahr eine Schwenkung nach links voraussehen.

würfen einen gemeinsamen Plan zu gestalten, der am kom­menden Donnerstag dem vom Reichspräsidenten berufenen und präsidierten Mrtschaftsbeirat vorgelegt werden soll.

Wie bekannt wird, beabsichtigt der Reichspräsident in der ersten Sitzung des Wirtschaftsbeirates ein Programm zur Verlesung zu bringen, in dem a l s Ziel die Auf­stellung eines Wirtschafts- und Sozialprogramms bezeich­net werden soll, das die Anpassung des Preis- und Lohn­niveaus in Deutschland an die gesunkenen Weltmarkt­preise vornimmt.

Ein Berliner Blatt spricht davon, daß es das Ziel der Reichsregierung sei, eine Steigerung des Wertes der Mark und des Spârwillens durch eine entschiedene Fort­setzung der Deflationspolitik zu erreichen. Es soll der Ver­such gemacht werden, Preise, Löhne und Zinssätze erheblich herunterzudrücken. Maßgebende Kreise würden die Ansicht vertreten, daß nach Senkung des Preisniveaus um 20 Prozent die Gesundung der deutschen Wirtschaft herbei­geführt werden könnte.

Zwei Millionen Arbeiter

in schwerstem Lohnkampf.

Als ein kritischer Tag erster Ordnung auf lohnpoli­tischem Gebiet stellt sich der 31. Oktober dar. An ihm enden fast zwei Drittel aller Lohntarif- Verträge und bis dahin muß eine Einigung zwischen den Parteien über die neuen Abmachungen erzielt werden, sollen nicht schwere Erschütterungen dem Wirtschafts­leben noch den letzten Rest von Festigkeit nehmen. Ins­besondere sollen die Lohnverhandlungen mit den Eisen­bahnern, den Gemeinüearbeitern und in der Metallindustrie jetzt zum Abschluß gebracht wer­den. Da hier eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf große Schwierigkeiten zu stoßen scheint, haben aus der einen Seite der Reichskanzler und auf der anderen die Svitzenoraanisationen

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Tic Reichsregierung ist zu Schlußberatungen über das Wirtschaftsprogramm zusammengctretcn, das dem Wirtschafts- heirat zur Begutachtung vorgelegt werden soll.

* 205 Millionen Mark Reichsbahnanleihe ist das vorläufige Ergebnis nach Ablauf der Amnestiefrist.

* In England fanden die Wahlen »uw Unterhaus statt. Die Ernfsswâven «sgetdia*« gr^tzs ErhrlaL,