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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" Iulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 273 1931

Fulda Montag, 23. November

8. Jahrgang

Anfechtung der hessischen Wahlen.

42 Todesopfer des englischen Grubenunglücks.

Wirtschaftspartei und Hrssenwahl.

Der Landesverband Hessen der Wirtschaftspartei hat in seiner Wahlkreiskonferenz in Frankfurt am Main vom 22. November einstimmig beschlossen, die hessischen Wahlen vom 15. November anzufechten. Der Beschluß gründet sich nach Ansicht der Wirtschaftspartei auf die Nichtzu­lassung der Wirtschaftspartei bei den hessischen Wahlen, Iras gegen die Verfassung verstoße. Bei der Anfechtungs­klage handele es sich darum, diese Frage klarzustellen.

Die Gruben-Explosion in Bentley.

Das furchtbare, am Samstag schon kurz gemeldete Gru­benunglück in Bentley bei Doncaster (England, Graf­schaft York) hat bis jetzt 4 2 Todesopfer gefordert. Jede Hoffnung, die fünf noch eingeschlossenen Bergarbeiter zu befreien, mußte aufgegeben werden.

Das Unglück entstand durch ein Feuer in dem Augen­blick, in dem 1000 Bergleute in der Grube arbeiteten; von ihnen konnten sich 900 vor den einstürzenden Schachttrüm- mern retten.

Das Echo des deutschen Antrages.

Was England und Frankreich sagen.

Ter Au^ag Deutschlands aus Einberufung des Baseler T r i b u t a u s f ch u s s e s kam nicht über­raschend, so daß die öffentliche Meinung der Gläubiger- L. j. sich schon vorher ausführlich mit der Stellungnahme Deutschlands zur Tribut und Schulden frage beschäftigen konnten. Je nach ihrer eigenen Interessiertheit an den N e; a rett 0 u s l e i st n n g e n oder den t 0 m m e r - ziel len Schuldest wurde die Behandlung der einen oder vor anderen Art von Verpflichtungen tn den Vorder- grinid gerückt. England, das weniger an den Nepa- unionen als den generellen Schulden beteiligt ist, war für eine Gleichstellung, wenn nicht Bevorzugung der letzteren, während Frankreich bekanntlich das Hauptgewicht auf die Reparationsregelung legte Diese verschiedenen Be­lange geben auch jetzt, nachdem die Einberufung Tatsache geworden ist, den Äußerungen Der öffentlichen Meinung dieser Länder ihr Gepräge.

Paris kühl!

m Die gesamte Pariser Presse veröffentlichte den Wortlaut des deutschen Antrages auf Einberufung des Beratenden Ausschusses der BIZ. Pertinar erklärt im »Echo de Paris", daß die Reichsregierung nicht ohne Schwierigkeiten eingewilligt habe, sich des Young- Planes zu bedienen, um eine Revision der auf Deutsch­land lastenden Reparationszahlungen zu erreichen. Laval habe viel erreicht, weil es ihm gelungen sei, in den Ver­handlungen mit dem Präsidenten Hoover den Young- Plan zum Ausgangspunkt für die neuen Ver­handlungen zu machen

Es fei selbstverständlich, daß die Frankreich durch den Young-Plan eingcräumtcn Rechte aufrccht- erhalten werden müßten.

Die Zugeständnisse, die Frankreich machen könne, hingen von Amerika ab. Präsident Hoover habe zum erstenmal v>e Verbindung zwischen den Schulden und den 11 b u 11 a ft e n grundsätzlich anerkannt. Man wisse noch nicht, zu welcher Regelung England, Amerika ilnd Mankreich gelangen würden. Auf jeden Fall dürfe Deutschland nur mit Vorsicht seiner Zahlungsver- Pslichtungen enthoben werden. Einige andere Blätter äußern sich in ähnlichem Sinne und weisen darauf hin, die Lage rasche Entschlüsse erfordere.

England freundlich!

Zur Übermittlung der deutschen Denkschrift an die ÄZ. erklärt dieTimes" in einem Leitartikel, die Tribute s^mien nur gezahlt werden, wenn Industrie und Handel ^ Deutschland wieder wie gewöhnlich arbeiteten. Die "1ie Bedingung sei daher

die Wiederherstellung des deutschen Kredits.

Wenn das Reich in eine Lage gebracht werde, die eine Er- Mlung der Kreditverpflichlungen unmöglich mache, so werde jedes Land, auch Frankreich, Schaden erleiden, -le wichtigste Frage sei deshalb nicht, ob die p 0 li - l chen oder die privaten Schulden den Vorrang Wien, sondern ob man Deutschland gestatten wolle, seine sahlungsfähigkeit langsam wieder zu erlangen. Wenn

eine offene Bankrotterklärung Deutschlands ver­meiden wolle, so müsse

ein Abkommen zur Verlängerung der kurzfristigen Kredite

Wmibe kommen. Die Ereignisse der letzten sechs Monate hatten gezeigt, daß Deutschland die geschützten Jahres- sahlungen nicht leisten könne, wenn es gleichzeitig seine Privatschulden abbeefen solle. Obwohl Frankreich auf den Abstimmungen des Young-Plans bestehe, sei doch Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Pariser Regierung nie offene und umfassende Erörterung der Frage der "butsche« Zahlungsfähigkeit im Zusammen- mit dem Stillhalteabkommen nicht verhindern werde. Sobald erst einmal eine offene Aussprache im Gange sei, wurden die Tatsachen schon für sich selbst sprechen Anstatt -butschland Hilfe zu bringen, habe die französische Regie- durch ihre Forderung auf Wiederaufnahme der ge- !,^'vlen Zahlungen vom nächsten Juli ab Ansprüche er- keineswegs eine Verbesserung der Lage des dringen könnten. Man müsse annehmen, daß dte ieiüge1 ^C ^e9ieiun9 stillschweigend die gegcn-

Abhäugigkeit der Tribute und der kurzfristigen ^Schulden

anerkannt habe. Dies sei in nicht geringem Maße dem englischen und amerikanischen Einfluß zu danken. Ändere englische Zeitungen schreiben, es liege im Interesse aller Völker, daß Deutschland gerettet werde. Das Reich dürfe nicht der

finanzielle Spielplatz Europas werden Seit dem Zustandekommen des Young-Planes habe sich die Weltlage vollkommen verändert. Daher sei es notwendig, die Finanzlage Deutschlands erneut zu prüfen. Die Hoffnung, daß das Hoover-Moratorium eine endgültige Besserung herbeiführe, habe sich nicht erfüllt.

Neue Maßnahmen und neue Erleichterungen für Deutschland seien unbedingt notwendig.

*

Km dèe Verlängerung

des GiMhalieabkommens.

Die Verhandlungen mit den ausländischen Gläubiger- Ausschüssen.

Der deutsche Schuldneransschuß hat die auslän­dischen Gläubigerausschüsse nach Berlin ein­geladen, um über die Behandlung der privaten deutschen Schulden nach dem 29. Februar 1932 zu verhandeln. Der deutsche Schuldnerausschuß besteht aus Vertretern sämt­licher deutscher Banken. Ferner werden von deutscher Seite an den Verhandlungen Vertreter der Reichsbank und der Golddiskonibant teil­nehmen. In den ausländischen Gläubigerausschüssen sind lediglich die ausländischen Banken vertreten, und zwar von folgenden Staaten: Vereinigte Staaten, Belgien, Tschechoslowakei, England, Frankreich, Holland, Italien, Norwegen, Schweden, Dänemark und die Schweiz.

Wiggins und Laylo«, zwei international anerkannte Finanzleute, die bereits schon einmal gefordert haben, daß Deutschland geholfen werden müsse, und die voraussichtlich bei den kommenden Beratungen des Baseler Tributausschusses wieder eine Nolle spielen werden.

Wiggins reist am 28. November.

Wiggins, der Vorsitzende des Direktorenrates der Chaise National Bank, reist am 28. November nach Deutschland ab, um die amerikanischen Banken aus der Konferenz der Vertreter der Gläubigernationen bei den Verhandlungen über die Stillhaltcsortsüh, r u n ß zu vertreten.

Englands SM der nationalen Wirtschaft.

50 Prozent Zollerhöhung für Fertigwaren.

Durch eine Verfügung des englischen Han­de l s m i n i st e r i u m s werden sämtliche Waren der Klasse Hl der Ein- und Ausfuhrliste des Handelsaus­weises tu. a. Brennmaterial, Eisen- und Stahlerzeugnisse, elektrische Waren und Apparate, Maschinen, Textilien, Chemikalien, Farbstoffe, Leder und Lederwaren usw.) vom Mittwoch, den 25. November, ab, mit einem Zoll von 5 0 Prozent belegt. In der Verfügung, die gemäß Absatz 1 des Dumpingabmehrgesetzes heraus­gegeben werden, heißt ès, daß Handelsministerium habe sich davon überzeugt, daß die Warengattungen, die in dem Schema III enthalten sind, in das Bereinigte König­reich in außergewöhnlich großen. Mengen eingeführt werden.

Die Wirklichkeit muß sprechen!

Nun ist von der deutschen Regierung der Antrag ge­stellt worden, daß der Sachverständigenaus­schuß unserer Gläubigermächte feststellt, ob wir Kriegs- tribute zahlen können. Die Mehrzahl der Weltmächte, die im Kriege gegen uns standen, sind der Ansicht, daß diese Tributzahlung nur dazu beiträgt, die Weltkrise vor­wärtszutreiben. Die Reichsregierung betont in ihrem Antrag, daß die Zahlungen der Jahres- leistung des Young-Planes einfach nicht mehr fortgesetzt werden können. Die Glau- bigerregierungen müßten daraus die notwendige Schluß­folgerung ziehen, daß der Young-Plan selber nur noch eine Eventualität" ist, von der die deutsche Re­gierung bereits vor zwei Jahren erklärte, daß ihre Aus­führungfür unmöglich erachtet wird". Die Hoffnung, daß das Hoover-Moratorium eine entscheidende Wendung in der Weltkrise herbeiführen würde, hat sich aber gerade deswegen nicht verwirklichen lassen, weil der Young- Plan eineVerpflichtung" darstellt; dem Buch­staben gemäß soll ja unter allen Umständen und inner­halb der Grenzen der deutschen Leistungsfähigkeit erst einmal festgesetzt werden, ob Deutschland überhaupt in der Lage ist, die Ansprüche zu erfüllen, die unsere Gläu­biger an uns stellen.

Die Reichsregierung hat durch den Antrag, daß die Internationale Bank in Basel einen Sachverständigen­ausschuß baldmöglichst zusammenberuft, vor allem dar­auf hinweisen wollen, daß jenseits der Buchstaben der abgeschlossenen Verträge nun einmal die Wirklichkeit sprechen soll. Auch in anderen Ländern hat der Druck der Krise zu den ernstesten Erscheinungen geführt. Die Welt ist in steigendem Maße darüber klar geworden, daß, wie Macdonald im englischen Parlament sagte, d i e Bestimmungen des Versailler Vertrages r icht mehr maßgebend sein können für die Politik und für das Leben der europäischen Völker. In Paris allerdings denkt man anders. Dort will man diesen Zustand verewigen Allerdings hat man sich auch dort schon genötigt gesehen, von den früheren An­schauungen etwas abzukommen. Der Dawes-Plan, dann die Vereinbarungen unter dem Vorsitz des Amerikaners Young haben dazu geführt, daß französischerseits über­triebene Hoffnungen eingeschränkt wurden. Man hat schon gesehen, daß auch der Young-Plan im Gegensatz steht zu den Wirklichkeiten nicht bloß der Wirtschaft eines Volkes, sondern vor allem dem Dasein der einzelnen Menschen innerhalb dieser Volkswirtschaft.

Der Sachverständigenausschuß aber, dessen Zusam­menberufung die deutsche Regierung jetzt verlangt, wird vor der Tatsache stehen müssen, daß die Weltwirtschafts­krise Ausmaße erreicht hat, die selbst im August noch nicht übersetzen werden konnten, als derLapton-Wiggin- Ausschuß" versuchte, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands festzustellen. Die deutsche Wirtschaft ist aber seitdem weit hinausgegangen über das, was damals die internatio­nalen Sachverständigen für möglich hielten. Die Reichs- banf z. B. hat in ihrem letzten Ausweis bargelegt, daß die deutsche Wirtschaft alles tat, um die im Ausland auf- genommenen Kredite abzudecken. In Basel hat nm ge­glaubt, in sechs Monaten eine Abzahlung von 750 Mil­lionen abseits des Stillhalteabkommens festsetzen zu können; Tatsache ist aber, daß bereits in der Zeit zlvischen dem 1. September und dem 7. November 750 Millionen derartiger Kurzkredite bezahlt worden sind.

Der Sonderausschuß bei der Baseler Internatio­nalen Tributbank soll nun feststellen, wie groß die Zah­lungsfähigkeit Deutschlands ist. Er mußdas Problem in seiner Gesamtheit und unter Berücksichtigung aller seiner Faktoren prüfen und hierbei insbesondere berück­sichtigen, daß die Frage der privaten Verschuldung Deutschlands rechtzeitig vor Ende Februar nächsten Jahres neu geregelt wird". Das steht in dem »deutschen Antrag. Es wird darauf ankommen, ob zwischen den politischen und den p r i v a t w i r t s ch a f t l i ch e n Gläubigern Deutschlands und der deutschen Wirtschaft eine Vereinbarung erzielt werden kann.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Reichspräsident sprach in einem Erlaß an die Reichs- wehr Ungarn leinen Tank aus für die Verleihung der In- habcrschaft eines Honved Regiments. °

* Die Ausschüsse des WirtschaftsbeirateS traten zu einer abschließenden Sitzung zusammen.

* Das Grubenunglück von Doncaster in England hat bis ichs 42 Todesopfer gefordert.

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