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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zulöa- unö hauusèal * Julöaer Kreisblatt

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Nr. 285 1931

Fulda, Montag, 7. Dezember

8. Zahrgang

I III

Woche der Entscheidungen.

Kashmglok-Vasel-Serlm.

Vcrfassungsgemäß tritt am ersten Montag i m Dezember

der Amerikanische Kongreß zusammen.

Die parlamentarische Lage in Washington wird durch zwei Tatsachen gekennzeichnet: Präsident Hoover, der als Führer der Republikanischen Partei in sein Amt hinein­gewählt worden ist, besitzt jetzt im Repräsentantenhaus nicht mehr die Mehrheit, sondern diese ist aus Grund von Nachwahlen von der Demokratischen Partei erobert worden. Im Senat, dessen Stellung und Befugnisse für die Außenpolitik von größerer Wichtigkeit sind als die des Repräsentantenhauses, besteht noch eine republikanische Mehrheit von einer Stimme, aber in dieser Partei kämpfen die verschiedensten Strömungen und Ansichten gegeneinander. Zweitens erfolgt im nächsten Frühjahr die Präfidentenneuwahi und die politische Haltung beider Parteien ist darauf eingestellt, sich bei den Wählern die Aussichten nicht zu verderben. Infolgedessen dürfte es zwar zu einer

nachträglichen Billigung desHoovcr-Feierjahres" kommen, aber ganz unzweideutig vorläufig jedes weitere Entgegenkommen gegenüber Europa in der Frage der interalliierten Schulden bzw. der Reparationen, über­haupt jede Einmischung oder gar Bindung an die europäische und die Völkerbundpolitik abgelehnt werden. Tie Deckung des amerikanischen Defizits von etwa 3,8 Milliarden Mark ist vordringlichste Arbeitsaufgabe des amerikanischen Parlaments und die Behandlung der Neparationsfrage wird man Europa allein überlassen.

*

Auch der

Svnder-Untersuchungs"-Ausschuß des Uoüng-Plans tritt am Montag in Basel bei der Bank für den Jnter- nationdcn Zahlmmsausgicich zusammen. Deutsches Mitglied ist der bekannte Hamburger Bankier Melchior, der bereits auf der Pariser Voung-Plan-Konferenz 1929 tätig war und seitdem sehr häufig bei Verhandlungen über Tributfragen mitwirkte. Es handelt sich in Basel um die Arbeit eines Ausschusses, der, formell unabhängig von den Regierungen, durch die Notenbanken der sieben im Ausschuß vertretenen Länder gebildet worden ist. Besonders bemerkenswert ist, daß der französische Ver­treter Nist, ein bevorzugter finanzieller Berater Lavals er begleitete den Ministerpräsidenten auch nach Washington, in scharfem Gegensatz zu dem belgischen Mitglied Francqui steht. Viel schärfer noch ist aber in der Presse Englands am Vorabend des Zusammentritts der Kommission betont worden, daß England unbedingt dem Willen Frankreichs entgegenwirken "werde, den Noung- Plan am 1. Juli einfach wieder in Kraft treten zu lassen.

Der deutsche Standpunkt

deckt sich natürlich damit, ohne daß das eigentliche End­ziel, nämlich die Streichung der gesamten internationalen Schulden, aus den Augen verloren wird. Doch hierüber fällt die Entscheidung in der für später zu erwartenden Neparationskonferenz; der Baseler Ausschuß hat ja nur ein formell die Gläubigerregierungen nicht bindendes Gutachten über die gesamte Wirtschafts- und Finanzlage Deutschlands und Vorschläge über eine Abänderung der Zahlungsverpflichtungen desungeschützten" Teils zu machen.

*

Wenn schließlich

dieStillhaltekommission"

M Regelung jener privaten Schuldverpflichtungen der Mchen Wirtschaft erst am Sonnabend in Berlin mit

Arbeit beginnen wird, so sind doch die Vorverhandlun- gcn bereits jetzt eifrig im Gange. Dieser internationale Msfchuß, der, wie sein Baseler Vorgänger im vergan- genei, Spätsommer, unter dem Vorsitz des Amerikaners ^lggin steht und in den England wieder den Bankier ^hton entsendet, hat als deutsche Mitglieder u. a. Direktor ~7 Schmitz von der I. G. Farbenindustrie und mehrere schoren der Großbanken. In Newyork haben zwischen amerikanischen Bankenvertretern bereits Befprcchun- stattgefunden, in Paris werden sich die Engländer mit Franzosen und Belgiern zusammensetzen, auch Holland and die Schweiz haben ihre Ansprüche angemeldet, wr von überall hört man dasselbe: Das Stillhalteab- sommen könne und werde nur verlängert werden, wenn Deutschland am 1. März einen Teil dieser Kredite lat- iachlich abbezahle; außerdem würden nur wirtschaftlich vernünftige Kredite verlängert werden. Außerdem solle Aentschland sich bemühen, durchVerständigung" mit Frankreich die Konsolidierung eines weiteren Teils bicfcr Kurzfristigen Schulden herbeizuführen, also eine große Uanzösische Anleihe unter Annahme derpolitischen Be- vmgungen" nachzusuchen, daß natürlich die gesamte Arbeit »reses Ausschusses und deren Erfolg absolut von dem ab» was in der Tributfrage geschieht, weiß man m ^Pel ebenso genau wie in Berlin.

*

In den nächsten Tagen wird nun auch zum Ödesten ein Teil der großen Wirtschaftlich-sozialpolttzsch-

. Winterytlse-Nütoerorvnun;;

Mauskommen, über deren Inhalt die Öffentlichkeit nur Nr unbestimmt unterrichtet worden ist. Infolgedessen I auch der Antrag auf sofortige Wievereinberu- , ist d e s R e i ch s t a g « s selbst von den Mittelpartclen uct)t unterstützt worden, die sich teilweise oder ganz als

Gegner Brünings bekannt haben? Man will erst elnmal abwarten, was eigentlich In der Notverordnung drinsteht. Politisch ist dabei das Wichtigste, ob der Lohn- und Ge­haltsabbau offen oder auf Umwegen zur Voraussetzung einer Preissenkung gemacht wird, ob er gleichzeitig mit dem Preisabbau erfolgen soll oder ob die Preissenkung als Bedingung für den Lohnabbau erklär- wird. Die Sozialdemokratie hat sich politisch unbedingt als Gegnerin einer Senkung des Reallohnes ebenso festgelegt wie einer wesentlichen Beschneidung des Tarifwesens. Wirtschaft­lich steht im Vordergrund, daß ma" mit einer

schweren steuerlichen Neubelastung

rechnen muß; aber das eigentliche Zier der Notverordnung ist die Balanciermng der öffentl:chen Haushalte auf direktem wie auf indirekten Wege über eine Bekämpfung der katastrophalen Preis- und Kostenkrise und des Sinkens der Kaufkraft.

Die neue Naiversrönung fertig.

Die Arbeiten des Reichskabinetts praktisch beendet.

Das Kabinett beendete seine Beratungen über die neue Rotverordnungsprogramm. Am Sonntag wurden die letzten redaktionellen Arbeiten abgeschlossen. Die Unterzeichnung der Notverordnung wird wahrscheinlich am Montag und ihre Veröffentlichung am Dienstag er­folgen. Der genaue Zeitpunkt der Veröffentlichung steht noch nicht fest.

Dr. Brüning dürfte am Montag die Parteiführer bei sich sehen, nm ihnen die Bitte vorzutragen, einstweilen von einer Einberufung des Reichstages abzusehen. Eine fruchtbare Kritik der Notverordnung dürfte , er Aus­

Gegen Frankreich

und den Kommlluismus.

Hitler vor der englischen und amerika- nischeu Presse.

Die gesamte Londoner Presse bringt in großer Auf­machung eine Unterredung Hitlers mit Vertretern der englischen und amerikanischen Presse, die er im Hotel Kaiserhof in Berlin empfing.

Hitler beschäftigte sich zunächst mit dem Hessen- dvkument und erklärte, sein Wille sei in der Partei allein maßgebend. Er denke nicht daran, in letzter Riinute die Grundsätze der Legalität über Bord zu werfen, an denen er seit jeher feftgchalten habe. Dies sei auch gar nicht nötig. Es unterliege keinem Zweifel, da;; die Partei bald zur Macht kommen werde, vielleicht schon in diesem oder im nächsten Monat, vielleicht auch erst in fünf oder zehn Monaten. $ -

.Hitler sprach sich dann über bte k 0 m m u n l st l s ch e- Gefahr in Deutschland aus, die Zum Teil das Hessen- bofument erkläre. Die meisten Menschen hätten noch nicht die geringste Vorstellung von der

Ungeheuerlichkeit der kommunistischen Gefahr und den Kampforganisationen der Kommunisten, die alles hinwegfegen und damit neue Tatsachen schaffen wollten. Er könne daher nicht einzelnen Mitgliedern seiner Partei verbieten, über die kommunistische Gefahr nachzudenken; aber es sei eine Unverschämtheit, die Ge­danken in Form eines Dokumentes n i e d e r z u l e g e n.

Hitler erklärte die Verbitterung und die Kampfes- entschlossenheit seiner Anhänger mit dem fortgesetzten Kleinkrieg der Kommunisten, durch den die Nationalsozia­listen in "diesem Jahre 5000 Verwundete und viele Tote verloren hätten. Die Entscheidungsschlacht gegen den Bolschewismus werde in Deutschland ausgefochten werden. Die Nationalsozialisten fühlten, daß es ihre Auf­gabe sei, diesen Kampf für die ganze Welt zu gewinnen, und sie würden ihn gewinnen.

Hierauf ging Hitler auf

die Frage der Kriegsschulden und Tribute ein. Die Nationalsozialisten werden die Privat- schulden anerkennen, aber sie weigerten sich ganz energisch, sich p 0 l i t i s ch e n E r p r e s s u n g e n zu unter­werfen. Alles hänge davon ab, ob die Welt Frankreich erlauben werde, auf der Priorität der politischen Forde­rungen zu bestehen. Es handele sich hierbei nicht darum, ob man wolle, sondern darum, ob man könn e. Die Tribute seien Wahnsinn. Die Welt werde um der politi­schen Forderungen Frankreichs willen zugrunde gerichtet. Die Welt müsse entscheiden, ob Frankreich mit seinem großen Heer und seiner militärischen Macht weiterhin

der politische Steuereintreiber Europas

bleiben solle ober ob es Frieden und Wohlfahrt haben wolle. Mit einer einzigen Ausnahme seien die freund­schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und seinen früheren Feinden wiederhergestellt, aber

Einigungsversuche müßten von Frankreich kommen und seien so lange unmöglich, solange Frankreich die 65 Millionen Deutsche noch als eine zweitklassige Ration be­trachte

Die kommende A 0 r ü si a n g s k 0 n f e r e n z werde der Beweis für den gesunden Menschenverstand der ganzen

fuhren wäre erst möglich, wenn sich die Maßnahmen auf dem Gebiet der Preissenkung sowie der Lohn- und Gehaltssenkung einige Zeit ausgewirkt hätten.

Man nimmt in parlamentarischen Kreisen, die der ' Regierung nahestehen, an, die Sozialdemokraten würden sich zur weiteren Duldung gewinnen lassen.

Der Tribuiausschuß iagi.

Die erste Fühlungnahme in Basel.

Die erste Fühlungnahme zwischen den zu den Sonder- ausfchußverhandlungen der Tributbanl nach Basel gekom­menen Sachverständigen hat begonnen. Die Frage der Hinzuwahl der vier besonderen Vertreter in den Sonder­ausschuß wurde auf die offizielle Sitzung verschoben. Allem Anschein nach wird man mit einer langenVer- Handlungsdauer rechnen müssen, die unter Um­ständen noch über das Weihnachtsfest hinaus­gehen wird.

Kar Lös«»« der Tridulfraüe kann helfen.

Die Hoffnungen des englischen Schatzkanzlers.

Der englische Schatzkanzler Chamberlain erklärte in einer Ansprache, zur Beseitigung der Unsicherheit und Nervosität, die gegenwärtig in der Welt herrschten, werde eine befriedigende Lösung der Tributfrage mehr beitragen als jede andere Maßnahme.

Allein durch eine solche Lösung könnte das Vertrauen in die finanzielle Festigkeit Deutschlands und in seine Fähigkeit, seine wirtschaftlichen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, wiederhergellellt werden. Er hoffe, daß auf der internationalen Konferenz, die diese Fragen voraus­sichtlich Anfang des neuen Jahres erörtern werde, eine solche Regelung gesunden werden würde.

Ausland

Welt sein. Wenn man erlaube, "daß Frankreich' seine Rüstungen auf der bisherigen Höhe behielte, die gänzlich unnötig für seine Sicherheit seien, dann würde dies be­deuten, daß die ganze Welt tatsächlich die Fortsetzung der französischen Vormachtstellung wünsche. Hitler wies dann darauf hin, daß

seine Partei eine neue Generation darstelle. Sie sei nicht verantwortlich für den Friedens- Vertrag von Versailles imh sie würd. auch keine Verträge anerkennen, die Deutschland nicht erfüllen könne. Er werde nicht einen Vertrag um 11 Uhr unterzeichnen, um dann um 11.45 Uhr mit Klagen anzufangen, daß er ihn nicht aus­führen könne. Auf verschiedene Fragen äußerte Hitler sich dann über

die Wirtschaftspolitik.

Er stellte dabei folgende Forderungen auf: 1. Rücksichtslose Herabsetzung des großen Veiwaltungsapparats in Deutschland; L rücksichtslose Drosselung der Einfuhr und 3. Beseitigung aller politischen Verpflichtungen. Hitler schloß mit dem Satz:

Deutschland ist nicht Karthago, und Frankreich ist nicht Rom!"

(In unserer Samstag-Ausgabe wurde über Hitlers Ausfüh­rungen bereits kurz berichtet.)

*

Frankreich und Amerika zur Erklärung Hitlers.

Die französischen Blätter beschäftigen sich in diesen Tagen sehr eingehend mit der Lage in Deutschland und besprechen natürlich auch die Erklärung Hitlers vor den Vertretern der ausländischen Presse in Berlin. Die Pariser Blätter sehen Deutschland in einem Zustand äußerster Nervosität und halten die Lage des Kabinetts Brüning für sehr unsicher. Ein Blatt meint jedoch, daß die Nationalsozialisten nicht vor dem Frühjahr ans Ruder kommen^dew Ein englischer Journalist in Paris be­richtet seinem Blatt in London, daß man in Frankreich mit der Möglichkeit eines baldigen Regierungswechsels in Deutschland rechnet. Die geplante Romreise Hitlers wird in Paris dahin ausgelegt daß Hitler die Sym­pathien des Vatikans für sich gewinnen wolle. In A m e r i k a hat man besonders beachtet, daß Hitler für den Fall der Machtübernahme durch die Nationalsozia­listen die Anerkennung der privaten Auslands­schul d e n versprochen hat und lediglich die Tribut­zahlungen bekämpfen wolle.

*

Ein neues Hitler-Interview. Hitler will nicht Reichspräsident werden.

L 0 n d 0 n, 6. Dezember.

Unter der UeberschriftSchicksalsreiche Woche für Deutsch­land" undBerlin in Fieberhitze" veröffentlicht derSunday Eraphic" ein, wie er sagt, neues und ausschließliches Interview

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die deutsche Abordnung für die Beratungen des Tribut- Ausschusses hat in Basel ihre Arbeiten ausgenommen.

* Hitler sprach sich Vertretern bei angelsächsischen Press« gegenüber aus über die Stellung des Nationalsozialismus zum Kommunismus und zu Frankreich.

* 300 Personen erkrankten nach dem Genuß von Mittagessen der Hamburger Winterhilfe.