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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg §ulöa- unö Haunetal >§ulöaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-slnschluß Nr. 2989

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Nr. 295 1931

SS

Fulda. Freitag, 18 Dezember

8. Jahrgang

Hindenburgs Zunibrief.

Das Schreiben des Reichspräsidenten an Präsident Hoover veröffentlicht

Neuischlands Zusammenbruch eine Katastrophe für Europa.

Stimson verteidigt das Hoover-Jahr.

Im Arbeitsausschuß des Washingtoner Repräsen­tantenhauses verteidigte Staatssekretär Stimson das Hoover-Jahr, durch das der Zusammenbruch Deutsch­lands verhindert worden sei. Ohne das Moratorium wäre es möglicherweise zu einer Zahlungseinstellung aller Schuldner der Bereinigten Staaten gekommen.

Die Geschichte Deutschlands rechtfertigte das Ver- lrauen in den Charakter des deutschen Bölkes, feine tech­nische Leistungsfähigkeit und industrielle Zukunft. Ein ge­sundes Deutschland sei das beste Bollwerk gegen Unsicherheit und Kommunismus. Ein Zusammen­bruch des Deutschen Reiches würde die Finanzsysteme aller großen Länder einschließlich der Bereinigten Staaten be­rühren.

Nach Stimson sprach erneut Unterschatzsekretär Mills. Er erklärte, daß das .Hoover-Feierjahr not­wendig gewesen sei, um eine Katastrophe zu vermeiden.

In großer Erregung, wobei er mit der Hand auf das Rednerpult schlug, schilderte dann Mills das Ausmaß der europäischen Katastrophe im Falle eines deutschen Zu- sammenbruches. Eine neue deutsche Inflation würde eine allgemeine Panik hervorrufen.

Annahme des Hoover-FeierjahreS vorausfichiich noth in dieser Woche.

Präsident Hoover hat zahlreiche Parteiführer ins Weiße Haus berufen. Er forderte sie dabei auf, für die schleunigste Verabschiedung der Moratoriumsvorlage ein- zuiretcn. Der Führer der republikanischen Tenatsgruppe erwiderte, daß das Moratorium wahr­scheinlich noch in dieser Woche angenommen würde.

*

Sivdenbura u»ddas Soovn-Noratorium.

Die Botschaft in letzter Stunde.

Am Vorabend der Erklärung des Hoover-Mora- wriums sandte Reichspräsident von Hinden­burg an Präsident Hoover ein Telegramm, das den letzten Anstoß zu der amerikanischen Aktion gab und die Zweifel, die etwa noch bei Hoover über die Notwendigkeit des Feierjahres bestanden, ausräumten. Dieses Tele­gramm, das die schwere Not, in die Deutschland unver­schuldet geraten ist, schilderte und auf die Notwendigkeit dringender Hilfe hinwies, sowie auf die Möglich­keit, die Hoover als Repräsentant der großen amerika­nischen Nation habe, Maßregeln in Angriff zu nehmen, die die für Deutschland und die übrige Welt bedrohliche Lage unverzüglich ändern könnten, wurde bei der Debatte im Finanzausschuß des amerikanischen Senats über das Feierjahr von Staatssekretär Stimson zur Rechtferti­gung der Maßnahme Hoovers verlesen. Da jetzt kein Grund mehr für die deutsche Negierung vorlag, das Dokument geheimzuhalten, hat auch sie den Wort­laut des Schreibens Hindenburgs veröffentlicht, der sich mit dem von Stimson wiederaenebenen Inhalt deckt.

*

Der Wortlaut:

Der Brief, den Reichspräsident von Hindenburg im Juni an Hoover richtete, in dem er Amerika um Hilfe für Deutschland bat, wurde von Staatssekretär Stimson im Wortlaut veröffentlicht.

Der Brief, aus dem Englischen zurückübersetzt, hat folgenden Wortlaut:

Neudeck, 20. Ium.

Die Not des deutschen Volkes, die ihren Höhepunkt er- reicht hat, zwingt mich zu dem ungewöhnlichen Schritt, mich an Sie, Herr Präsident, persönlich zu wenden. Das deutsche Volk hat Jahre hindurch schwerste Notzeiten durch- gemacht, die im vergangenen Winter ein Höchstmaß er­reicht haben. Die wirtschaftliche Erholung, die man für diesen Frühling erwartet hat, ist nicht eiugetrctcn.

Ich habe daher jetzt Schritte unternommen, unter Be­rufung auf die außergewöhnlichen Befugnisse, dre die deutsche Verfassung verleiht, um die Durchführung bei dringendsten Aufgaben, denen sich die Regierung gcgcn- ubersieht, sichcrznstcllen und die notwendigen Subsistenz­mittel für die Arbeitslosen bcreitzustcüen.

Diese von mir getroffenen Maßnahmen ziehen ui radikaler Weise alle wirtschaftlichen und sozialen Verhält uisse in Mitleidenschaft und fordern die größten Opfer von allen Teilen der Bevölkerung. Alle Möglichkeiten, btt Lage durch innere Maßnahmen zu verbessern, ohne Hilfe vom Auslande, sind erschöpft.

, Die Wirtschaftskrise, unter der die ganze Welt leidet, hat das Deutsche Reich, das infolge des Krieges aller Re- keevcn beraubt ist, besonders hart betroffen. Wie b»e Ent- Ulklung in den letzten Tagen zeigt, mangelt es der ganzen ^Lcli an Vertrauen in die Fähigkeit des deutschen Wirt- tchaftssystems, unter den gegenwärtigen Lasten weiterzu- arbeiten. Große Kredite, die wir aus dem Auslande empfangen haben, sind zurückgezogen worden. Gerade in letzten Tagen mußte die Reichsbank au daS Ausland mn Drittel ihrer Reserven an Gold uub deüungöfähigeu Avisen auSsolLerr.

Die unausbleiblichen Folgen dieser Entwicklung müssen weitere schwere Einschränkungen im Wirtschafts­leben und das Ansteigen der Arbeitslosenziffer fern, die schon jetzt mehr als ein Drittel der Gesamtindustrie- arbciterschaft beträgt.

Die Tüchtigkeit, der Arbeitswille und die Disziplin des deutschen Volkes rechtfertigen das Vertrauen in die strikte Erfüllung der großen privaten Schuldverpflichtun­gen aus Anleihen, mit denen Deutschland belastet ist.

Aber um seinen Weg im Völkerleben weiter fort- gchen zu können und das Vertrauen der Welt in die Leistungsfähigkeit Deutschlands zu erhalten braucht Deutschland dringende Hilfe. Die Hilfe muß sofort kommen, wenn wir schweres Unglück für uns und andere vermeiden wollen. Das deutsche Volk muß weiter die Möglichkeit haben, unter erträglichen Lebensbedingungen zu arbeiten.

Solche Hilse würde sich für alle Länder in ihrer materiellen und moralischen Wirkung auf die ganze Welt als Wohltat erweisen. Es würde die Lage in anderen Ländern wesentlich verbessern. Sie würde auch die Gefahr für Deutschland herabmindern- die durch die

Die ersten Preissenkungsmahnahmen

Der vreiskommiffar an der Arbeit.

Dr. Gördeler über seine bisherige Tätigkeit.

Der Preiskommissar Dr. Gördeler, dem die Über­wachung der Preisgestaltung für die nächste Zeit obliegt und dem dazu durch die Notverordnung besondere Voll­machten übertragen worben sind, hat die ersten Mit­teilungen über die bisher von ihm geführten Verhand­lungen und die von ihm getroffenen Maßnahmen gemacht. Er hat sich bereits mit einer ganzen Reihe von Wirtschafts­gebieten beschäftigt und dabei bisher folaendes Eraeb.-ris gehabt:

Wegen der

Senkung der Brotpreife

hat Gördeler den Bürgermeistern der Städte über 100 000 Einwohner bestimmte Vorschläge gemacht, auf die er noch in dieser Woche eine Antwort erwartet. Gördeler hofft indessen, die Brotpreisfrage noch vor Weihnachten möglichst einheitlich regeln zu können. Wege»

der Flcischpreèse

schweben zurzeit noch Verhandlungen mit dem Deutschen Fleischerverband über eine Herabsetzung der Preis­spanne, die örtlich überall verschieden ist und teilweise außerordentlich schwankt. Es wird wahrscheinlich dazu kommen, daß der Deutsche Fleischerverband von sich aus in eiste Herabsetzung der Spanne für zunächst drei Monate einwilligt, vorbehaltlich einiger Änderungen für Städte, wo die Voraussetzungen für eine einheitliche Senkung nicht in vollem Umfange zutreffen.

Auf Wunsch des Einzelhandelsverbandes hat sich Gördeler ferner mit einer für das Weihnachts­geschäft wichtigen Frage, nämlich der

Preise für Haus- und Küchengerät

beschäftigt und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die Preise für diese Gegenstände aus etwa 10 Prozent über den Preisen der Vorkriegszeit liegen. Selbstverständlich werden trotz dieses verhältnismäßig niedrigen Preises auch hier die Senkungsmöglichkeiten noch weiter geprüft werden. In der wichtigen Frage der

Straßenbahntarife

hat Gördeler mit der Berliner Verkehrsgesellschaft ver­handelt. Es ist dabei der Wunsch auf Erlaß der Beförde­rungssteuer ausgedrückt worden. Gördeler erklärt in diesem Zusammenhang, daß er unter keinen Umständen sinnlose und unwirtschaftliche Maßnahmen durchführen werde. Was bei den Straßenbahnverwaltungen unter Ausschöpfung solcher Ersparnismöglichkeiten möglich sei, Werde zur Senkung der Tarife benutzt. Aber Maßnahmen, die zu einer Verlustivirtschaft führen müßten, wären un­sinnig. Der Preiskommissar wies dann auf die großen Schwierigkeiten hin, die darin liegen, in die Einzel­heiten der Tarifgestaltung einzugreifen. Das müsse Auf­gabe der Sachverständgeu sein. Gördeler nimmt an, daß

. ab 1. Januar auch die Straßenbahnverwaltungen übrigen Deutschland dem Berliner Beispiel gefolgt würden.

In der Gas- und Elcktrizitätspreisfragc sei behauptet worden, daß eine Senkung der Kohlen­

im sein

und

Kokspreise zweifellos auch hier Preisscnkungsmöglich- feiten eröffne. Gördeler wies demgegenüber darauf hin, daß für gewisse Gebiete die Senkung der Kohlen- shndikatspreise überhaupt keine Rolle spiele, da in einzelnen Gebieten ja nicht nur Syndikatskohle, sondern beispielsweise auch oberschlesische und englische Kohle ver­braucht würde. Die Frage der Gas- und Elektrizitäts­preise sei deshalb schwieriger als die Preissenkung auf anderen Gebieten, da hier die Finanzzuschläge eine erheblichere Rolle spielten. Auch hier dürfe nichts unter­nommen werden, was sich später bei der allgemeinen Finanzpolitik rächen würde. Trotzdem habe er den Ver­waltungen der Gas- und Elektrizitätswerke gewisse Mo- mente, z. B. Ms dem Gevirte des Zins - und Lohn­

innere und äußere Spannung hervorgerusen ist, die wiederum die Folge von Verzweiflung und Not ist.

Sie, Herr Präsident, als Vertreter des großen ameri­kanischen Volkes, sind tn der Lage, die Schritte zu unter­nehmen, durch die eine sofortige Änderung der Lage, die heute drohend für Deutschland und die übrige Welt ist, herbeigeführt werden könnte.

lgez.) Präsident Hindenburg.

*

Au^iaki zur Tribuikon^erenz.

England teilt Frankreich seinen Standpunkt mit.

Von dem englischen Kabinett ist eine Note an die französische Regierung ausgearbeitet worden, die den englischen Standpunkt in der Frage der Repa­rationen und der Kurzkredite enthält. Die Note muß als Auftakt zu der kommenden Tributkonferenz gewertet werden. Sie hält vor allem den Grundsatz des Vor­rangs der Privatschulden vor den Tribu­te u in vollem Umfang aufrecht und gibt dazu eine ein­gehende Begründung.

Die Beantwortung der übrigen Fragen wird zurück­gestellt bis der Baseler Bericht über die deutsche Zah­lungsfähigkeit fertiggestellt ist. Ob in Basel ein ge­meinsames einheitliches Gutachten zustande kommt, scheint immer noch fraglich zu sein. Es besteht auch die Möglichkeit, daß ein kurzer allgemeiner Bericht festgestellt wird, dem dann als Anhang besondere Bemerkungen der verschiedenen Vertreter binzuaefügt werden.

wesens, eröffnet. Es handele sich hier um eine Frage des Vertrauens in die örtlichen Verhältnisse. Die Ver­waltungen der deutschen Gaswerke ebenso wie des^Dent- schen Städtetages stünden grundsätzlich aus dem Stand­punkt, daß die Preissenkung in wirtschaftlich be­grenzter Form mitgemacht werden müsse. Die ein­fachste und schnellste Form sei wach Ansicht Gördeler« in der Gas- und Elektrizitätsfrage, auf die Schlußrechnung einen Rabatt zu gewähren.

In der Wasserpreisfrage bedürfe es ebenfalls einer Prüfung der örtlichen Ver­hältnisse.

Preiskommissar Gördeler wies zum Schluß noch auf die dankenswerte Mitarbeit hin, die der O b e r b ü r g e r - meister von Schneidemühl, Schröder, ihm bei der Durchführung seiner Aufgabe leistete.

*

(Stellvertretender yreiskomm ssar.

Oberbürgermeister Schröder-Schneidemühl.

Amtlich wird mitgeteilt:Der Rctchskommissar für Preisüberwachung, Dr. Gördeler, hat Oberbürger­meister Schröder- Schneidcmühl gebeten, ihn bei der Durchführung der ihm übertragenen Aufgaben zu unter­stützen. Oberbürgermeister Schröder hat sich im Ein­verständnis mit den städtischen Körperschaften und mit Zu­stimmung des Lbcrpräsidenten der Provinz Grenzmark- Posen-Westpreußen bereit erklärt, diesem Wunsche zu entsprechen, soweit und solange die Pflichten seines Haupt­amtes ihm dies ermöglichen.

Oberbürgermeister Schröder hat sein Amt als stell­vertretender Preissenkungskommissar in Berlin bereits angetreten. Er wird grundsätzlich drei Tage der Woche in Schneidemühl und vier Tage in Berlin arbeiten. Die Leitung der Geschäfte in Schneidemühl behält Oberbürger­meister Schröder nach wie vor in der Hand.

Die Berliner Stillhalievesbandiungkn.

Gründung einer Treuhandgesell swaft.

Die Berliner Stillhalteverhandlungen nehmen einen nicht ungünstigen Verlauf. Sie steuern aus ein Kom­promiß zwischen dem bekannnten Vorschlag Frangurs und dem von Geheimrat Schmitz zu. Die Entscheidung dürfte schon in allernächster Zeit fallen.

Man kann also wohl damit rechnen, daß eine Treu- hand gesell schaft gegründet wird, der bte Gläu- diger ihre Forderungen übertragen werden.

Die deutschen Schuldner werden dann innerhalb von zehn Jahren ihre Schulden bei dieser Treuhand- gcsellschaft in gleichen Jahresraten tilgen, während die Gläubiger von der Treuhandgescllschaft Bonds erhalten sollen, die sie wiederum bei den Banken ihres Landes diskontieren können, um in den Besitz von Bargeld zu fommen.

Ausgenommen von dieser Regelung sollen jedoch tue Rembourskredite tverden.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Preiskommissar Dr. Gördeler gab einen Bericht über das Ergebnis seiner ersten Bemühungen um die Preisumgcstaltung.

* Der Brief Hindenburgs an den amerikanischen Präsidenten Hoover, der das Feierjahr mitveranlaßte. tvurbi amtlich ver­öffentlicht

* Das englische Kabinett hat an die französische Regierung eine Note gerichtet, in der es keinen Standpunkt zur Frage der Reparationen und kurzfristigen Schulden Deutschlands darlegt.