Zulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt
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9k. 297 - 1931 mMMM^
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b Jahrgang
Fulda Montag, 21 Dezember
Von Washington bis Basel
Die Schicksalsfrage.
Die bevorstehenden politischen Weihnachts- f e r i e n in aller Welt werden nirgends eine rechte Ruhe aufkommen lassen. Die Sorge um den endgültigen Abschluß der zahlreichen Verhandlungen, sei es in Washington, in Basel, Berlin oder Paris werden Ungewißheit und Unsicherheit über die kurzen Ruhetage hinweg bestehen lassen. In Washington hat der Kongreß nach schweren Stürmen endlich die Annahme des „Hoover-Jahres" beschlossen, aber mit einer ausdrücklichen
Kundgebung gegen alle Schuldenuachlässe.
Noch hat aber der amerikanische Senat nicht gesprochen und die Aussichten für das Hoover-Jahr sollen dort bedeutend schlechter sein als im Kongreß. Wie es heißt, wird der Senat seine Verhandlungen über die Moraw- riumsenischließung erst aufnehmen, wenn die Vernehmungen der Bankiers über die ausländischen Investierungen zu Ende geführt sind. Das dürfte sich voraussichtlich bis weit in das Jahr 1932 hineinziehen. Daß der Senat der Kundgebung des Repräsentantenhauses gegen Schuldenstreichung züstimmen wird, steht wohl außer Zweifel. Bc- stebl aber Amerika darauf, daß es seine. 235 Millionen Dollar jährlich von seinen Kriegsschuldnern zurückerhalten will, so ist allerdings nicht einzuschen, wie nicht nur Deutschland, sondern auch
ganz Europa vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch bewahrt werden soll.
Daß Frankreich, das allein neben Amerika durch Nachgiebigkeit in der Tributsrage helfen könnte, hierzu wenig geneigt ist, das zeigen die Verhandlungen in B a s e l, die infolge des hartnäckigen französischen Standpunktes, daß erst die Tribute und dann die Schulden bezahlt werden müssen, wahrscheinlich
nur zu einer Teillösung
führen werden. Die Aussichten für einen einigermaßen be- f^KWudeu Erfolg der lo atmenden Negier ungs- lvnserenz werden dadurch nicht besser. Auch die Verhandlungen der Stitthaltekonferenz in Berlin und der demsch-französischen Wirtschaftskommissionen in B e r l i n und Paris werden durch das wahrscheinlich pflaumenweiche Baseler Gutachten nicht gerade gefördert werden.
Ganz Europa und Amerika starrt wie gebannt auf alle diese Verhandlungen, und wenn es jetzt heißt, daß England beabsichtige, bereits in kurzer Frist den Antrag zu stellen auf eine zwei- bis dreiwöchige
Verschiebung der auf den 2. Februar festgesetzten Abrüstungskonferenz,
so ist der Grund dafür sicherlich in der allgemeinen augenblicklich unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage zu suchen. Besonders anch England würde ja durch die amerikanische Ablehnung einer Schuldenstreichung betroffen werden, denn wenn England seine Schuldenzahlungen an Amerika wieder aufnehmen muß, so würde
das Schicksal der englischen Währung
damit völlig ungewiß werden. England hat kein Gold mehr, wie früher, um es nach Amerika zu verschiffen, ganz abgesehen davon, daß der Handel schwer leiden müßte. Daß England andererseits nicht gewillt ist, kampflos seine Stellung zu räumen, das geht aus einer Äußerung des englischen Delegierten in Basel, Laytsn, hervor, der geäußert haben soll,
England habe die Reparationen satt.
Es werde das Pfund Sterling so lange nicht stabilisieren, als die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas durch den Druck der Reparationen paralysiert werde. Welche Gefahh^aber das wankende Pfund für alle Völker bedeutet, das haben sie bereits sehr unangenehm gemerkt, das gold- ubersättigte Frankreich eingeschlossen.
Die Neparationsfrage läßt sich eben nicht gesondert behandeln, sie ist die
Schicksalsfrage für ganz Europa, und jedes Land, das das nicht begreift oder begreifen will, wird schwer unter seiner Verstocktheit zu leiden haben. Der amerikanische Staatssekretär Stimson, der jetzt Gelegenheit hatte, auf seiner Europareise die Verhältnisse an Ort und Stelle kennenzulernen, zeigt sich höchst beunruhigt über die augenblickliche Lage in Europa und hat vor dem Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses vertrauliche Mitteilungen gemacht über
»ernste Beunruhigung und unmittelbar drohende Aussichten in Mitteleuropa", uud zwar soll er darauf aufmerksam gemacht habe«, daß diese ernste Entwicklung nicht etwa in irgendeiner unbestimmten Zukunft zu erwarten seien. .
D i e p o l i t i s ch e n W e i h n a ch t s f e r i c n 1 l n d dunklen Wolken überschattet.
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»Reine Gefahr für ausländisches Geld in Deutschland!"
Lamont vor dem U n t e r s u ch u n g s a u s s ch u ß.
Der Bankenausschusr des Senats vernahm in Washington den Direktor der Mvrgau-Bank, Lamont, über die deutschen Anleihen. Lamont erklärte, die Banken vcr Bercingiten Staaten hätten keine Furcht, daß tote deut- Ien Länder und Städte die Zahlungen für die fremden Anleihrn einstellen würden. MsÄsr W W vrvmv!
b e z a h l t worden. Für die an Deutschland gegebenen Anleihen bestehe leine G e f a h r , da es sich um Gold- anleihen handele. Das amerikanische Publikum sei hinsichtlich der Sicherheit der deutschen Anleihen unnötig alarmiert worden.
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./Amerika mußZugestandniffe machen."
Mitchell vor dem Untersuchungsausschuß.
Das Vorstandsmitglied in der National City Bank, Mitchell, erklärte bei seiner Vernehmung vor dem Finanzausschuß des Washingtoner Senats, daß eine Einkassierung der Kriegsschulden nnml h sei. In Europa, insbesondere in Deutschland, greife der „Geist der Revolte" gegen die Schuldenzahlungen immer weiter um sich. In Deutschland wachse eine neue Generation heran, die die Verantwortlichkeit für die Tributzahlungen in den nächsten 62 Jahren ablchne.
„Es wachsen nunmehr die Deutschen aus, die den Weltkrieg nicht miterlebt haben; sie fühlen ein Joch, für das sie nicht verantwortlich sind!"
Mitchell erklärte weiter, es wäre ein wahres Wunder, wenn die Kriegsschuldenzahlungen nach Ablauf des Hoover-Moratoriums wiederausgenommen würden. Amerika werde es für ratsam erachten müssen, weitere Zugeständnisse zu machen Wie der Redner zugab, hat die National City Bank in den letzten zwölf Jahren durch die Begebung fremder Anleihen dreizehn Millionen Dollar verdient.
*
Der Zeitpunkt der Aegieimgskonferenz.
In Pariser politischen Kreisen heißt es, daß London auf eine rasche Festsetzung des Ortes und des Zeitpunktes der Regierungskonferenz dränge und daß man Mitte Januar dafür in Aussicht genommen habe. Eine endgültige Lösung sei a u f b er Konferenz nicht zu" erwarten; man werde sich vielmehr auf ein Provisorium für die Dauer der Krisenzeit beschränken.
Auswirkungen der Notverordnung
Die Vier-Pfennig-Stücke kommen.
Der Reichsrat genehmigte die Ausprägung von kupfernen V i e r - P f e n n i g - S t ü ck e n im Betrage von zwei Millionen Mark. Damit ist eine der ui der letzten Notverordnung angekündigten Maßregeln zur Erleichterung des Zahlungsverkehrs bei der Preissenkung verwirklicht worden.
Die Reichsregierung hatte die Absicht, allmählich sämtliche Fünf-Pfennig-Stücke aus dem Verkehr zu ziehen und sic durch Vier-Pfennig-Stücke zu ersetzen. Die Reichs- ratsansschüsse haben jedoch hiergegen Bedenken geltend
gemacht. Infolgedessen ist diese Frage noch nicht schieden worden.
ent-.
Das neue t-Psennig-Stück, das nach einem Entwurf von Tobias Schwab geprägt wird, soll einen Durchmesser von 24 Millimeter und ein Gewicht von 5 Gramm haben.
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Weitere Preissenkungen.
Nach Kali Kohle.
Der R e i ch s k a l i r a t hat beschlossen, die Preise für alte Sorten ab 1. Januar n m 10 Prozent zu senken.
Wie von zuständiger Stelle weiter mitgeteitt wird, dürfte in den nächsten Tagen auf Grund der Notverordnung der Beschluß gefaßt werden, auch die Kohlen- p reis e ab Zeche zu senken
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Gewerkschaftsvertreter beim Preiskommissar.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung hatte die Vertreter der Gewerkschaften aller Gruppen und aller Richtungen zn einer Besprechung eingsladen. Er entwickelte in der Besprechung das Programm seiner Arbeit und das Ziel, das ihm vorschwebt, gab auch Aufschluß über hrZher
Harmonischer Verlauf der
Glillhaliever Handlungen.
Die Neichsbank teilt mit: Die mit den Verhandlungen über Erneuerung und Abänderung des Stillhalteabkommens beschäftigten Ausschüsse sind bei der Prüfung der zahlreichen in Frage kommenden Punkte gut vorwärts gekommen. Die Verhandlungen haben sich jederzeit in sehr harmonischer Atmosphäre abgespielt.
Um den Zeitverlust durch die Weihnachtsfeiertage aus das geringstmögliche Maß zu beschränken, haben sich die ausländischen Delegierten bereit erklärt, die Verhandlungen bis einschließlich Dienstag, den 22. Dezember 1931, fortzuführen und alsdann am Montag, den 28. Dezember 1931, wieder aufzunehmen, so daß nur zwei Arbeitstage verloren gehen.
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Kein Fortschritt in Bakel.
Der Sonderausschuß arbeitet mit Hochdruck, um noch vor Weihnachten fertig zu werden. Ob das bet der Haltung namentlich der französisch-belgisch-südslawischen Gruppe möglich sein wird, ist allerdings recht fraglich geworden Gewisse Gesichtspunkte, z. B. über den E r n st de ^deutschen Krise, kristallisieren sich allmählich zu Formulierungen, andere stehen aber noch ganz offen. Auch die Frage, ob zu dem Ausweg eines Mehr- und Minderheitsgutachtens gegriffen wird, ist noch gänzlich unentschieden.
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Abrüstungskonferenz
enögülüg am 2. Februar 1932.
Die Pariser Presse berichtet übereinstimmend, daß in Cannes zwischen Henderson und Agnides der endgültige Beschluß gefaßt worden sei, den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz unter dem Borsitz Hendersons auf den 2. Februar 19 3 2 fcstzusetzen.
Dementierte Gerüchte über Vertagung.
Der Vorsitzende der kommenden Abrüstungskonferenz, Henderson, bezeichnete erneut die Gerüchte von einer Vertagung der Abrüstungskonferenz als völlig unrichtig.
getroffene und weiter in Aussicht genommene Mn" nahmen. Er bat d'e Gewerkschaften, ihn bei seiner Arbeit zu unter st ü p e n
Die Vertreter der Gewerkschaften nahmen von den Ausführungen Kenntnis und wiesen aus Die geradezu entscheidende Bedeutung der Preissenkung. Sie erklärten sich zu jeder gewünschten Mitarbeit bereit. Über die Frage der Mitarbeit werden sich die Gewerkschaften mit dem Reichskommissar dauernd in Fühlung halten.
Gegen die Wohnungspolitik der Aeichsreaierung.
Die Mieterschaft zur Notverordnung.
Der Bund Deutscher Mietervereine e. V., Sitz Dresden, nahm Stellung zum wohnungswirtschaftlichen Teil der neuen Notverordnung. Die Beratungen fanden ihren Niederschlag in Leitsätzen, in denen der
euer als eine unerträa-
Abbau derHausz
liche Zumutung an die durch die Inflation enteigneten alten Hypothekengläubiger und Sparer bezeichnet wird. Die angeordnete M i e t s e n k u n g wird im Verhältnis zur allgemeinen Kaufkraftschrumpfung als durchaus un= zulänglich bezeichnet. Das außerordentliche Kündig u n g s r e ch l für langfristige Mietverträge sei unbrauchbar, solange nicht gleichzeitig ein Recht des Mieters auf Abschluß eines Mietvertrages zu niedrigerem, der veränderten Wirtschaftslage Rechnung tragenden angemessenen Mietzins gegeben sei. Tie Leitsätze kündigen s ch ä r f st e n K a m p f gegen die in den Notverordnungen zum Ausdruck gekommene Wohnungspolitik der Reichs- regierung an.
Keine Beiriebsraiewahlen 1932
Auf Grund der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 * hat die ReichSregierung eine Verordnung über Ausfall *)cr Bctricbsrätewahlcn im Jahre 1932 erlassen. Danach wird die A m t s d a u c r aller Mitglieder von Betriebsräten und aller Betriebsobmänncr, die durch Ablauf der Mahlzeit im Kalenderjahr 1932 enden würde, um ein Fahr verlänacrt.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Ausprägung von zwei Millionen kupfernen Bier- pfennigstücke wurde vom Reichsrat genehmigt.
* Der französische Chefpilot Coupet will bei günstiger Wetterlage mit einem Stratosphärenflugzeug in eine Höhe von 16 000 Metern aufsteigen.
* Sm Verlauf einer Schießerei in einem Sftjajfusiâx 2ntal vurrden 2 Personen verletzt, eine getötet,