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Iul-aer Anzeiger

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Nr. 298 - 1931

Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Iulöa- unö Haunetal >§ulöaer Kreisblatt

Neöaktion unö Geschäftsstelle: Königstraße 42 §ernfprech-flnsthluß Nr. 2989

Nachdruck der mit versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .ZnlSaer Fnzeiger-geflattel.

Fulda. Dienstag, 22 Dezember

Anzeigenpreis: §ür Behörden, Genossenschaf ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile o.ZOMk. für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezelle 0.90 Mk.u. alle anderen 015 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Platzvorschriften unverbindlich.

8. Jahrgang

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Hochdruck im Tributausschuh.

Keine Lösung in Basel.

Kapitulation vor den französischen Forderungen.

Die Verhandlungen des Tributausschusses in Basel werden um so schwieriger, je mehr sie sich ihrem Ende nähern. Eine K 0 m p r 0 in i ß f 0 r in e l, die jetzt endlich zustande gekommen ist, soll nach einer französischen halb­amtlichen Meldungdie Bedenken derjenigen zu zerstreuen geeignet sein, die irgendeine Verbindung zwischen den Reparationen und den Interessen der Privatgläubiger des Reiches befürchten". Wenn Frankreich dem Gutachten des Baseler Ausschusses bereits vor dem Bckanutwerden seines Wortlautes eine solche Auslegung gibt, so sieht es nicht danach aus, als ob in Basel eine grundsätzliche Lösung gefunden werden wird und daß alles der Regierungs- konfcrcnz überlassen bleibt.

Über Einzelheiten, die bisher schon feststehcn sollen, erfährt man noch folgendes: Der Sonderausschuß bat sich, tote verlautet, dahin geeinigt, daß Deutschland nicht in der Lage sei, die 1,3 Milliarden Mark der aufschieb- baren Reparationen in seinen Haushalt einzujchließen und daß es ein viel längeres Moratorium erhalten müsse. Der Bericht werde sich eng an den Layton-Bericht an­schließen, aber stärker betonen, daß

Deutschland nicht bezahlen könne.

Ferner werden über den wahrscheinlichen Inhalt des Berichts folgende Angaben gemacht: Aus Grund des Zahlenmaterials werde nachgewiesen, daß Deutschland die geschützten Zahlungen nicht leisten könne. Alles scheine darauf hinzndeiitcn, daß dasselbe auch für die u ii g c s ch ü y t e n Zahlungen gelte. Die Zurückführung deutschen Kapitals im Auslande als Mittel zur Be- gleichnng sofortiger Verpflichtungen erscheine nicht an» gängig. Die Sachverständigen glaubten anscheinend, daß die D e u t s ch e Reichsbahn in normalen Zeiten 1,32 Milliarden Mark aufbringen könne Der Bericht werde ferner einen Hinweis auf die Bedingungen enthalten, nnter Venen der deutsche Kredit wiederhergestellt werden könne, was eine

Voraussetzung für das Stillhalteabkommen sei. Allem Anschein nach werde der Ausschuß in dieser Hinsicht keine bindenden Erklärungen machen. Obgleich man zeitweilig im Ausschuß für eine vollständige Strei- chimg der Tribute und Kriegsschulden gewesen sei, habe man mit Bedauern einsehen müssen, daß

die amerikanischen und französischen Forderungen mit dem Wunsche nach Wiederherstellung des Vertrauens unvereinbar seien.

Wahrscheinlich werde der Ausschuß nicht zu dem Schluß kommen, daß die Tribute die Hauptursache der Weltkrise seien, aber er habe bereits deutlich darauf hin- gewiesen, daß sie als hauptsächlicher Faktor für ein weiteres Anhalten der Krise angesehen werden müßten.

Nachgeben ausgeschlossen!" FranzösischeBefriedigungüberAmerikas

Haltung in der Schuldenfrage.

In französischen politischen Kreisen wird die Ableh­nung jedes Schuldennachlasses durch Amerika mit einer gewissen versteckten Befriedigung ausgenommen, da die französische amtliche Politik die Schulden- und die Tribnt- stagc grundsätzlich miteinander verbindet und vor der Tributkonferenz nicht gern auf Zugeständnisse zugunsten Deutschlands fcstgelegt werden will.

Französisches Liebeswcrbcn um England.

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen des eng« Eschen Sachverständigen Leith Noß im französischen Finanzministerium geht die Ansicht französischer Stellen über die englisch-französischen Beziehungen im Rahmen der Tribut- und Schuldensrage dahin, daß die Amerikaner auf die eigentlichen Tributverhandlungen wenig Einfluß aus­üben, sich aber einen Gegensatz zwischen England und Frankreich zunutze machen würden. Diese Lage mache eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden letzt­genannten Ländern notwendig. Französischerseits spiele merbci der Wunsch eine große Rolle, unter allen Um» Milben an den deutschen Tributzahlungen festzuhallen.

*

Frankreich besteht ausden^oung-plan.

Frankreichs starre Haltung in der Tributfrage.

Ministerpräsident Laval hat die Gelegenheit eines Festes benutzt, um die starre außenpolitische Haltung Frankreichs im Sinne seiner letzten großen Kammerrede »och einmal zu bekräftigen. Er erklärte u. a., daß er gelegentlich seiner Besuchs reise nach England, Deutschland und den Vereinigten Staaten die Möglichkeit gehabt habe, die französische Auffassung ganz offen darzulegen. In diesen schwierigen Zeiten könne sich kein Land abschließen und ganz auf sich selbst stellen. <01 dem Augenblick aber, in dem die Staaten die Not­wendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit voll erkannt hätten, seien sie gezwungen, eine Politik des u a t i 0 n a l e n Protektionismus durchzuführen. Leitte genüge es nicht mehr, die Zollsätze zu erhöhen, ändern Frankreich sei genötigt, den Weg des K 0 n -

tingentierungssystems' einzuschlagen, um den inneren Markt zu schützen. Andererseits müsse man sehr vorsichtig vorgehen, um die Ausfuhr keinem zu starken Rückgang auszusetzen.

In der Schulden- und Tributfrage

sei die Ausgabe der französischen Regierung ebenso bedeutsam wie schwierig. Demnächst würden inter­nationale Konferenzen stattfinden. In Washington sei die europäische Lage und ganz besonders die deutsche Krise eingehend besprochen worden. Man sei zu der Überzeugung gelangt, daß Deutschland die Einberufung des Young-Ausschusses beantragen müsse. Die Sachverständigen hätten sich darauf in Basel versammelt. Sie würden demnächst ihren Bericht abgeben. Die natür­liche Folge fei eine

Konferenz der Regierungen,

die bald stattfinden solle.

Im Hinblick auf diese Konferenz müsse man feststcllen, daß eine Neuregelung nur für die Dauer der deutschen Wirtschaftskrise, d. h. also zeitlich begrenzt, getroffen werden könne. Ferner werde Frankreich die Frage der ungeschützten Zahlungen ebenso wie im vergangenen Juli nur im Rahmen des Young-Plans behandeln und nicht zulassen, daß die Tribute den Privatschuldcn zum Opfer gebracht werden.

In gewissen Ländern habe man zu schnell erklärt, daß die Schulden und Reparationen beseitigt werden müssen. Angesichts der Haltung der Vereinigten Staaten würden die betreffenden Regierungen jetzt vermutlich weniger begierig sein, diese kühne Initiative aufrechtzuerhalten. In jedem Fall könnten die Vertreter Frankreichs einer derartigen Aussprache nicht zustimmen. Frankreich werde die Zerstörung des Young-Plans niemals z u l a s s e n.

Das alte Stuttgarter Schloß in Flammen.

Ungeheure Aufregung in Stuttgart.

Das alte Schloß in Stuttgart, eines der berühmtesten Baudenkmäler der deutschen Renaissance, ist in Brr-rv geraten. Das Feuer brach im zweiten Stockwerk r> Ost- flügels aus und griff mit rasender Schnelligkeit auf Die anderen Stockwerke und auch auf den Westflügel über. Bald darauf schossen aus allen Fenstern des großen nördlichen Eckiurmes die Flammen hervor. Infolge der ungeheuren Rauchentwicklung erlitten zahlreiche Feuer­wehrleute Vergiftungen. Ganz Stuttgart war in un­geheurer Aufregung. Zu Tausenden umlagerte Die Menge den Brandplatz.

Die ältesten Teile des Schlosses reichen bis in die Zeit um das Jahr 1(100 zurück. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloß in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der prächtige Schloßhof gehört zu den Sehenswürdig­keiten Stuttgarts-

Das alle Schloß in Stuttgart.

Der Brand im Stutigartsr Schloß eittflebömmf.

Das Feuer griff auch auf den nordöstlichen Flügel des alten Schlosses über. Zur Unterstützung der Stuttgarter Berufsfeuerwehr wurden die Feuerwehren von Ludwigs- lnst, Eßlingen und Feuerbach herangezogen, die den Brand von außen her bekämpften, während die Statt» ganer Wehren in dem ziemlich geräumigen Schmuckhof des Alten Schlosses arbeiteten. Bei den Löscharbeiten kamen verschiedene Unfälle vor. Die Zahl der Nauch- vergifteten und der körperlich Verletzten beläuft sich auf insgesamt 3 5, darunter zwei Schwer­verletzte. Im ganzen wurden 13 Feuerwehrleute in die Krankenhäuser cingelicsert.

Ein großer Teil des südöstlichen Flügels stürzte unter lautem Krachen zusammen. Ans den Trümmern stiegen haushohe Feuer- und Rauchwolken auf, ein schauerlicher Anblick in der winterlichen Abenddämmerung. Die im Alten Schloß untergebrachten staatlichen Sammlungen, vor allem die Altertümersammlung, konnten restlos ge­rettet werden. Mr Brand ist nunmehr in der Hauptsache eingedämmt.

Deutschlandeinstweilen" zahlungsunfähig?

Der Sonderausschuß hat die Verhandlungen fortgesetzt, was deswegen mit ganz besonderer Aufmerk­samkeit verfolgt wurde, weil sich das Gerücht von einer Vertagung der Konferenz verbreitete.

Im Laufe des Nachmittags wurde ein gewisser Fort­schritt erzielt, der allerdings nur darin bestehen dürfte, daß man sich auf Grund der jüngsten französischen Ministerrede auf einer mehr und mehr allgemein gehal­tenen Linie bewegen wird, wonach

angesichts der großen Wirtschaftskrise Deutschland einstweilen zahlungsunfähig ist.

Die Entscheidung, die aus diesem Befund zu ziehen ist, soll der kommenden Regierungskonferenz überlassen werden.

Von französischer Seite verlautet, daß der Sonder­ausschuß daraus verzichtet habe, die Frage der privaten Verschuldung im Bericht näher zu erörtern.

*

Das goldene Kreuz.

Das Londoner BlattSunday-Chronicle" fordert endgültige Streichung der Tribute und Kriegsschulden. Man müsse, wie Deutschland dies immer wieder betone, einen roten Strich durch alle alten Schuldcnverträge ziehen und die internationalen Tatsachen als Grundlage für die internationalen Verpflichtungen setzen. Die Schuld an der ganzen gegenwärtigen Weltkrise trage die M i ß - geburt des Vertrages von Versailles.

Wenn jemals die menschliche Dummheit ihren Höhe­punkt erreicht habe, so sei es der Vertrag von Versailles gewesen. Jeder, der an der Aufstellung dieses Vertrages mitgearbeitei habe, trage einen Teil der Schuld an dem jetzigen unglücklichen Zustand aller Länder.

Wenn Frankreich Deutschland zwinge, bankrott zu machen, so werde cs dadurch wahrscheinlich noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden als Deutschland selbst. Frankreich fei in der großen Gefahr, an das goldene Kreuz genagelt zu werden.

Der Brand noch nicht gelöscht.

Stuttgart, 22. Dez. (Eig. Funkmeldung.)

Bis gestern abend 10 Uhr war es der Feuerwehr gelungen, das Feuer im alten Schloß auf seinen Herd zu be­schränken. Um 3 Uhr früh ist die Feuerwehr Herr der Lage. Der einzige Eesahrcnpunkt liegt noch in dem linken, der Markthalle gcgenübergelegenen Turm. Hier hat die Wehr neue Fahrzeuge in Stellung gebracht, um mH nach- haltender Energie dem zerstörenden Element ein weiteres Um­sichgreifen unmöglich zu machen.

46 Millionen Mark Schaden.

Der Brand im Ostslügel des alten Schlosses wütete die Nacht über fort. Mit vier Rohren bekämpft die Feuerwehr die immer wieder aus den Fenstern schlagenden Flammen, die sich in den mit Spreu gelullten Zwischenwänden jortsressen. Für den Südostturm gegenüber der Markthalle besteht immer noch große Gefahr.

Die Stuttgarter Berufsfeuerwehr ist seit 21 Stunden ununterbrochen an der Brandstätte tätig. Wäh­rend der Nacht wurden noch drei Feuerwehrleute wegen Rauch­vergiftung und starker Augenentzündung ins Krankenhaus ge­schafft. Man spricht von einem Sachschaden von 4 bts k M i l l i 0 n e n M a r k.

Oie Gehaltskürzungen der Beamten.

Die Durchführungsbestimmungen zur dritten GehaltS- kürzungsvcrorduung.

Im Reichsbesoldungsblatt Nr. 31 vom 19. Dezember werden die Durchführungsbestimmungen zur dritten Gc- Haltskürzungsverordnung veröffentlicht. Hervorzuheben ist daraus folgendes: Die Summe der Kürzungen nach der ersten, zweiten und dritten Gehaltskürzungsvcrord- nung kann in einem Rechengang festgesetzt werden. Bei Bezugsberechtigten, die ein k ü r z u u g s p f l i ch t i g e s Einkommen von mehr als 1500 Mark, aber von nicht mehr als 1611 Mark jährlich in der Sonder­klasse oder in der Ortsklasse A beziehungsweise von nicht mehr als 1612,44 Mark in den Ortsklassen B, C ober D haben, dürfen die kürzungspflichtigen Bezüge nur so weit gekürzt werden, daß 1305 bzw. 1290 Mark jährlich verbleiben.

Die gesamte Kürzung aus den bisherigen drei Gehaltsverordnungen stellt sich bei Bezügen bis zu 1500 Mark jährlich auf 13 Prozent, bei Bezügen von 1611 bis 3000 Mark ans 19 bis 20 Prownt, von 3000 bis 6000 Mark auf 20 bis 21 Prozent, von 6000 bis 12 000 Mark aus 21 bis 22 Prozent und bei Bezügen von mehr als 12 000 Mark auf 22 bis 23 Prozent.

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Kleine Zeitung für eilige Leser-

* Der französische Ministerpräsident Laval sprach sich er­neut für die Fortsetzung der Tributpolilik aus.

* Die in Zahlungsschwierigkeiten befindlichen Borsig Werke in Berlin-Tegel sind vorläufig slillgelcgr worden

* Das alle Schloß in Stuttgart, eines der berühmtesten Baudenkmäler der deutschen Renaissance, ist in Brand geraten.