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Nr. 303 1931

Fulda, Mittwoch, 30. Dezember

8. Jahrgang

Druck auf

Allgemeine Zahlungseinstellung?

Dor einem englisch-französischen Schritt in der Schuidcnfrage.

Es scheint, daß der amerikanische Staatspräsident Hoover den Bestrebungen des amerikanischen Parla­ments, Europa sich selbst zu überlassen, noch Widerstand zu leisten beabsichtigt. Einflußreiche Negierungsbeamte vertreten die Ansicht, daß die Interessen der Vereinigten Staaten in der Frage der Schuldenrevision oder der Ver­knüpfung der Kriegsschulden mit den Tributen ohne N ü ck s sch t aus den Kongreß vertreten werden würden.

Der erste Schritt in dieser Beziehung würde von Europa erwartet.

Einen solchen Schritt bei der amerikanischen Regierung scheinen jetzt England und Frankreich im Auge zu haben bei dem angekündigten Meinungsaustausch zwischen Macdonald und Laval. Die Pariser Blätter sind einmütig der Auffassung, daß die angekündigte Zusammenkunft Macdonalds und Lavals trotz des Dementis des Quai d'Orfap bereits in der ersten Woche des kommenden Monats stattfinden könne. Über die Zusammenkunft zeigt man sich allgemein sehr befriedigt.

Das französische Interesse an einer französisch-engli­schen Front scheint weniger dadurch bestimmt zu sein, den deutschen Forderungen einen entschiedeneren Wider­stand enlgegcnzusetzcn, als einem Druck auf Amerika auszuüben, um es in der inwralliierten Schuldenfrage nachgiebiger zu machen.

Weder die französischen amtlichen Kreise, so erklärt man in Pariser Kreisen. noch die öffentliche Meinung,

Die Winlerschlacht in der Mandschurei.

^cuer Hamps vor Hlntschau bist Grad Hütte.

Chinesische Truppen in Stärke von mehreren tausend Mann mit leichter Artillerie und einem Panzerzug griffen die Japaner bei Tientschwangtai an, konnten jedoch nach mehrstündigem Kampf bis auf 60 Kilometer von Kintschau zurückgeschlagen werden. Die Verluste sind auf beiden Seiten groß. Es herrschen 2 0 Grad Kälte. Der japanische Angriff auf Kintschau ist auf die Jahreswende angesetzl. Von Kintschau sind 40 00050 000 Mann japanische Truppen zusammengezogen, die alle Vor­bereitungen znm Angriff treffen.

Der japanische Kriegsminister über die Mandschurei.

Kriegsminister Araki erklärte, daß das Vorgehen der Iapanâ in der Mandschurei nicht durch diplomatische Noten beeinflußt werden könne. Der Krieg werde solange dauern, bis die ganze chinesische Armee südlich der Chinesischen Mauer fei.

Linsen chinesischer Staatspräsident.

In der Vollversammlung der Kuomintang wurde Linsen zum Vorsitzenden des Staatsrats (Staatspräsi­denten) gewählt. Zum Vorsitzenden des Vollzugsaus­schusses (Ministerpräsidenten) wurde S u n s 0 gewählt.

Vorsitzender des Kontrollausschusses wurde Jujujan, Vorsitzender des Gesetzgebungsamtes wurde Tschangtschi und Vorsitzender des Justizamtes Wangtschinghui. Ferner wurde Tschanhungpo zum Jndustrieminister gewählt.

Gandhi in Indien.

5 0 0 0 0 0 Menschen zu .seiner Begrüßung erschiene n.

Mahatma Gandhi traf, von der Londoner Kon­ferenz nach Indien zurückkehrend, in Bomb« y ein. Kurz vor seiner Ankunft war cs zu schweren Zusammen­stößen zwischen Parias und Kongreßanhängern ge­kommen.

DieUnberührbaren", die Gandhi bcschul- digen, die Durchsetzung ihrer Forderungest nach ent­sprechender Vertretung in den indischen Proviuzparla- menten verhindert zu haben, waren mit Stöcken, Glas­scherben, Messern u. a. bewaffnet. Sie rissen die Fahnen unb Girlanden, die von den Kongreßanhängern in den Straßen angebracht waren, herunter.

Kurz vor der Ankunft von Gandhis Dampfer ström­ten sie zum Hafen, wo sich ein Gefecht zwischen ihnen und den Kongreßanhängern entspann, das erst durch starke Polizeiabteilungen beendigt werden konnte. Bei der Prü­gelei wurden 25 Personen verletzt.

Der ursprünglich vorgesehene großartige Empfang, bei dem Gandhi in einem mit weißen Pferden bespannten Wagen durch die Straßen Bombays fahren sollte, war sallen gelassen worden. Trotzdem hatte sich eine ungeheure Menschenmenge am Hafen eingefnnden und riesige Men- schenmassen, die aus 500 000 geschätzt werden, drängten

?n ^si Straßen. Gandhi wurde von Patel und dem Moslemführer Ansari sowie von seiner Frau an Bord des Schiffes begrüßt. Mit dem Spinnrad unter dem Arm schritt Gandhi unter die Menge, die ihn mit lauten Rufen begrüßte und ihm Girlanden aus indischem Garn zuwarf. den Straßen wurde Gandhi mit Rufen begrüßt, die Zum Uugehorsamkeitsfeldzug ausforderten.

Amerika.

würden es auch nur einen Augenblick lang ertragen, daß die französischen Zahlungen an Amerika tatsächlich erhöht und die deutschen Zahlungen herabgesetzt würden. Wenn gewisse Anzeichen nicht trugen, so wolle -man Washington einen Vorschlag unterbreiten, der kaum einen Zweisel darüber lasse, daß weniger eine Bitte an Amerika als vielmehr eine von der Notwendig­keit diktierte Feststellung gemacht werde.

Mit dieser französischen Äußerung stimmt überein die Zunahme der Propaganda in England für eine allge­meine Zahlungseinstellung gegenüber Amerika als letzten Ausweg, falls dieses nicht non seinem ablehnenden Stand­punkt in der Schuldcnsrage abgehe.

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AbMmgskonferevzundTriblllkonsereoz.

Deutschland gegen eine Verzögerung der Abrüstungskonferenz.

Die Reichsregierung betont angesichts der sich immer wieder geltend machenden Bestrebungen, die A b - rüstungskonferenz um kurze Zeit zu verschieben, um ein überschneiden mit der Tributkonferenz zu verhindern, daß weder in sachlicher noch in persönlicher Hinsicht nach tute vor irgendein Grund zu sehen sei, warum die Abrüstungskonferenz verschoben werden solle. Auch England habe kürzlich eine dahingehende Meldung amtlich dementiert. Hinzu komme, daß die japanische Ab­ordnung bereits seit einiger Zeit nach Genf unterwegs sei, so daß auch in dieser Hinsicht keine Verzögerung der Ab­rüstungskonferenz einzutreten brauche. Der deutsche Standpunkt sei also unverändert.

Arthur von Gwinner gestorben.

Der frühere Direktor der Deutschen Bank, ÄMüur von Gwinner, ist im 76. Lebensjahre gestorben. Gwinner stammte aus einer alten Beamten- und Gelehrtenfamilie. Er ließ sich mit 32 Jahren nach vierjährigem Aufenthalt im Auslande als selbständiger Bankier in Firma Arthur

Gwinner unb Co. in Berlin nieder. 1894 wurde er von Georg von Siemens in die Deutsche Bank berufen.. Hier förderte er die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Auslande. Am Ausbau der anat 0 li - s ch e n und Bagdad bahnen und an der Reorgani­sation der Northern Pacific war er hervorragend beteiligst

Gwinner war auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsraies der Philipp .Holzmann A.-G. in Frankfurt am Main. Das Bankfach erlernte Gwinner in seiner Ge­burtsstadt Frankfurt am Main.

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Warnung vor Lüngehung

der Devisenorönung.

Bezahlung von Export mit deutschen Wertpapieren.

Neuerdings versuchen ausländische Firmen, ihre deutschen Lieferanten zu veranlassen, für gelieferte Waren d e u t s ch c W e r t p a p i e r c in Zahlung zu nehmen. Die Ausländer wollen aus diese Weise die Vorschrift der Devisenbestimmungen umgehen, wonach ihnen der Erlös von Effektcnverkünfen in Deutschland nur auf Sperrkonto gutgebracht wird, über das sie nur 31t neuer Kapitalanlage im Jnlande verfügen können.

Das R e i ch s 'w i r t s ch a s 1 s m i n i st e r i u m warnt davor, derartige Abschlüsse mit ausländischen Firmen zu tätigen. Abgesehen davon, daß ein solches Vorgehen der Ausländer zu einer unerwünschten Beeinträchtigung per deutschen Devisenbestände führe, setze sich der deutsche Vertragsteil der Gefahr aus, wegen Beihilfe 311 einem Ver­gehen gegen die Devisenvorschriften strafrechtlich belangt zu werden. Auch sei damit zu rechnen, daß die Devisenbewirtschaftungsstellen solchen Firmen etwa er­teilte allgemeine Genehmigungen wegen Unzuver­lässig fe i t entziehen und daß die Reichsbank gegen |ir mit Kreditrestriktionen vorgcht.

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Washington wartet ab

Aus Furcht davor, bei irgendeiner Regierunganzu­ecken", hatte sich der Baseler Sachverständigenausschuß sorgfältig jeglicherEmpfehlung" enthalten, sich davor gehütet, einen präzisen Vorschlag zu machen dafür, was denn nun eigentlich in der ganzen Neparationsfrage an­gesichts der festgestellten Zahlungsunfähigkeit Deutschlands geschehen solle. Vielleicht hielt der Ausschuß sich auch des­wegen zurück, weil er selbst keinen Ausweg sieht. Denn mitten in seine Arbeit war eine ausdrückliche Erklärung des französischen Ministerpräsidenten Hiueingeplatzi, am Noung-Plan dürfe unter keinen Umständen gerüttelt werden; vor allem erfolgte eine ganz eindeutige Stellung­nahme im Amerikanischen Kongreß, die einen weiteren Aufschub bzw. eine Streichung der interalliierten Schulden Amerika gegenüber glatt ablehnte. Und doch war gerade in diesem Punkt die einzigeEmpfehlung" des Ausschuß- berichtes erfolgt, die zwar auch nicht an übermäßiger Prä­zision leidet, aber doch einen Weg weist: die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden (also der Reparationen unb der Verpflichtungen hauptsächlich Englands und Frankreichs gegenüber Amerika) an die gegenwärtige zerrüttete Wirtschafts- und Finanzlage der Welt sei der einzige Schritt von Tauer, der das allgemeine Vertrauen wiederherstellen könne. In diesem Satz ist auch die tat­sächliche Verkoppelung zwischen den Repara­tionen und den Kriegsschulden wieder zum Ausdruck gebracht, obwohl sie doch von Amerika juristisch nie anerkannt worden ist.

Das ganze Problem ist an sich schon geradezu fürchter­lich kompliziert. Durch die amerikanische Stellungnahme wird es damit aber noch schlimmer, denn es spielen Er­wägungen hinein, die mit jenem Schuldenproblem äußer­lich nichts zu tun haben. Wenn schließlich die Amerikaner uns Deutschen die Schulden stunden würden, weil wir eben wirklich am Rande der Kräfte angelangt sind und trotz besten Willens nicht mehr zahlen können, so liegen die Dinge mit England, vor allem aber mit Frankreich ganz anders. Das WortAbrüstung" aussprechen genügt, um anzudeuten, was gemeint ist. Oder, auf eine primitive Formel gebracht: Frankreich kann, selbst bei Stoef erriet deutschen Tribute, seine Schulden an Amerika glatt be­zahlen, wenn es nur seine Rüstungen einschränkt. Man dreht sich also im Kreise. Frankreich will von einem Tributnachlaß gegenüber Deutschland nur dann etwas wissen, wenn Amerika ein entsprechendes Entgegen­kommen in der Kriegsschuldensrage zeigt, und Amerika wieder wartet erst einmal ab, wie die Reparations- konferenz läuft und ob es in der Abrüstungsfrage endlich einen durchschlagenden Erfolg geben wird. Ganz un­zweideutig hat man in Washington amtlich erklärt, daß Amerika die europäischen Mächte auf ihrer Neparations­konferenz ganz unb gar sich selbst überlassen werde. Wenn die Negierungen dann irgendwelche Wünsche an Amerika zu richten beschlössen, sollen diese gefälligst in Washington angebracht werden, und man werde dann sehen usw.

Das wäre also völlige Fernhaltung von der europäischen Reparations - und Schul­de n lv i r r u i s , es wäre auch eine Distanzierung von dem Wirtschastschaos, das doch nicht auf Europa be­schränkt ist. Es wäre auch eine schroffe Umkehr auf dem Wege, den erst inoffiziell die Amerikaner Dawes und Uoüng, dann amtlich der Präsident Hoover einschlugen: Ein Eingreifen in die europäische Lage, deren anscheinende Unlösbarkeit erst zur Weltwirtschaftskrise, jetzt zum Welt- wirtschaftskrieg führte und schließlich zu einer Weltwirt­schaftskatastrophe hinsteuert, wenn man ihr nicht in einer Gemeinsamkeit aller Völker entgegenwirkt. Nun sagen die Amerikaner ihre bisherige Mitarbeit einfach ab, weil sie damit infolge der Unvernunft wohlbekannter euro­päischer Staaten leider nicht den ersehnten Erfolg erreicht haben. Aber diese Fernhaltung kann und muß nur schädlich wirken, aber Amerikas Entschluß scheint vor­läufig festzustehen.

Sie hat auch ihre sofortigen Folgen in der plötzlich cinsetzcnden auffallend betriebsamen Zu - f a m m e n a r b c i t Englands und Frank- reichs. Denn neben jenem Beschluß des Amerikanischen Kongresses tritt die Feststellung des Baseler Sonderaus­schusses, daß Deutschland zum mindesten für den transfer­geschützten Teil der Young-Plan-Leistnngen zahlungs- unfähig ist. Beide Länder können also von Deutschland keine Zahlungen erwarten, werden aber selbst an Amerika zahlen müssen; zudem ist Frankreich obendrein auch noch Englands Schuldner. Wie soll nun dieser Knoten gelöst werden, zu welchen Entschlüssen soll man hierüber in Paris und London angesichts der amerikanischen Ableh­nung kommen? In dieser Frage liegt der Grund für das Heran treten Macdonalds an Laval, ferner das schon be­gonnene Einsetzen einer Aussprache, die allerdings vor­läufig noch ganz gewaltige, sich schroff gegenüberstehende Meinungsdifferenzeu zeigt.Moratorium auf zwèl Jahre und offiziell nur für den ungeschützten Teil der Young- Plan-Zahlungen" sagt man in Frankreich,grundsätzliche und schleunige Neuregelung der gesamten Neparations- fraac" ist die englische Antwort, dazu ein Verzicht Frank-

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Kleine Zeitung für eilige £efer

'* Der frühere Direktor der Teutschen Bank, Arthur von Gwinner, ist im 76. Lebensjahr gestorben.

* In der Mandschurei ist eine große Angriffsschlacht der Japaner auf Kintschau im Gange.

* In Tilburg in Holland fanden beim Brande eines Restaurants fünf Personen den Tod.