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Nr. 304 1931

Fulda, Donnerstag, 31. Dezember

8. Jahrgang

Drohendes Tributpromsorium.

Der furchtbare Tribullraum muß enden!

Frankreichs hartnäckiges Sträuben, in der kommen­den Negierungskonferenz eine endgültige Regelung der Kriegsschuldenfrage herbeizuführen, sein Bestreben, es höchstens zu einem Moratorium kommen zu lassen und seine These von einer provisorischen Einigung scheint sich auch in London durchzusetzen. Nach der franzö­sischen Presse jedenfalls zu urteilen, haben die nach Weih­nachten aus diplomatischem Wege geführten Besprechungen zwischen England und Frankreich zu einer weitgehenden Annäherung der beiderseitigen Ausfassungen geführt. In großen Linien wird in Paris bereits die Regelung an­gekündigt, über die sich Frankreich und England einig werden würden. Wenn auch von englischer Seite diese An­gaben als verfrüht bezeichnet werden, da eine Einigung noch nicht erfolgt sei, so wird man doch im wesentlichen daraus ersehen können, wohin die französische Tendenz zielt. Nach diesem Programm soll Deutschland ein Moratari um von dreijähriger Dauer zu- erkannt werden. Der unbedingte Teil der N e - parationen, 660 Millionen Mark, soll fortlaufend an die BIZ. gezahlt werden, und von dort aus in Form eines französischen Kredits an die Reichsbahn zurück- erstattet werden. Als Gegenleistung soll die Reichsregie- rung sich verpflichten, sowohl an Frankreich als auch an einige französische Vasallenstaaten wie Rumänien und Südslawien Sachlicferungen in geringem Umfang durchzuführen. Nach Ablauf des dreijährigen Morato­riums soll die Zahlungsfähigkeit Deutschlands erneut ge­prüft werden.

Die Reichsregierung soll sich außerdem verpflichten, mit den amerikanischen, englischen und französischen Banken sowie mit den übrigen Gläubigern von P r i v 6 t-

Gläubigermächte Deutschlands ihrerseits sollen gegenüber A m e r i k a die notwendigen Schritte unternehmen, um die amerikanische Negierung davon zu überzeugen, daß ihre Unterstützung zur Wiederaufrichtung der europäischen Wirtschaft eine parallele Herabsetzung der interalliierten Schulden unbedingt notwendig mache.

So die französischen Wünsche. Inwieweit die englische Negierung diesen Bestrebungen Widerstand leisten wird, steht noch dahin. In englischen Bankkreisen spricht man sich sehr scharf gegen ein Moratorium aus und betrachtet die Aussichten 'der Konferenz durchaus pessimistisch. Ein Moratorium, so wird erklärt, gestatte keinerlei Hoffnungen auf eine Wiederherstellung des Vertrauens und der Wirt-- schaftlichen Wohlfahrt. Die Moratorien würden bald auf alle Arten von Schulden übergreifen und die Währungs­systeme völlig erschüttern. Eine zeitweilige Regelung könne nur die Lage weiter verschärfen, das sei vielleicht das Beste an der ganzen Regelung, da dann möglicherweise Amerika und Frankreich endlich Verstand annehmen würden.

Sollte die Konferenz keine Streichung der Tribute bringen, so erwarte man von Deutschland den ersten Schritt, und niemand könne Deutschland einen Vorwurf daraus machen, wenn es erkläre, daß es keine Tribute iTrehr zahlen könne. Ein derartiger Schritt würde der Ausgangspunkt einer wirklichen Wiedergesundung der Welt sein, da die Krise zu 90 Prozent psychologischer Natur sei und die Beendigung des furchtbaren Tributtraumcs schon wesentlich zu einer optimistischeren Stimmung bei­tragen werde. . c , .....,

Die Reichsregierung wird dem franzonschen Standpunkt gegenüber darauf bestehen, daß bei den Ver- handluu^" der Negiernngskonferenz ein nochmaliges Provisorium nicht in Frage kommt, sondern eine abschließende Regelung der Tributfrage gefunden wird. Sie hat ^ Aufgabe, sich auf endg u tilge Entscheidungen einzusisllen und das Ansinnen der West- mächle, Deutschland solle sich wieder mit einem Provi­sorium begnügen, mit der Begründung abzulehnen, daß das deutsche Volk bereits so ungeheure Opfer gebracht habe, daß jede Verschleppung der end­gültigen Entscheidung seelisch und materiell einfach untragbar ist.

Als ebenso wichtiges Argument gegen ein Provi­sorium ist weiter anzuführen, daß auch an eure Er­holung der Weltwirtschaft so lange nicht zn denken ist, als das Damoklesschwert der unerledigten Tributfrage über der Welt schwebt, das die Vertrauenskrise weiter verlängern und jede wirtschaftliche Initiative lähmen und auch den kleinsten Ansatz eines Konjunktur- umschwunges im Keime ersticken muß.

Vor der Tribnikonserenz.

Der französische Vorschlag, die Tributkonscrenz nach Lausanne anstatt nach dem Haag cinzuberufen, stößt m London aus keinen nennenswerten Widerstand, so daß man in Kürze eine endgültige Vereinbarung zwischen Frankreich und England über den Ort erwartet. .11$ Gegenleistung erwartet jedoch die englische Regierung, daß nunmehr keine weiteren Einwendungen gegen die Er­öffnung der Konferenz am 20. Januar erhoben werden.

In gutunterrichleten Pariser Kreisen rechnet man da­mit, dass Laval die Führung der französischen Abord­nung auf der Reparationskonferenz übernehmen wird. Allerdings glaubt man nicht, daß der Ministerpräsident

den Verhandlungen bis zum Ende beiwohnen wird, da ihm die Kammerberatungen eine längere Abwesenheit nicht erlauben.

Die amtliche Übergabe des Gutachtens des Baseler Sonderausschusses an die beteiligten Regierungen wird in den nächsten Tagen erfolgen. Dem am 11. Januar zu­sammentretenden Verwaltungsrat der Tributbank wird der Bericht ebenfalls überreicht werden.

Amerika und die Schuldenfrage.

Englische Berichte aus Washington fassen den Standpunkt der amerikanischen Regierung in der Schulden­frage wie folgt zusammen: Es wird damit gerechnet, daß die deutschen Reparationszahlungen im nächsten Sommer nicht wieder einsetzen werden. Frankreich werde daher seine Zahlungen an England und Amerika verwei­gern. Amerika wolle nicht von England verlangen, seine Schuldenzahlungen innerhalb des nächsten Jahres wieder aufzunehmen. Man erwarte daher von England, daß es die Initiative ergreifen werde, um ein weiteres Mo­ratori um fürdieReparationsschulden nach dem Ablauf des jetzigen Hoover-Moratoriums einzuleitcn.

Der englische Finanzsachverständige Sir Frederic Leith Roß weilt noch in London, da man englischerseits noch keinen klaren Ausweg sieht, wie eine Einigung zwischen England und Frankreich in der Frage der Schuldenverhandlungen erzielt werden kann. Auch hin­sichtlich der zukünftigen Stellungnahme Englands zu den Kriegsschuldenzahlungen an Amerika ist in englischen Kreisen noch keine Entscheidung gefallen. Sie bürste erst erfolgen, sobald die Pariser Verhandlungen Klarheit über das Schicksal der Tributzahlungen gebracht haben.

*

England mit Tndniyrovismium einverstanden.

Vor einer Einigung mit Frankreich?

DaS britische Außenministerium hat die Preffe dahin unterrichtet, daß eine endgültige Regelung der Tribut­frage auf der bevorstehenden Rogierungskottferenz wegen der Haltung des amerikanischen Kongresses nicht mehr in Frage komme. Die Verhandlungen 'würden sich nur noch aus eine provisorische Lösung erstrecken.

Eine Einigung zwischen Frankreich und England über die Dauer einer Verlängerung des gegenwärtigen Schuldenmoratoriums sei bisher noch nicht erzielt wor­den. Die Hauptschwierigkcit liege nicht so sehr in der Frage, wie lange das Moratorium ausge­dehnt werden solle, sondern bei den Nebenfragen, wie z. B. der Behandlung der ungeschützten Zahlungen.

Im großen und ganzen bestätigt es sich, daß die eng­lische Politik an ihrem ursprünglichen Ziel einer end­gültigen Lösung der Tribut- und Schuldenfrage nicht mehr sesthält, sondern sich dem französischen Standpunkt genähert hat. Dies wird damit begründet, daß durch die Entscheidung des Amerikanischen Kongresses eine neue unerwartete Lage geschaffen worden ist.

*

Der denische und der französische

Botschafter bei Henderson.

Staatssekretär Stimson empfing nacheinander den deutschen Botschafter von Prtttwitz und den franzö­sischen Botschafter Claudel. In Washingtoner unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß die Kriegs­schulden- und Neparationsfrage erörtert wurden.

Untestaatssckretär Mills erklärte,. daß er an eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der bevor­stehenden Reparativnskonferenz nicht glaube. Im übrigen hätten die Vereinigten Staaten noch keine Ein­ladung zur Teilnahme an der Konferenz erhalten.

An die Wehrmacht!

Heer und Flotte entbiete ich zum Jahreswechsel meine besten Wünsche.

Treu der beschworener? Verfassung, gehorsam den gesetzmäßigen Gewalten, unbeirrt vom Kampf der Par- Seien wird die Reichswehr auch im neuen Jahr den alten Idealen deutschen Soldatentums dienen.

Der Reichspräsident: Der ReichSwehrminister: > gcz. Hindenburg. gez. Groener.

Der König von England an den Papst.

Bcilcidslundgcbung anläßlich des Deckeneinsturzes im Vaiika«.

Der englische Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl hat dem Papst das Beileid des Königs von England wegen des Deckeneinsturzes in der Vatikanbiblioihek übermittelt. Der Papst hat den Geschäftsträger beauf­tragt, dem König von England seinen lebhaften und väterlichen Dank auszusprechen. Dies ist der erste und betonte Austausch von Höflichkeiten zwischen England und dem Vatikan seit vielen Jahrzehnten, seit dem Maltalonflikt, .

Es kommt auf jeden an!

Nein, nicht öde und leer ist die Wüste! Am Tage wirb sie durchjagt von den Fluten des Lichtes, durchtanzt von den .Figurinen* der Faw Morgana und des Nachts ruht über ihr die ganze majestätische Schönheit des südlichen Sternenhimmels, hört das aufmerksame Ohr dasSingen der Wüste". Nein, wüst, aber nicht öde und leer war das Trichterfeld der Großkampfzonen; über ihm tanzte der Tod mitten zwischen den Riesenbäumen der Granateinschläge, zwischen den leuchtenden Strichen der aufschiebenden Raketen. Millionen Deutscher blickten in schneedurchtränkter Winternacht hinaus auf die unendlich weiten, einen Horizont fast nicht kennenden russischen Ebenen, wo kaum ein paar zerschossene Dorftrümmer den Blick an sich zogen und ihn doch gleich wieder hinaus- schweifen ließen ins Weite, ins Eirdlose; wer das ein­mal aufgeschlossenen Herzens sah, wer in diesenRaum an sich" hineinblickte, der hat die Ode, dieWüste", die Trostlosigkeit selbst gesehen; sie stürzte sich aus ihn wie ein reißendes, schicksalhaftes Tier. Sie ergriff ihn und machte sein Herz zum Sklaven dieser Ode, dieser Trost­losigkeit.

Von ähnlichem Gefühl wird man fast überwältigt, wenn man als Deutscher zurückschaut auf die Zeit, die unter der Jahresinschrift1931" sich dem Blick in die Ver­gangenheit barbietet. Tenn die Stunde, in der das Jahr scheidet, lenst ja die Augen zurück auf das, was uns einzelnen, was dem deutschen Volk in diesen nun hinter uns liegenden 365 Tagen auferlegt war oder was wir uns selbst auferlegten. Über eine Ode, eine Wüste, über die Trostlosigkeit selbst schweifen die Blicke der Erinne­rung, denn das ist das Ergebnis der mit einem irr­sinnig rasenden Tempo übervoll erfüllten 365 Tage. Soll man, wie ein ehrlicher Geschäftsmann am Jahresschluß es zu tun hat, wirklich eine Bilanz für 1931 ziehen? Der Blick in diese öde, wüste Trostlosigkeit läßt das traurige, das trauernde Gefühl der Ablehnung hiergegen in uns emporkriechen: Nein, eS lohnt ja nicht! Diesem schick­salhaften Geschehen stehen wir innerlich hilflos und klein gegenüber wie einst im russischenNaum", aus dem ein immer neues, aber immer dunkel und trostlos bleiben­des Schicksal heranzuwogen schien.

Nicht im schnell vorübergehenden Rausch der Jahres­wende, sondern in klarster Wirklichkeit steht die Welt geradezu Kops, das ist, auf eine kurze Formel gebracht, die Bilanz des Jahres 1931! Man hätte jeden ins Narrenhaus gesperrt, der vor Jahresfrist auch nur andeutend, nur zu kleinem Teil etwas von dem zu prophezeien gewagt hätte, was nun wirklich geschah. Man braucht dabei ja nicht bloß an das über Deutschland Hereingebrochene zu denken, daß nach knapp Jahresfrist der erst am 1. April 1930 in Kraft getretene Fjo ung- Plan zu einer derartigen Weltkatastrophe führte, wie wir sie im Sommer erst in ihren Anfängen, dann in immer steigendem Umfange, in immer größerer Tiefe er­lebten und erleben! Wie ein nackter, rücksichtslos ge­führter Weltwirtschaft skrieg ausbrach, in dem alle Völker gegeneinander um ihre Eristenz kämpfen oder zu kämpfen glauben, während die Resolutionen derVer­einigten Staaten Europas" zerrissen als Papierfctzen vom Orkan der Krise, des Kampfes aller gegen alle durch die Luft der letzten Vergangenheit, der Gegenwart und wohl auch der nächsten Zukunft herangewirbelt werden! Wie alles nur schlimmer, immer nur schlimmer kam. . . Und aus demRaum" der Welt, besonders Europas die Ver­zweiflung der Menschen schicksalhaft und trostlos, aber wie eine unhemmbare Welle heranwogt!

Still ist das alte Jahr wie ein mit eklen Wunden bedeckter, verkrüppelter Greis hinweggeschlichen aus der Gegenwart, aber nicht aus unserem Leben! Seuchen ließ es zurück, schwerste Krankheiten sind geblieben. Und die Ärzte stritten sich in B a s e l um Diagnose und Schutzmaß­nahmen gegen die Ansteckungsgefahren, anstatt zu helfen und zu heilen! Soll es noch viel schlimmer werden, sollen die Krankheiten zum Tode führen, ehe die Welt den Mut faßt, sich wieder auf die Füße zu stellen? Was wird die Zukunft bringen, in der jetzt eine neue Stunde beginnt, wenn bei der Jahreswende die Weltenuhr wieder einmal schlägt? Wir wissen es nicht.

Und doch liegt viel an uns selbst, wie sich das Kommende gestalten wird. Einst, in vier schweren Jahren, haben wir auch jenen dunkel drohenden russischen Raum" überwunden. Weil jeder nicht an sich, sondern nur an das Ganze, an unser um sein Dasein ringendes Volk dachte in hartem Zugreifen, den Blick nur auf das Wirkliche gerichtet. Wie ein Traum fast war dann erst die Erringung und Bezwingung dieser Wirklichkeit. Langsam nur, aber doch immer wieder sank in der Geschichte unseres Volkes jegliche Notzeit schließlich hinab in die Vergangenheit und aus einer solchen durch Kamps und Zähigkeit wiedererruygenen Notzeit tönt uns das Wort Fichtes herüber:

Es wird sicherlich nie wieder irgendein Wohlsein an uns kommen, wenn nicht jeder einzelne unter uns in seiner Weise tut und wirtet, als ob lediglich auf ihm das Heil des künftigen Geschlechts beruhe." Dr. Pr.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die ReichSrcgierung besteht darauf, daß in der Tributfrage nunmehr eine endgültige Regelung getroffen wird, während Frankreich nur für einen vorübergehenden Zahlungvausichuv eintritt.

* Im Ruhrgebiet tarn c8 infolge der kommunistischen Streik- hetze zu Krawallen, bei denen die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen mutzte.

* Aus Norwegen werden schwere Winterstürnic gemeldet. Zahlreiche Telephon- und Telegraphenleitungen wurden um« gerissen. J ... .-