Zul-aer /lnzeiger
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r. 4 — 1932
Tageblatt für Rhön an- Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Fulda, Mittwoch, 6. Zanuar
Jahrgang
Die Weltseuche der Tribute
Die Tribuie sind an der Wettkrise schuld.
Frankreichs unrichtiger und unerhörter Standpunkt.
I / Die ganze Tributpolitik muß ihre innere Unmöglichkeit erkennen, wenn nachgewiesen wird, daß die Tributzahlungen tatsächlich an der Weltkrise schuld sind. Daher ist auch bei der Baseler Konferenz ein zweifellos von französischer Seite beeinflußtes Telegramm bemerkenswert, das die Konferenz auf den Grundsatz festlegen wollte, die Weltwirtschaftskrise und die Tribut- zahlungen hätten nichts miteinander zu tun. Daß dieser in seiner Tendenz durchsichtige französische Standpunkt durchaus irrig ist, das beweist der bekannte schwedische Volkswirtschaftler Professor Gustav Cassel in einer Ab- I Handlung über die Frage „Tributzahlungen und Weltwirtschaft". Er führt u. a. folgendes aus:
Zwischen Weltwirtschaftskrise und Tributzahlungen bestehe nicht nur ein psychologischer Zusammenhang, son- : dcrn eine unmittelbar nachweisbare Kausalverbindung.
> Die Tributforderungen hätten die Goldstandards der Welt und den internationalen Handel ins Verderben gestürzt.
Deutschland habe nämlich außer den Tributen die Zinsen der für frühere Tributzahlungen geliehenen zehn Milliarden Auslandsschulden zu zahlen. Hierfür sei ein gewaltiger Ausfuhrüberschuß nötig, den die Gläubigerstaaten jedoch nicht aufnehmen wollten. Die Vereinigten Staaten und Frankreich hätten schließlich soviel Gold an sich gerissen, daß in den übrigen Ländern eine Goldknappheit entstand und alle Preise fielen. Dadurch sei die Summe der Tribute und der übrigen Schnlden noch weiter in die Höhe geschraubt morden.
Frankreich habe, die Baseler Verhandlungen unter dem Leitsatz begonnen, daß Deutschlands Zahlungsfähigkeit im Boung-Plan festgestellt sei und deshalb nicht erörtert werden könne. Schon die geistige Einstellung - eines solchen Leitsatzes sei bezeichnend für die französische Denkweise. Cassel erinnert in diesem Zusammenhang an das französische Verlangen, die Schuld am Weltkriege ein M jur allemal durch eine erzwungene Unterschrift fest» '„stellen.
Abgesehen hiervon begehe Frankrxich den großen Fehler, daß es Deutschlands Zahlungsfähigkeit als eine gegeben eGröße hinstelle, was unrichtig und unerhört fei. Frankreich habe ja selbst anerkennen m üssen, daß Deutschland im Augenblick zahlungsunfähig feil Weiter habe Frankreich allerdings nicht gehen wollen, sondern dann vielmehr behauptet, daß die W e l t w i r t - W aftskrise bald zu Ende gehen müsse. Das ser aber eine durch und durch unmoralische Ansicht.
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^Die Angst vor dem iribuibesreiien Deutschland.
■ Frankreich deckt seine Karten auf.
k Schon von jeher hat die amtlichen französischen / Kreise der Grundsatz beherrscht, ohne jedoch bisher klar ausgesprochen zu sein, daß cs sich bei der Aufrechterhaltung der Tribute weder um die sogenannte Durchführung verbriefter und heiliger Rechte, noch um eine Lcbensnotwcndigkcit des französischen Volkes oder um eine Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten Schäden handelt, sondern einzig und allein' um die Möglichkeit, Deutschland solange wie möglich am Boden zu halten, um einen ernstlichen Konkurrenten für Frank-
, reich auszuschalten.
Wenn Deutschland von den Tributen befreit werde, so erklärt jetzt ausdrücklich der immer gut informierte französische außenpolitische Redakteur Perlinax , im „Echo de Paris", dann werde cs nach Ablauf der ; augenblicklichen Krise auf dem internationalen Markt unumstritten die Übermacht gewinnen. Außerdem werde cs um so schneller au den zweiten Punkt seines Programms, nämlich die Gebiets- und politischen Forderungen, Herangehen, je eher es von der Last der Tribute befreit werde.
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Giillhattung nur für ein Lahr?
Verhandlungen über Verlängerung bis zum 1. März 1933.
Die Stillhalteverhandlungen sind nach der Weihnachtspause planmäßig wcitergcführt worden. Wie verlautet, hat man
die Diskussion eines mehrjährigen Stillhalte- und Amortisationsplanes aufgegeben; der Gegenstand der Verhandlungen ist nunmehr ausschließlich die Vcrlättgcruug der bisherige» Stillhaltung um ein Jahr,
also bis 1. März 19 3 3. Man spricht demgemäß jetzt das alte Stillhalteabkommen paragraphenweise durch, im Hinblick auf die bei dieser Prolongation vorzunehmenden
I Abänderungen. Jin Rahmen dieser Prolongation verlangen die Ausländer die Auszahlung einer K a p i t a l g u o t e.
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Lausanne rüstet sich.
Vorbereitungen der Tributkonserenz.
Die Vorbereitungen für die Abhaltung der Tributkonferenz in Lausanne werden mit größter Beschleunigung betrieben. Die Konferenz soll in dem historischen Schloß Ouchy lagen, in dem im Jahre 1922/23 die Konferenz zwischen der Türkei und den alliierten Mächten
stattfand. Die meisten Konferenzteilnehmer haben bereits in den großen Lausanner Hotels Plätze belegt. Man nimmt an, daß die Konferenz am 20. Januar beginnen wird.
Konferenzbeginn am 25. Zanuar.
Nachdem Bundespräsident Motta bereits dem englischen Gesandten und dem französischen Botschafter in Bern seine Zustimmung zur Abhaltung der Tributkonferenz in Lausanne gegeben hat, hat der Gesamtbundesrat diese Zusage bestätigt.
Die Konferenz wird am 25. Januar in Lausanne beginnen. Bundespräsident Motta wird als Vertreter der schweizerischen Landesregierung und damit des Gastlandes der Eröffnungssitzung beiwohnen.
Noch immer Hochwassergefahr
Steigende und Wende Wasser.
Ein Todesopfer des Harzhochwassers.
Die Hochwassergefahr, die infolge plötzlicher Schnee- schmelze und starker Regenfälle in einem großen Teile Deutschlands cingetreten war, scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Es wird allerdings noch aus verschiedenen Gegenden über ein
Steigen der Wasserfluten berichtet, aber im allgemeinen kann wohl gesagt werden, daß größere Katastrophen verhütet werden dürften.
Auf der Weser sind die Höchstwasserstände erreicht; trotzdem macht sich im Gebiete der mittleren Weser noch ein Steigen der Fluten bemerkbar. Ein Steigen des Wassers wird auch aus dem Muldegebiete bc- riebtet. Mehrere Ortschaften sind zum Teil überflutet.
überflutete Uferstraßen in Görlitz.
In Flöha und Erd'mannsdörf in Sachsen sind
Daminbrüche eingetreten.
Der Harz besonders schwer betroffen.
Nach einer Meldung aus Goslar hat das Hochwasser des G r u m b a ch e s viele Brücken weggeschwemmt. Der Schaden an den Grundstücken ist noch nicht zu übersehen. Der reißende Bach brachte Holz, Tannen mit Wurzeln und Zweigen zu Tal. Ein Mühlenbesitzer ertrank in den Fluten, da die Brücke, auf der er mit mehreren Personen stand, von dem Strom weg- gerissen wurde. Die übrigen Personen konnten sich retten. In Goslar haben die Greiswerke schwer unter dem Hochwasser der Gose zu leiden. Das Mauerwerk der Fabrik mußte mit Sandsäcken geschützt werden. Teilweise sind die Backsteinmauern unterwaschen.
Diesen schlimmen Nachrichten gegenüber stehen günstiger lautende Meldungen aus anderen deutschen Landesteilen. So scheint vor allem
im Nheingebiete teine Hochwassergefahr mehr zu bestehen. Von den obersten Obcrrheinstationen wird bereits wieder ein Fallen des Wassers gemeldet. Die Flutwelle des Hochwassers am Oberrhein und der Flüsse Main, Lahn und Mosel scheint sich zu verlieren, ohne daß für den Mittel- und Niederrhein ernstere Befürchtungen zu hegen sind. Der Hochwassernachrichten- dienst bleibt jedoch für alle Fälle noch in Tätigkeit.
Hochwassergefahr auch in Österreich.
" Im Gebirge ist starke Schneeschmelze cingetreten. Aus Dem Salzla in mcrgut und anderen Bezirken werden heftige Rcgcnfälle gemeldet. Donau und Enns sind bereits aus ihren Ufern getreten.
, Besonders ernst ist die Lage in der Stadt Steyr, die schon durch die Wirtschaftskrise besonders schwer betroffen worden ist. Die unteren Vorstädte von Steyr sind überschwemmt. Die Häuserblocks an den Ufern der Enns und der Steyr mußten geräumt werden. Oberhalb von Steyr ist ein Holzstapel von tausend Kubikmetern von den Fluten in Bewegung gesetzt worden. Die Stämme treiben den Fluß hinunter und bringen die 27 Brücken der Stadt in höchste Gefahr.
Deutschland soll zahlen.
Das Pariser Strafgericht hatte sich mit einem Prozeß zu beschäftigen, der wieder einmal deutlich beweist, wie man bei der Aufstellung der während des Weltkrieges. erlittenen Schäden verfahren ist. Der Angeklagte, ein In- dustrieller aus Reims, hatte es fertiggebrachi, nicht weniger als 5 0 M i l l i 0 n e n F r a n c m e y r Kriegsschäden zu erklären und auch einzukassieren, als er in Wirklichkeit erlitten hatte. Tas Gericht verurteilte ihn zur Rückerstattung der Mehreinnahme, zu drei Jahren Gc- sängnis und zu 500 Franc Geldstrafe.
Appell Hoovers an 0en Kongreß.'
Präsident Hoover hat heut Kongreß eine Sonderbot- schaft übermittelt, in der er die schleunigste Erledigung der Wirtschaftsvorlagen fordert. Hoover hebt hervor, daß die allgemeine Wirtschaftslage zurzeit schlimmer sei als noch vor wenigen Wochen, wo er die Gründung der Wiederaufbaugefellschaft empfahl. - Er ist der Ansicht, daß Amerika sich unabhängig von der übrigen Welt wirtschaftlich wieder erholen könne.
Obersteiermarl unter Wasser.
Nach Berichten aus Obersteiermarl sind die Gebirgs- Väche des Hochschwabgebiercs aus den Ufern getreten und führen Geröll, Baumstämme und ganze Hütten mit sich ^u Tal. Wiesen, Acker und Straßen sind durch die Fluten bedroht. Mehrere Ortschaften stehen unter Wasser.
Ins GruSemM bei Stall«.
Keine Hoffnung mehr auf Heilung.
Aus der Unfallstelle der Karsten-Zentrums-Grube gehen die Vergungsversuche bei aller Aufopferung von Rettungsmannschaften und Führern nur außerordentlich langsam vorwärts. Ta das Gebirge immer noch in Bewegung ist, muß mit größter Vorsicht gearbeitet werden.
Daß die eingeschlossenen 14 Bergleute sämtlich den Tod gefunden haben, steht nach sachverständiger Ansicht nunmehr außer Zweifel. Es wird sich nur noch darum handeln, die Leichen der Verunglückten zu Bergen. Amtlich wird auch fcstgestellt, daß die Strecken, in denen die Verschütteten arbeiteten, vollkommen verbrochen sind. Es steht fest, daß k e i n e r der 14 Bergleute mehr am Leben ist.
Tie Karsten-Zèntrnms-Grnbe liegt ziemlich weit außer- yalb der Stadt Beuthen in dem früher selbständigen Vor- ort Kars. Die eingestürzte Strecke befindet sich abseits des Grubenzentrums; aus ihr arbeiteten glücklicherweise nur verhältnismäßig wenig Leute. Die Stelle, an der die 14 Bergleute verschüttet worden sind, ist genau bekannt. Trotzt dem blieben alle Versuche, dorthin vorzudringen, erfolglos. Ungeheure Gesteinsmassen erschwerten den Rettungs- kolonnen den Weg. Dazu kommt, daß die Beraungs- Mannschaften selbst in ständiger Gefahr waren, von nach- stürzendem ' Gestein verschüttet zu werden. Vor dem Grubentor hatten sich zahlreiche Personen cingcfunden, vor allem die Angehörigen der Vermißten, die immer noch auf Rettung der 14 Diann hoffen.
Die Unglücksgrubc bei Beuthen.
Schweres Lawinenunglück. — Vier Tote.
Wien. Wie aus Bregenz (Vorarlberg) berichtet wird, wurden am Hochalppaß bei Hochkrumbach vier Reichsdemsche von einer Lawine erfaßt und getötet. Die Leichen konnten sämtlich geborgen werden. Die Verunglückten sind Franz Schmidt aus Nürnberg, Richard W i 1 t c g, Peter Knauer und Fräulein R e d c l e r aus Stuttgart.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Die Stillhallekonscrrnz in Berlin verhandel, seht nur noch um die Verlängerung des Moratoriums um zwölf Li-Onatc.
* In Berlin begannen LustsahrlSvcrhandlnngcn zwischen Deutzchland und Frankreill).
* Die Hochwassergefahr in Deutschland ist noch nicht her* über. Im Harz forderte daS Hochwasser ein Todesopfer.