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Nr. 9 — 1932 _________________ Fulda, Dienstag, 12. Januar________ 9. Jahrgang
Hitler und Hugenberg sind einig!
Brünings Vorschlag zur Reichspräsidentenwahl abgelehnt.
Hindenburg wird durch den Reichstag nicht wiedergewählt. Die Frage der verfassungsmäßigen Wiederwahl durch das ganze deutsche Volk steht offen. — Der Wortlaut des Briefes Hugenbergs an Brüning.
Verfassungsrechtliche Bedenken.
Die Unterredung zwischen Dr. Hugenberg und Hitler über den Vorschlag des Reichskanzlers Dr. Brüning, eine Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten durch den Reichstag vornehmen zu lassen, führte zu der gemeinsamen Überzeugung, daß diese Maßnahme aus verfassungsrechtlichen Bedenken abzulehnen sei. Es wurde daher beschlossen, eine entsprechende Erklärung dem Reichskanzler zu übermitteln.
Der Vorschlag, Hindenburg durch den Reichstag neu wählen zu lassen, ist damit gescheitert. Im Vordergründe der politischen Besprechungen steht nunmehr die Frage, ob es möglich wäre, seine Wiederwahl durch das Volk vornehmen zu lassen.
Von deutschnationaler Seite verlautet hierzu, daß über die rechtmäßige Präsidentenwahl noch nicht gesprochen worden sei. Die Stellungnahme in dieser Frage wird von der weiteren politischen Entwicklung abhängen.
Die Beratung der Sozialdemokraten.
Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beschäftigte sich, wie cs in dem Bericht der Fraktion heißt, mit der Anregung des Reichskanzlers, die Amtsdauer des Reichspräsidenten Hindenburg durch einen verfassungsmäßigen Beschluß des Reichstages verlängern zu lassen.
Der Vorstand erörterte außerdem die außenpolitische Lage im Zusammenhang mit den bevorstehenden internationalen Verhandlungen in Lausanne. Beschlüsse I wurden nicht ge saßt. Über den Zeitpunkt der Ein- " Berufung der Gesamtfraktion wird in der nächsten Vorstandssitzung entschieden werden.
Die Antwort der Rechten.
Der Brief Hugenbergs an den Reichskanzler.
Berlin, 12. Jan. (Eigene Funkmeldung.)
Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Ee- heimrat Dr. Hugenberg, hat dem Reichskanzler folgendes Schreiben übermittelt:
Sehr geehrter Herr Reichskanzler!
Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutschnationale Volkspartei zu Ihrem Vorschläge der parlamentarischen Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten, Eeneralfeldmarschall von Hindenburg, stelle. Sie, Herr Reichskanzler, konnten diese Frage nicht ausgerollt haben, wenn Sie dabei nicht des E i n v e r - ständnisses des Zentrums und der S.P.D. sicher gewesen wären. Es sind dies die Parteien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsidenten auf das schärfste bekämpft haben. Mit dem Rückhalt dieser Parteien treten Sie jetzt an uns heran, die wir einst seine Wahl angeregt und durchgesetzt haben. Sie begründen Ihr Vorgehen mit der außenpolitischen Notwendigkeit einer Stärkung der „Stabilität" der deutschen Regierungsgewalt. Gleichzeitig schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfindlich durch die zähe Aufrechterhaltung einer Regierung im Reiche und in Preußen, hinter der keine Mehrheit des Volkes steht. Sie begründen die Notwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wirkung einer einheitlichen Vertrauenskundgebung für den Herrn Reichspräsidenten. Demgegenüber sind wir der Auffassung, daß die außenpolitische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktritt der jetzigen Regierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Willen des deutschen Volkes dem Auslande gegenüber glaubhaften Ausdruck zu geben.
Sie, Herr Reichskanzler, erstreben die Wiederwahl auf dem Wege der Beschlußfassung des Parlaments. Nach der Verfassung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Volke aus. Dieses Recht auf dem Reichstag zu übertragen, liegt umsoweniger Anlaß vor, als der R e i ch s t a g der wahren V 0 l k s in e i - n u n g nicht mehr entspricht.
Als die alten Anhänger des uns nach wie vor ver- ehrungswürdigen Eeneralfeldmarschalls glauben wir, zu der Bemerkung berechtigt zu sein, daß die Art seiner Hineinziehung in parteimäßige und parlamentarische Erörterungen der verfassungsrechtlichen Stellung und dem hohen Ansehen nicht gerecht wird, das der Herr Reichspräsident im deutschen Volke genießt. Diese Tat
sache wird durch die öffentliche Behandlung der Angelegenheit bedauerlich verstärkt. Der parlamentarische Wahlakt würde als eine Vertrauenskundgebung weniger für den Herrn Reichspräsidenten als für die von uns bekämpfte Politik und insbesondere Außenpolitik der jetzigen Reichsregierung wirken. Unter diesen Umständen muß ich Ihnen nunmehr endgültig mitteilen, daß eine Billigung oder Unter stützung Ihres Vorhabens für uns nicht in Frage kommen kann.
Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener
gez. (Unterschrift).
Berliner Morgenblätter zu den Erklärungen Hitlers und Hugenbergs.
Berlin, 12. Jan. (Eigene Funkmeldung.)
Obwohl der Wortlaut der Antwortschreiben Hitlers und Hugenbergs an den Kanzler, in denen die parlamen
Lebendig begraben.
Sechs Tage verhüttet im Schacht.
Die wunderbare Rettung der sieben Beuth euer Bergleute.
Sechs Tage und sechs Nächte lang waren die jetzt geretteten sieben Bergleute im Karstenschacht bei Beuchen unter Gesteinsmassen verschüttet, sechs Tage und sechs Nächte lang schwebten ihre Angehörigen, die täglich stundenlang die Eingänge des Schachtes in banger Sorge umstanden, zwischen Furcht und Hoffnung und gaben die Hoffnung auch dann nicht auf, als die amtlichen Stellen immer wieder verkündeten, daß an eine Rettung der Verschütteten wohl kaum zu denken sei, sechs Tage und sechs Nächte lang zählten die lebendig begrabenes „Kumpel" unter Hunger- und Durstgualcu Stunde um Stunde, um sich immer wieder zu fragen: „Wie lange noch? Wie lange noch? Werden die Retter uns noch lebend vorfinden, wenn sie bis zu uns vorgcdrungcii sein werden? Werden wir jemals noch im Lichte atmen dürfen?" Und dann geschah das Wunderbare: die braven Rettungsmannschaften, die sechs Tage und sechs Nächte lang mit Aufbietung aller, mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte arbeiteten, fanden an der Stelle, an der durch einen Gebirgsschlag, durch eine verhängnisvolle Erdbewegung
vierzehn Häuer und Förderleute mitten aus ihrer Arbeit hcrausgerisscn und unter Stein- massen und Geröll begraben worden waren, noch sieben Kameraden lebend und, bis auf zwei, die Verletzungen erlitten hatten, unversehrt vor. Und wenn auch die Sorge, die Trauer um das Schicksal der sieben anderen, die noch unter der Erde liegen, bestehen bleibt, so ist doch die Freude über die Rettung der Sieben im ganzen Beuthener Bergbaubezirk und weit darüber hinaus im ganzen deutschen Vatcrlandc groß und aufrichtig.
Sechs Tage und" sechs Rächte lang lebendig unter einem Wall, unter einer schweren Schicht von Steinen, die kaum so viel Raum ließ, daß die Verschütteten ein wenig Luft schöpfen konnten — man muß sich das im Geiste vor- stcllen, um zu erkennen, was hier an Großem geschehen ist. Bei dem großen Bergwerksunglück in Courrières haben seinerzeit auf gleiche Weise von der Autzcnwclt abgesperrt Bergleute
neunzehn Tage lang durchgehalten.
Aber wunderbare Rettungen solcher Art gehören wirklich nicht zu den alltäglichen Vorgängen, und wenn die Verschütteten des Karftenschachlcs sich auch, wie sie selbst berichten, das „Wunder von Courrières" immer wieder ins Gedächtnis riefen, um sich gegenseitig Trost und Hoffnung zuzusprechcn, so gab es doch Stunden, viele Stunden, in denen sie der Verzweiflung anheimficlen, in denen einige von ihnen sich mit Selbstmordgedanken trugen, um den Qualen ein Ende zu machen, da sic auf keine Erlösung, auf keine Rettung mehr rechneten. Aber dann gab es immer wieder einen, der den anderen Mut cinzuflößen, der sie vor Verzweiflungstaten zu bewahren suchte. Dieser eine war in allen Fällen
der Rohrleger Slama aus Bcuthen, der sechs Tage und sechs Nächte lang den sinkenden Mut der anderen aufrichtete und ihnen „Haltet aus, Kameraden!" zuries. Und das Ausharren wurde belohnt. Draußen „über Tag" arbeiteten mit zäher Ausdauer die Rettungsmannschaften, für deren Heldentaten kein Wort des Lobes zuviel ist, und mehr als einmal mußten sie ihr Werk, das sie schon der Vollendung nahe glaubten, in wahrem Sinne des Wortes „zusammenbrechen" sehen, da das Nachbrechen von Gestein die ganze lange.Arbeit zunichte zu machen schien. Aber dann hörten die ein» geschlossenen Bergleute die ersten Spitzhackenschläge der Retter, dann kamen als Antwort die ersten Klopfzeichen der „Begrabenen", dang ertönten die. ersten verständlichen
tarische Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten abgelehnt wird heute früh noch nicht bekannt war, nehmen einige Berliner Morgenblätter schon zu dem ablehnenden Beschluß Stellung. — Die „Germania" schreibt u. a.: Auch die Volkswahl wird, wenn sie unter der einheitlichen Parole Hindenburg" erfolgt, dem deutschen Volk Gelegenheit bieten, vor aller Welt zu manifestieren, daß es gerade in dieser Frage nur einen deutschen Willen gibt. — Das „Berliner Tagblatt" sieht in der Ablehnung einen Affront gegen den Reichspräsidenten, wie er kaum schwerer denkbar sei. — Der „Vorwärts" teilt mit, daß die Sozialdemokratie jetzt eine übereilte Festlegung in der Kandidatenfrage vermeiden müsse. — Die „D e u t s ch e A l l g e - meine Zeitung" will wissey, daß die Antworten nicht an den Kanzler, sondern an den Reichspräsidenten gerichtet seien. Sie bezeichnet es als „die höchste Zeit, daß die Frage der Präsidentenwahl vor weiteren abgeschmackten parteipolitischen Auseinandersetzungen bewahrt werde". — Die „B ö r s e n z e i t u n g" spricht von einem schweren politischen Mißerfolg Brünings.
Zurufe,' dann Totenstille, und dann ein einziger Freudenschrei:
„Durst! Durst!"
Durch den engen Stoßen wurden die Geretteten vorsichtig nach dem nicht eingestürzten Teile der Hauptstrecke gezogen und unter Tage noch mit etwas Nahrung versorgt Und einer von ihnen war schon kurz darauf so munter, daß er mit Aufbietung aller Energie „Zigarette!" rief, und ein anderer stellte vor aller Welt fest, daß er gerade an diesem Tage seinen 25. Geburtstag feiere. Ja, gibt es denn noch größere Wunder? Verletzt ist nur der Beuthener Fördermann Wilhelm Marek, der einen Oberschenkelbruch davongetragen hat und noch unter der Erde von den Kameraden notdürftig „geschient" worden ist. Ein anderer, der Häuer Klukowski aus Königshütte, ist mit ein paar Fleischwunden ans Licht gekommen; aber gefährlich scheint das alles nickt zu sein, und dkc sieben Geretteten werden, wie die Ärzte verrieten, alle wieder gesund werden. Gelitten haben sie in dem Hohlraum, in dem sie sich befanden, weniger unter Hunger als unter dem
Mangel an Trinkwasser.
Sie halfen sich schließlich dadurch, daß sie sich an den Wassertropfen, die sich infolge des Temperaturunterschiedes an der Kaltluftleitung bildeten, erfrischten.
*
Ein Telegramm des Reichspräsidenten.
Die Schlesische Bergwerks- und Hüttcn-A.-G. hat dem Reichspräsidenten telegraphisch über die Rettung der sieben Verunglückten berichtet. Der Reichspräsident hat hierauf mit folgendem Telegramm geantwortet: „Ich habe mit großer Freude aus Ihrem telegraphischem Be- rickt die Rettung von sieben der auf der Karstcn- Zcntrums-Grubc verschütteten Bergleute vernommen und spreche der tapferen Rettungsmannschaft Dank und Anerkennung für diese Tat aus. Gott gebe, daß es gelinge, auch die übrigen Verunglückten lebend zu bergen."
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200 Mark für jeden der Geretteten der Karsten- Zentrum-Grube.
Das preußische Handelsministerium teilt mit: Hoch erfreut durch den glücklichen und überraschenden Erfolg der Rettungsarveiten aus der Karsten-Zenirum-Grube in Oberschlesien hat der preußische Handelsmtnister Dr. Schreiber den Berghauptmann in Breslau beauftragt, persönlich im Namen der preußischen Staalsregteriing den Geretteten die herzlichsten Glückwünsche anSzusprechcn und jedem als Beihilfe für die völlige Wiederherstellung der Gesundheit ein Geldgeschenk von 200 Mark zu überbringen. Er Hai ferner den Berghauptmann beauftragt, nach Abschluß der Rctlungsarbeiten baldmöglichst Vorschläge für eine würdige Auszeichnung der tapferen Rettungsmannschaften zu machen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichspräsident von Hindenburg sprach der Rettungsmaml- schaft des Karsten-SchachicS seinen Dank und seine Anerkennung aus.
* Der 1«>0-Millioncn Dollar-Kredit der ReichSbank bei der Baseler Tribuibank wurde verlängert.
* DaS Abkommen zwischen den Spitzcnverbäiidcn der Krcdiliiistitule über die ZinSsenkung wurde veröffentlicht.
• Hitler und Hugenberg haben sich dahin geeignigt, der parlamentarischen Wiederwahl Hindenburgs nicht zuzujtimmcn.
♦ Der Brief Hugenbergs an den Kanzler ist heute vormittag veröffentlicht worden.