Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer /lnzeiger

Erscheint jeden Mrktag.Bezugspreis: monatlich 2.00 RM. Bei Lieferungsbehmöerungen öurch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zrieürich Chrenklau, $ulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg- Zulöa- unö Haunetal »Zulöaer Kreisblatt ReSaktlsn und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-^nschluß Nr. 19W Nachdruck der mit versehenen Artikel nur mit chuellenangabe »ZulSaerfinget ger'geflattet

Nnzelgenpreks: Für BehSrüen, Genossenfchax ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.Z0Mk für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. ».alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag. und Platzvorschriften unverbindlich.

Nr. 14 1932

Fulda, Montag, 18. Januar

9. Jahrgang

Vorpostengefechte.

Amögliche KompromißgerSchte.

In Berliner politischen Kreisen werden die sich ver­stärkenden Gerüchte, daß Frankreich und England nunmehr gemeinsam auf eine Verschiebung der Lausanner Tributkonferenz hinarbeilen, um dadurch Zeit für Kompromißlösungen zu gewinnen, mit Befremden ver­folgt. Der Eindruck verstärkt sich, daß trotz grundsätzlicher Anerkennung der deutschen Tributunfähigkeit auch von englischer Seite doch immer angedeutei wird, daß die Tributunfähigkeit Deutschlands lediglich einA u s - gangspunkt" sei, wobei systematisch behauptet wird, daß nach einem gänzlichen Aufhören der Tributzahlungen Deutschland angeblich viel geringere innere Schulden haben würde als andere Länder. Die gleichen Behaup­tungen werden besonders gegenüber der Deutschen Reichsbahn aufgestellt.

Demgegenüber hält man hier an der sachlich be­gründeten Erklärung des Reichskanzlers kurz vor Weih­nachten und gleich nach Erscheinen des Baseler Gutachtens fest, wonach' irgendwelche Kompromißlösungen der Krise weder gerecht werden noch imstande wären, die Krise zu ? lösen.

Im einzelnen scheint man in England im Interesse eines Entgegenkommens gegenüber dem französischen Standpunkt geflissentlich zu übersehen, daß Deutschland durch eine Inflation gegangen ist und von verfüg­baren größeren Vermögen im Gegensatz zu anderen Staaten nicht mehr gesprochen werden kann, daß aber auch die Reichsbahn mit ganz ungewöhnlichen Schwierig­keiten zu rechnen hat, ohne daß Aussicht auf eine durch­greifende Wiederbelebung der allgemeinen Wirtschafts­konjunktur bestünde.

Auf Grund so klarer Tatsachen, die jedem politisch Unvoreingenommenen eigentlich klar sein müßten, kann von irgendwelchen Kompromißlösungen welcher Art auch immer, nicht mehr die Rede sein, und cs wäre unver­antwortlich, wollte man die Welt über das Schicksal bei » deutschen Tribute und der damit verbundenen allgemeinen Unsicherheit noch länger im unklaren lassen.

*

Vertagung im Schien Augenblick?

Nur Vorbesprechungen in Lausanne.

In den Kreisen des Finanzausschusses in Genf, dem maßgebende Persönlichkeiten der internationalen Finanz angehören, _ wird übereinstimmend die Auffassung ge­äußert, daß eine Vertagung der Lausanner Tributkonferenz an Wahrscheinlichkeit gewonnen hat. In englischen und französischen Re- gierungskrcisen soll gegenwärtig die Absicht bestehen, die Tributkonferenz bis nach den französischen und preußischen Parlamentswahlen zu verschieben.

Man erwartet daher, daß die englische und die fran­zösische Regierung bereits in den allernächsten Tagen mit einem Vorschlag auf Verschiebung der Tributkonsereuz um einige Monate hervortreten wird. Sollte die Lausanner Konferenz dennoch zu dem vorgesehenen Zeitpunkt zu- sammentreten, so wird hier mit einem kurzen und rein formellen Verlauf gerechnet, ohne daß die von deutscher Seite geforderte endgültige Regelung der Tributfrage erfolge.

*

Verschärfung der Gegensätze.

Papierfetzen."

Eine große Verschärfung der Gegensätze in der Tributfrage dürfte ein aufsehenerregender Artikel zur Folge haben, den der Führer der Opposition in Frankreich, Herriot, imPetit Parisien" und einem amerikanischen Zcitungskonzcru veröffentlicht.

Der Artikel trägt die ÜberschriftP a p i e r f c tz e n". Herriot schreibt u. a.: Wir waren wirklich überrascht, als wir die Mitteilung erfuhren, die der Reichskanzler dem englischen Botschafter in Berlin machte, um ihm das Ende der Reparationen anzukündigen. Werden wir wieder zum alten Regime der Papi ersetzen zurüükehren? Für Deutschland ist es also ein Tribut, wenn es die Folgen der Zerstörungen bezahlen soll, die es angehänft hat, der Brandstiftungen, die cs anlegte und der Leiden, die es anfzwang. Nachdem Herriot dann ans­führt, daß Deutschland nur v o r ü b ergehend nicht zahlen könne, heißt es weiter: Frankreich ist eine alte mün­dige Nation, die niemals Gewalt geduldet hat, ohne da­gegen zn protestieren.

*

DerAusgangspunkt vsu Lausanne.

Deutschlands Zahlungsunfähigkeit.

Die vorbereitenden diplomatischen Verhandlungen für die Lausanner Konferenz, die jetzt besonders zwischen England und Frankreich geführt werden, gehen dahin, noch vor Beginn der.Zusammenkunft eine wenig­stens thesenmäßige Einigung der Konferenzteilnehmer zu finden, ein bereits möglichst abgegrenztes T h c m a , über das man dann in Lausanne schnell zu einem Entschluß kommen kann. Vorläufig klafft allerdings noch zwischen den englischen und den französischen Anschauungen eine erhebliche Differenz. Während Frankreich anscheinend darauf bestehen will, daß für Deutschland ein neues

Moratorium im Rahmen des Young- Plans beschlossen wird, geht der Wunsch Englands auf ein zunächst kurzfristiges Moratorium mit der Perpflich- tung, nach seinem Ablauf zu einer Endlösung der Tributfrage zu kommen. Die Meinung englischer poli­tischer leitender Kreise gibt erneut eine führende Londoner Zeitung wieder, die erklärt, man könne sich kaum oor- stellen, daß die verderblichen politischen Zahlungen, aus­genommen in kleinem Umfange, wieder beginnen dürften, nachdem sie einmal durch die großherzige Geste Hoovers eingestellt worden seien. Es verlohne sich viel Zeit und Geduld zu verwenden, nm eine Dauerlösung herbei- zuführen, die von allen angenommen werden könne. Sollte sich jedoch herausstellen, daß eine Einigung im Augenblick nicht erreicht werden kann, so werde es das beste sein, eine kurze Verlängerung des Hoover-Morato- r i u m s herbeizuführen, die verbunden sein muß mit dem festen Versprechen aller Beteiligten, daß sie sich im Laufe dieses Jahres erneut treffen, um eine E n d l ö s u n g zu erreichen.'

Die unbestrittene Tatsache, daß Deutschland nach ' Ablauf des Hoover-Moratoriums keine Tribute zahlen könne, müsse der Ausgangspunkt der Lausanner Konferenz sein. Dies habe auch Frankreich anerkannt und man müsse hoffen, daß Frankreich es für ratsam halte, hinsichtlich der mit dem Datum des 1. Juli in Zusammenhang stehen­den Fragen als auch hinsichtlich der größeren Fragen über die Wiederaufnahme der Zahlungen nach Beendigung der Krise zu einer Einigung zu kommen.

Der Falschmünzer auf dem Wochenmarkt.

Aechtswissenschasiler als Falschmünzer.

Fabrik falscher Zweimarkstücke.

Der Falschgeldzentrale in der Berliner Kriminal­polizei Kriminalkommissar von Liebermann - Dr. Schulze ist ein sensationeller Fang geglückt. Der be­kannte Rechtswissenschaftler Dr. Cornell S a l a b a n , der sich als Autor mehrerer juristischer Bücher, vor allem aber als Herausgeber des Handbuches für internationales Recht in wissenschaftlichen Kreisen einen Namen gemacht hat und dessen Ehefrau geb. H e u g e r konnten als Falsch- gcldmünzer entlarvt und festgenommen werden.

Salaban hat bereits seit dem Jahre 1929 falsche Zwei­markstücke hergestellt und zusammen mit seiner Frau auf den Berliner Wochenmärkten umgesetzt.

Insgesamt sind von den beiden bisher 30 000 dieser raffiniert hergestcllten Falschgeldstücke in Verkehr gebracht bzw. Falsifikate angchalten werden.

Salaban, der 45 Jahre alt ist, bewohnte in Lichter- felder in der Potsdamer Straße 61 eine luxuriös ein­gerichtete zweistöckige Villa, wo er nachts in einem ver- borgenen Kellerraum mit einer Prägemaschine die Falsch­stücke herstellte. Er hat bereits ein Geständnis ab­gelegt.

Leben und Taten des Dr. Salaban.

Die Münzwerkstätte im Keller.

Ist der Name echt? Ist der Doktor echt? Das weiß man bis zur Stunde noch nicht. Aber daß die Zwei­markstücke, die das in Berlin verhaftete Ehepaar Salaban auf den Wochenmärlten in Berlin W. an den Mann oder vielmehr an die Marktfrauen gebracht hat, nicht echt waren, das weiß man ganz sicher. Der Dokto, meint, cs seien im ganzen so an 4000 Stück gewesen, die polizeiliche Schätzung ist aber bereits

bei 32 000 Stück angelangt, und kein Mensch weiß, ob damit schon all! Salabanschen Falschstüüeerfaßt" sind. Harmlos und ärmlich gekleidet erschien das Ehepaar auf den Märkten, um billiges Gemüse, ein paar Apfelsinen, ein paai Zitronen und ähnliches einzukaufen, und durchweg zahlt« es mit Zweimarkstücken eigener Prägung, um sich gutcâ Rcichsgcld herausgebcu zu lassen. Was die Leute mit dem vielen Gemüse angefangen und mit welchen Geldsorten fit ihre, wie cs heißt, im übrigen ganz großartige Lebens­führung betrieben haben, das ist zurzeit noch ganz rätsel­haft, wie dieser Dr. Salaban überhaupt eine Art Preis­rätsel ist. Zweimarkstücke werden im allgemeinen zu den bescheideneren Fälschcrproduktcu gezählt, aber man Hai bereits ausgerechnet, daß der Doktor an jedem Stück mindestens 1,50 Reichsmark verdient habe, und davon läßt sich bei 32 000 Stück schon ganz achtbar leben.

In B e r l i n - L i ch t e r f c l d c wohnte das Ehcpaai Salaban mit einer Tochter, die eine höhere Schule besucht, in einer gemieteten Villa, die einem jetzt in der Nähe von Chemnitz wohnenden Trikotagenfabrikantcn namens Denk gehört. Als Salaban seinerzeit die Villa mietete machte èr auf Denk einen vorzüglichen Eindruck, da er fick nicht nur sehr gewählt ausdrückte, sondern auch sehr vor- nehm auftrat und ungewöhnliche Kenntnisse zu haben schien. Um so schlechter wirkte die Ehefrau Salaban, di« ein bißchen gewöhnlich" sprach. Im Hause befand sich damals noch eine etwa 20 Jahre alte, sehr.musikalisch«

England verstehe völlig die Gründe, die gegen eine Aufgabe der Rechte aus dem Young-Plan sprechen. Es sei sich auch darüber klar, daß Deutschland im Falle einer völligen Schuldenstreichung viel geringere innere Schulden haben würde als seine industriellen Gegner. Weiter wird behauptet, es fei Tatsache, daß sich Frankreich und D e u t s ch ' a n d schon damit abgefunden hätten, daß auf der Lausanner Konferenz nur vorläufige Maßnahmen ge­troffen werden würden.

Mussolini spricht.

Nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Abrüstung muß kommen."

In einem imSunday Dispatch" erscheinenden Artikel beschäftigt sich Mussolini mit der Wirtschaftskrise und den Möglichkeiten zu ihrer Behebung. Frankreich und Amerika seien im Besitz von 75 Prozent des Goldes. Wie könne man erwarten, so sagt Mussolini, daß die Staaten ihre Schulden bezahlen, wenn sie die Zahlungen nur in Gold leisten dürfen, das sie nicht besitzen. Deutschland habe bereits mehr geliehen, als es Tribute be­zahlt habe. Die Gläubigerstaaten könnten nunmehr abwarten, welches Schicksal ihren Hoffnungen auf Rück­zahlung zuteil werde. In Kürze werde der w i r t s ch a f t - liche Kriegszustand in der ganzen Welt verbreitet sein. Daher müsse man der Forderung nach militärischer Abrüstung diejenige nach wirtschaftlicher Abrüstung in dem Sinne, daß aller Handel wieder frei über die Grenzen fließen könne, hinzufügen. Eine wirkliche Lösung der Wirtschaftskrise sei nicht möglich, solange Frankreich und Amerika das Goldmonopol hätten. Alle Zollmauern müßten heruntergesetzt werden.

Dame. War das die Tochter? Oder ist die Tochter auch unecht? Denk sah sich bei einem späteren Besuch seine ver­mietete Villa noch einmal von oben bis unten an und fand, daß sie von Salaban außerordentlich gut, ja gerade­zu musterhaft gehalten war. Abervon oben bis unten* ist eigentlich falsch, dennunten" wollte Salaban nicht zeigen,unten" befand sich nämlich der Keller, und in diesem Keller befand sich

die Münzfälschungswcrkstatt mit der kunstvollen Zweimarkprägemaschine, die außer­ordentlich gut arbeitet.

Wer ist Dr. Salaban?

Dr. Salaban, der Falschmünzer, wurde in den ersten Angaben über seine Taten alsRechtsgelehrter großen Stils" bezeichnet. Die Wiener aber, unter denen er früher gelebt hat, wissen nicht viel von seiner großen Gelehrtheit. Man weiß auch gar nicht, ob er überhaupt Rechtswissenschaft studiert hat. Rechtsanwalt ist er nie gewesen. Den Ruf eines großen Rcchtsgelehrtcn erwarb er sich durch das sogenannteEuropabuch der Rechts­anwälte und Notare", das er zu einem Handbuch beS internationalen Rechts umzubauen suchte. Richtig ist, daß er für fein Buch hervorragende juristische Mitarbeiter zu gewinnen wußte, seine Verdienste um die Juristerei bestanden aber nur in geldlichen Verdiensten, denn es kam ihm vor allem um dasVerdienen" an. Allzuviel kaun er aber auch mit seinen schriftstellerischen Werken nicht verdient haben, und so mag ihm wohl der Gedanke gekommen sein, sich auf andere Weise, d. h. durch Münz­fälschung, Geld zu verschaffen. Er hat, wie es heißt, schon einmal

den Offcnbarungscid leisten sollen: ob er ihn geleistet hat, weiß man nicht. Wohl aber weiß man, daß er damals sich darauf berufen hat, daß er im Sinne des Paragraphen 51 unzurech­nungsfähig sei!

Preußenwahlen 8. Mai.

Gleichzeitig Württemberg und Anhalt.

Die Neuwahlen jum Preußischen Landtag werden voraussichtlich am 8. Mai durchgcführt werden. Am gleichen Tage werden auch die Landtagswahlen in Württemberg und in Anhalt stattfindcn.

Keine Währungsexpcrimente!

Gegenüber den neuerdings wieder auftauchcndcn Ge­rüchten über eine Devalvation, Denomination oder ähn­liche Eingriffe in die Reichsmarkivähruug erfahren wir von RcichSrcgicrung und Reichsbank, daß diese Ge­rüchte völlig aus der Lust gegriffen sind und daß nach wie vor alle hrungscxpcri mente auf das strikteste a b g e l c h n t werden.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Von der Notwendigkeit einer Verschiebung der Tribut- konferenz scheint die französische Regierung die cngli,che über- zeugt zu haben.

* Unter großem Massenandrang des Publikums sand m Bdrlin-Moabit der VclcidigungSprozrß des Hauptmannâ a. D. Stenncs gegen den Führer der Natioiialsozialipen, Adolf Hitler, statt.

* Bei einem Großfeuer in einem Hamburger Ttcrlager brach eine Anzahl Schlange« aus, die die Feurrwchrleutr in ihren Löfcharbeitcn stark bshiupetteu-