M-aer Mzeiger
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$r. 15 — 1932__________ Fulda, Dienstag, 19. Januar
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Jahrgang
Wieder mal Verschiebung.
Findet die Lausanner Konferenz überhaupt statt? — Keine Endregelung, sondern bestenfalls Verlängerung des Hoover-Moratoriums.
Frankreich möchte die TnbuikoNferenz
11 verschieHen.
Dis französische Regierung hat in Berlin offiziell noch nicht milteileu lassen, daß sie den 2 5. Januar als Termin für den Beginn der Lausanner Konferenz an» nimmt. In Berliner unterrichteten Kreisen ist man der Auffassung, daß Laval zunächst das Ende der Kammer- aussprache bzw. das Abstimmungsergebnis abwarten will, »bevor er sich endgültig äußert. Deutscherseits wird der 25. Januar nach wie vor als ein Zeitpunkt bezeichnet, ' der von allen Beteiligten innegehalten werden könne. Nach einer Pariser Rachricht soll Ministerpräsident Laval allerdings beabsichtigen, in seiner Erklärung vor der Bi Kammer am Dienstag die Frage aufzuwerfen, ob die M Lausanner Konferenz verschoben werden soll.
Forderungen zur Tributpolitik.
D Ter Fraktionssitzung des Christ lichsozialen I Voltsdienstes, die im Reichstag stattsand, wohnte auch ReichSverkehrsminister Treviranus bei. In der außenpolitischen Aussprache wurde von der Reichs- regierung unbedingtes F e st h a l t e n an der bisherigen x Tributpolitik verlangt. Das deutsche Volk erwarte, daß die Regierung allen Wünschen aus Vertagung der Konferenz von Lausanne und allen französischen Bestrebungen, sich dieser Konferenz überhaupt zu entziehen, entschiedensten Widerstand entgegensetze.
! *
Eine französische halbamtliche Erklärung.
Paris, 19. Januar. (Eigene Funkmeldung.)
In einer Havas-Erklärung heißt cs: Wegen den diesjährigen Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Vereinigten âHtaaten verbreitet sich in den interessierten internationalen ZKreisen immer mehr die Ansicht, daß man gegenwärtig unmöglich zu einer endgültigen Lösung des Re- parations- und Kriegsschuldenproblems gelangen kann. Man scheint in Paris und London darüber einig zu sein, für Deutschland das am 1. Juli 1932 ablansende Hoover-Moratorium lediglich zu erneuern und unter gleichen Bedingungen für sechs Monate oder ein Jahr zu verlängern. Gleichzeitig würden die europäischen Schulden der Vereinigten Staaten, die Gläubiger-Ansprüche an Deutschland haben, gemeinsam sür eine Regelung von Amerika als Bedingung gleiche Behandlung fordern. Wenn eine Verständigung zwischen den Unterzeichnern des Aoungplanrs auf diplomatischem Wege erzielt werden kann, wird die Lausanner Konferenz vorläufig gegenstandslos werden.
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Englische Pressestimmen über die Frage der Lausanner Konferenz
London, 19. Januar.
H Die Pressemeldungen von heute früh betrachten es als wahrscheinlich, daß die Lausanner Konferenz hauptsächlich sich nur mit einer Verlängerung des Hoover-Moratoriums für Deutschland besassen wird, — Pertinax berichtet dem „Daily Telegraph" unter Hinweis auf die oben wiedergegebene Havas- Meldung von heute nacht, es bleibe abzuwarten, ob die deut- ( scheu Minister mit einer solchen Lösung einverstanden wären,
i Der Tod auf
’ Das schwere Eisenbahnunglück in Frankreich fordert 13 Todesopfer.
In Ergänzung unserer bereits gestern veröffentlichten E Nachricht über das Eisenbahnunglück bei Saint Just er- s fahren wir nunmehr folgende Einzelheiten:
Auf der Strecke Paris—Amiens, etwa 80 Kilometer von der französischen Hauptstadt entfernt, ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück, das, nach den bisherigen H Meldungen, dreizehn Tote und etwa zwanzig Schwerverletzte gefordert hat. Der fahrplanmäßige Personenzug Paris—Amiens hatte zur Abfahrtzeit den Pariser Nord- bahnhof verlassen, als drei Wagen dritter Klasse und cuicr zweiter Klasse etwa 400 Meter vor der Einfahrt in den Bahnhof von Saint Just aus den Schienen I sprangen. Während ein Wagen dritter Klasse, der bis auf den letzten Platz besetzt war, sich sofort umlegte, und von den darauffolgenden Wagen eingedrückt wurde, raste ein Wagen zweiter Klasse in ein neben den Schienen ge- legcues Wärlerhäuschen, in dem sich drei Bahnangestellte M befanden, die sämtlich fdjmcr verletzt wurden. Die beiden anderen Wagen schoben sich ineinander und bildeten eine . Masse von verbogenem Eisen und zertrümmertem Holz. I dem Trümmerhaufen ertönte das Schreien und Röcheln der Sterbenden und Verletzten, denen die Rcisen- ven der unbeschädigt gebliebenen Wagen bei Fackcllicht die erste Hilfe brachten.
1 .Die Unglücksstelle bot ein Bild wilder Verwüstung. Zwischen den Trümmern lagen die Leichen, bis zur Un-
Sollte die deutsche Regierung beabsichtigen, eigne Vorschläge zu unterbreiten, dann werde die Konferenz in Lausanne zusammentreten müssen. — Der Diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet über einen angeblichen französischen Vorschlag, die Konferenz bis zum Zusammentritt der Abrüstungskonferenz zu verschieben.
Der diplomatische Korrespondent der „Morningpost" schreibt, die englisch-französischen Besprechungen in Paris seien biser erfolglos. England wünsche noch immer eine endgültige Regelung oder einen Fortschritt in dieser Richtung, während Frankreich das Moratorium von zwei Jahren mit Nachprüfung der Frage am Ende der Periode vorziehen würde. Macdonald werde wahrscheinlich nicht an der Konferenz teilnehmen, da sie voraussichtlich durch die Beschränkung ihres Programms viel von ihrer Bedeutung eingebüßt habe.
„Times" erklärt, es fei noch immer unsicher, ob die Lausanner Konferenz zustande kommen wird. Auf jeden Fall werde Cir John Simon am Sonnabend planmäßig abreisen, da die Tagung des Völkerbundrats am gleichen Tage beginne. — Jm Cityteil der „Times" heißt es: Das Gefühl der Enttäuschung für den Fall, daß die Lausanner Konferenz vertagt werden sollte, wird wahrscheinlich bald verschwinden, da das Reparationsproblem einer Lösung ständig näher kommt. — „Morningpost" sagt in ihrem Finanzteil, die City nehme an, daß in einigen Monaten die Bedingungen für eine gründliche Prüfung des Reparations- und Schuldenproblems besser sein werden. Gleichzeitig herrsche natürlich wegen der Lage in Deutschland einige Unruhe. —„News C h r o n i c l e" führt aus, es sei nicht ratsam, die französische oder die deutsche Regierung zu veranlassen, sich in der Reparationsfrage vor den Wahlen unwiderruflich festzulegen. Nach den Wahlen aber müsse eine jedermann verständliche europäische Politik zustandekommen, die das amerikanische Volk bei seinen eigenen Wahlen im November vor Augen haben werde.
EmöflawieNs Gesandter über die Lausanner Konferenz.
In der Sonntagsnummer der Belgrader „Politika* veröffentlicht der Berliner südslawische Gesandte Balu g d j ch i t s ch einen Artikel über die Tributfrage und stellt fest, daß die Mitteilungen Brünings keinen Faust schlag auf den Tisch bebeittet hätten, wie dies in einem Teil der europäischen Presse behauptet worden sei. Ferner dürfe man nicht annehmen, daß die Lausanner Konferenz zu irgendeinem greifbaren Ergebnis führen werde. Sie könne vielmehr nur der Auftakt zu neuen und langwierigen Verhandlungen sein.
Auf der Konferenz werde es sich weder um den Zeitpunkt für die Tributzahlungcu noch um deren Ausmaße handeln, sondern in erster Linie um den Kampf zwischen dem deutschen Grundsatz und dem Grundsatz der Gläubigermächte.
Die Lösung der ganzen Frage liege letzten Endes aber bei Amerika, das seine Stellungnahme in der Frage der Kriegsschulden kaum vor der Präsidentenwahl am Ende dieses Jahres überprüfen dürfte.
den Schienen. lenntlichkeit verstümmelt, eingeklemmt. Kinder, Frauen und Männer schrien nach ihren Angehörigen und immer wieder drang leises Röcheln der Unglücklichen zu den Ohren der Rettungsmannschaften, die aus Paris und Amiens an die Unfallstelle geeilt waren, wo sie unter der Leitung des Ministers für öffentliche Arbeiten mit dem Rettungswerke beschäftigt waren. Die Zahl der Toten ist deshalb so groß, weil der Zug bis auf -den letzten Platz mit Reisenden gefüllt war, die zum größten Teil den Sonntag zu einem Ausflug nach Paris benutzt hatten und sich aus der Heimreise * befanden.
, Ein getonfilmter Eiscnbahncrprozeß.
Der Prozeß gegen elf Beamte der Moskau—Kasan- Eisenbahn wegen des Eisenbahnunglücks bei Moskau, das sich am 2. Januar ereignete und bei dem 68 Personen umS Leben kamen und zahlreiche Fährgäste verletzt wurden, findet öffentlich statt. Die Verhandlung soll gctonfilmt werden. Die Anklage hat g c g e n a ch t B e a m t c die T o d e s st r a f c beantragt. Der Prozeß wird acht Tage dauern
EisenbahnungEck bei Moskau:
68 Tote, 128 Verletzte.
Verhandlung nach zwei Wochen vor dem Sowjetgericht.
Über ein schweres Eisenbahnunglück, das sich am 2. Januar auf der Kasaner Bahn ereignet hat, wird fünf- zehn Tage nach der Katastrophe berichtet. Dem Unglück
fielen nach einer amtlichen Darstellung 68 Tote und 128 ^"letzte zum Opfer. Die Schuldigen elf Eisenbahnbcamtc stehen bereits vor ihren Richtern.
Auf der Strecke nach Kasan wurde am 2. Januar bon Moskau ein Zug abgelassen, dem nach einigen Minuten ein zweiter folgte. Der erste Zug passierte mit bret Minuten Verspätung die Station K o s s i n o , die 17 Kilometer von Moskau entfernt liegt. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof von Kossino warf sich plötzlich ein Mann vor den Zng; er wurde von den Rädern der Lokomotive getötet. Der Lokomotivführer hielt den Zug sofort an. Warnungssignale wurden geacben, bombet nachfolgende Zug brauste trotz des geschlossenen Einfahrtssignals mit höchster Geschwindigkeit durch die Station Kossino und fuhr auf den Haltenden Zug auf. Die beiden Züge schoben sich mit einer derartigen Wucht ineinander, daß eine ganze Anzahl von Wagen aus den Schienen gerissen wurden.
Aus den Trümmern wurden 68 Tote und
128 Verletzte geborgen.
Elf Eisenbahnbeamte stehen wegen dieses Unglücks bor dem obersten Gericht der Sowjetunion. Den Angeklagten wird vorgeworfen, das Unglück dadurch verschuldet zu haben, daß sie die einfachsten Sicherheitsmaßregeln deS Eifenbahndienstes außer acht ließen. Man erwartet, daß gegen die Beamten die T o d e s st r a f e verhängt werden wird. Diese Katastrophe war das dritte Eisenbahnunglück, das sich innerhalb eines Monats bei Moskau ereignet" hat.
Der Zeitpunkt der Michspräsidenieuwahl.
Bisher sind keinerlei Anweisungen an die Behörden ergangen, die Vorbereitungen für die Rcichspräsidenten- wahl mit dem 28. Februar als wahrscheinlichem Termin zu treffen. Es wird Sache des Reichstages sein, den genauen Zeitpunkt für die Reichspräsidentenwahl festzusetzen.
Ser Ausgleich des preußischen Haushalts.
Keine neue Steuern, das Reich soll helfen!
Der Interfraktionelle Ausschuß des Preußischen Landtages besprach die Frage des Haushaltsausgleichs. An der Sitzung nahmen Finanzminister Dr. Klepper, Innenminister Dr. Severing und Staatssekretär Weismann teil. Der Haushalt soll im ersten Drittel des Februar vorgelegt werden, sofern bis dahin Klarheit über die Deckung des Fehlbetrages geschaffen ist. Bisher ist cs gelungen, den ursprünglichen Fehlbetrag von 167 Millionen Mark durch Sparmaßnahmen auf einen Betrag zu senken, der zwischen 120 und 140 Millionen Mark liegt. Die Deckung durch Einführung von neuen Steuern wird allgemein abgelehnt. Das dürfte insbesondere für die Einführung einer Schlachtsteuer gelten. Es verbleibt also die Möglichkeit, daß durch Hilse des Reichs Mittel zum Haushaltsausgleich zur Verfügung gestellt werden. Über die Frage, ob und inwieweit das Reich Entschädigungsansprüchen durch Verluste infolge des Friedensvertrages entsprechen kann, schweben zurzeit noch Verhandlungen.
Es ist damit zu rechnen, daß der Landtag nur wenige Lage zusammenbleibt. um im Februar erneut zusammen- zutreten und die erste Haushaltsberatung vorzunchmcn. Auch weiterhin besteht die Absicht, den neuen Haushalt aus parlamentarischem Wege, nicht etwa durch Notverord? nung, zu verabschieden.
Aste Mâie wieder gestaiiei.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, war das V e r b o t roter Plakate infolge einer die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdenden Verwendung der roten Farbe für Plakate, insbesondere politischen Inhalts, erforderlich geworden.
Die seinerzeit hierfür erlassenen Polizeivcrordnun- gen sind inzwischen nach Sammlung entsprechender Erfahrungen über die Auswirkungen der Notverordnungen vom 28. März und 6. Oktober 1931 a l s n i ch t m c h r unbedingt notwendig aufgehoben worden.
Die tiefste Zone der Wirtschaftskrise. Stegerwald auf dem Kreisparteitag der vestifchen Zcnlrums- partci.
Auf dem Kreisparteitag der vestifchen Zentrumspartei (Kreis Vestis-Recklinghausen) hielt Reichsarbeilsmimstcr Slegerwald eine längere Rede, in der er u. a. auS- führte: Bei einem leidlichen Gelingen bet Lausanner Konferenz sei die tiefste Zone der Wirtschaftskrise bei uns in einigen Monaten erreicht, daß aber die tiefste Zone der Finanzen des Reiches und des Staates erst im zweiten Halbjahr 1932 komme.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
• Im Lübecker Calmette-Prozeß wurden die Strafanträge
' * Sic Verordnung über die teilweise Aufhebung des Verbots des Tragens kleiner Parteiabzeichen ist erschienen.
• Bes dem Eisenbahnunglück aus der Strecke Paris—Amiens fanden 13 Personen den Tod, etwa 20 wurden schwer verletzt.
* Es ist wahrscheinlich, daß die Lausanner Konferenz, falls sie nicht verschoben wird, nur eine M-ratorrumsverlangerung für Deutschland bringt.