Zul-aer /inniger
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Nr. 16 — 1932
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Iulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblaü
Re-aktion und Geschäftsstelle: Konigstraße 42 ♦ Zernsprech-Insthluß Nr. 2-K» Nachdruck »er mit * versehenen Artikel nur mit chuellenangabe .Zulèaer Anreiger'-estatte«.
Fulda, Mittwoch, 20. Januar
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9. Jahrgang
Französische Sabotage
Frankreich gegen Lausanne.
Etan Konferenz — Moratoriumsverlängerung.
Die Lausanner Konferenz, die nach den bisherigen Vereinbarungen spätestens am 25. Januar zusammentrete« sollte, ist noch immer in Frage gestellt. Zwar haben alle daran beteiligten Mächte zugesagl, am 25. Januar in Lausanne zu erscheinen — nur Frankreichhatseine Zusti m m ungbisherni ât gegeben. Die Pariser Regierung bemüht sich neuerdings vielmehr, die Lausanner Konferenz auf alle Fälle verschieben zu lassen. Die von der französischen Regierung oft für hochpolitische Mitteilungen benutzte Havasagentur verbreitete eine Mitteilung, in der für die Verschiebung der Lausanner Konferenz stark Stimmung gemacht wird.
An Berliner zuständiger Stelle wird darauf hin- getoiefen, daß die aus ausländischer Quelle verbreitete Nachricht, nach der die englische Regierung der Reichs- rcgierung offiziell vorgeschlagen habe, das Tributmora- torium bis zum 1. Juni 1933 zu verlängern, sich nicht bestätigt. Dagegen ist es anscheinend richtig, daß in den diplomatischen Verhandlungen, die zwischen Berlin, Paris und London geführt werden, unter vielen anderen Plänen auch ein derartiger erörtert worden ist.
Deutscherseits steht man diesem Vorschläge gegenüber jedoch auf dem Standpunkt, daß er untragbar ist, weil man nicht wissen könne, wie «ach Ablauf von einem Jahr die Lage fein würde. Angesichts der sich ständig zuspiücn- den Krise erscheint es vielmehr dringend wünschenswert, daß
möglichst
eine Lösung der Reparationsfrage möglichst umgehend gefunden
wird. Eine Verzögerung der Lösung würde nur zu einer weiteren Verschlimmerung der Weltkrise beitragen. Die deutsche Regierung besteht nach wie vor auf der Forvc« tung, daß angesichts dieser Lage die Konferenz von Lausanne stattsmden muß. Sollte cs sich tatsächtich Herausstellen. daß in Lausanne keine Lösung gesunden werden kann, so bliebe ja noch immer die Möglichkeit offen, daß die Konserenz vertagt wird und dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder zusanimcntritt. Dieser spätere Zcitpunkt müßte jedoch selbstverständlich in möglichst naher Zukunft liegen, da die Lösung der Tributsragc eine längere Vertagung nicht verträgt.
Die deutschen auswärtigen Vertretungen sind angewiesen worden, die in Frage kommenden Regierungen von diesem Standpunkt Deutschlands zu unterrichten. Die Haltung der deutschen Reichsregierung, die nach wie vor darauf besteht, daß die Konferenz von Lausanne unter allen Umständen abgehalten wird, wird in der politischen «Hfsentlichkeit stark unterstützt. Man weist darauf hin, daß eine Verlängerung des Moratoriums nichts anderes sein würde als eine erneute Anerkennung des Aoung-Plans, den Deutschland zu erfüllen nicht mehr in dèr Lage ist
Pariser Moratoriumsanfrage in Washington.
Nach Meldungen aus Washington hat die französische Regierung Dort um eine formelle Stellungnahme Amerikas zu der Frage der Moratoriumsverlängerung nachgesuchi. Vermutlich wird die amerikanische Regierung ihre Antwort durch General Dawes in Paris geben lassen, wenn er sich auf der Fahrt zur Abrüstungskonferenz in der französischen Hauptstadt aushält
den opfern, wir müssen jedes Abkommen einem gerechten Ausgleich der Erzeugungs- und Lebenshaltungskosten unterordnen, der unmöglich wäre, wenn, sobald einmal die Krise vorüber ist, die ungleichmäßige Verteilung der finanziellen Lasten Frankreich in der internationalen Konkurrenz ■ f
in eine schlechtere Lage als andere Länder en würde.
bring,
Laval forderte die Kammer auf, den Haushalt sobald wie möglich zu verabschieden.
Als Laval seine Ausführungen beendet hatte, stimmte die Linke in den Ruf ein: „E s l e b e B r i a n d !" Es wurde beschlossen, sofort in die Beratung der Anfragen über die allgemeine Politik der Regierung einzutreten.
*
Englische Blätter über die Lausanner Konferenz.
London, 20. Januar. (Eigene Funkmeldung.)
Die Blätter schildern heute die völlige Verwirrung, die wegen der geplanten Reparationskonferenz herrscht, drücken
Im Kampf für die heimische Ware
Außerordentliche ZoAmaßnahmen der Regierung.
Die wachsende Konkurrenz aus den Ländern mit ver- fchlechtertem Gelvwert, England, Dänemark, Norwegen u. a., zwingt uns, zur Abwehr und zum Schutz der heimischen Produktion besondere Maßnahmen zu ergreifen. Der Reichs- Präsident hat zu diesem Zweck eine^bciondere Notverordnung erlassen, die es ermöglicht, Die Zölle der vcsonüercii Lage anzupaffen. Die Notverordnung lautet:
Die Reichsregierung wird ermächtigt, im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses
1. bei der Einfuhr von Waren, die aus Ländern stammen, deren Währung unter die Goldparität gesunken ist, für einzelne Waren oder Warcngruppcn Ausgleichszu- schlüge zu erheben,
2. für Waren, die auS einem Lande stammen, mit welchem das Deutsche Reich nicht in einem handelsvertraglichen Verhältnis sieht oder welches die deutschen Waren ungünstiger behandelt als die Waren eines dritten Landes, erhöhte Zollsätze festzusctzcn.
Die Verordnung muß natürlich in erster Linie dem Schutz
der landwirtschaftlichen Produktion zugute nächst ist daran gedacht, den B u l t e r zoll zu den Maßnahmen folgt Deutschland übrigens spiel anderer Länder.
kommen. Zu- crböhen. Mir nur dem Bei-
*
Oer neue Butterzoll.
Beweglicher Satz von 50—170 Mark f- Dyppelzcntncr.
Die Durchführungsbestimmungen ,' ^ der Zollnotverordnung, die sich zum Teil auch â, die frühere Zollermächtigung beziehen, ändern praktisch zunächst den Butterzoll.
Danach tritt ein differenzierter Buttcrzoll in Kraft, dessen unterste Grenze 50 Mark und dessen oberste Grenze 170 Mark te Dovvelzentner ist.
aber die Hoffnung aus, daß die interessierten Mächte sich in irgend einer Weise einigen werden. Sie stellen fest, daß Deutschland mit einer bloßen Verlängerung des Moratoriums nicht einverstanden ist, und auf einen Zusammentritt der Konferenz beharrt, daß aber andererseits vor Abschluß der französischen Kammerdebatte eine Klärung der Lage unmöglich sei. Die Blätter halten es für ausgemacht, daß mit oder ohne Konferenz in Lausanne ein Aufschub der Hauptfragen erfolgt.
„Daily Mail" und „Daily Expreß" lehnen eine Beseitigung der deutschen Reparationsverpflichtungen entschieden ab. — „Times" betont, daß weder eine „gemeinsame Front" von Gläubigern gegenüber Deutschland noch eine „gemeinsame Front" von Schuldnern gegenüber Amerika gebildet worden sei. Die britische Regierung wünsche dringend eine freie Vereinbarung zwischen Gläubigern und Schuldnern.
Sehr interessant sind die Auslastungen der „Morningpost", die schreibt, daß eine endgültige Reparationsvereinbarung die Besorgnis Frankreichs berücksichtigen würde, daß Deutschland durch Streichung seiner Verpflichtungen zu mächtig werden könnte. Andererseits müsse England über auch angesichts seiner großen Darlehen an Deutschland an die verhängnisvollen Folgen eines deutschen Zusammenbruches denken.
Im einzelnen bleibt der im Handelsvertrag mit Finnland für ein Kontingent b i s z n 5000 TonnenimJahre unter Nachweis der Herkunft durch Ursprungserzeugnis festgesetzte Zollsatz von 50 Mark für die Länder bestehen, deren Währung nicht unter die Goldparität gesunken ist und Die auf Grund eines Handelsvertrages das Mcistbcgünstigungsrecht besitzen, also u. a. Holland, Rußland, Lettland und Estland. Für die handels- veriraglich meistdegünstigsten Länder, deren Währung unter die Goldparität gesunken ist, wird ein Zuschlag von 36 Mark erhoben, so daß der tatsächliche Zoll im Rahmen den Kontingents 86 Mark beträgt.
Im übrigen würde praktisch also außerhalb der vorgenannten Kontingente, der autonome Buttcrzoll für Länder mit fester Valuta verdoppelt, er beträgt jetzt 100 Mark.
Für Länder, deren Währung unter die Goldparität gesunken ist, wird zu diesem autonomen Zoll ein Zuschlag von 36 Mark erhoben, so daß in diesen Fällen der autonome Zoll auf 136 Mark steigt. Ferner wird für die Länder, mit denen das Deutsche Reich nicht in einem handelsvertraglichen Verhältnis steht, der Zollauf170Mark je Doppelzentner festgesetzt; u. a. betrifft das Polen, Kanada, Australien und Neuseeland.
Das Inkrafttreten der Neuregelung für den Butter- zoll ist noch in dieser Woche zu erwarten.
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Agrarbeschlüsfe und ReLchstaAneii.
Veröffentlichung bevorstehend.
Das Rcichskabinctt hat sich ausführlich mit der Lage der bäuerlichen V e re d c l u n g s w i r t s ch a ft beschäftigt und entsprechende Beschlüsse gefaßt: Die Einzelheiten werden, wie verlautet, voraussichtlich Dienstag veröffentlicht werden.
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Laval befiehl ans Tributen.
Die neue französische Regierung stellte sich am Dienstag nachmittag der Kammer vor. Ministerpräsident Laval verlas die Regierungserklärung, in der die Haltung der Regierung zu den großen internationalen Fragen — Tribute und Abrüstung. — sestgelegt ist.
Laval betonte, daß die französische Regierung keiner Lösung der Tributsragc zustimmen könne, die, ohne die Krise zu verbessern, die französischen Interessen und Rechte verletzen wurde. Frankreich lasse sich das Recht auf die Reparationen nicht nehmen; es habe die Pflicht, zu verhindern, daß etwas geopfert werde ohne eine gleichzeitige Herabsetzung seiner eigenen Schulden.
In der Frage der A b r ü st u n g verwies der Ministerpräsident auf die französische Denkschrift vom 15. Juli 1931. Die übrigen Ausführungen betrafen die allgemeine Wirtschaftslage Frankreichs,
Vor allem: Konkurrenzfähigkeit wahren!
Erklärungen Lavals.
, Ministcrpräsisidcnt Laval wies in seiner Kammerrede cmlcitcnd auf die vergeblichen Bemühungen zur Bildung einer Einheitsregierung hin, um dann sofort aus die r i b ii t c überzugchen.
Die Weltkrise hat, so führte er auS, die Meinung der Kolker verwirrt, Die Annulierung der Reparationen und ^.". interalliierten Schulden würde eine Folge dieser ^itesverfassung sein. Wir werden aber keine Lösung snn^^ëbung der Krise annehmen können, welche die be- Interessen Frankreichs und seine durch frei« ’9 anerkannte Verträge
b verbrieften Rechte eine n l c i^?^' "'^ls von unseren Forderungen o h n c ."^aleichzeitigeAufhebung unserer Schul-
Sitzung der „.Hmdenburg- Spende".
Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten trat das Kuratorium der 1927 von ihm gegründeten Stiftung Hindenburg-Spende in Berlin zusammen. Den Geschäftsbericht erstattete Der ehrenamtliche Geschäftsführer Ministerialrat Dr Karstedt. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Stiftung bisher insgesamt n a h c z u f ü n f M i l - Honen Mark in rund 27 000 Einzelfällen an Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Veteranen verausgabt hat. Im Jahre 1931 wurden 999 000 Mark an Unterstützungen ausgezahU. Die Unkosten haben regelmäßig 10 000 Mark im Jahr nicht überstiegen.
Gtimfon führt dieMrüsiungSabäung der USA
D a w c s Präsident der A u f b a u g e s e l l s ch a s t.
Die amerikanische Regierung lch»e es ab, eine Strci- dmita oder Revision der europäischen Schulden als Gegen- leistung für die europäische Abrüstung zu erörtern.
Das Ereignis des Tages i)t die Ernennung des Staatssekretärs Stimson zum Führer der Abordnung der Bereinigten Staaten zur Genfer Abrüstungskonferenz
Botschafter General Dawes, der ursprünglich als Führer der Abordnung auSersehen war, bleibt in Amerika, Hoover ernannte Den Botschafter zum Leiter der großen W i c d c r a » s v a u g e s c l l s ch a f t zur Ankurbelung des Kredits mit einem Kapital von zwei Milliarden Lollar. Der offizielle Titel von Dawes lautet „Präsident der Auf- bmmc etnebaft* Weiter ernannte Hoover Eugene Meyer, Federal Reserve-Systems, zum Vor- stmw des Direltorenrats. Die Bekanntgabe der anderen Direktoren erfolgt später. Stimson wird erst nach Beendigung der Genfer Vorverhandlungen in Genf er- scheinen.
tim »en Besitz der Danziger Sahnen.
Entscheidung des Völkerbundkommigars gegen polnifche
Anmaßung.
Der Danziger Völkerbundkommissar, Graf Gravina, bat eine wichtige Entscheidung zum Schutze der Danziger Bürger im polnischen Eisenbahndienst gefällt, e ana® dürfen künftig Danziger auS dem Betriebsper,onal der Danziger Eisenbahnen nicht mehr ohne ihre stimmung nach Polen versetzt oder in Bolen beschäftigt werden. Ferner hat der Kommissar entschieden, daß Polen nur bestimmte Stellen höherer Beamter mit polnischen Staatsangehörigen besetzen dartz daß aber da-, gesamte Bureaupcrsonal bei der Danziger @i]eitbabnHrer_ tion und den Danziger Eisenbahnämlern ctnidüicß^ Amtsvorstehcr und Außcnpersonal mit ranziger etaau altgehörigen zu besetzen ist. „„ter«
Ferner hat der Völkcrbuirdkommissar Polen u n t e r sagt die Verwaltung der Danziger Eisenbahnlimen vollständig mit der der polnischen zu verbinden. ^e ni vielmehr für die Verwaltung der besondere Verwaltung in Danzig schasst» um )ie 1 ausstattcn, daß die Eisenbahnverwalmng allen ihren ^r pflichtungen gegenüber Danzig Nachkommen ko.m^.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* scr Preußische Landtag ist wieder zu einer kurzen Tagung zusammcngctreien.
• Die srauzvlischr Regierung ist nach wie vor eifrig bemüht, die Lausanner Konferenz verschieden zu lasten. Dafür soll das Hoover-Fererjahr verlängert werden.
• Als Hilfe für die Landwirtschaft hat die Reichsregierung eine Notverordnung über außerordentliche Zollmatznahmen erlassen. ._ ............