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Fulda, Samstag, 23. Januar
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9* Jahrgang
An die französischen Lügner.
Sas ReichswthmIni-eriM gegen die Lügen Sourgeoir' und Eccards.
Zu den Pressenachrichten über die Aussprache vor dem Auswärtigen Ausschutz der Französischen Kammer betreffend den deutschen Nüstungsstaud erklärt das Reichs- wchrmiuisterium:
In dem planmäßigen VerlcumdungSfeldzug, den die französische Presse und andere Stellen in letzter Zeit über das Thema angeblicher deutscher Gehcimrüstungen veranstaltet haben, stellen die Behauptungen des Generals • Bourgeois und des Senators Eccard einen Gipfelpunkt dar.
Nach diesen Behauptungen soll Deutschland im Wider- fprud) zum Versailler Vertrag ein mächtiges Heer v r g a n i s i e rt haben. Dies wird damit begründet baß eine große Anzahl von Unteroffizieren aus der Reichswehr ausscheidet, um Platz für Rekruten frei zu machen, weiter damit, daß zahlreiche Offiziere in verbotenen 'Schulen ausgebildet würden. Deutschland sei dadurch tm» stände, im Kriegsfalle eine starke „Stoßarmce" aufzustellen, deren militärischer Geist durch häufige Zusammenkünfte der neuen Einheiten mit Angehörigen der alten Wehrmacht ocwcÄI werde.
Diese Behauptungen sind erlogen.
Die Zahl der Entlassungen und NcnetnstcAungen ist im Wehrgesetz nach den Vorschriften des Diktats von Versailles genau festgelegt und wird ebenso genau eingehalten.
Kein Unteroffizier scheidet aus der Reichswehr vor Vollendung der 12jährigen Dienstzeit aus: es sei denn, daß besondere gesetzliche Gründe (Dienstunlauglichkeit usw.! zu vorzeitigem Ausscheiden zwingen. Die Zahl der aus diesen besonderen Gründen ausscheidenden Soldaten überschreitet jährlich in keinem Fall die in Versailles festgefügte Quote von 5 Prozent der Gesamtstärke. Eine Ausbildung von Offizieren in verbotenen Schulen ist Hun oesbalo nicht möglich, weil die geringe Anzahl der deutschen Offiziere zum Dienst in der Truppe benötigt wird und weil es überhaupt verbotene Schulen nicht gibt. Im deutschen Reichsheer dienen nur 38M Truppenoffiziere, während die Zahl der französischen aktiven Offiziere höher als 30 000 ist.
Wenn General Bourgois von einer deutschen „S t 0 tz- arme e" gesprochen hat, so verwechselt er diese anscheinend mit der etwa 50 Divisionen starken französischen „arme« de co u vertu re". Da diese eine voraussichtlich« Kriegsstärke von über 1 % Millionen Mann hat. während die Stärke des deutschen Reichsheeres in Frieden und Krieg nur WO 000 Mann beträgt, so ist nicht einzusehen, wie der nur dem Zweck der Kameradschaft dienende Verkehr — General Bourgeois gebraucht den völlig irreführenden Ausdruck „Zusammenkünfte" — von Angehörigen der Reichswehr mit Soldaten der alten ruhmreichen Wehr- macht die Sicherheit Frankreichs gefährden kann
An Truppcncinheitcn gibt cs in Deutschland nur di« im Diktat von Versailles festgelegten Formationen.
Wenn General Bourgeois von der Möglichkeit einet schnellen Umstellung der deutschen Großindustrie auf Kriegsfertigung spricht, so ist darauf 311 erwidern, daß keine Industrie, keine Fabrik und kein deutscher Arbeiter sich so schnell auf Kriegsfertigung umstellen kann, wie die mächtigen französischen Bombengeschwadei das jeden Luftschutzes entbehrende deutsche Gebiet überfliegen können.
Für die von General Bourgeois weiter bemängelt« Erziehung der Kinder in den Schulen im Sinn« einer Revanchepropaganda ist cs jeden Beweis schuldig geblieben.
Die Behauptungen des Senators Eccard über di« deutschen Militärausgaben strafen sich durch ihre Lächerlichkeit selbst Lügen.
Die gesamten deutschen Militüraufwendungen betragen im Jahre 1930/31 nach den Rüstungsveröffentlichun- gen der Völkerbundes 707 Millionen Mark, während di« französischen Militärailsgabcn im gleichen Jahr sich und Den amtli ch c n Angaben der französischen Regierung aus 13,8 Milliarden Franc, also mehr als das dreifach« der deutschen Ausgaben, beziffern. Im Jahre 1931/32 ftiii uc deutschen Mehrausgaben erheblich vermindert worden oas französische Militärbudget erreicht im gleichen Iaht dle ungeheure Summe von 18 bis 19 Millionen Franc.
. , Dentschland wird nicht aufhören, das ungeheure Miß. verhaltnis an Recht, Macht und Sicherheit, das durch di« "•“ÜeinOaltiutg des im Diktat von Versailles gegebenen Arnstuugs v ersprechen S der Siegcrmächte hervorgerufen und durch daSWettrüstcn der rüstungsfreien Mächte in un- "erträglicher Weise gesteigert wurde, weiter der Öffentlich- leit der Welt vor Augen zu halten.
*
Der Protest gegen die RüstungSlügen.
Pariser Presse uiilerschlâgt Groeners Richrigstellung.
Der scharfe Protest des Rcichswehrmtntstcrè Groener gegen die verleumderischen Behauptungen französischer Senatoren über angebliche deutsche Gchcimrüstungcu wird nur von den in Paris erscheinenden a m e r i k a n i s ch e 11 Blättern im Auszug veröffentlicht, während die französische Presse ihn überhaupt nicht bringt. Augenscheinlich will man sich die schöne Propagandaakliou gegen die Abrüstung durch die Wahrheit nicht verderben lassen.
Sroener über die Abrüstungskonferenz
Deutschlands Dant an Italien.
Reichswehrminister Groener hat dem Berliner Vertreter des „Popolo d'Jtalia" eine Unterredung gewährt, in der er den grundsätzlichen Slandpunki darlegte, den die ReichSregierung bei der Abrüstungskonferenz vertreten wird. Groener erinnerte zunächst an den bekannten Satz Mussolinis: „Ist eine rechtliche Sieichbeil zwischen den Nationen möglich, wenn aus der einen Seite bis zu den Zähnen bewaffnete Völker stehen und aus der anveren Seite solche, die dazu verurteilt sind, unbewaffnet zu sein?" Groener erklärte dazu u. a.:
Ich könnte keine besseren Worte finden, um die grundsätzliche Forderung auszudrücken, mit der Deutschland auf die Abrüstungskonferenz geht. Es ist die Forderung der Gleichberechtigung! Wir verlangen für alle die gleichen Methoden der Abrüstung und den gleichen Grad der Sicherheit. Im Jahre 1919 haben sich alle Unterzeichner der Friedensverträge verpflichtet, Deutschland aus dem Wege zu folgen, den es durch seine Abrüstung gezeigt hat.
Es darf in Zukunft
keinen rechtlichen Unterschied mehr zwischen
Siegern und Besiegten
oes Weltkrieges geben; es darf nicht dem einen erlaubt sein, was dem andern verboten ist.
Der Reichswehrminister fuhr dann weiter fort: Deutschland konnte den Konventionseniwurf der Vorbereitenden Abrüstungskommission nicht als Grundlage für die Konferenz anerkennen, da er die Ungleichheit des
Frankreichs „Standpunkt".
Laval sagt: Kur Aufschub:
Aussprache in der Französischen Kammer.
Die Kammer setzte die Aussprache über die Außenpolitik der Regierung fort.
Radikalsozialist Bergcry.
ging von der Tributerklärung Dr. Brünings aus und meinte, daß die Haltung der Reichsregierung bereits eine Auswirkung des Hitlerschen Druckes sei. Man müsse annehmen, daß Brüning absichtlich eine Hitler-Politik treibe, um ihn von der Regierungsübernahme fernzuhallen, ^ra^- sei jedoch erst durch die negative Politik der französischen Regierung möglich geworden. ,
Man sei in Deutschland heute an einem Punkt an- gelangt, wo man sich sage, daß alles besser sc«, als auf dem gegenwärtigen Wege ivciterzugehen. Aufgabe Frankreichs sei es, durch die Änderung seiner Politik die Psychologie Deutschlands umzuwandeln.
Ministerpräsident Laval.
Wiederholte die in der Regierungserklärung gemachten Ausführungen und gab dann einen Überblick über die vergangene deutsch-französische Politik von der Rheinlandräumung ab und ging schließlich auf die letzten Ereignisse über. Nach den Erklärungen des Reichskanzlers, so fuhr Laval fort, kann man sich über die Absichten der Neichsregierung nicht mehr im Zweifel sein. Brüning annulliert zwar nicht den Noung-Plan, er erklärt aber, daß das Reich auf Jahre hinaus n i ch 1 z a h l e n k a n n.
Frankreich wird niemals auf bic Rechte verzichten, die ihm durch bic Verträge zugestanden sind, und die nur einen Teil der erlittenen Schäden tvicdcrgutmachcn. Diese deutsche These ist für uns unannehmbar.
Laval verwies auf bic Schlußfolgerungen der Baseler Sachverständigen, aus denen hcrvorgchc, daß Deutschland nach Überwindung der Krise einen großen Aufschwung erlebe.
Diese Schlußfolgerungen ermächtigen uns, eine endgültige Neuregelung der Ncparationsfragc zu verweigern, »veil die Zahlungsfähigkeit des Reiches nicht nach der augenblicklichen Lage bemessen werden kann. Wir sind bereit, für bic Periode der wirtschaftlichen Krise eine neue Abrede zu treffen, wir werden aber k c i n c r l c i H c r a b - s c tt u n g c n der Reparationen zuftimmen, wenn sie nicht durch eine gleichzeitige Herabsetzung unserer Schulden gegenüber Amerika ausgeglichen werden.
Wir werden außerdem stets die Z a h l u n g d c s u n - g c s ch ü h t c n Teiles der Reparationen verlangen. Dies sind die neuen Opfer, die wir nach allen anderen bereit sind zu machen.
Bei den kommenden Verhandlungen kann nur die Rede von cinentNiora- t 0 r i tt m sein.
Deutschland darf nicht seinen eigenen Willen diktieren. Die deutschen Riethvden haben bei uns keinen Einfluß. Sie stärken im Gegenteil das Gefühl der Würde und der nationalen Selbständigkeit. (Sroßcr Beifall aus den Bänken der Regierungsmehrheit.)
Die Aufgabe, die sich Frankreich gestellt hat, kann nur erfüllt werden, meint die M oral nicht aus den gegenseitigen Beziehungen ausgeschaltet wird.
In der A b r ü st n n g s f r a g c bleibt Frankreich bei seiner bisherigen Haltung, die sich auf den Völkerbundpakt stützt. Frankreich nimmt keine Jmprovisierung an. Ab sckstießcnd erklärte Laval, daß Frankreich in der augenblicklichen Lage kaltes Blut und starken Willen brauche. um
Rechts zwischen Siegern und Besiegten nicht aufheben, sondern verewigen will und weil er ferner im ganzen keine Abrüstung bringen würde, sondern nur eine Auf- recht-shalnwa des jetzigen Zustandes. Zwischen Hoch- gernstrten Völkern liegen die Kationen. die nach den Bestimmungen der Friedensverträge abgerüstel Rnb und dadurch jede Sicherheit verloren haben Dieser Zustand ist es, der die Welt nicht zur Ruhe kommen läßt.
Deutschland hat aber das Recht auf die gleiche nationale Sicherheit wie jedes andere Land.
Daher fordern wir die allgemeine Abrüstung bis aus den in den Friedensverträgen festgesetzten Stand Deutschlands Abrüstung ist vor aller Welt festgestellt worden. Der deutsche Wehrhaushalt hat seit dem Kriege stets nur einen kleinen Teil von dem betragen, was andere Staaten für ihre Rüstungen ausgegeben haben und ist feit 1928 ständig gesunken Es ist völlig unsinnig zu glauben, Deutschland habe in wenigen Jahren im geheimen eine neue Kriegs- rüstung schaffen können.
Zum Schluß bemerkte der Reichswehrminister: Ich kann mit Freude feststellen, daß Deutschland mit den italienischen Auffassungen über die Abrüstung weitgehend überein stimmt
Wir danken Italien besonders, daß es den Grundsatz der Gleichberechtigung laut verkündet hat. Ich hoffe, daß Italien und Deutschland zu einem erfolgreichen Verlauf der Konferenz Zusammenarbeiten können, denn sie sind sich einig in dem Glauben, daß eine wirkliche und radikale Abrüstung notwendig ist
seine Ausgabe zu erfüllen. Die Opposition forderte er mit erhobener Stimme auf, angesichts der schwierigen Lage alle parteipolitischen Gegensätze fallenzulassen und über die Parteien und über Persönlichkeiten hinweg sich im Interesse Frankreichs und des Friedens zusammenzuschliegen.
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Kelche „Sanktionen" Frankreich plant.
Die Rache der Krämer und Schacherer.
Der außenpolitische Berichterstatter des „Matin", Stephan Lauzanne, prüft diejenigen Maßnahmen, die die französische Regierung ergreifen müsse, wenn Deii-sä^and endgültig aus seinem Standpunkt beharre, k e i n e weiteren Tributzahlungen mehr zu leisten.
Das erste, was Frankreich in diesem Falle zu tun habe, sei die R i ch t v e r l ä n g e r u n g des 2 5 - M i l - lionen-Dollar-Kredits der Reichsbank, was automatisch auch die BIZ. veranlassen werde, ihren gleich hohen Anteil nicht weiter in Deutschland zu belassen. Wenn man deutscherseits darauf Hinweise, daß eine derartige Maßnahme den Zusammenbruch der Mark herbci- führen werde, so könne man demgegenüber nur feststellen, daß die Stabilität der Mark Frankreich von dem Augenblick an nicht mehr interessiere, wo Deutschland seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommc. Man habe nur ein Interesse, die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners zu unterstützen, wenn man sicher sei, b e z a h l t zu werden.
Als zweite dringende Sanktionsmaßnahme schlägt Lauzanne die sofortige Kündigung des deutsch- französischen Handelsvertrages vor, der sich so günstig für Deutschland ausgewirkt habe. Deutschland möge dann seine Waren, die es bisher an Frankreich verkaufte, unterbringen, wo es wolle.
Diese beiden hauptsächlichsten Sanktionen müßten schließlich noch durch die Unterbindung jeglichen direkten oder indirekten Kredits, die Einstellung aller geschäftlichen Beziehungen und die Aufstellung einer „schwarzen Liste" für alle deutschen Geschäftsvertreter in Frankreich ergänzt werden. Diese Zwangsmaßnahmen würden sicherlich nicht wirkungslos bleiben.
Stillhalteabkommen wird nicht veröffentlicht.
Ter Inhalt des Stillhalteabkommens wurde dem deutschen Bankcnausschutz bckanntgegcbcn und dürfte zunächst paraphiert werden. Alsdann wird er den einzelnen Gläubigerausschüssen der beteiligten Länder zur Genebnn- gung vorgelegt. Ob der Inhalt des Abkommens der deutschen Öffentlichkeit befanntgegeben wird, ehe diese Genehmigung vorliegt, muß zurzeit als f r a g l r ch bezeichnet werden.
Kleine Zeitung für eilige lcfcr
* In einer Unlerredmm mit »c”* ^ nochmals vas SKSX’ ÄSL ^ »i-1'”3 °«"« schloffen.