Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 23 — 1932
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»
Zulöa- und Haunetal * Zul-aer Kreisblatt
Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernfprech'flnschluß Nr. 2914
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Fulda, Donnerstag, 28. Januar
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9. Jahrgang
Um die Reichspräsidentenwahl.
A d 0 l f H i t l e r gegen die Herabminderung des Ansehens und des Einflusses des Reichsoberhauptes durch Politische Amtszeitverlängerung. — Der Führer der NSDAP, bezeichnet die Beseitigung des heutigen Systems als die gegenwärtig wichtigste nationalpolitische Handlung.
Neuer offener Brief Hitlers an den Reichskanzler.
München, 28. Jan. (Eigene Funkmeldung.)
Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht in seiner heutigen Ausgabe einen offenen Brief Adolf Hitlers an den Reichskanzler, in dem sich der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mit der Erklärung des Kanzlers auf feine (Hitlers) Denkschrift über die Frage der Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg beschäftigt. Hitler widerspricht darin in einigen Punkten der Darstellung des Reichskanzlers über die Verhandlungen in dieser Frage und sagt, daß der Reichstag die Amtsdauer des Reichspräsidenten auf sieben Jahre, also auf die volle gesetzlich vorgeschriebene Amtsperiode hätte verlängern sollen. Darin sehe er inhaltlich wie tatsächlich eine Auherkraft- setzung und damit eine Aufhebung derdie Reichspräsidenten wahlbetreffendenBestimmun- geu der Weimarer Bersassung. Das Volksrecht der persönlichen und unmittelbaren Wahl des Reichsoberhauptes, führt Hitler aus/ könne seiner Auffassung nach nicht durch irgend eine qualifizierte Reichstagsmehrheit ersetzt werden. Der Grundgedanke der Weimarer Verfassung sei gewesen, dem Reichstag den vom Volk gewählten Reichspräsidenten gegenüderzustellen; es sei klar, so erklärt der Führer weiter, wenn eine Reichstagsmehrheit das Recht besitzen solle, die Amtsdauer des Herrn Reichspräsidenten zu verlängern, dann mühte genau so gut eine andere Mehrheit das Recht haben» sie abzukürzen. Die unausbleibliche Folge einer derartigen politischen Amtszeitverlängerung würde in ihrer Auswirkung eine unabsehbare Herabminderung des Ansehens und des Einflusses des Reichspräsidenten sein. — Nachdem Adolf Hitler nochmals dieBeseitigungdes
55 Mann auf dem Meeresboden
Vergebliche Suche nach dem englischen Unterseeboot „M 2".
Sas englische U-Boot M 2, von besten Versinken in der Nähe von Portland wir bereits gestern berichteten, ist bisher trotz angestrengtester Nachforschungen noch n i ch t a u f - gefunden worden. Ueber die bisherige Suche nach dem Boot sowie über dessen Ausrüstung ist folgendesbemerkens- wert:
Nach vierstündigem Suchen gelang es der Minen- such. und Unterseebootsabwehrflottille, ein metallisches Hindernis etwa fünf Kilometer westlich von Portland auf -Dent Meeresgrunde festzustcllen. Die Befehlshaber der Flottille nahmen an, daß es sich um das Unterseeboot handelte. Ein endgültiger Beweis dafür konnte jedoch nicht erbracht werden. Man hoffte, daß die Mannschaft des Unterseebootes gerettet werden könne, da
die Sauerstoffapparate etwa für 48 Stunden ausrcichcu
müssen. Außerdem sind sämtliche Mannschaften mit Sicherheitstauchhelmen versehen, mit denen sie im Notfälle an die Oberfläche steigen können. Die endgültige Feststellung, ob es sich bei dem gefundenen Hindernis um das Unterseeboot handelt, hatte sich Mittwoch früh noch nicht treffen lassen.
Die Boote der „.V!-Klasse" wurden gegen Schluß des Krieges in yauangriff genommen und trugen ein schweres ^0,5-Zentimeter-Geschütz, mit dem man die Küste bis Belgien beschießen wollte. Ihre Konstruktion hat niemals recht befriedigt, und schon früher hat die englische Marine mrt dieser Klasse schlimme Erfahrungen gemacht.
Das englische Ll-Boot noch nicht gefunden. r;r, 'ln den Nachforschungen nach dem gesunkenen eng* "Mn Unterseeboot „M 2“ nehmen 18 Schiffe und ein M""^uugzcug teil. Trotz der fieberhaften Bemühungen
"âs Unterseeboot n och i m in e r nicht g c f u n - er " werden. Die Arbeit mit Tauchern war wegen schwerer '"ast möglich. Die englische Admiralität teilt mit, daß i dem Unterseeboot „M 2" noch keinerlei Nachrichten cin- «cgangen ist. Es wird daher die größte Befürchtung für ^Mrhett der an Bord befindlichen Mannschaft gehegt. Schwindende Hoffnung auf Rettung.
London, 28. Jan. (Eigene Funkmeldung.) ■ rPAH^Wnunß’ d°2 verschollene Unterseeboot M 2 noch mehr $ VI können, schwindet immer mehr und m /r;^ .^Forschungen sind während der ganzen Nacht • 1 8wßtem Eifer fortgesetzt worden, bllebetr aber » Iffert Erfolg. ' ;
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heutigenEystems als die gegenwärtig nationalpolitischwichtig st eHandlung bezeichnet und die Parteien des Zentrums, der Sozialdemokratie und der Demokratie für den Versailler Vertrag und seine Folgen verantwortlich macht, schlieht er seinen offenen Brief mit dem Vorbehalt des Rechtes der Kritik an der gegenwärtigen Regierung.
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Hindenburg-Ausschuß für die Volkswahl.
Eine Aktion des Berliner Oberbürgermeisters Sahm.
Oberbürgermeister Sahm ist seit einigen Tagen um die Bildung eines überparteilichen Ausschusses führender Persönlichkeiten aus allen Kreisen des deutschen Volkes bemüht, der die Wiederwahl des gegenwärtigen Reichspräsidenten von Hindenburg in die Wege leiten soll. Es ist dabei an Männer und Frauen gedacht, die in maßgebenden Stellungen mit großen Bevölkerungsschichten in enger Fühlung stehen. Die Einladungen werden in kürzester Zeit hinausgehen, so daß der Hindenburg- Ansschuß schon Anfang nächster Woche an die Offent- liu,..^ "eten wird.
Bayerische Persönlichkeiten für die BolkSwahl Hindenburgs.
Eine größere Reihe bekannter bayerischer Persönlichkeiten hat zur Reichspräsidentenwahl einen Aufruf erlassen, der sich an alle wendet:
In dem Aufruf heißt es u. a.: „Wir rufen auf zur Wiederwahl des Mannes, der w.e kein zweiter Deutschlauo verkörpert. Wir wollen den Herrn Reichspräsidenten bitten, sich zur Wahl erneut zur Verfügung zu stellen.
Auf den Einsatz des gewaltigen Ansehens, das der Name Hindenburg im In- und Auslande genießt, dürfen wir nicht verzichten. Kein zweiter Teutscher besitzt in ähnlichem Maße das überparteiliche Vertrauen des deutschen Volkes; kein zweiter verkörpert so vollkommen für die Welt den Glauben an Deutschalnd. Wir sollten deshalb dem Schicksal für jede Stunde danken, die der Generalfeldmarschall sein hohes Amt noch weiter ausübt/
Die Trag »die der Lt-Boote.
Der Unfall des U-Bootes „M 2“ schließt sich an eine iragische Kette von Unfällen, von denen die englische U-Bootflottille in den letzten Jahren betroffen worden ist. Erst im Juni vergangenen Jahres ging das U-Boot „Poseidon" in den chinesischen Gewässern unter. Damals konnten nur sieben Mann der Besatzung gerettet werden. Die drei schwersten U-Bootkatastrophen in der Geschichte der englischen Marine ereigneten sich aber im Jahre 1921, als die „K 5" im Englischen Kanal mit 57 Mann versank, von denen keiner lebend geborgen werden konnte, im
Jahre 1922, als der Zerstörer „VerfatUe" die „h 42" rammtet wobei 23 Mann ums Leben kamen, und im Jtili beâ .Qabrc^ 1929. Bei diesem letzten Unglück, das sich im St.-Georgs-Kanal abspielte, wurde das U-Boot „H 47" von einem anderen U-Boot gerammt und sank in die Tiefe. 24 Mann der Besatzung fanden dabei den Tod. Auch das Schwcstcrschisf des jetzt untergegangenen U-Bootes ist einer Katastrophe zum Opfer gefallen: „M 1" wurde am 13. November 1925 von einem schwedischen Dampfer angcfahren und zum Einsen gebracht. Zur Hebung wurden damals deutsche Taucher angeforbert, denen es aber trotz größter Bemühungen nicht gelang, die Verunglückten zu bergen.
Neue kommunistische Ausschreitungen in Spanien.
in
Madrid. Zu neuen kommunistischen Umtrieben ist cs .-em Tors Solana in der Provinz Valencia gekommen, wo die verhexte Bevölkerung das Pfarrhaus belagerte und den Orispsarrer bei seinem Erscheinen durch Schüsse schwer ver^ letzte Außerdem wurde Don das Rathaus gestürmt und die Sowjetslagge gehißt; auch wurden die Gleise einer Nebenbahn zerstört.
Europas offene Wunde.
Man wird in Genf auf der Völkerbundregistratur demnächst neue Regale aufstellen müssen, um die zahlreich heran- und hereinströmenden Verlrägeinternatio- naler Art unterbringen zu können. Die Herren Diplomaten machen sich ihren Beruf keineswegs leicht! Je unfriedlicher die Welt wird, je mehr sich zum mindesten die wirtschaftlichen Spannungen verschärfen und je munterer in der Welt das Wettrüsten fortgesetzt wird, Desto höher türmen sich diese Friedens-, Kriegsächtungs-, Richtangriffs- und sonstigen Verträge, so daß es dem auf diese Weise umhegten Friedensengel eigentlich „bang und bänger" werden müßte. Und es ist ein nicht gerade schlechter Witz der Weltgeschichte, daß an dem gleichen Tage, als man von der Vereinbarung über einen russischpolnischen Nichtangriffspakt erfuhr, die Japaner die nordmandschurische Hauptstadt Chardin besetzten und sich damit des Restes der Mandschurei bis hinauf zur Grenze mit Russisch-Sibirien bemächtigten. Es wird also im Fernen Osten dafür gesorgt, daß dem jetzt wieder in Genf zusammengetretenen Völkerbundrat nicht der Beratungsstoff ausgeht und die Delegierten keine Mutze haben, ältere, schon leichtangeschimmelteKriegsächtungs- pakte oder sonstige Verträge wieder einmal durchzulesen. Obwohl doch die so oft und laut in die Welt hin- ausgerufene französische Phrase von der „Heiligkeit der Verträge" sich eigentlich nicht bloß auf jene Diktate oder Vereinbarungen erstrecken sollte, die zu Lasten Deutschlands gehen.
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Moskau veranstaltet zurzeit eine Art Massenfabrikation von solchen Nichtangriffspakts. Oder wenigstens: man versucht sie zu fabrizieren. Alle Rand- staaten Rußlands, von Finnland im Norden bis Rumänien im Südwesten sollen oder wollen mit solchen Verträgen beglückt werden. Mit Finnland ist man bereits einig, mit Polen ist die Vereinbarung bereits - nach jahrelangem Hin und Her und zahllosen, teils richtigen, teils falschen Dementis — doch schon in das Paragraphengewand gehüllt worden. Übermäßig freundlich sind ja Die russisch-polnischen Beziehungen nie gewesen. Tie ukrainische Frage ist ungelöst. Außerdem soll der neue Vertrag erst in Kraft treten, wenn Rußland auch mit Rumänien abgeschlossen hat. Dort hat es neuerdings wieder Differenzen gegeben, weil zwischen den beiden Staaten auch solch eine „Frage" existiert. Bessarabien, das ja einst zu Rußland gehörte. Und hiergegen hat die Sowjet- regierung immer wieder protestiert, tut es auch jetzt wieder. Aber Litwinow, der jetzt als russischer Delegierter nach Genf zur Abrüstungskonferenz geht, bat schon lange dem Gedanken Ausdruck gegeben, sein Land solle auch mit Frankreich einen derartigen Pakt abschlietzen. Wenn man sich dabei aus bie. Verpflichtung beschränkt, den Vertragspartner auch dann nicht anzugreifen, wenn er von anderer Seite her attackiert ist, wenn man sich also aus das Militärische beschränkt, das Politische aber beiseite läßt, dann wird man zwischen Paris und Moskau wohl zu einer solchen Vereinbarung kommen, die ein Werk sein würde, worüber sich zu freuen man den geschäftstüchtigen Diplomaten gern überlassen würde. Politische, wirtschaftliche, finanzielle „Fragen" zwischen Rußland und , Frankreich gibt es in Menge und ganz oben steht die eine: Was wird mit den etwa 130 Milliarden, die Frankreich so nach und nach, im Laufe von hundert Jahren, einst der Zarenregierung geliehen hat und von denen der französische Sparer herzlich wenig wieder- gesehen hat? *
Deutschland hat ja vor nunmehr bald zehn Jahren mit dem Vertrag von Rapollo überhaupt als erste europäische Macht eine diplomatisch staatsrechtliche Vereinbarung mit den Sowjets getroffen und hat — trotz mancher wirtschaftspolitischen Konflikte — die damals angeknüpften Beziehungen immer enger gestaltet. Der Vertrag von Rapollo selbst ist erst 1930 wieder erweitert worden — worüber man weder in Warschau noch in Paris sehr entzückt war! Auch das polnische Bestreben, all die Randstaaten Rußlands, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, unter einen antirussischen Hut zu bringen, ist mißglückt, und schließlich ist auch in dem neuen russisch-polnische» Nichtangriffspakt von der in Warschau heiß ersehnten Garantierung der Weststgrcnze Polens nichts zu lesen. Hier brennt die offene Wunde Europas. Und Sowjetrutzland hat gar kein übermäßiges Interesse daran, daß sie sich bald schließt.
Brüning beim Reichspräsidenten.
Über den Empfang des Reichskanzlers durch ber Reichspräsidenten wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:
Der Herr Reichspräsident empfing den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag über die schwebenden außenpolitischen Fragen.
In Ergänzung hierzu wird von unterrichteter Seile erklärt, daß alle Gerüchte über RücktrittSabsichten des Reichskanzlers nicht den Tatsachen entsprechen.
Kleine Zeitung für eilige £efer
* Die geplante Tributbcsprechung zwischen Laval und Macdonald ist abgesagt worden.
* Der französische Finanzminisicr gab eine Verrechnung »er bisherigen deutschen Reparationsleistungen, die eine Irreführung der öffentlichen Meinung bedeuten.
* Tron eifrigen Suchens ist das gesunkene englische N Booi „Bl. 2“, auf dem sich 55 Personen befinden, noch nicht gefunben worden.