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Air. 26 1932

Fulda, Montag, 1. Februar

9. Jahrgang

Brand im Fernen Osten.

Noch keine Bestätigung einer Kriegserklärung Chinas an Japan.

OieGelbe Gefahr".

Da cs sich jetzt beim besten Willen nicht mehr ver­heimlichen läßt und der Völkerbundrat der einzige ist, der es noch nicht wissen will, daß das, was sich im Fernen Osten abspielt, ein K r i e g im wahrsten Sinne des Wortes ist, sucht Japan nach einer Begründung für sein Vorgehen in Schanghai, das ihm wenigstens den Schein des Rechtes geben soll. Wie immer in solchen Fällen, hat natürlich nicht Japan angegriffen, sondern die Chinesen haben angefangen. Im Anschluß an die amerikanischen und englischen Schritte in Tokio hat die japanische Negierung eine Mitteilung herausgegeben, in der als e r st e U r s a ch e des japanischen Vorgehens in Schanghai der B 0 y k 0 t t japanischer Waren und die Veröffent­lichung beleidigender Artikel gegen den japanischen Kaiser bezeichnet werden. Der Kampf sei von den Chinesen entfesselt worden, die auf eine japa­nische Patrouille an der Grenze der internationalen Niederlassung geschossen hätten. Die Japaner würden die Lage nicht dazu benutzen, um territoriale oder politische Kontrollrechte über Schanghai zu erwerben. Das einzige Ziel der Japaner sei, das Leben und Eigentum ihrer Staatsangehörigen zu schützen. Hierzu verlautet noch, daß die japanische Negierung von der Industrie und den großen Handelsfirmen zu ihrem Vorgehen in Schanghai gezwungen worden sei, da diese durch den chinesischen Boykott große Verluste erlitten hätten. Außenminister Zoschisawa habe dem amerikanischen Botschafter erklärt, kein japanisches Kabinett würde länger als eine Woche an der Regierung bleiben, das es ablehne, den Boykott japanischer Waren mit Gewalt zu unterdrücken.

Mit anderen Worten, Japan will und muß sich den großen chinesischen Markt als Absatzgebiet für leine industriellen Erzeugnisse sichern. Seine insulare Lage und fein natürlicher Mangel an Rohstoffen zwingt ihn dazu, zu exportieren. Zwei Wege dazu stehen ihm ofjen. Nach Osten über den Stillen Ozean mit 5ülfe emer Flotte nach den Pazifikstaaten Amerikas, die aber ur die Abnahme japanischer Waren nicht in Frage kommen und wohin Japan bisher in der Hauptsache Menschen exportiert hat, und nach Westen in die Mandschurei und in das Absatzgebiet der unbegrenzten Möglichkeiten, China. Hierhin weist Japan auch seine geographische Lage. China ist gewissermaßen dasgelobte Land", das es vor seinen Augen ausgebreitet liegen sieht, und die alte fapanifche Forderung:Der iavanikcke G e i st im chinesischen K ö r p e r" lebt immer wieder mit elementarer Gewalt auf. Sie hat schon einmal an der Jahrhundertwende dieGelbe Gefahr" für Europa heraufbeschworen und heute wieder drobt aus dem Fernen Osten eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Völkerbund, Völkerfrieden umd Ab rüstu n g!

Nils Flammenmeer in Schanghai.

Die brennende Chinesenstadt.

In Schanghai setzten sich die Kämpfe trotz eines Waffenstillstandes, der angeblich zwischen den chinesischen und japanischen Truppen vereinbart werden sollte, mit verstärkter Heftigkeit fort. Rach einem kurzen Nachlassen der Beschießung der Chinesenstadt C h a p e i verstärkte sich das Feuer wieder außerordentlich. Im Anschluß daran teilten die Japaner mit, daß die ersten chinesischen V e r st ä r k u n g s t r u p p e n von Nanking cingetroffen seien und in den Kampf eingegriffen hätten. Die Chi­nesen eröffneten ein

schweres Artillericfcuer

voni Nordbahnhof her, unterstützt dllrch einige Panzerzüge. Die japanischen Marincsoldaten waren dar­auf gezwungen, zurückzuweichen. Mehrere chinesische Granaten fielen in der internationalen Nieder­lassung zu Boden, worauf

eine große Panik

entstand, da man zunächst glaubte, daß die Chinesen die internationale Niederlassung angreifcn wollten. Eine chinesische Granate traf den japanischen Tempel in der Niederlassung und richtete beträchtlichen Schaden an.

Von der und

Der Brand in der Chinesciistadt Chapei wütet ununterbrochen weiter, Hunderte vausern sind ihm zum Opfer gefallen. Die Zahl J. 'Jmtljcn Todesopfer an Männern, Frauen ^mocru ist gar nicht abzuschätzen. Sie wird auf mehrere Zausend geschätzt. Während der ganzen Nacht wurde

das schaurige Flammenmeer

r internationalen Niederlassung aus von Tausenden ui Neugierigen beobachtet. Ganz Schanghai stand in bellen Flammcuschcin. Dazwischen ertönte immer wieder das unheimliche Geknatter der Ma- GH I n e n g c w ehre und die Schüsse der chinesischen e i ch V v. Weiter wurde eine Brücke zerstört uno tue Eisenbahnverbindung zwischen Hunghau und lahmgclegt. Der chinesische Kommandeur meldete, n Ave: japanische Flugzeuge durch Maschinengewehre "vgcschossen worden seien, und zwar seien die an den h a n g ende N B 0 m b e n getroffen und da- ^plosiou gebracht worden. Ferner wollen die Mitteten vier japanische Panzerwagen erobert haben.

Kriegserklamng Chinas an Japan?

Nach einer Meldung des halbamtlichen englische« Telcgraphenbüros aus Schanghai hat China den Krieg an Japan erklärt. Eine direkte Bestätigung dieser Meldung war bei den amtlichen deutschen Stellen nicht eingetroffen.

Bei dem tatsächlich bereits bestehenden Kriegs^ zustand würde es sich bei dieser Kriegserklärung um einen formellen Schritt handeln, wahrscheinlich, um nun endlich den Völkerbund zu zwingen, die im Völkerbund­pakt vorgesehenen Maßregeln in Gang zu setzen.

Karte vom Kriegsschauplatz im Osten mit allen Orten, die in den letzten Tagen im Zusammen­hang mit dem Einfall der Japaner in Schanghai und der Beschießung von Chardin genannt wurden.

*

Krieg oder Waffenstillstand?

Vor neuen Verwicklungen.

Im englischen Konsulat in Schanghai fand eine Kon­ferenz statt, an der neben dem englischen und amerika­nischen Konsul die chinesischen und japanischen Befehls­haber tcilnahmen. Bei Beendigung der Konferenz wurde mitgeteilt, daß der Waffenstillstand weiter anhalten werde, daß die Lage aber nach wie vor äußerst gespannt bleibe.

Im Zusammenhang mit den Gerüchten, wonach China Japan den Krieg erklärt habe, wird mitgeteilt, daß dieses Gerücht durch einen Befehl des Kommandeurs der 18. Kantoner Division entstanden ist, die in Tschapei einquartiert war und sich weigerte, dem Befehl der Nan­kingregierung, ihre Stellung zu räumen, nachzukommen. Der Komandeur wiederholte darauf den Befehl mit der Begründung, daß China Japan den Krieg erklärt habe, und daß alle chinesischen Soldaten dem Vaterlande gegen­über ihre Pflicht tun müßten. Darauf scheinen die Ge­rüchte über die Kriegserklärung zurückzuführen zu sein.

Japanische zuständige Stellen erklären, Japan würde eine Kriegserklärung Chinas einfach ignorieren und nicht zum Kriege gegen China schreiten, aber die not­wendigen Straf m a ß n a h m c n zur Durchsetzung seiner Rechte ergreifen. Die Armeebehörden wünschen vielmehr die Tätigkeit der Armee aus die Mandschurei zu beschränken und sind der Ansicht, daß eine Flottendemon­stration vor Schanghai ausreiche, um die japanischen Fordcrimgen dnrchzusetzen.

Kricgsbegeistcrung in Nanking.

In Nanking herscht fieberhafte Aufregung und große Kriegsbegeisterung. Mehr als 50 000 Menschen umlagern die Eisenbahnstationen, von denen die Truppen nach Schanghai abfahren. Sie rufen in voller Begeisterung den Truppen ein Lebewohl zu.

galtet Schanghai!"

ES werden Gelder für einen Kriegsfonds gesammelt, zu dem die Bevölkerung opferwillig Beiträge leistet. Die chinesischen Regierungsbehörden haben ihren Sitz von Nanking nach Lovang in der Honanprovinz verlegt. Die Vorbereitungen hierfür waren schon seit einigen Monaten getroffen, und die Staatsarchive waren bereits vor einiger Zeit dorthin übcrgcführt worden.

Neues Klugzeugbombardement Schanghais.

Die japanische Tclegraphenagentur teilt mit, daß nach starker Beschießung der japanischen Truppen durch die Chinesen japanische Fluggeschwader einen neuen Luft­angriff auf Schanghai unternahmen. Es wurden etwa 100 Bomben abgeworfen. Die von chinesischen Truppen befestigten Teile der Stadt Schanghai wurden vollkommen vernichtet. Es gab Tote und Verwundete. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt. Auch das Fort Usun wurde mit Bomben belegt.

1 Der amerikanische Botschafter in Tokio hat dem japanischen Außenminister Joschisawa eine Protestnote wegen der Beschießung der bei Schanghai gelegenen Funk­station der amerikanischen Gesellschaft Radio Corporation durch japanische Bombenflugzeuge überreicht.

Die amerikanische Regierung mache Japan für den entstandenen Schaden verantwortlich.

Der chinesische Kriegshafen W u s u n g bei Schanghai wurde durch die japanische Marine besetzt. Tort ist ein Geschwader, bestehend aus einem Panzerkreuzer und vier Zerstörern, eingelaufen. Die chinesischen Behörden leisteten keinen Widerstand.

3apatt überfällt die Fremdenniederlassung.

Unter dem Vorwand, daß chinesische Scharfschützen m einem Hotel im nördlichen Teile der Frcmdenniedcr- lassung versteckt seien, forderten die Japaner die Hotel­gäste zum Verlassen des Gebäudes auf und steckten dieses mit Petroleum in Brand. Das ist der erste Fall einer japanischen Aktion innerhalb der internationalen, nicht japanische» Niederlassung.

Die Stadtbehörden der internationalen Niederlassung haben dagegen protestiert, daß japanische Soldaten die Polizeitätigkeit im Hongkew-Bezirk ausgenommen haben. Unter großen Schwierigkeiten gelang es englischen Frei­willigen, japanische Reservisten von einem Platz zu oer treiben, der in den englischen Verteidigungssektor fällt.

Neuer Protest Amerikas und Englands.

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben erneut in Tokio wegen der weiteren Truppenlandungen in Schanghai und das Eindringen japanischer Truppen in die internationale Niederlassung protestiert.

Admiral Pratt erklärte, die Entsendung der ge­samten A s i e n f l 0 t t e , die in Manila stationiert ist, sei möglich. Die Asienflotte der Vereinigten Staaten bs- steht aus 53 Schiffen. Davon liegen zurzeit 34 in Manila adfahrldereit.

Der englische KreuzerSuffolk" ist von Hongkong nach Schanghai in See gegangen. KreuzerK e n t" mit dem Admiral Kelly an Bord kann dort voraussichtlich nicht vor Donnerstag eintreffen. Die englischen Truppen haben Befehl erhalten, strengste Neutralität zu bewahren.

*

Der Völkerbund untersucht weiter.

Aber nur in Schanghai, nicht in der Mandschurei.

Der Völkerbundrat hat beschlossen, einen neuen Untersuchungsausschuß zu bilden, der aus den ständigen Vertretern der Ratsmächte in Schanghai zu­sammengesetzt sein soll und der dem Völkerbundrat unver­züglich einen Bericht über den Ursprung und die Entwick­lung der Ereignisse und den gegenwärtigen Stand in Schanghai erstatten soll.

Der chinesische Vertreter protestierte dagegen, daß bis jetzt die Untersuchung sich ausschließlich auf die Ereignisse in Schanghai beschränke. Die chinesische Regierung habe das Verfahren des Artikels 15 nicht allein wegen Schanghai, sondern wegen der japanischen Angriffe in der Mandschurei beantragt. Die chinesische Re­gierung verlange, daß die Untersuchung auf den ganzen Konflikt ausgedehnt werde.

*

Chinas Außenminister lehnt Kriegs­erklärung ab.

Paris, 1. Febr. (Eigene Funkmeldung.)

Nach einer imMatin" veröffentlichte« Agent«rmel- du«g aus Nanking habe der neue chinesische Außenminister Lowenkau kategorisch die Nachricht dementiert, China würde noch heute Japan den Krieg erklären. Er habe viel­mehr betont, daß China niemals den Krieg erklären werde, aber daß cs Widerstand leisten und bis auf den letz­ten Mann und bis auf die letzte Patrone kämpfen werde, solange Japan China Gewalt antue und es erniedrige. Die legitime Verteidigung sei stets durch das internationale Ge­setz und sogar durch die Humanität gerechtfertigt.

Litauen beabsichtigt keinen putsch.

Eine amtliche Erklärung über das Schicksal deS MemelgebietS.

Der litauische Gesandte Saulys suchte den Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes auf und erklärte im Auf- trage seiner Regierung, daß die Behauptung, die litauiime Regierung bzw. der Gouverneur in Memel bereiteten einen Putsch im Memelgebiet vor, um die international garantierte Autonomie dieses Landes abzuschaffen, jeg­licher Begründung entbehre. Er versicherte mit allem Nachdruck, daß die litauische Regierung sters ibre imer- nationalen Verpflichtungen in bezug auf das Memcigeonr halten und achten werde.

Kleine Zeitung für eilige £cfer

* Die 7. Grüne Woche ist in Berlin durch eine Rede des Rkichsernährungsministerö Dr. Schiele feierlich eröffnet worden.

* Die Preise für die Lebenshaltungskosten sind im Januar um 4,5 Prozent zurückgegangen.

* Reuter meldet aus Schaughai, daß China den Krieg au Japan erklärt hat.

Neuen Nachrichten zufolge lehnt China eine Kriegserklä­rung an Japan ab, wird sich aber bis zum Letzten verteidigen.