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Iul-aer Anzeiger

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Nr. 27 1932

Tagebla« für Rhön un- Vogelsberg

Zul-a- un- Haunetal Iul-aer Kreisbla«

Re-aktion un- Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-Rnsthluft Nr. 2969 Nachüruck der mit versehenen Artikel nur mit Guellenangobr.Zulâaer Fnzttg»r'a»slatt»t.

Fulda, Dienstag, 2. Februar

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9. Jahrgang

Schanghai und Genf

JapansGankiionen".

Französisch-japanische Abrüstungssabotage.

Aus dem Wirrwarr der Nachrichten aus dem Fernen Osten geht jedenfalls so viel hervor, daß die kriegerischen Handlungen sowohl aus dem nördlichen Kriegsschauplatz bei Charbin, wie in und um Schanghai trotz aller Proteste und Waffenstillstandsverhandlungen ungestört ihren Fortgang nehmen. Japan muß sich seiner Sache sehr sicher fühlen, daß es den englischen und amerikanischen Einsprüchen zu trotzen wagt, wahrscheinlich im Bewußt­sein, daß es in Frankreich einen Bundesgenossen hat, der ihm im Völkerbundrat die Stange hält. Die Gegen­leistung' Japans erwartet Frankreich dann aus der Ä b - rüstungskonserenz.wo Japan ihm bei seiner For­derung,ohne Sicherheit keine Rüstungsbeschränkung" die nötige Hilfsstellung geben wird, um die Abrüstung zu sabotieren.

Die Pariser Presse stellt sich immer deutlicher zu­gunsten Japans ein. Besonders die Rechtsblätter lassen es an höhnischen Bemerkungen an die Adresse des Völkerbundrats nicht fehlen und stellen fest, daß die Anwendung der Artikel 15 und 16 des Völterbundpaües den Übergang der Genfer I n st i 1 u i i 0 n be­deuten würden. Die Hauptargumente, denen man in der Pariser Öffentlichkeit begegnet, lassen sich in drei Punkte zusanimenfassen: 1. China ist kein souveräner Staat, son­dern nur ein geographischer Begriff, 2. China hat Die Ver­träge verletzt' und damit gerechtfertigte S a n k t i 0 n e n von feiten Japans herausgefordert, 3. China ist ein Un­ruheherd, der die Zivilisation bedroht.

Aus dieser klaren Haltung scheint deutlich hervor- zugehen, daß sich Paris die Lage im Fernen Osten auf zwei Wegen zunutze machen will, indem es Japan durft - Anerkennung seinesRechtes aus Sanktionen' zum Bundesgenossen aus der Genfer Abrüstungskonferenz - -gewinnt und rudern es die U " f ü h i g k e i t des Völkerbundes sowie die Notwendigkeit internatio­naler.Sicherheitsgarantten aus den Vorgängen abzuleitev sucht. Angesichts dieser Bestrebungen ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß der japanisch-chinesische Konflikt auf der Abrüstungskonferenz eine bedeutsame Rolle spielen wird. Das Bestreben Japans, den Völkerbund in Verlegenheit und zum Bruch zu bringen, geht auft daraus hervor, daß der Vertreter des japanischen Außen­ministers in Tokio offen erklärte, wenn der Völkerbund die chinesischen Vorschläge zur Anwendung der Artikel 15 und 16 annehmcn sollte, so würde die japanische Regierung gezwungen sein, aus dem Völkerbund auszu­tret e u.

Jedenfalls wird es immer deutlicher, daß die franzö­sische Unterstützung des japanischen Vorgehens in Chino die letzte Hoffnung für einen Erfolg der Genfer Ab­rüstungskonferenz raubt.

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In den Straßen der brennenden Stadt.

20 Millionen Mark Schaden in Tschapei In den Straßen Schanghais herrscht eine wildi Unordnung. Ambulanzen, Feuerwehren mit Polizisten, die die Revolver schußbereit halten, fahren durch bit Straßen der internationalen Niederlassung. Der Brand in Tschapei wütet weiter und der bisher angerichtet« Schaden wird auf etwa 20 Millionen 9)1 a r k ge­schätzt. Mehrere Warenhäuser und Fabriken sind voll­kommen niedergebrannt. Auch ein Schauspielhaus und ein Lichtspieltheater soivie eine Reihe von Palästen reicher Chinesen sind dem Feuer zum Opfer gefallen.'

In Schanghai sind neue japanische Trans« p 0 r t m u t t e r s ch i f f e mit insgesamt 5000 Mariue- ittfanleristen eingetroffen. Außerdem wird die Ankunst neuer Flugzeugmutterschiffe mit 7 5 B 0 mbensl u g zeugen gemeldet. Das amerikanische Konsulat hat den amerikanischen Staatsangehörigen in China mitgeteilt, daß sie sich zur Abreise bereithalten sollen.

Kämpfe in der internationalen Zone.

Am Sonntag entspannen sich an mehreren Stellen der internationalen Niederlassung verschiedentlich erbitterte Gefechte zwischen Japanern und chinesischen Scharf­schützen, die sich zum Teil in nächster Nähe des von eng­lischen Truppen scharf bewachten englischen Konsulats abspielten, in dem die Waffenstillstandsbesprechungen statt­fanden. Durch abirrende Kugeln wurden mehrere Zivil­personen verwundet. Die Japaner umzingelten das in der internationalen Niederlassung gelegene städtische Krankenhaus. Auch im nördlichen Teil der internatio­nalen Niederlassung entwickelten sich schwere Schießereien gegen chinesische Scharfschützen. Am Nachmittag begann eine heftige Beschießung der japanischen Brückenwache im Geschästsviertel der internationalen Niederlassung durch chinesische Scharfschützen. 17 Lastwagen wurden mit japanischen Toten und Verwundeten beladen und fuhren nach dem Hafen. Acht Granaten fielen th die intcriyitiO Hale Niederlassung, wobei ein Chinese getötet wurde.

Im amerikanischen V e r t e i d i g n n g s a b - schnitt der internationalen Niederlassung wurden 27 japanische Marinesoldatèn von amerikanischen Sol­daten verhaftet.

China an den Völkerbund.

Die chinesische Regierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch drei Noten übermittelt, in denen eine eingehende Darstellung der militärischen Vor­gänge in Schanghai gegeben wird.

Japaner besetzen Schanghaier Zenkrak- p 0 st a m t.

Die Japaner besetzten das Zentralpostamt der inter­nationalen Niederlassung in Schanghai, weil sich dort an­geblich chinesische Scharfschützen aufhielten. Der japanische Admiral Shèosawa lehnte die Schaffung einer neutralen Zone zwischen Chinesen und Japanern in Schanghai ab.

Der Schanghaier japanische Gesandte kehrte von Be­sprechungen aus Tokio nach Schanghai zurück und wies alle japanische Frauen und Kinder in Schanghai an, die Stadt sofort zu verlassen.

, Aach Schanghai Nanking.

Die Hauptstadt unter japanischen Geschützen.

In Nanking ist das Standrecht erklärt worden. Fünf japanische Zerstörer richteten ihre Geschütze auf das befestigte Gebiet Nankings. Die Ankunft der neuen japa­nischen Kriegsschiffe rief unter den Einwohnern Nankings eine Panik hervor, da man befürchtete, daß die Japaner die Stadt beschießen wollten. Tausende von Einwohnern verließen die Stadt fluchtartig. Der amerikanische Konsul versicherte jedoch, daß die japanischen Kriegsschiffe das Feuer nicht eröffnen würden, falls sie nicht von chinesischer Seite angegriffen würden. Die Chinesen arbeiten fieber­haft an der Befestigung ihrer Verteidi­gungsstellungen. Sie werfen Schützengräben aus und fahren schwere Artillerie sowie Luftabwehrgeschützt in Stellung.

Japanischer Kreuzer beschießt Nanking.

Wie der Kommandant des amerikanischen Zerstörers S i m p s 0 n" aus Nanking meldet, hat der japanische KreuzerHirads" das Feuer aus die Stadt eröffnet. Er hat über achtzehn Schüsse abgefeuert. Mehrere Häuser wurden stark geschädigt.

Wie der 'Kommandant des amerikanischen Zerstörers Simpson" dem Marinedepartement meldete, ist die Beschießung Nankings ohne jede Warnung erfolgt. Der amerikanische Zer­störer habe sich aus der Feuerzone entfernen müssen.

Neue Kämpfe bei Charbin.

Bei Charbin begannen'neue'Kämpfe zwischen den Truppen des Generals Schèscha und den Truppen des ehe­maligen Generals Dintschau um die Stadt Futschasch. Die Truppen Schischas, die aus drei Brigaden bestehen, versuchten, die Stadt zu erobern, wurden aber zurück­geschlagen. Die Verluste werden auf beiden Seiten aus etwa 100 Offiziere und Soldaten geschätzt. Schischa ver­langt die Übergabe der Stadt binnen 48 Stunden und droht andernfalls mit einem Lufibombardement.

Spannung zwischen Moskau und Japan.

Da es den japanischen Truppen trotz fortgesetzter Fluazeugangriffe auf Charbin an der Ostchinabahn in der Mandschurei nicht gelungen ist, in die Stadt cin- zudringen, versuchen sie auf der Bahn in aller Eile neue Truppen heranzuziehen. Die japanischen Truppen haben Züge für den Transport requiriert. _ _

SahmsHindenburg-Ausschuh

Um die Wiederwahl Hindenburgs.

Konstituierung des Sahm-Ausschusses.

Der vom Berliner Oberbürgermeister Sahm ins Leben gerufene Ausschuß zur Vorbereitung der Wieder­wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten hat sich jetzt konstituiert. Sahin hat an etwa 100 Persönlichkeiten seine Einladung herausgehen lassen. Dem Vernehmen nach ist diese u. a. ergangen an die früheren Reichswehrminister Geßler und NoSke, Reichskanzler a. D. Cuno, Staats- minister a. D. Dominicus, Staatssekretär a. D. Lewald. Von den Wirtschaftsführern wurden geladen Geheimrat Duisberg vom Reichsverband der deutschen Industrie, Krupp von Bohlen-Halbach, der Präsident des Reichsland- bundes, Graf von Kalckreuth, Generaldirektor Springo- rum, Bankdirektor Solmsseu, der Präsident des Deut­schen Landwirtschaflsrates, Dr. e. H. Brandes, Heinrich Grünfeld als Vertreter des Einzelhandels. Weiter wurden aufgefordert, den Aufruf zu unterzeichnen: die Generale von Horn sKhffhäuserbund). von Hutter (D. O. B.>, Wächter (R. D. O.s, von Winterfeld (Rotes Kreuz), Gras von der Goltz (V. V. V.), Scldte (Stahlhelm), Holtermann (Reichsbanner).

Unter den Vertretern der Wissenschaft Geheimrat Planck, Professor Junkers, Professor Aubin. Zu den Ge­ladenen gehören auch Gerhart Hauptmann und Max Liebermann. Die Kirchen sind vertreten durch Kardinal Faulhaber und den evangelischen Kirchenprüsidentcn Kaplcr.

Die Formalitäten für eine Präsidentschaftskandidat»!.

Der Sahm-Ausschuß wird nicht etwa, wie vielfach an­genommen. alsbald nach der Bildung zum Reichspräsiden­ten gehen und ihn um Annahme der Kandidatur bitten, sondern er wird erst abwarten, bis er die nach dem Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten erforderlichen 20 000 Unterschriften zusammen hat. Diese Listen gehen an das Reichsinnenministerium, das den Wahlleiter bestimmt, und dieses Hai dann Hindenburg zu fragen, ob er Die Kandidatur an nimmt.

Die Sowjeteisenbahnbeamten sind nun bewaffnet worden, und man befürchtet, daß sie gemeinsame Sache mit den um Charbin herum stehenden chinesischen Truppen machen werden.

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion, Molotow, erklärte in Moskau, die Sowjetunion werde ihre Friedenspolitik fortsetzen. Es seien aber seit geraumer Zeit verschiedene

russenfeindliche Machenschaften

im Gange, die beweisen, daß man einen überfall auf die Sowjetunion vorbereiten wolle. Man sei in Moskau gut unterrichtet über die Verhandlungen zwischen den Weiß- russen und der Tschechoslowakei einerseits und der Tschechoslowakei und Japan andererseits, die sich eine Einkreisung Sowj etrußlands zum Ziele gesetzt hätten.

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Erhöhte Kriegsbereitschaft

der amerikamschen Flotte. Starke Militärtransporte nach Schanghai.

Das amerikanische Marèncamt hat für die gesamte flotte und für die Marinercserviste» erhöhte Bereitschaft ungeordnet.

Vier ainerikanische Torpedobootszerstörer sind auS Manila vor Schanghai eingetroffen. Außerdem hat Präsi- dcnr Hoover angeordnet, daß der Marinetransporter Chaumont" 1000 Mann Infanterie und 400 Seesöldale» von Manila nach Schanghai bringen soll. Der amerika­nische Botschafter hat tm japanischen Außenministerium wegen der Vorfälle in Schanghai erneut scharfen Protest eingelegt. Der englische und der italienische Botschafter machten ähnliche Vorstellungen.

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Japan erklärt.

Der Pariser japanische Botschafter über die Kämpfe in Schanghai.

Der japanische Botschafter in Paris veröffentlicht eine amtliche Verlautbarung, in der es u. a. heißt, daß ein Teil der Öffentlichkeit über die Lage in Schanghai schlecht unterrichtet zu sein scheine. Infolge der japanfeind- lichen Kundgebungen habe sich der japanische Generalkonsul in Schanghai veranlaßt gesehen, dem Bürgermeister dieser Stadt gewisse Forderungen zu über­reichen. Diese japanischen Forderungen seien angenom­men worden. Andererseits seien die Stadtbehörden des internationalen Konzessionsgebietes wegen der drohenden Gefahr genötigt gewesen, am gleichen Tage den Belagerungszustand zu verkünden, und die amerikanischen, britischen, französischen und japanischen Truppen hätten auf Grund eines vereinbarten Planes von den gefährdeten Stadtteilen Besitz ergriffen. Als die japanischen Kriegsschiffe ihren Abschnitt besetzten, hätten chinesische Streitkräfte das Feuer auf sie eröffnet. Angesichts dieses Angriffs hätten sich die Japaner ver- leidigen müssen. Aus dieser Darlegung gehe deutlich her­vor, daß das Kommando der japanischen Streitkräfte in voller Übereinstimmung mit den Kommaudostellen der übrigen Mächte und ebenso in voller Übereinstimmung mit dem Stadtrat des Konzessionsgebietes im Sinne des gemeinsamen Schutzes gehandelt habe.

Absagen an Sahm.

Das Bundesamt des Stahlhelm teilt mit:Der Erste Bundesführer des Stahlhelm, Franz Seldte, hat dem Berliner Oberbürgermeister Dr Sahm mitgeteilt, daß er sich nicht in der Lage sehe, dem von Herrn Sahm geplanten Ausschuß für die Wiederwahl des Reichspräsi­denten von Hindenburg beizutrelen. Diese Stellungnahme, die sich übrigens mit der des Kyffhäuserbundes deckt, richtet sich nicht gegen den Generalfeldmarschall von Hinden­burg. Der Stahlhelm erblickt jedoch weder in Herrn Dr. Sahm die geeignete Persönlichkeit, noch in dem von ihm beschrittenen Wege der Bildung eines vorwiegend mittel- parteilichen Ausschusses das geeignete Mittel für die Be­handlung der Rcichspräsidcntschaftsfrage.

Gräf Kalckreuth, Erster Präsident deS Reichs- landbundes, sagte ab, weil weder er noch der Reichsland­bund von Dem Ausschuß ein zweckvolles Arbeiten in der Präsidentenfrage erwarte.

Wirtschaftspakte! für Hindenburg.

Die Rcichstagsfraktion der Wirtschaftspartei bekannte sich einmütig zur Kandidatur Hindenburg und brachte zum Ausdruck, daß eine andere Kandidatur für die Wirt- schaftspartci nicht in Frage kommt.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichspräsident von Hindenburg stattete der Grünen Woche einen Besuch ab.

* Ter sogenannteSabin Ausschuß", der die Wiederwahl Hindenburgs betreibt, ist jetzt gebildet worden.

' * Der RcichSlanddund veranstaltete eine große Kundgebung gegen die Agrarpolitik der ReichSregierung.

* Die Japaner baden ihre kriegerischen Aktionen von Schanghai ass Nanking auSaebchnt.

" DerHindenburg-Anschuß" hat gestern abend einen Stuf« ruf an Dao deutsche Kolk für Die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten erlassen.