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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

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Nr. 28 1932

Fulda, Mittwoch, 3. Februar

9. Jahrgang

Während im Osten Kanonen donnern...

tagt in Genf die Welt-Abrüstungskonferenz. Wenig ver- heihungsvoller Auftakt. Hendersons Eröffnungs-Rede.

Gewitter über Genf.

Auf der Welrabrüstungskonferenz in Genf treffen sich nach jahrelangen Vorbereitungen die Vertreter von 64 Staaten, um den Versuch zu machen, nicht nur das Wettrüsten zu beenden, sondern auch die vorhandenen Rüstungen wesentlich einzuschränken. Außer den moralischen Gründen sprechen für die Weltabrüstung auch vertraglich fest gelegte Verpflichtun­gen. Sowohl der Versailler Vertrag wie der Völkerbundpakt fordern die Abrüstung. Der erstere nach Maßgabe der von Deutschland bereits vor- genommenen Entwaffnung. Um den berüchtigten K 0 n- v c n t i 0 n s e n t w u r f, den Deutschland mit Recht auf das schärfste ablehnt, werden im Laus der nächsten Wochen und, wie zu befürchten ist, auch die nächsten Monate heftige Kämpfe entbrennen. Von ihrem Ausgang wird es ab­hängen, ob in der Abrüstungssragc irgendwelche nennens­werte Fortschritte erzielt werden können.

Der Brand im F e r n e n Osten gibt der Konferenz eine eigenartige Beleuchtung, und der Geschützdonner um Nanking bietet ihr einen drohenden und warnenden Begrüßungssalut. SoffentHd) bereitet er ihr nicht ein vorzeitiges Ende und damit dem ganzen Völkerbund- gebauten eine Niederlage, von der er sich kaum mehr er­holen dürfte.

Der Auftakt zur Konferenz brachte gleich ein Ge­witter, in dem sich die bis zur Hochspannung geladene Atmosphäre in Gens treffend kennzeichnet. Zwischen dem abrüstungsfreundlichen Präsidenten der Konferenz, Henderson, und dem Generalsekretär des Völker­bundes, Drummond, kam es zu Differenzen, die die gereizte Stimmung zeigen, in der anscheinend die Ver- Handlungen auch ihren ivcitercn Verkauf nehmen werden.

*

Son Abrüstung darf nicht gesprochen werden!

Die zensierte Eröffnungsrede.

Zwischen dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, und dem Generalsekretär des Völkerbun­des, Sir Eric Drummond, ist cs zu einer ernsten Meinungsverschiedenheit gekommen. Henderson hatte be­reits in London seine Eröffnungsrede in allen Einzelheiten ausgearbcitct, in der ein allgemeines Pro­gramm der Aufgaben und der Ziele der Abrüstungs­konferenz entwickelt wird. In der Rede wollte Henderson den entscheidenden Nachdruck auf die Ehrenver- pflichtung aller Staaten legen, auf der Ab­rüstungskonferenz zu einer allgemeinen und ernsthaften Herabsetzung der Rüstungen zu gelangen. Der General­sekretär des Völkerbundes, dem der Entwurf der Rede vor- gelegt worden war, hat jedoch aus das entschiedenste gegen die scharfe Formulierung Hendersons protestiert und die entscheidenden Teile der Rede herausgestrichen mit der Begründung, daß es nicht Aufgabe des Präsidenten der Abrüstungskommission sei, ein allgemeines A b - r ü st u n g s p r o g r a m m vor der Konferenz zu ent­wickeln.

Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, sah sich schließlich gezwungen, die vom Generalsekretär des Völkerbundes bearbeitete Fassung seiner Rede anzu- nehmen.1

d" ^wtz^^ Abrüstungskonferenz.

blindes hat «»£& des Volker- darin eine völlig ^ ausgelöst, da man ^lferlnnibfct ctar a V n die $ i u m i s ch u n g des Abrüstungskonferenz erS "^ des Präsidenten Generalsekretärs des kerb L^ as Vorgehen des m^ â bezweckö^e!^ wX u »$Ä *"»' %? &

Verschiebung der Frie-ensrede.

Es wird zuviel geschaffen in der Welt.

Infolge der alarmierenden Nachrichten, die sowohl das Völkerbundsekretariat wie auch einzelne Delegationen aus dem Osten bekommen hatten, wurde ganz unerwartet eine Sitz ung des Völkerbundrates einberufen, um sich mit der bedrohlichen Lage in China zu beschäf­tigen. Die Eröffnungssitzung der Abrüstungs­konferenz mußte infolgedessen um einige Zeit verschoben werden. Dieser ungewöhnliche Schritt, eine Weltkon­ferenz, die mit soviel Vorbereitungen aufgezogen wurde, zu verschieben, muß sehr starke Befürchtungen in der ganzen Welt auslösen.

Es wird so viel geschossen in der Welt, daß die große Fricdensrede, die die Abrüstung einleiten soll, zunächst zensiert und dann infolge des Widerhalls des Kanonen­donners verschoben werden muß.

*

Süd von der Galerie der Abrüstungs- ____ konferenz.

C1 Staaken find' an der Weltabrüstungskonferenz imVati- ment elcctoral" in Genf vertreten, im großen Saale, in dem sonst die alljährliche Vollversammlung des Völker­bundes zu tagen pflegt. Bereits stundenlang vor Beginn der Konferenz drängt sich eine tausendköpfige Menge vor dem Ein­gangsportal, an dem die einzelnen Delegationen Vorfahren. Die Diplomatentribüne und die Tribüne des Publikums sind bis aus den letzten Platz besetzt. In dem großen Konferenzsaal lagert eine Stimmung gespannter Erregung wegen der Er­eignisse tm Fernen Osten, die wie ein ernster Schatten aus dem Beginn der Abrüstungskonferenz tasten: die entscheidende Be­lastungsprobe des Völkerbundes! Die Abordnungen sitzen in alphabetischer Reihenfolge, in der ersten Bank, unmittelbar vor der Präsidentenbühne, die deutsche Abordnung. Langsam füllt sich der Saal. Die Seitenbänke sind dicht mit den militärischen Sachverständigen, meist hohen Generalstabsoffizieren, besetzt. Ein ungewöhnliches Bild diese Konferenzeröffnung, eine noch nie dagewesene Ansammlung von verantwortlichen Staats­männern, Diplomaten, hohen Militärs, Politikern, dazu Neu­gierige aus aller Herren Ländern. Die Galerie ist ausschließ­lich für die Presse reserviert. Über 500 Journalisten aus allen Erdteilen werden dieser Konferenz ständig folgen.

Der vom Völkerbundrat ernannte Präsident der Ab- rüstungskonserenz, der frühere englische Außenminister Henderson, begibt sich auf den Präsidentensitz. Zu seiner Rechten nimmt der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, gleichzeitig Generalsekretär der Kon­

Eine geschichtliche Stunde hat geschlagen.

Henderson über die Aufgaben der Konferenz.

Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Hend er. s 0 n, führte in seiner Eröffnungsrede folgendes auL:

Die Konferenz steht vor der tragischen Tatsache, daß im Augenblick der Eröffnung seiner Arbeiten i m Fernen Osten eine außerordentlich schwierige Lage entstanden ist. Es ist eine imperative Pflicht für die Untcrzeichncrstaaten des V ö l l c r b u n d p a k t c 8 und des Kellogg-Paktes, sich an die genaue Ein­haltung dieser beiden großen Sicherheiten und Garantien gegen Krieg und Gewalt zu galten. Eine geschicht - > ichc Stunde hat geschlagen. Die Konferenz ist einzigartig in ihrer Bedeutung und umfaßt die Ver­treter des Völkerbundes und der außerhalb des Völker­bundes stehenden Staaten. Hier sind nunmehr die Wort­führer von 1700 Millionen Menschen versammelt.

Die Konferenz hat Fragen aller Nationen und aller Klassen der Welt zu behandeln. Über die Schwierig­keiten darf man sich keinen Illusionen hingeben. Wir müssen den festen Entschluß zeigen, diese Schwierigkeiten zu überwinden und Wege zu schaffen, neue glorreiche Ausblicke der Menschheit zu eröffnen.

Die Aufgabe der Konferenz oestcht daher nach meiner Auffassung in folgenden drei Punkten:

1. Ein gemeinsames Abkommen über ein wirksames Programm praktischer Vorschläge, um so schnell wie möglich eine wesentliche H c r a b s c tz 11 n g u n d B c - s ch r ä n k u n g der R ü st u n g e» aller Länder zu er­reichen.

2. Keinerlei Rüstungen außerhalb des jetzt fcstzu- setzenden Rahmens des Vertrages, durch den sich alle Nationen verpflichten, das große Ziel der allge- m einen Abrüstung zu erreichen.

3. Sicherung der weiteren Arbeiten, um das end­gültige Ziel zu erreichen, auf dem Wege ähnlicher Konferenzen, die in kurzen Zeitabschnitten zusawmen- treten sollen.

ferenz, Platz, zu seiner Linken Dolmetscher. Auf den Bänken neben dem Präsidenten sieht man die hohen Funktionäre des Völkerbundes, die Untergeneralsekretäre und die Abteilungs­direktoren. Henderson spricht englisch, die wichtigsten Teil- seiner Rede stark unterstreichend. Seine klare, deutliche Stimme, der man die Erregung sehr anmerkt, durchdringt den lautlosen Saal. Henderson erklärte die Abrüstungskonferenz für eröffnet. Millionen von Rundfunkhörern in der ganzen Welt haben diese Sitzung lauschend miterlebt, fast alle Großsender der Erde haben sie verbreitet.

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Frankreichs Front gegen Abrüstung.

Kleine Entente wirbt für dieSicherheiisihesc".

Die Außenminister von Südslawien, Rumänien und der Tschechoslowakei tagten in Montreux. Sie sind übereingekommen, auf der Abrüstungskonferenz die f r a n- zösische Sicherheitstheje uneingeschränkt zu ver­treten. Ferner wurde beschlossen, in kurzem mit den Ver­tretern der drei baltischen Staaten, Polens und Griechen­lands zusammenzukommen, um auch diese für die Haltung der Kleinen Entente in der Abrüstungsfrage zu gewinnen. Wenn das gelänge, würde Frankreich mit diesen acht Staaten geschloffen die französische Sicherheitsthese ver­treten und dadurch praktische Fortschritte auf dem Gebiete der Abrüstung unmöglich machen.

Die nächsten Tage wird sich die Konferenz mit der Wahl des Präsidiums beschäftigen. Es ist ein fünfzehn- köpfiges Präsidium geplant. Die Großmächte und die kleineren Staaten sollen je zur Hälfte im Präsidium ver­treten sein. Bisher sind fünf Ausschüsse vorgesehen, und zwar je ein Ausschuß für die Land-, See- und Luft­rüstungen, ein politischer und ein juristischer Ausschuß.

Die Hauptaussprache in der Konferenz soll erst am 8. Februar beginnen. Zu diesem Tage erwartet man in Genf den Reichskanzler Brüning, den Ministerpräsidenten Macdonald und möglicherweise auch den Ministcrprâ- stdenten Laval. Es wird als feststehend angesehen, daß die Ministerpräsidenten ihren Genfer Aufenthalt zu ein­gehenden vertraulichen Verhandlungen über die Tribut­frage benutzen werden, die damit in den Vordergrund des internationalen Interesses rücken wird.

Die Hauptaussprache soll vier bis fünf Wochen dauern und wird dann voraussichtlich zu Ostern für ein oder zwei Monate unterbrochen werden.

Für die Konferenz sind über 500 Journalisten aus allen Ländern der Erde, darunter an 60 Journalisten aus Deutschland, angemeldet. Die kriegerischen Ereignisse im Fernen Osten werden allgemein als ein unheilvoller Aust fast zur Abrüstungskonferenz empfunden.

Es kann nicht geleugnet werden, daß die

Furcht der Nationen vor Angriffen

einer der Gründe für die Aufrechterhaltung der schweren Rüstungen in der Welt war. Dennoch bedeutet das Be­stehen von Rüstungen eine der H a u p t u r s a ch e n der gegenseitigen Furcht und des Argwohns, die das inter- nationale Leben vergiften, den Willen zum Frieden para­lysieren und die Rationen immer wieder in das Wettrüsten schleudern. Der Völkerbund hat seit seinem Beginn an der Organisation des Friedens gearbeitet.

Aber das Empfinden für die Unsicherheit hat bisher fortgesetzt zu neuen Rüstungen geführt und das An­wachsen der Rüstungen führte seinerseits wieder zu einem fortgesetzten Anwachsen des Empfindens der Unsicherheit. Dieser Zirkelausschuß muß jetzt unterbrochen werden.

Die Mitglieder des Völkerbundes haben sich im Artikel 8 des Völker bundpaktcs verpflichtet, daß die Aufrechterhaltung des Friedens eine Herabsetzung der nationalen Rüstungen zu dem niedrigsten Punkte fordert, der mit der nationalen Sicherheit vereinbar ist und mit gemeinsamem Vorgehen die internationalen Ver­pflichtungen zu stärken. Es bestand bisher das c!H gemeine Erwarten, daß die Verpflichtung des Artikels 8 des Völkerbundpaktes

so schnell wie möglich ausgcführt w ü r d c.

Diese Verpflichtung bleibt weiter auf allen Mitgliedern des Völkerbundes lasten und jeder einzelne muß jetzt ver­suchen, den Völkerbund von dieser Vcrvflichtuiia m oc-

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der Völkerbundrat beschäftigte sich 'n e'ner, «"»"ordent­lichen Sitzung mit dem japanisch-chinesischen Konflikt und sor­tierte sofortige Einstellung der Fe>ndseligkctte».

* Die Wcltadrüpungskonscrenz ist in Kens zusammengctretcn.

* ein schweres Erdbeben auf Euba bat große Bcrffecrungcn Li-aerichet; 15W Molchen sollen »mgekowmen fein.

* Zn Nrnttiks ist wieder eine WjjW Bobmsrm schalt rtt« unglöckt.