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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

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Jir. 32 1932

Fulda, Montag, 8. Februar

9. Jahrgang

Litauischer Gewaltstreich in Memel

Der Landespräsident von den Litauern entführt.

Ein litauischer Anschlag gegen den deutschen Landes- prâsidentcn des autonomen Memelgebietes, den man in Memel schon lange befürchtete, ist jetzt erfolgt. Landes­präsident Böttcher wurde durch zwei litauische Offiziere in einem Auto entführt. Der litauische Gouverneur Merlys erschien im Landesdirektorium und forderte einen der Landcsdirektorcn auf, die Geschäfte zu übernehmen. Als das abgelehnt wurde, setzte er einen g r 0 ß - litauischen Landesrat ein.

Der Amtsraun^ des Landesdirektors Böttcher wurde versiegelt, die Telephone gesperrt bzw. unter Zensur gc- stcöt. Gouverneur Merkys soll erklärt haben, daß er die ergriffenen Maßnahmen auf Veranlassung der K 0 w» naer Zentralregierung durchführe.

*

Der Giaaisfireich in Memel.

Vor einem Eingreifen des Völkerbund, r a t e s.

Die von Merkys getroffenen Maßnahmen werde» von allen litauischen politischen Kreisen, wie vorauSz« sehen war, gebilligt Man gibt in maßgebenden politische» Steifen ihre Unrechtmäßigkeit sogar unumwunden zu glaubt aber, sie damit rechtfertigen zu können, daß bei den Verbleiben Böttchers in seinem Amt die öffentlich, Ordnung im Memelgebiet gefährdet ivorden innre.

Nach den in Königsberg vorliegenden Nachrichten soll die Polizei tm Memelgebiet außerordentlich verstärkt worden sein, weil man glaubt, daß die Bevölkerung aui den Staatsstreich antworten könnte.

Faule Ausreden.

über die mit der Verhaftung des Landespräsidenten ^ètichcr eingeleitete litauische Aktion gegen bas Memel- gebiei schreibt die litauische TelegraphenagenturElla", daß Der Schritt des Gouverneurs aus Grund der beab- ilchtigken Reise Böitchers nach Berlin, wo er Verhandlungen mit der Regierung eines fremden Staates dabt führen sollen, erforderlich geworden fei Die Ver- Wung Böttchers erfolgte aus Befehl des Kriegskomman- danien von Litauisch Krottingen Diese Kommandantur umfaß, einen großen Teil Großlitauens und des Memel- gebttiz sie wurde seinerzeit bet der Einführung des llneyszustandes tm Memelgebiet geschaffen, um daS âmelabkommen auf dem Wege über die Militärgesetze ""'gehen zu können.

Bruch der Mcmclkonvention.

Der Heimatbund Ostpreußen hat an das Auswärtige Amt ein Telegramm gerichtet, das daraus daß der litauische Vertragsbruch in Memel

Die Bölkerbundarmee

//ManiastLsch, zwecklos und undurchführbar!"

Der Ein druck

be3 französischen Vorschlags in Genf.

. . Die Vorschläge der französischen Regierung zur Sicher- Hects- und Abrüstungssrage haben nach Mitteilungen aus englische«, italienischen, holländischen und schweizercschcn Kreisen in Gens allgemein, selbst bis in die franzo- stsche Staatengruppe hinein, einen autzcr 0 rdent - «'ch u ii g ü nstigcn Eindruck hervorgerusen. » Vorschläge werden heute schon übereinstimmend als ebenso Phantastisch wie z w c ckl 0 s»und uNdu rch - suhrbar bezeichnet, insbesondere, da sie in keiner Welse der Abrüstung, sondern durch Schaffung einer neuen Vvlkcrbuitdarntcc nur der Aufrüstung dienen könnten. Die nnlitärische Überlegenheit der heute schwcrgcrüstcten «taaten würde damit endgültig gesichert sein.

In gewissen französischen Kreisen wird offen erklärt, daß die Vorschläge lediglich als eine Vorbereitung »er Parlamenlswahlcn aufzufassen seien und die frail- DOfifdfe Regierung sich über die völlige Aussichts- -osigkeit einer Annahme und Durchführung dieser Vorschläge im klaren wäre. Auffallend ist insbesondere die Entrüstung, die in englisch e n Abgeordnetenkreisen offen gezeigt wird. Man erklärt, daß die englische Ab­ordnung durch die französischen Vorschläge aufs un­angenehmste berührt worden sei.

Am stärksten scheint die Ablehnung in den Kreisen »er italienischen und der holländischen Ab- ordnung zu sein, in denen betont wird, daß die fran- üostsche Regierung durch Kontrolle der deutschen Luftfahrt, Deutschland die einzigen nach dem Ver- lailler Vertrag noch verbliebenen Eutwicklungsmöglich- leiten nehmen »volle. In italienischen Kreisen wird "klärt, die französischen Vorschläge könnten in keiner ^cise angenommen werden.

Auf deutscher Seite gibt man offen zu, daß diese Vorschläge selbstverständlich für Deutschland in jeder Dichtung untragbar sind, insbesondere, da sic 'u keiner Weise als eine Erfüllung der Abrüstungsvcr- pslichtungüu des Völkerbundvaktes und de^ BMüTer 83er« «liges anzusehen sind.

unverzügliche deutsche Gegenmaßnahmen sowie Dring- lichkeilsbeschwerde in Gens erfordere. Die Absetzung und Verhaftung des Landespräsidenien Böttcher und Übergabe der Regierung an den Großlitauer T 0 lischus bedeuten einen Bruch der Memelkonvention, mit denen sich nunmehr dringend die Unterzeichnerstaaten der Konvention zu beschäftigen haben werden.

Der Eindruck in Genf.

Die Nachrichten über den Staatsstreich in Memel haben einen überaus starken Eindruck hervorgerusen. In den Lagern der Unterzeichnerstaaten des Memelstatuts, England, Frankreich, Italien und Japan, wurde sofort erklärt, daß der Völkerbundrat einen Bruch der Memel- konventiou durch die litauische Regierung unter gar keinen Umständen zulaffen könne und daß unverzüglich der Völkerbundrat zu einer neuen außerordentlichen Sitzung zusammcntreten müsse. Man erwartet auch eine An­rufung des Völkerbundrates durch die deutsche Regierung.

Die Vorgänge im Memelgebiet bilden den allgemeinen Gesprächsgegenstand und werden in allen Abordnungen in Genf auf das schärfste und mit großer Entrüstung beurteilt.

" Der deutsche Schritt in Genf.

Sondertagung über Memel.

Die Neichsregierung hat den Beschluß gefaßt, an­gesichts der flagranten Verletzung des Memel­abkommens durch die litauische Regierung an den Generalsekretär des Völkerbundes das amtliche Ersuchen zu richten, den Völkerbundrat unverzüglich zu einer außerordentliche« Ratstagung zur Behandlung dieses Falles einzuberufen.

Die deutsche Abordnung wird mit den vier Unter­zeichnerstaaten des Memelabkommens, England, Japan, Frankreich und Italien Fühung nehmen. Die Lage wird in Kreisen der deutschen Abordnung außerordentlich

ernst beurteilt.

Die Reichsregierung ist fest entschlossen, alle Maß­nahmen zu ergreifen, um die litauische Regierung zu Rückgängigmachung des Staatsstreiches und zu Wiedergutmachungsmaßnahmen

einer sofortigen im Memelgebiet

zu zwingen.

Das Vorgehen der litauischen Regierung hat in weitesten internationalen Kreisen größte Empörung aus­gelöst. Allgemein wird verlangt, daß der Völkerbundrat jetzt unverzüglich schärfste Maßnahmen ergreift, um die litauische Regierung zu einer Einhaltung des abkommens zu zwingen. Man erwartet, daß europäischen Großstaaten dem Vorgehen der

Memeb

regierunz anschließc« werden.

sich die ReichS-

Brüning in Genf.

Empfang bei der deutschen Abordnung.

Reichskanzler Brüning ist in Begleitung des Staats­sekretärs von Bülow, des Reichspreffechefs Zechlin und des Oberregierungsrats Planck in Gens eingetroffen. Auf dem Bahnhof waren Botschafter Radolnv und Graf Welczek, der deutsche Gesandte in Bern, Müller, der deutsche Untergeneralsekretär Dufour-Feronce, der deutsche Generalkonsul Völkers, sämtliche Mitglieder der deutschen Abordnung, die deutschen Beamten des Völkerbund- sekrelariats und des Internationalen Arbeitsamts, die Spitzen der deutschen Kolonie und deutsche Pressevertreter erschienen. Der Reichskanzler begab sich vom Bahnhof nach dem HotelMetropole", dem Sitz der deutschen Ab­ordnung. m t m .

Laufe des AlendS hat Dr. Brunmg dem Prä­sidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, einen Be­such abgcstattct. Am Abend fand im HotelMetropole" ein Empfang statt, 51t dem die deutsche Abordnung, die deutschen Mitglieder des Völkerbundsekretariats und des Internationalen Arbeitsamts, die Spitzen der Genfer Kolonie und einige deutsche Pressevertreter mit ihren Damen eingeladen waren.

15 Millionen Frauen fordern Abrüstung.

Große internationale Kundgebung in Genf.

Die Sitzung der A b r ü st u n g s k 0 n f e r c n z stellte eine Kundgebung der großen internationalen B e r b ü n d e und O r g a N i s a t i 0 n e n für die Ab­rüstung dar. gu Worte kamen Vertreter der internatio­nalen Frauenverbände, der internationalen kirchlichen Organisationen, der Studcntenvcrbände, der internatio­nalen sozialistischen Arbeiter und des Weltverbandes der Völkerbundliga. Eine A b 0 r d n u n g von mehreren hundert F r a u e n betrat in geschlossener Marsch­kolonne den Saal und gruppierte sich um das Präsidium. Die Vorsitzende der internationalen Weltfrauenvcrbände. Mary Dingman, sprach

tot Namen von 45 Millionen Frauen auL 56 Lön-ern.

die, in 50 internationalen Verbänden zusammengeschloffen, den Aufruf der internationalen Frauenorganisationen unterzeichnet haben. Sie betonte, daß die Welt heute dringender denn je die Abrüstung brauche und daß der Fortbestand der gegenwärtigen Rüstungen zu einem Zu­sammenbruch der Zivilisation führen würde. Im Namen der internationalen kirchlichen Organisationen sprach in deutscher Sprache der Generalsekretär Müller.

Starkes Aufsehen erregte sodann die Erklärung des früheren belgischen Ministerpräsidenten Vandervelde als Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterinternationale, deffe« Ausführungen in grundsätzlichen Punkten mit dem deutschen Standpunkt übereinstimmten.

Das System der Abrüstung kann nur auf der

Gleichheit der Rechte und Pflichten begründet werden. Nichts wäre für den Frieden verderb­licher, als die Siegervölker und die besiegten Völker auf die Dauer nach verschiedenem Recht behandeln zu wollen.

Unter stürmischem Beifall des Saales betrat sodann Lord Robert Cecil als Präsident des Weltverbandes der Völkerbundliga die Tribüne. Er betonte sogleich, daß er nicht als Vertreter der englischen Regierung spreche, rind verlangte

völlige Gleichberechtigung aller Mächte in der Abrüstungsfrage,

Beseitigung der Unterscheidung zwischen Sieger- und Be­siegtenstaaten, 25 Prozent der Herabsetzung aller Rüstungs­ausgaben, allgemeines Verbot derjenigen Waffen, die dem besiegten Staat von den Siegerstaaten verboten worden seien, internationale Kontrolle der Rüstungen,

*

Abrüstungsredner mit Maulkorb.

Neuer Zwischenfall auf der Abrüstungs­konferenz.

In der Sitzung der Abrüstungskonferenz kam es zu einem viel erörterten Zwischenfall. Der belgische Minister­präsident Vandervelde, der im Namen der Sozialistische« Arbeiterinternationale sprach, sah sich gezwungen, seine Rede mit der Bemerkung zu unterbrechen, daß er auf den ausdrücklichen Wunsch des Präsidiums der Konferenz leider nicht in der Lage fei, einen Teil seiner vorgesehenen Erflärungen abzugeben.

Er sehe sich jedoch gezwungen, der Konferenz mitzu­teilen, daß er seine Rede bereits der internationalen Presse übermittelt und somit die Veröffentlichung dieses Teiles seiner Rede nicht mehr aufzuhalten sei. Er habe dem Wunsch des Präsidium nachgeben müssen, obwohl er die Auffassung des Präsidium nicht teilen könne.

*

Lin Geschäft für die Wungsinduftrie. italienische Meinung über die Völker­bund a r m e e.

ImGiornale d'Jtalca" wcnvel sich der Vertrauens- mann Muffolims, Gay da gegen Den von Lardieu in Genf etngcbrachtcn Vorschlag: Die Bildung eines inter­nationalen Heeres im Dienste des Völtcrbunveö bedeutet die Verwandlung desselben in einen überftaat mit Exekutivgewalt über die anderen Staaten.

^er größte TeU der Großmächte, die zum Vocker- »und gehörten, seien zwar zu internationaler Zusammen­arbeit bereit, jedoch durchaus nicht geneigt, eine V a s a l l e n st e l l u n g dem Völkerbund gegenüber etn- zunehmen. Die Bildung eines internationalen Heeres neben den bereits bestehenden Armeen, für die Der fran­zösische Vorschlag nicht einmal genaue Abrüstungs­bestimmungen enthalte, bedeutet letzten Endes eine Zu­nahme der Rüstungsausgaben, Die dazu, paradorerweise, im Namen der allgemeinen Abrüstung erfolgen würden. Die Bildung eines internationalen Lieeres'in Form einer Fremdenlegion würde nur zu Streitigkeiten zwischen den daran beteiligten Staaten führen. Gayda kommt zum Schluß, daß die Bildung einer, internationalen Heeres nur ein gutes Geschäft s ü r d i e Rüstungsindustrie sein wurde.

Aufruf der Marburger Dozenten zur Wahl Hindenburgs.

Marburg, 5. Febr. Die Dozenten der hiesigen Universi­tät haben einen Aufruf veröffentlicht, in dem es heißt: Der Generalfcldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg ist für die ganze Welt das Sinnbild des unbeirrbaren und unbesieglichen deutschen Lebenswillens. In dieser Stunde, « der unter seiner Führung das deutsche Volk den cntschei- Denbcn Kampf um seine Freiheit ausgenommen hat, darf se nicht geschehen, daß die Wiederwahl Hindenburgs unter den trüben Vorzeichen innerpolitischer Kämpfe vor sich geht. Der Aufruf fordert, daß die Volkswahl Hindenburgs als ein großer einmütiger Akt des Dankes, des Vertrauens und der Liebe vollzogest werde.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Gegen Die neuen französische« /ügcmmchrMn über deutsche Gchcimrüstungcn wendet sich das Acidjuiun

Ministerium. .

* DaS ReichSkabmett hat die Verordnung über btc Neu­regelung der Ostcntfchuldung erlassen.

* pinc »roste Kundgebung der internationalen Verbände für Abrüstung fand tu Genf auf der AVrüstungSIouferenz stau.

* Auf Veranlassung der litauischen Zentralregierung mürbe der L-mdespräfideut in Mmuc! eursAhrt yeb eto grsUirsMSes Lavdesrat als Regierung eingesetzt.