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Zulöaer MZeiger

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5h. 33 1932 "

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

Zul-a- un- Haunetal Fuldaer Kreisbla«

Re-aktton un- Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-Rnfthluß Nr. -->4

Nachdruck der mit * versehenen Betitel nur mit «Vuellenangadr .Zul-aer fiazeiger'arNaNet.

Fulda, Dienstag, 9. Februar

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9. Zahrgang

Reden um Rüstung

Die Mröstungmogramme der Völker.

Allgemeine Aussprache in Genf.

Die allgemeine Aussprache der Abrüstungskoilferenz hat begonnen. Der Sitzungssaal war wieder bis aus den letzten Platz besetzt. Die Aussprache eröffnete der e n g - lifche Außenminister Sir JohnSimon, der seine Rede zunächst mit der Mitteilung begann, daß der Ministerpräsident Macdonald entgegen seinen ur­sprünglichen Absichten und zu seinem lebhaften Bedauern verhindert sei, selbst den Standpunkt der englischen Re­gierung darzulegen. Simon führte dann u. a. folgendes aus: Niemand glaubt mehr heute, daß der Frieden der Welt nur durch Vorbereitung des Krieges gesichert wer­den kann.

Ein hoher Rüstungsstand ist heute kein Ersatz mehr für die Sicherheit. Im besten Falle kann er die Illusion der Sicherheit schaffen, wobei wieder auf der anderen Seite bei anderen Völkern das Gefühl der Unsicherheit geschaffen wird. Das Ideal, das angestrebt ivcrden mutz, ist die Sicherheit für alle. Diese Sicherheit hängt entschei­dend von der Herabsetzung der Rüstungen ab.

Englands Methoden.

Die Abrüstung kann durch zwei Methoden er­reicht werden. Die eine ist die Festsetzung einer Höchst­grenze der Rüstungen, die andere liegt auf dem Wege eines internationalen Abkommens, das bestimmte Kriegs­ivaffen und Methoden ausschließt. Für beide Methoden ist in Zukunft eine internationale Autorität notwendig, die die Einhaltung dieser Vereinbarungen sichert. Die englische Regierung setzt sich für die beiden Methoden ein. Eine Herabsetzung der Heeresausgaben um 25 Prozent ist unbedingt notwendig.

Zum Schluß gab Simon kurz zusammengefaßt das Abrüstungsprogramm der englischen Re­gierung bekannt. Die englische Regierung nimmt den vom Abrüstungsausschuß ausgearbeiteten A b kom­me n s e n t w u r f als Grundlage der Verhandlungen an, ferner den Vorschlag in diesem Abkommen auf Fest­setzung von Höchstgrenzen für die Rüstungen. Sie unterstützt den Vorschlag auf Schaffung eines st ä n - digen Abrüstungsausschusses und verlangt die völlige A b s ch a ffung der Unterseeboote, der Gas- und chemischen K r i e g s f ü h r u n g. Die Abschaffung der allgemeinen Dienstpflicht muß eingehend gevrüft werden. Die englische Regierung verlangt aber zu­nächst praktische Maßnahmen, um zu einer Beschränkung der aktiven Truppenbestände zu kommen, ferner eine wesentliche Herabsetzung der allgemeinen Rüstungen.Der Erfolg ist demjenigen sicher, der entschlossen ist, Erfolg zu haben."

Frankreichs Gicherheèisprogramm.

Nach Außenminister Simon sprach der franzö­sische K r i e g s m i n i st e r Tardieu. Er führte etwa folgendes aus: Der Völkerbundpakt sieht ins­besondere die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit seiner Mitgliedstaaten vor und stellt damit den Unlerzeichnerstaaten eine gemeinsame Aufgabe, die letzt von der Konferenz erfüllt werden niuß.

Diese Aufgabe besteht in der Beschränkung und Her­absetzung der Rüstungen nach vier Bedingungen: Sicher- heit, Prüfung der gemeinsamen Äerpflich - tu n g, geographische Lage und besondere Bedingungen. Diese Aufgaben, die 1919 gestellt wurden, müssen jetzt 1932 gelöst werden.

Der französische Vorschlag drückt die Ansicht der fran­zösischen Regierung aus, daß der Artikel 8 des Völkerbund­paktes sämtliche Fragen der gemeinsamen Sicherheit und der Regelung der Rüstungen umfaßt. Frankreich fordert einen Völkerbund, der stark genug ist, den Frieden zu orga­nisieren. Ein entscheidender Schritt in der Richtung zum «rieben muß jetzt gemacht werden, aber man darf sich keinen Augenblick von der Hauptaufgabe entfernen.

Die Konferenz ist nicht beauftragt, die Karte der Welt zu ändern, einen neuen Friedensvertrag auszuarbcitcn oder Probleme zu lösen, die mit dem Völkerbundpakt nichts zu tun haben. Wenn jetzt an Stelle der Gewalt vertragliche Garantien gesetzt werden, so würde man damit von neuem seine Treue zu den bestehenden Unterschriften bekunden.

Frankreich hat bereits freiwillig eine wesentliche Herabsetzung seiner Rüstungen borgenommen und ist bereit, die vertragliche Verpflichtung zu übernehmen, seine Rüstungen für eine bestimmte Zeit herabzusetzen.

. Frankreich hat es niemals unterlassen, Zeichen seines Großmuts zu geben; es hat 1930 eine in der Geschichte einzig dastehende Entschließung gefaßt; fünf ^uhrc vor dem Ablauf Gebiete aufzugeben, die als ein territoriales Pfand Frankreichs nach den Verträgen über» mittelt worben waren. Das französische Volk zieht aus dieser Lage den Schluß, daß die Abrüstungskonferenz jetzt handeln muß. Wenn die Konferenz zusammeubricht, so wird es der Zusammenbruch des größten Versuches sein, den je die Menschheit gemacht hat.

'*

Der Eindruck derFriedensreden".

Frankreich bleibt beim Versailler Diktat.

In der Rede, die der englische Außen- minister S i in o n zur Abrüstungsfragc hielt, findet besonders die ungewöhnlich energische Forderung auf Abschaffung per II n t c r f c c b o o t e,_ der ein

großer Teil der Rede gewidmet war, allgemeine yenct)» tung. Im übrigen ist festzustellen, daß die englische Re­gierung sich uneingeschränkt auf den Boden des A b - lommensentwurfes des Abrüstungsausschusses des Völkerbundes stellt und sich für die Festsetzung eines Höchstmaßes der Rüstungen, Herabsetzung der Heeresaus­gaben um 25 Prozent und Abschaffung des Gas- und Bombenkrieges einsetzt. Allgemein bemerkt wurde, daß die englische Regierung die Washingtoner und Londoner Floitenabma thun gen als Grund­lage der Flottenberatungen der Abrüstungskonferenz er­klärt und sogar von der Konferenz eine allgemeine An­nahme dieser Vereinbarungen fordert. Der Hinweis auf die französischen Vorschläge war in der Rede höflich, jedoch äußerst kühl und diplomatisch gehalten und be­schränkt sich auf die Zusicherung der Prüfung der fran­zösischen Vorschläge. Der deutsche Standpunkt fand in einem, wenn auch vorsichtig formulierten Hinweis Berücksichtigung, daß ein bereits abgerüsteter Staat durch­aus verlangen könne, daß seiner Lage Rechnung getragen würde. Die Rede des englischen Außenministers wurde langsam und kühl ohne innere Beteiligung und ohne jede Wärme verlesen. Der übliche Beifall war eher höflich als warm.

Die Rede T a r d i e u s wurde am Anfang und am Schluß mit langanhaltendem Beifall der Versammlung angenommen. Tardieu verlas seine schriftlich festgelegte Rede mit großer Entschiedenheit, besonders den Tei! her­vorhebend, in dem die Leiden Frankreichs durch den Welt­krieg geschildert und die Forderung nach neuenSicher- Heitsgarantien für Frankreich erhoben werden. Die Rede Tardieus hat in deutschen Kreisen einen außer­ordentlich u n g ü n st i g e n Eindruck gemacht, zumal daraus hervorgeht, daß sich die französische Regierung von neuem uneingeschränkt aus den Boden des Versailler Vertrages stellt. Mit großer Entrüstung wird die Be­hauptung Tardieus zurückgewiesen, daß Frankreich es nie­mals an Großherzigkeit habe fehlen lassen und daß die Rheinlandräumung ein in der Geschichte einzigartig da-

Der litauische Gewaltakt

Der offene Bruch des Kemel- abkommens.

DiedeutscheMemelnoletnGenfüberreicht.

Die vom Reichskanzler Brüning unterzeichnete Note in den Generalsekretär des Völkerbundes, in der die keichsrcgierung beantragt, die Vorgänge im Memelgebiet ms die Tagesordnung einer außerordentlichen, sofort ein» jnbcrusendcn Sitzung des Völlerbundrates zu setzen, ist sem Generalsekretär des Völkerbundes übermittelt worden.

Dieser hat die Note unverzüglich telegraphisch der litauischen Regierung übermittelt mit dem Ersuchen, einen Vertreter für die Verhandlungen im Völkerbundrat zu ernennen. Satzungsgemätz ist daS deutsche Ersuchen auf Sie Tagung des Völkerbundrates gesetzt worden. _

Dcr deutsche Bundespräsident Böttcher (linkS), der auf Veranlassung des litauischen Gouverneur» Merlys (rechts) verhaftet wurde.

In der Note weist die Reichsregierung darauf hin, daß die litauische Regierung durch Un wmkuritcyes Vor- geben einen offenen Bruch des Memelabkommens be­gangen habe und daß es nunmehr die Pflicht des Völker- bundrates als Schützer des Memelabkommens sei, unver­züglich und mit größter Entschiedenheit alle Maßnahmen zu treffen, um die Einhaltung des Abkommens herbeizu- führen und die litauische Regierung zu einer Zurück­ziehung ihrer Maßnahmen und zur Wiedergutmachung

zu zwingen.

*

In einem Teil der Presse ist der Reichsregierung Vor» geworfen worden, daß sic sich in der Memelfrage zu stark zurückgehalten habe. Von zuständiger Stelle lvird demgegenüber darauf hingewiescn, das; man zunächst die Tatbestände habe nachprüfen müssen. Erst nachdem sich das Auswärtige Amt davon überzeugt gehabt habe, daß tat­sächlich ein Einbruch in das M e m e l st a t u 1 vorlicgc, seien die erforderlichen Schritte getan worden.

stehender Fall Von Großmut sei. " Das französische Ab­rüstungsprogramm läßt sich in den Vorschlag zusammen­fassen:

Neue Sicherheitsgarantien im Rahmen des Versailler Vertrages zur endgültigen Stabilisierung des in Versailles geschaffenen Zustandes. In der Rede Tardieus findet sich kein Wort von einer ernsthaften Herabsetzung des gewal­tigen französischen Rüstungsstandes.

Ae-tvvrllmecht,SicherhritvorMcht!"

Proteste der Frontkämpfervereinigungen

Deutschlands, Österreichs, Ungarns und Bulgariens.

Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, hat an die Abrüstungskonferenz gedrahtet: »Wir lehnen den vor­liegenden Konventionsentwurf ab. weil er den unerträg­lichen Zustand der Wehrlosigkeit Deutschlands gegenüber stark gerüsteten Nachbarn verewigen würde und wir for­dern die Aufhebung derjenigen Vertragsbestimmungen, die die Wehrhoheit Deutschlands beschränken."

Der Bundesvorstand des Deutschen Reichskrieger­bundes Kyffhäuser richtete an die deutsche Abordnung in Gens ein Telegramm:Durch Vorschlag Völkerbund­armee sucht Frankreich Weltabrüstung zu sabotieren, deutsches Recht mit Füßen zu treten. Deutschlands und der Welt Lebensinteressen verlangen, daß Abrüstungs­konferenz Recht vor Unrecht und Sicherheit vor Macht stellt."

Ebenso erhebt der Nationalverband deut­scher Offiziere erneut Einspruch gegen die nieder­trächtige Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege und erklärt, daß das deutsche Volk nicht länger gewillt ist, als einziges auf Gleichberechtigung im Rate der Völker zu verzichten.

- Telegramme ähnlichen Inhalts sind vom Reichs­offiziersbund und vom Deutschen Offizierbund nach Genf gesandt worden. Die Frontkämpfervereinigung Deutsch- Österreichs, die ungarische Frontkämpferorgani­sation Move und der bulgarische Frontkämpferbund haben im gleichen Sinne an die Abrüstungskonferenz appelliert.

WeiterePersonalveränderungen" in Memel.

Der an Stelle von Böttcher eingesetzte Landespräsi« dem T o l i s ch u s hat seine Arbeit im Sinne des Gouver­neurs Merkys begonnen, indem er die memelländischen Polizeikommissare vorläufig beurlaubt und weitereP e r» sonalveränderungen" im Beamlenkörper des Direktoriums vorgenommen hat. Ferner Hai er die Ver­trauensleute des Gouverneurs in leitenden Posten unter» gebracht.

Memel forderi das

Gelhstbestimmungsrecht.

Die unmögliche litauische Souveränität

Unter dem Druck der letzten Ereignisse, die deutlich beweisen, daß Litauen die Memellandautonomie völlig zerschlagen will, erhebt sich in der Bevölkerung des Memel- gebietes immer deutlicher die Forderung auf Selbst­bestimmung durch eine Volksabstimmung. Allgemein ist man der Auffassung, daß im Hinblick auf die zahlreichen Verletzungen des Mcmelstatuts der jetzt durchgeführte Staatsstreich dem Völkerbundrat Veranlassung geben müßte, festzustcllen, daß Litauen die Bedingungen, unter denen es die Souveränität über das Memelgebiet erhielt, nicht erfüllt hat und daß es infolgedessen seiner Rechte verlustig gegangen ist.

Nach Artikel 1 des Memclabkommens hat Litauen von den alliierten und assoziierten Hauptmächten die Souveränität über das Memelgebiet aus­drücklich nurunter Vorbehalt der in diesem Abkommen festgesetzten Bedingungen" erhalten. Die Memel- länder glauben sich daher zu der Forderung berechtigt, ihr Sclbstbèstimmungsrecht auf dem Wege einer vom Völker­bund durchgeführten Volksabstimmung geltend machen zu können, nachdem das Gebiet seinerzeit ohne Volks­befragung von Deutschland abgetrennt und von Litauen in Besitz genommen worden ist.

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Litauische jüngststen gegen memellândische Sauern.

Ausschreitungen im Memelgebiet.

In D c u t s ch - K r o t t i n a c n an der memelländisch- litauischen Grenze kam es auf einer Versammlung der memelländischen Landwirtsckaftspartei zu wüsten Aus­schreitungen großlitauischer Jungschützcn. Der Führer der Partei, Konrad jun., wollte eine unpolitische Rede über die Lage der Landwirtschaft im Memelgebiet halten. Kaum

Kleine Zeitung für eilige Lesen

* ^ic Protestnote Deutschlands wegen der litauischen Ge- waltalte in Memel liegt dem Völkerbund zur weiteren Brr- anlassung vor.

* Auf der Abrüstungskonferenz hat die allgemeine Aus. spräche mit den Erklärungen LimonS für England und Lar- dicus für Frankreich benennen.