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Zul-aer Anzeiger

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Nachdruck der mit * versehenen flrtitel nor mit chuellenangab» .Zoldaer Nnreiger'geftaa«.

gir. 35 1932

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Fulda, Donnerstag, 11. Februar

9. Jahrgang

Frontenbildung in Genf

Italiens, Polens und Japans Standpunkt.

Gegen die französische Gewaltpolitik-

Die große Rede Grandts in Genf.

Der italienische Außenminister Grandi hielt in der Abrüstungskonferenz eine aufsehenerregende politische Rede, in der er mit ungewöhnlicher Offenheit und größter Entschiedenheit Aufhebung der Ungleichheit des Rüstungs- standeS zwischen Sieger- und besiegten Staaten des Welt­krieges fordert und die schwergerüstetc« Großmächte auf­fordert, die tm Versailler, im Völkerbund- und im Locarno-Vertrag übernommenen Verpflichtungen jetzt endgültig vollständig durchzuführen, da dies der einzige Ausweg aus der gegenwärtig katastrophalen Lage der Welt ist. In seinen Ausführungen trat Grandi mit großer Schärfe der französischen Sicherheitsthcse und Gewalt­politik entgegen, die er als die großen Gefahren der Zukunft bezeichnete.

Grandi führte dann u. a. weiter aus: Seit zehn Fahren drehen sich die Verhandlungen um die ewige Frage, ob die Sicherheit der Abrüstung voraus- gchen solle oder umgekehrt. Taten beweisen jedoch, daß es ohne Abrüstung keine Sicherheit gibt. Die franzö­sische Regierung hat Vorschläge politischen, juristischen und technischen Charakters eingereicht, di« die Struktur der Völkerbundvertrages berühren. Die italienische Re­gierung ist bereit, diese wie alle anderen Vorschläge zu prüfen. Aber die Friedensverträge bestimmen eindeutig, 6«8 die einzelnen Staaten auferlegten Bestimmungen nur

den Beginn der allgemeinen Abrüstung bedeuten. Diese Bestimmungen bezwecken nicht, für diese Staaten eine Lage ständiger Unterlegenheit zu schaffen, sondern nach der feierlichen Erklärung des Präsidenten der Versailler Friedenskonferenz sind sie nur der erste Schritt zu einer allgemeinen Abrüstung u» b y-rfxb r äi f n n g d erRü st ««gen.

Grandi legte sodann folgendes

praktisches Programm

tot: 1. Abschaffung der großen Kampfschiff Unterseeboote und der Flugzeugmutterschiffe; I

e, der

Unterseeboote und der Flugzeugmutterschiffe; 2. Ab­schaffung der schweren Artillerie und der Tanks;

Abschaffung der B » m b e n f l u g z e u g e ; Abschaffung "Ser chemischen und bakteriologischen Angriffswaffen; 5. Revision der internationalen Bestimmungen für einen vollständigen und wirksamen Schutz der Zivil­bevölkerung.

Grandi betonte sodann, daß die militärischen Großmächte, die die Verantwortung hätten, als erste Knalle Angriffswaffen verzichten müßten. Ein derartiger Schluß würde der erste entscheidende Schritt auf den« der allgemeinen Abrüstung sein.

. Grandi stellte anschließend fest: Die bestehenden inter­nationalen Verpflichtungen haben

einen unabweislichen Rechtscharakter.

die Mächte gibt es nicht den geringsten Grund mehr, diesen Verpflichtungen zu entziehen.

Der Versailler Vertrag hat die Mächte auf diese Konferenz geführt. Die Bestimmungen dieses Vertrages "'Usfen jetzt durchgeführt werden. Zwei schwere drohende Oksahrc,, lasten auf der Welt: das Wettrüsten und die ^lr-fchaftSkrtse. Mehr als je müssen daher alle Menschen

Sache der Abrüstung glauben und müssen ehrlich c ."jung dieser Frage anstrcbcn. Hinter Ihnen steht die l$c Meinung, die machtvolle und instinktive Zu '^vnarbeit aller der Völker, die heute leiden, warten »«ld hoffen.

*

Wereinstimnumg der deutschen und der Italienischen Ziele.

Die Rede des italienischen Außenministers wurde von klncm Teil der Konferenz mit st ü r m i s ch c in Beifall ausgenommen, der fast den Charakter einer Kundgebung annahm. Grandi wurde von allen Seiten aufs wärmste zu leinen mutigen, klaren Ausführungen beglückwünscht. Wan sah den amerikanischen Botschafter Gibson, die Ver- tlctcr Ungarns, Österreichs und zahlreicher leitender Staatsmänner neutraler Länder Grandi die Hand Ichuttelu. Der entscheidende Nachdruck der Rede Grandis mg nach allgemeiner Auffassung in der Aufhebung der 'n gleiche n B chandl u n g der ehemals alliierten Lachte und Deutschland. Immer wieder unterstrich ^andi die bindende feierliche Verpflichtung, die bie Ullucrtcn in Versailles gegenüber Deutschland ein- gogangen sind, und gleichzeitig eine Verpflichtung gegen­über der ganzen Welt bedeuten.

In Kreisen der deutschen Abordnung wird die 'ivde Grandis als eine politische Tat von außerordentlich großer Bedeutung bewertet. Man betont, daß Grandi den " 'n p f g^c g c » die s r a n z ö s i s ch e These cin- D^citet habe.

. In unterrichteten Kvnscrcuzkrciscn besteht der allge- lnccne Eindruck, daß in den Unterredungen, die in den letzten Tagen zwischen dem Reichskanzler und dem «alienischen Außenminister ftattgefunben haben, eine llriindsätzlichc Übereinstimmung über die Erklärungen er- ztelt worden ist, die die deutsche und italienische Regierung der Abrüstungskonferenz abgeben werdew

Polen an Frankreichs Seite.

Eine herausfordernde Rede Zaleskis.

Der polnische Außenminister Zalefli hat es für not­wendig gehalten, in der Vollsitzung der Abrüstungs­konferenz eine herausfordernde Rede zu halten. Er suchte in verschleiernder Form die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die angeblichen Angrisssabsichten Deutsch­land s zu lenken. Polen habe so viele Angriffe erlebt, daß es natürlich seiner geographischen Lage und seiner Ver­gangenheit nach die französischen Vorschläge mit größter Befriedigung ausgenommen habe.

Es sei für einen angegriffenen Staat gleichgültig, ob er nur durch Tanks oder Flugzeuge eines regulären Heeres oder durchprivat e" militärische Verbände angegriffen würde, die durch den Abkommensentwurf bisher nicht er­faßt seien. Wenn ein Staat für seine militärischen privaten" Vereinigungen außerordentliche Ausgaben verwende, die sogar die Höhe der normalen Heeresaus­gaben erreichten, so würde damit eine Lage geschaffen, mit der sich die Konferenz besonders beschäftigen müsse.

Die Ausführungen -jaleiils rönnen vom deutschen Standpunkt aus nicht weiter überraschen. Es war zu er­warten, daß der polnische Außenminister diese Woche der Abrüstungskonferenz benutzen würde, um verschlei­erte Anklagen gegen Deutschland wegen angeblicher Kehrimrüstung vorzubringen und militärische SicherheitL- maßnahmen regen SeLtschland zu serösen.

Die Kritik hat das Wort

DerVölkische Kurier" zur Rede des Reichskanzlers in Genf.

Zur Rede des Reichskanzlers in Genf schreibt der völ­kische Kurier" u. a., der Reichskanzler hahe das Abrüstungs­recht betont, er habe auch endlich die Gleichberechtigung Deutschlands hervorgehoben, alles Dinge, denen sich ange­sichts der nationalsozialistischen Bewegung kein Kanzler heute entziehen könne. Aber er habe auf ein Memorandum zu gegebener Zeit" vertröstet, anstatt die heute ch herrschende gespannte Weltstimmung auszunutzen zu einem großen Gegenhieb. Er habe die Gelegenheit versäumt, das ganze Lügengewebe Frankreichs zu zerreißen und den Friedensstörer der Welt in seiner wahren Gestalt zu zeigen. Das Auftreten Brü­nings habe die Nationalsozialisten mehr denn je in der Ueberzeugung bestärkt, daß seine Ersetzung durch Hitler die erste Voraussetzung dafür sei, um Deutschland so zu ver­treten, wie es selbst heute noch möglich sei.

n o

*

Die französische Presse zur Rede Grandis.

Paris, 11. Febr. (Eigene Funkmeldung.)

Mit der Rede Grandis auf der Abrüstungskonferenz ist man in Paris nicht zufrieden. Das bringt in prägnanter Weise der Außenpolitiker desE ch 0 d e Pari s" zum Ausdruck, der erklärt: Grandi habe bie Rede gehalten, die Brüning nicht zu halten wagte. Das Schwad- Hemd habe wie ein Braunhemd gesprochen. Er werde nicht nur den Beifall des italienischen Faschisten, sondern auch die Zustimmung des Hitler-Deutschlands und des übrigen Deutschlands erhalten.' Die Spitze der italienischen Rede sei andauernd gegen Frankreich gerichtet gewesen.

Belgien'schlietzt sich'Frankmch und Polen an

Die Rede des belgischen Außenministers Hymans in Genf.

Genf, 11. Febr. (Eigene Funkmeldung.)

In der heutigen Sitzung der Abrüstungskonferenz sprach als erster Redner der belgische Außenminister Hymans. Die Tendenz seiner Rede ergibt sich aus den einleitenden Sätzen: Belgien hat sich in doppelter Absicht auf die Kon­ferenz begeben: Mitzuarbeiten an einer internationalen Verständigung für die Begrenzung oder Herabsetzung der Rüstungen und zu wachen über s e i n e S i ch c r h e 11. Wenn Belgien auch besondere Garantien in dem Rheinpakt findet, so weiß es jedoch, daß jeder Konflikt politische, wirt­schaftliche unb soziale Verwickelungen herbeiführen würde, unter denen Belgien zu leiden hätte. Belgien will die m i l i t ä r i s ch c n W e r k z e u g e behalten, die ihm zur Verteidigung seiner Unabhängigkeit im Falle der Be­drohung oder des Angriffes (!) unentbehrlich sind. Hyman sprach seine volle Zustimmung zu den französischen Vor­schlägen aus und hob besonders das Verbot der schweren Angriffswaffen, des chemischen Krieges und den Schutz der Zivilbevölkerung sowie die Schaffung einer internationa­len Rüstungskontrolle hervor. Belgien lege an seinen Grenzen Verteidigungswerke an, die zum Schutze seines Ge bietes bestimmt leien Es jer wiederholt der ssihauolatz gro 8er Kriegs gewesen Belgien SaSe bie PfliM. bte notwen­digen Vorkehrungen gegen die Rückkehr solchen Anheils zu

Die stark betonte Unterstützung der französtstyen Vor­schläge beweist, daß innerhalb der Konferenz eine Staatengruppe sich zu bilden beginnt, die auf der Grundlage der Vorschläge Frankreichs jede wahre Ab­rüstung zu hintertreiben und statt dessen neue Sicher Heitsbürgschaften zur Aufrechterhaltung Versailler Vertrag geschaffenen Zustands reichen sucht.

des im

Zustandes zu er-

*

Oer Krisgsgott auf der

Abrüstungskonferenz.

Japans Standpunkt.

Der japanische Botschafter hielt auf der Ab­rüstungskonferenz eine Rede, die im Hinblick auf die Er­eignisse im Fernen Osten einer gewissen Ironie nicht entbehrte. Er erklärte, bedauerlicherweise wäre die Lage im Fernen Osten etwas getrübt. Nichtsdestoweniger habe Japan noch immer den Wunsch, an der Sache der Abrüstung mitzuarbeitcn.

Diese Frage sei jedoch eng mit der Frage der nationalen Sicherheit verbunden. Der Botschafter machte dann in uferlosen Ausführungen Zahlenangabcn über die Verminderung der Rüstungen Japans, die jedoch im Hinblick auf das kriegerische Vorgehen der japanischen Truppen in China keinen starken Eindruck zu machen ver­mochten. Der Botschafter stellte zum Schluß die erstaunliche Forderung auf, daß die Abrüstung gleichzeitig mit einer allgemeinen Besserung der internationalen Beziehungen durchzuführen sei. Solange noch die Ursachen von Unruhen und Erregungen beständen, wäre eine völlige Abrüstung undenkbar.

Die Ausführungen des japanischen Botschafters fan» den in der Versammlung eine st a r k geteilte Auf-

Der Außenpolitiker des ,.P e t i t P a r i f i e n" urteilt: Der Erfolg des italienischen Außenministers ist groß und verdient gewesen. Vom dialektischen Standpunkt gesehen, ist in der Tat die Beweisführung Grandis fast unangreif­bar. Wenn man ihre Voraussetzungen zuläßt, greift alles wunderbar ineinander und nichts erschiene natürlicher als die Schlußfolgerungen. Leider sind diese Voraussetzungen stets von Frankreich als unannehmbar erklärt worden. Unsere Logik bäumt sich dagegen auf, daß in einer Stadt ohne Gendarmen und in der niemand sich gegenseitig hilft, das beste Mittel gegen die Gefahr darin bestehen soll, seinen Revolver wegzuwerfen. Mit derartigen Meinungsver­schiedenheiten schon bei Beginn des gemeinsamen Weges wird man zweifellos nicht lange Zusammenarbeiten können. Grandi will zur Revision der Verträge, zur Gleichheit der Rechte zwischen allen Staaten und zum völligen Ausgleich der bewaffneten Streitmacht gelangen.

Der sozialisftscheP 0 p u l a i r e" begrüßt trotz seiner Abneigung gegen den Faschismus Grandis Vorschlag, weil er die allgemeine Abrüstung fordere.

Volontë" will aus Bemerkungen Grandis heraus­lesen können, daß man eine allgemeine Verständigung schaf­fen könnte. Grandi habe betont, daß seine Delegation und er bereit seien, den französischen Plan aufmerksam zu studie­ren, vorausgesetzt, daß er zu einer effektiven Rüstungsher­absetzung führe. Deshalb müsse es möglich sein, sich zu ver­ständigen.

*

Freundliche Aufnahme der Grandi-Rede in London.

Grandis Abrüstungsrede wird von der Londoner Mor­genpresse warm begrüßt.Tim es" sagt, daß Gran­dis Forderungen auf Gleichberechtigung aller Nationen und Herabsetzung der Rüstungen in keiner Weise mit der Sicher­heit unverträglich sei.

treffen. Hymans entwickelte hierauf ausführlich den Ge­danken, daß die Sicherheitsfrage mit der Abrüstung eng verbunden sei, um zu dem Ergebnis zu gelangen, daß für bie besonders exponierten Länder wie Belgien n 0 ch k e i n c ausreichende Sicherheit (!!) bestehe. Die Herab­setzung der Rüstungen wäre gewiß ein Grund zur Entspan­nung und Befriedung, aber man dürfe nicht verkennen, baB die materielle Abrüstung nur Hand in Hand mit der mora­lischen Abrüstung möglich sei. Die Organisierung des Frie­dens sei nicht nur ein politisches und juristisches Werk, son­dern eine großzügige psychologische Leistung. Hymans sagte zum Schluß, ein eigenartiger Widerspruch wolle es, daß ge­rade in dem Augenblick, wo man die Notwendigkeit der v r aanisicrung des politischen Friedens verkünde, man den Wirtschaftskrieg organisiere.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Reichspräsident empfing die Stahlhelmführcr ^eldte und Düsterberg.

* Reichskanzler Dr. Brüning ist aus Genf nach -.trlin

8 * Der italienische Außenminister Gkandi wandte sich ,n seiner Rede vor der Abrüstungskonferenz scharf gegen den sranzSstschcn SicherheitSstandpunkt.

* ^ dem größten Teile Deutschlands herrschte am Ascher- w*i»s* starte Kalte. Es würd«! TLMpersrLrQt dis zu Minus 20 Grad gemelder.