Zulüaer Anzeiger
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M. 43 — 1932
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»
Zul-a- un- Haunetal »Zul-aer Kreisblatt
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Fulda, Samstag, 20. Februar
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9. Jahrgang
Die jüngste Republik.
Die Lage im Fernen Osten nach der Errichtung der Mandschurischen Republik. — Der japanische Großangriff auf Tschapei hat begonnen!
Kaiser Puyi nialldsthunscher präsent
Mit 4 Jahren Kaiser, m i t 2 7 Jahren Präsident.
Der frühere Kaiser von China, Prinz Puyi, wurde einstimmig zum Präsidenten des Vollzugsausschusses der unabhängigen neuen Republik, der Mandschurei, gewählt.
Der 27jährige Prinz, dessen eigentlicher Name Hsuangtung lautet, ist schon mit vier Jahren, 1908, zum Kaiserv 0 nC hin a ausgerufen worden, während sein Vater, Prinz Tschun, zum Prinzregenten ernannt wurde. Nach Ausbruch der Revolution 1912 trat der Prinzregent zurück, während der junge Prinz in der „Verbotenen Stad t", dem Winterpalast von Peking unter strenger Bewachung gehalten wurde. Hsuantung, der stets von sehr zarter Gesundheit war, wurde hier ganz unpolitisch erzogen und schon als Jüngling mit einer mandschurischen Prinzessin vermählt.
*
Japan und der neue Mandschureèstaai.
Das japanische Außenministerium erklärt, daß Dalian Den unabhängigen Mandschureistaal erst dann anerkennen werde, wenn er nachweise, daß er alle Eigenschaften eines unabhängigen Staates besitze.
Der neue Staat umfaßt nach der in Mulden veröffentlichten Proklamation die Provinzen Fengtien, Hailung- kiang, Kirin einschließlich Charbin und Liaoning sowie den mongolischen Jehol-Bezirk.
Prinz Puyi, der frühere Kaiser von China.
General Mai Vorsitzender der Hailungkiangprovinz
Aus Mulden wird gemeldet: Tschianzinkai und Ge- neral Mai haben beschlossen, alle chinesischen Angestellten Chinesischen Ostbahn abzuberufen und sie dnrch regierungstreue Beamte zu ersetzen. General Mai ist zum Vor- ichenden der Hailungkiangprovinz ernannt worden.
Chinesische Ostbahn hißt die Fahne der Mandschurischen Republik.
~ Nach einer Vereinbarung zwischen den Behörden in ^Harbin und der Mukdener Regierung wurde be- lajloffen, die Fahne der neuen Mandschurischen Republik "m 20. Februar auf der gesamten Chinesischen Ostbahn hissen. Die Stellungnahme der rassischen Behörden an ocr Chinesischen Ostbahn ist noch ungewiß.
Das japanische Kabinett erwägt Kriegserklärung an China.
- . Ju der Kabinettssitzung in Tokio erstattete der ilriegsminister Bericht über die Lage in Schanghai, die liniier ernstere Formen annchmc, da die 19. chinesische HnluecJn Schanghai dauernd durch große Truppenzuzüge uter dem Oberbefehl Tschiangkaischeks verstärkt werde.
r ie Kabinettsmitglieder kamen überein, ihr Äußerstes n' uni cOte Verschlechterung der Lage, die mög- r ^ etfe eine K r i e g âe rkl ä r n n g nötig '"ache, zu verhüten.
Chincsiischc Verstärkungen marschieren.
aus Nanking berichtet wird, treffen dort an u/mv fachen neue Truppenzüge aus Nordchina ein. In ^lèn Kreisen der internationalen Niederlassung wird lieft« ^ar zurzeit im Gebiet von Schanghai befind Men chnresischeu T r u p p c n a u f e t w a 1 0 0 0 0 0 a n 11 geschätzt. Es sollen auch neue Revisionen, die mit kein âM"^"ahrgcschützcn ausgerüstet sind, cingctroffen äeschätg E âapanischcn Truppen werden auf 18 000 Mann
W a f f c u l i e s e r u n g c n für China a u 8 d c r T s ch e ch 0 s l o w a k c i.
le Brünner Wafscnwerkc haben größere ein. ^^lirägtz für China erhalten. Dieser Tage wurde ^uilg von 250 000 Gewehren, 500 schweren und ""Mev Maschinengewehren nach Edina abaefanbt.
Das chinesische Volk steht aus!
Die Empörung über Japans Vorgehen.
Ein christliches Mitglied der chinesischen Abordnung aus der Abrüstungskonferenz in Genf, Hsia, deutete an, daß es durchaus möglich wäre, die Mandschurei unter chinesischer Oberhoheit zu neutralisieren. In der Unterredung heißt es über die besondere
Rolle der chinesischen Christen:
„In dem gegenwärtigen Kriege, in den China ohne seinen Willen und ohne seine Schuld verwickelt ist, nehmen auch die chinesischen Christen klar und entschieden Stellung gegen den Eindringling. Sie sind in keinem Falle friedlicher als ihre nichtchristlichen Landsleute. Sie sehen aber auch mit vielen anderen denkenden Chinesen, daß leidenschaftliches, unüberlegtes Handeln im jetzigen Augenblick Chinas Jahrtausende alte Kultur in den Abgrund reißen könnte.
Anlehnung an Rußland
und Übergang zum Bolschewismus würden bedeuten, daß wir unsere uralte Geschichte ausstreichen. Wir sind aber noch nicht gewillt, diesen Schritt zu tun.
Unser Vertreter Dr. Nen hat es vor der Konferenz offen genug ausgesprochen, daß es zurzeit für China keinen Sinn hat, von Abrüstung zu sprechen. Es ist keine Frage, daß zunächst der Krieg auf chinesischem Boden zu einem friedlichen Ende gebracht werden muß, ehe von Abrüstung wirklich die Rede fein kann.
Zurzeit ist es so, daß das durch und durch friedliche chinesische Volk in weiten Kreisen über den japanischen Einbruch aufs tiefste erregt ist. Studenten, die bei weitem vorgezogen hätten, bei ihrem Studium der Medizin oder des Rechtes zu bleiben, eilen jetzt, zu den Ausbildungsstätten der Armee, nicht aus kriegerischer Neigung, sondern aus der tiefen Überzeugung von der Unerträglichkeit der Lage heraus. Wir verstehen auch nicht, daß die öffentliche Meinung der europäischen Länder sich nicht stärker einsetzt für Recht und Gerechtigkeit."
„Ritterlicher Kampf."
Ein Aufruf zur Präsidentenwahl.
Die Bundeszcitung Der Stahlhelm schreibt zu den bevorstehenden Präsidentenwahlen: Wir würdigen mit Ernst und Ehrfurcht die Gründe, die den Generalfeldmarschall zu seiner Entschließung bestimmt babcm Uns zwingen andere Gründe auf einen anderen Weg. Hindenburg hält seinem Kanzler Brüning die Treue. Wir müssen uns selbst, unserer Idee, unserer Sache die Treue halten. So wird der Kampf unausweichlich. Doch in dem »Augenblick wollen wir uns und dem Manne, mit dem uns trotz allem unser Soldatentum vereint, geloben: Es soll ein ritterliches Kämpfen werden!
Die Bayerische Volkspartei hat einen Aufruf für die Wiederwahl Hindenburgs erlassen. Der Aufruf schließt: „Die Treue, die er seinem Volk in diesen schweren Jahren gehalten hat, wollen wir ihm halten. In seinem Namen wollen wir ganz Dcntschland geeinigt sehen: einig in seinen Stämmen, einig in seinen Ständen, einig in seinen Konfessionen! Wir wollen mit Hindenburg nur an Deutschland denken unb mit ihm nur dem einen Ziele nachjagen, Deutschland zu retten und uns von aller Bedrückung und Schmach freizumachen."
Rätselraten um Kandidaten.
Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung hört, ist die Absicht der Deutschnationalen und des Stahlhelms, eine Kandidatur Düsterbcrg aufzustellen, dahin zu verstehen, daß dieser Name als Vorschlag für eine Sammelkandidatur der gesamten Rechtsopposition gilt.
Erweiterung des Bvilitreaungsschutzes.
Neue landwirtschaftliche Notverordnung.
DaS Reichskabinett hat eine neue Notverordnung zur Ergänzung der Vorschriften über die Z w a n g s v 0 l l - st r c cf n na bei landwirtschaftlichen Bctrie - b c n und über das S i ch e r 11 n g s v c r fahr e n verabschiedet Der Reichspräsident hat diese Verordnung unter- zeichnet Es handelt sich im Wesentlichen um Ergänzungen des dritten Teiles der vierten Notverordnung vom 8. Dezember und der Sicherungs-Verordnung vom 17. Novem- ber 1931.
Eine Erweiterung des Vollstreck«ngSschuücS bringt Artikel 1 der Verordnung, der bestimmt: Bei Arbeitnehmern in landwirtschaftlichen Betrieben, die Natural ucrnühnmcH erhalten, sind die ihnen als Vergütung gc- liefcrtcn Naturalien sowie das davon ernährte Vieh unpsändbar.
Drei belgische Verteidigungslinien.
Brüssel. Der Plan für die Verteidigung der belgischen Grenzen sieht eine befestigte Vorpostcnlinie und dann die eigentliche FestungSlinic Eupen—Malmedy—Vielsalm—Hous- salize Bastoane -Arlün vor. Hinter Meier Lime befinden sich alö Hauptbrückenköpfe die Festungen Lüttich und Ramur. Vier FortS auf dem rechten Ufer der Maas sind bereits ausgebaut.
Die Schlacht bei Schanghai.
Japanischer Großangriff auf Tschapei und W u s u n g.
Die japanischen Truppen haben nach schwerem • Artillerie- und Maschinengewehrfe^ier den großen Angriff aus Tschapei und Wusung eingeleitet, nachdem die Chinesen das letzte japanische Ultimatum abgelehnt hatten. Japanische Flugzeuge belegten wieder Tschapei und Wusung mit Bomben. Die Chinesen leisten kräftigen Widerstand.
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Kiangwan von den Japanern genommen?
Schanghai, 20. Febr. (Reuter.) Nach einer Mitteilung des japanischen Hauptquartiers sollen die japanischen Truppen Kiangwan an der Eisenbahn Schanghai—Wusung nach schweren Kämpfen eingeommen haben. Wie verlautet, werden die japanischen Truppen voraussichtlich in ihren augenblicklichen Stellungen erst festen Fuß zu fassen suchen, bevor sie erneut vorgehen.
Die chinesischen Militärbehörden bestreiten aber diese Angaben und erklären, daß vielmehr die chinesischen Truppen die Japaner zurückgetrieben hätten.
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Englands Prestige.
Bedrohliche Lage in Schanghai.
Die Entwicklung in Schanghai hat die ernsteste Be- wrgnis in London ausgelöst. Es handelt sich jetzt ganz besonders für England schon um eine Prestigefrage. Die Rücksichtnahme auf die gefährdete Stellung Australiens, die große Erregung der dortigen Bevölkerung sowie das Ansehen Englands im Fernen Osten und seine Stellung in Indien sind mehr denn je bei den englischen Regierungsstellen in den Vordergrund getreten und wirken mitbestim- mend auf die Haltung gegenüber Japan, die sich sichtlich versteift hat.
Der Kriegsminister Lord Hailsham erklärte im Englischen Oberhaus, daß die Lage in Schanghai der Regierung schwere Sorge bereite.. Die dortigen Ereignisse ließen sich tatsächlich mit dem Neunmächtcabkommen und dem Kellogg-Pakt schwer in Einklang bringen. Die Gefahr für die internationale Niederlasiung sei noch nicht vorüber. Falls es nötig fein sollte, würde eine Räumung Schanghais in Erwägung gezogen werden müssen, aber es sei sehr schwierig und würde die schwersten Nachteile mit sich bringen.
Halbmast am Bolksiraueriag!
Ein Aufruf an die deutschen Familien.
Ter Volksbun ddeutscherKriegsgrâber- fürsorge erläßt folgenden Aufruf:
„Über zwei Millionen unserer Brüder und Kameraden blieben auf dem Felde der Ehre und besiegelten ihre Treue für Volk und Vaterland mit ihrem Herzblut. Tas deutsche Volk gedenkt ihrer am Volkstraucrtag. Tie Schiffe der Reichsmarine, die Kasernen des Rcichshccrcs, die Dienst- gebäude des Reiches und Preußens, die Kirchen, Rathäuser und Schulen setzen die Fahnen aus Halbmast zu Ehren der Toten. TeutschcFamilicnITuteinGlcichcs!"
Painlevè verzichtet auf die Kabinettsbildung.
Paris, 20. Febr. (Eigene Funkmeldung.)
Heute früh hat Painleve auf die Kabinettsbildung verzichtet, dadieVcrteilungderPortefeuillcsdie größten Schwicrigkerten machte.
Der französische Abgeordnete Painleve.
Paul Boncour — Louis Barthou?
Das französische halbamtliche Nachrichtenbüro Hanns nimmt an, daß der Präsident der Republik nunmehr Paul Boncour oder Louis Barthou, jedenfalls aber einen Senator, mit der Kabinettsbildung betrauen werde.
Kleine Je,kunz, für eilige £efer
* Eine neue landwirtschaftliche Notverordnung bringt eine teilweise Erweiterung des Vollstrcckungsschutzcö.
* er,,, Schultheiß PaNcnhokcr Prozeß übte Herr von Stauß, Direktor der Deutschen Bank, scharfe Kritik an KÜtzcncUendogenS Geschäftsführung.
* ^u«; Präsidenten der neuen mandschurischen Republil w'"dk Mr frühere Kaiser von China, Puyi, gewählt.