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Zulöaer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zul-a. und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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«Nr. 44 1932

Fulva, Montag, 22. Februar

9. Jahrgang

Die große Schlacht bei Schanghai.

Ergebnislose Kämpfe? Angeblich über 1000 Tote.

Mit Bombenflugzeugen, Lanks und Feldgeschützen.

Der japanische Großangriff.

Nachdem das japanische Ultimatum abgclaufcn war, gab der japanische Oberbefehlshaber, General Uqcda, den Befehl zum Angriff auf die chinesischen Stellungen. Darauf wurde von den Japanern das Gewehrfeuer aus der ganzen Linie eröffnet. Zehn japanische Bombenflugzeuge stiegen auf und kreuzten über Nordchapei, während andere startbereit waren. Das Feuer der japanischen Artillerie begann mit 6 0 Feldge. schützen und kurz darauf antworteten auch die chine­sischen Geschütze.

Die beiderseitigen Frontlinien reichen von der Nord- grenze der internationalen Niederlassung bis nach Wu- sung. Die stärksten Kämpfe entwickeln sich zwischen Wu- sung und Kiangwan. Die japanischen Fronttruppen sind etwa 13 000 Mann stark. Die Chinesen setzten

den japanischen Angriffen stärksten Widerstand entacaen.

Schanghai, der Schauplatz der neuen Schlacht.

Japanische Stoßtrupps wurden zum Angriff gegen den Westen außerhalb von Chapei und aus dem Hong- liubezirk heraus mit der Richtung auf Siangwan ein- gesetzt. Ihr Ziel war die W u s u n g - E i s e n b a h n. Japanische Flugzeuge eröffneten das Bombardement aus Kiangwan. Auf chinesischer Seite ist die 87. und 88. Division, die Truppe des Marschalls Tschiangkaischek, ins Gefecht gekommen, während die Japaner bisher immer nur gegen die 19. kantonesische Division gefochten hatten und während der Verhandlungen auch immer deren Rückzug forderten. Es gelang den Japanern, in ^angwan einzudringen. Durch

energischen Gegenstoß eroberten die Chinesen jedoch diesen wichtigen strate­gischen Platz zurück. Die japanischen Linien wurden wieder zurückgedrüngt. Versteckt ausgestellte l0,5-Zenti- meter-Geschütze der Chinesen setzten die von den Japanern

eingesetzten Tanks teilweise außer Gefecht oder zwangen sie zum Rückzug. -Iber die Japaner setzten ihre Angriffe fort, und es gelang ihnen, das Gebäude des Sportklubs wieder zu ^setzen, das fm äußeren Weichbilde von Kiangwan liegt.

Die Cbapci-Front

spielte zunächst eine untergeordnete Rolle. Ausländische Beobachter erklären, daß die Moral der chinesischen Truppen ausgezeichnet ist. Die Chinesen sind besonders erbittert, weil die japanischen Tanks auch über die Gräber 'M den Friedhöfen fuhren und somit

die Geister ihrer Toten störten und beleidigten.

Japan will seinen Krieg erklären.

., Von japanischer amtlicher Seite wird zu den Gk« 'achten über eine bevorstehende japanische Kricgscr- > l n r u n g an China mitgetcilt, das, die japanische Legierung nicht daran denke, ihre diplomatischen Bc- ^chungen zu China abzubrechen.

Der japanische Kriegsminister erklärte in einer Ka- vmettssitzung, daß der Angriff in Schanghai sehr günstig erlaufen sei. Die japanischen Truppen hofften, jeden Uilgenblick Schanghai endgültig zu besetzen.

Einnahme von Kiangwan durch die Japaner.

.Der Sturm aus Kiangivan wurde erfolgreich durch- riMjrt. Die Chinesen zogen sich kämpfend zurück. Hierbei am an mehreren Stellen zu Rahkämpfen. Tie Verluste ? beiden Seilen sind angeblich schwer. Kiangwan ein« ^ueßlich des Bahnhofes ist in der Hand der Japaner. ^" japanische Oberbefehlshaber Uyeda Hai sein Haupt-- ^uariicr in die Fulan-Universüät am Ostrande von Z"Ngwan verlegt. Nach chinesischen Berichten haben die befischen Truppen vier japanische Tanks zerstört und japanische Flugzeuge durch Erdabwehr gbgeschoffen.

Schutz der Deutschen in Schanghai.

Amtlich wird in Berlin mitgeteilt: In Erwartung drohender Ereignisse hat das deutsche Generalkonsulat in Schanghai in gleicher Weise wie die englischen und ameri­kanischen Behörden Vorbereitungen für eine etwa not­wendig werdende Abreise deutscher Reichsangehöriger, besonders von Frauen und Kindern, getroffen.

*

Die Kämpfe um Tschapci und Wusung.

Nach einer amtlichen russischen Meldung haben die japanischen Angriffe auf Tschapei und Wusung zu keinem Ergebnis geführt. Die Japaner haben die Beschießung von Wusung wieder ausgenommen. Bei der Erstürmung von Kiangwan durch die Japaner wurden das Dorf und das Hippodrom vollkommen zerstört. Auch mehrere Viertel von Tschapei sind durch japanisches Artilleriefeuer vernichtet worden.

Die Verluste der Chinesen und der Japaner sind noch nicht festzustellen. Sie werden bisher auf 800 Tote und mehrere tausend Verwundete geschätzt. Besonders viele Todesopfer gab es unter der Zivilbevölkerung in Kiangwan

Japan meldet Siege.

Nach einer Meldung einer Agentur in Tokio haben die Truppen des japanfreundlichen Generals Tschang- haipen die chinesischen Regierungstruppen bei Tschann angegriffen und vernichtet. 1300 chinesische Soldaten sollen getötet worden sein.

Wie amtlich gemeldet wird, haben japanische Marine- truvvcn zwei Inseln in der Nähe von S w a t a u

Die gefährdete Ostgrenze.

Gegen Memel soll der

Saager Gerichtshof Helsen.

Der Zusammenbruch der Ratsverhandlungcn.

Staatssekretär von Bülow hat im Völkerbundrat nach der Ablehnung des Vorschlags des Bericht­erstatters C 0 l b a n durch den litauischen Außenminister, in dem die Feststellung des Rechtsbruchs des Memel­abkommens durch die litauische Regierung und Klärung der Rechts- und Tatfrage durch den Haager Schieds­gerichtshof gefordert wird, in einer längeren außerordent­lich scharfen Rede an die vier Unterzeichner- staaten England, Frankreich, Italien und Japan den feierlichen Antrag gestellt, der von ihnen in dem Memelabkommen übernommenen Verantwortung Rechnung z» tragen und die litauische Regierung vor den Internationalen Haager Gerichtshof zu ziehen. Auf diese Weise soll endlich eine Entscheidung der Rechts- und Tat­frage möglich gemacht werden. Litauen würde dann gezwungen sein, sich dem Spruch des höchsten inter» nationalen Gerichtshofes der Welt zu fügen.

Der Völkerbundrat, der hier wieder einmal völlig versagt hat, konnte keinen Ausweg finden, da die Ablehnung einer jeden Lösung durch den litauischen Außenminister eine Beschlußfassung des Völkerbundrats unmöglich machte. Der litauische Außenminister stützte sich auf die für alle Beschlüsse des Völkerbundrats geltende Bestimmung der Einstimmigkeit, da Litauen, das nicht Mitglied des Völkerbundrats ist, nach der Verfassung des Völkerbundes in einem Streit­fall als Mitglied des Rates angesehen wird.

Polens nnvekhültte Kriegsdrohung.

Die Ostmark erklärt sich zum Schutz bereit.

Der 0 st p r c u ß i f ch c P rovinziala u 3 s ch u ß hat folgende Entschließung gefaßt, die sofort zur Kenntnis der zuständigen R e i ch s b e h ö r d e n gebracht worden ist:

Bei einer Feier polnischer Studenten in Danzig haben Vertreter polnischer Zivil und Militärbehörden Reden gehalten, welche u n v c r h ü l l t e D r 0 h u n g c n gegen Danzig und O st p r c u ß c n enthalten und einen militari s ch c n 11 Verfall in nahe Aussicht stchku. u. a. hat der Vertreter des Kommandierenden Generals in Thorn erklärt, daß er eher nach Königsberg in Uniform als zum zweiten Male nach Danzig in Zivil kommen werde. Infolge dieser unerhörten, in so her­ausfordernde r S ch ä r f e n 0 ch nie g c w a g t c n Drohnngc n und unter dem Eindruck der jüngsten Vorgänge in Memel ist die Stimmung in der Provinz Ostpreußen außerordentlich gespannt.

Der Provinzialnusschutz hält es für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit der Reichsregierung hierauf zu lenken und zu fordern, daß alle nur denkbaren Maßnahmen zum Schutze des bedrängten Ostens getroffen werden. Die Reichsregierung kann sich darauf verlassen, daß die Ost- märtet, eingedenk ihrer Pflichten, die HeiMat bis zum Äußersten verteidigen werden.

besetzt. Die chinesischen Truppen haben die Inseln ohne Widerstand aufgegeben.

Kiangwan von den Chinesen zurückerobert.

_ Der Kampf um Schanghai ist am Sonntag wieder heftig entbrannt. In der Nacht zum Sonntag haben die Chinesen Kiangwan, die Schlüsselstellung im Norden Schanghais, zurückerobert. Die Japaner hielten lediglich den Rennplatz östlich und einige strategische Punkte.

*

Kriegsausschuß des englischen Kabinetts.

Größte Besorgnis in London.

Angesichts der ernsten Krise im Fernen Osten wurde in der Sitzung des englischen Kabinetts ein besonderer Unterausschuß des Kabinetts für S ch a n g h a i eingesetzt, zu dem u. a. der Außenminister, der Kriegsminister und der Erste Lord der Admiralität gehören. Tie Mitglieder haben Anweisung erhalten, sich jederzeit für Sitzungen bereitzuhalten und dürfen sich auch während des Wochen­endes nicht allzu weit von London entfernen. Der Nacht- d i e n st in der Admiralität und im Kriegsministerium ist verstärkt worden.

Englisch-amerikanisches Zusammengehen in China.

England und Amerika haben vereinbart, daß keiner der beiden Staaten Schritte wegen der Lage in Schanghai tun wird, ohne den anderen vorher zu verständigen.

An den englischen Gesandten in China sind besondere Anweisungen zum Schutze der britischen Staatsangehöri­gen ergangen.

Gegen die Sedrohung durch Polen.

Der Stahlhelm appelliert an die Reichsregierung.

Der Landesverband Ostpreußen des Stahlhelms hatte zu einer Stahlhelmfeierstunde in die Königsberger Stadthalle eingeladen. Nachdem der Landesführer der Provinz Ostpreußen, Graf zu Eulenburg-Wicken, die Ver­sammlung begrüßt hatte, erklärte Oberstleutnant a. D. Duesterberg gegenüber der Bedrohung durch Polen: Wir werden einem Einmarsch Polens in Ostpreußen Widerstand entgegensetzen bis zum Letzten. Es soll der Pole wissen, daß, wenn er auch schwerer bewaffnet ist als wir, er hier ein Volk finden wird, das mit Klauen und Zähnen seinen heiligen vaterländischen Boden verteidigen wird, und das töne hinüber über die Grenze hinweg."

Graf Eulenburg verlas sodann eine Entschließung an die Reichsregierung, die die Reichsregierung auf« fordert, die Übergriffe benachbarter Länder unnachgiebig zurückzuweisen und das Deutschtum des Ostens gegen er­neute Herausforderungen zu schützen.

Brünings Tribuipottiik. interessante Ausführungen eines christlichen Gewerkschaftlers.

In einer Stunbgebung der Ortsgruppe des Deut­schen Gewerkschaftsbundcs, dem Dr. Brüning sehr nahe steht, hielt der Verbandsvorsteher des DHB. und Zweite Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaft bundes, Bechly, eine Reichspräsidentenwablrcdc, in der er zur Tributfrage sehr bemerkenswerte Ausführungen machte. Brüning habe, so sagte Bechlv, zwar erklärt, daß Deutschland keine weiteren TAbutzahlungcn mehr leisten könne, aber man wisse nicht, ob der Reichs­kanzler bei feinem «ein bleiben werde. Deutschland sehe sich auf der kommenden Reparations- konferenz der mächtigen Front von Amerika, England und Frankreich gegenüber, die ihm schon gut zureden würden. Brüning würde dann mit dem Vorschlag der Gegner, sich doch wenigstens für eineScheinzahlung" zu ver­pflichten, vor den Reichstag treten. (Bechly nannte hier eine Zahl von etwa 500 Millionen Mark jährlich.) Schon heute stehe fest, daß die deutsche Wirtschaft für diesen Fall händeringend den Reichstag anflehen werde, ja doch diesen Vorschlag anzunehmen. Bleibe Brüning bei seinem Rein, dann zerschlage er sich seine ganze Bewegung und seine Politik. Bechly warnte die Skationalsozialiften, V:e Macht im Reiche zu übernehmen, bevor diese wichtige Entscheidung auf der Reparationskonferenz gefallen ,ei. Auch sei zu fürchten, daß bei einem Nein des >'/. kanzlers der Marschall von Frankreich dem JraiiwMw.n Heer sofort den Befehl geben werde, zu marschieren.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

Die Schlacht bei Schanghai setzte mit einem großen Angriff der Japaner aus die chincsiichen Stellungen ein.

" Staatssekretär von Bütow forderte im Bölkerbundrat die Mächte auf, den Memelkonflikt vor das. Haager Schiedsgericht zu bringen.

* Mr Sittama des totes französische» Kabinett-; ist rett bei? seither io-N Kriegsminister Tardieu vollzöge« werden.