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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

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«r. 48 1932

^ulöa, Freitag, 26. Februar

9. Jahrgang

Brüning verteidigt seine Politik.

Der Standpunkt der Neichsregierung zu den außenpolitischen Proble­men. Die Polemik des Kanzlers gegen die Nationalsozialisten war der Kernpunkt seiner Rede. Dr. Goebbels antwortet und kündigt den Sturz des Systems an. Auch v. Freytagh - Loringhoven (DNBP) spricht gegen Brüning. Die Internationale im Hohen Hause.

Die grotze Kanzlerrede.

Fortissimo im Reichstag.

Vielleicht war es noch voller im Sitzungssaal, waren die Tribünen noch überfüllter als an den Vortagen, denn man wußte ja, daß der Kanzler sprechen würde; und man mutzte sich daher sagen, daß damit die Aussprache im Reichstag auch sachlich zu einem Fortissimo anschwellen würde, das sie nach der Lautstärke der Reden schon beinahe von Ansang an gehabt hatte. Als Präsident Loebe den Taktstock Verzeihung, die Klingel hob, um die Eröffnung der Sitzung anzu- kündigen, da lag spannungsvolle Erwartung über dem ganzen Hause.

Dann der Kanzler. Nicht ohne Absicht spricht er von bei Rednertribüne und nicht, wie gewohnt, von seinem Sitz am Eckplatz der Ministerreihe. Aber wenn er in seinem ersten, dem außenpolitischen Teil seiner Rede die Wort« manchmal in daS Gewand der Polemik gegen frühere Äuße- ritngen oppositioneller Redner kleidet, so spürt man doch fehl bald, daß hier der Kanzler des Deutschen Reiches spricht, und daß er hier eine Erklärung der R e i ch s r e g i e r u n g zr den aktuellen Fragen des Weltgeschehens und speziell bei deutschen Politik abgibt. Es ist der Dr. Brüning, wie mar ihn im Reichstage oft hörte: Zurückhaltend in Ton, Gest« und Wort, sorgfältig jeden Satz setzend, ihn förinlich in bei hand noch einmal wägend, ehe er ihn in die Öffentlichkeit hluausgibt. Stürmischer Beifall bricht aus, als d<k Kanzlei sich mit aller Deutlichkeit gegen das Vorgehen Litauens in der Memelfrage wendet und dabei erklärt, ja, nicht weniger als dreimal ausdrücklich betont, Deutschland werd« wegen des Bruches des Memelstatuts auch vor Repressa­lien im richtigen Augenblick gegen Litauen nicht zurück schrecken.

Nach diesem Andante, das nur von einigen Crescendos unterbrochen wurde, kam cs aber schnell zum Fortissimo, als der Kanzler nun sich innenpolitisch gegen die National !oziallsten wendet. Unter stärkstemHörl, hört!" teil Brüning mit, daß er immer und immer wieder den Reichs­präsidenten gebeten habe, zurücktreten zu dürfen, wem er ein Hindernis wäre für die Herstellung einer Einheits­front im Innern. Aus dieser Einstellung zur Frage der Reichspräsiden len Neuwahl heraus ist cs zu er klären, daß seine Worte gegen die Nationalsozialisten sich zu einem Fortissimo steigerten, wie man es an Brüning in Reichstag noch nie gesehen hatte. Daß ihm ein Sturm vor rechts her antwortete, ist gleichfalls erklärlich. Der fonjl und vorher so ruhige Mann schlägt wiederholt mit der Faus auf das Rednerpult. Seine Stimme wird scharf und schärfer felne Worte schneidend, sein Spott ätzend. Ebenso Fortissimi Ul natürlich das Echo unten im Saale bei den Parteien, di« nütgehen oder anstürmen; nicht gegenctuanbcr, wie bisher Ändern voll des Beifalls oder Widerspruchs. Es war bi< ängste Rede, die Dr. Brüning im Reichstag gehalten hat unstreitig aber auch ihrer gebilligten oder mißbilligten Wirkung nach die c i n d r u ck s v 0 l l ste. Daß nach einer kurzen Konzcrt- Vuuse zuerst Dr. Goebbels, dann der deutschnationali Freytagh.Loringhoven mit demselben Tempe­rament im gleichen Fortissimo antwortet, ist selbstverständlich

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Sitzungsbericht.

(59. Sitzung.) CB. ® e r 1 i 11, 25. Februar.

s In der Sitzung des Reichstages nahm unter allgemeiner «pannung

Reichskanzler Brüning

das Wort. Von den Kvmmnnistcn kommen RufeHu n g er« runzler!". Der Präsident ruft einen kommunistischen Ab- ^ordneten zur Ordnung. Der Kanzler geht zunächst auf die > u st e n p 0 l i t i l ein Und führt dazu aus:

. -ie Lage ist außenpolitisch so gespannt ivic feiten b 0 r - r. Die Situation ändert sich von Tag zu Tag Bon Tag können Ereignisse eintreten, die neue Maßnahmen noer einzelnen Regierung erforderlich machen können. Wir «veil in einer Zeit

. mit gleicher Aervenspatmung wie im Kriege.

tatsächlich schon ein blinder Krieg in wirtschaftlicher Weßling in der ganzen Welt entbrannt. In einer solchen alles daraus an, mit Kaltblütigkeit und ohne aus innenpolitische Aktionen die Sache des â» betrachten, zu formulieren und zu verteidigen. \ nmn Kritik übte an meinem Anstreten in Genf, so will oj! °V"e näher auf die Einzelheiten einzugeheu, vor allem klares Wort grundsätzlich aussprechen:

boii«., tverdc mich nie dazu verleite» lassen, eine P r c st i g c< ä" machen mit Rücksicht auf A g i t a t i 0 n L b rd ü r s - Bottos Innern, nmdnrch die LcbcnSinteressen des bcutfdicu Beiknis?MJ lauge «Tickst gefährdet werden könnten. (Stürmischer f, #li(1 der Mehrheit Lärm bei den Nationalsozialisten.) stellen aber eine ganz andere Kraft hinter dieser Politit ftlieihrMX V10 deutsche Volk sich entschließen könnte, in ent ciunuhcn< ^""kttn der Außenpolitik auf innenpolitische AuS ber 5» verzichten lLebhafte Kundgebungen in M ^unife bei den Nationalsozialisten.)

Nationalsozialisten) haben eine ziemlich oder- Kritik an der Austen Politik geübt. Sic hätten besser WerÄ Msfer Zuspiel ntof her LZclt M .âw Iw -g-Knde des Interesses steht jetzt voi allem auch

die ostasiatlsche Frage.

(Widerspruch rechts und Ruse: Das Memelland!) Die freundschaftlichen Beziehungen, die Deutschland zu jenen beiden Staaten unterhält, das Interesse des deutschen Handels an der Aufrechterhaltung friedlicher Zustände im Semen Osten und nicht zuletzt unsere Zugehörigkeit zum ölkerbund machen es der Reichsregierung zur Pflicht, sich mit ganzer Kraft für eine friedliche Beilegung des Konfliktes einzusetzen. (Lachen und Lärm bei den Notio- nalsozialisten und Kommunisten.)

In der Memelfrage

sind hier scharfe und unberechtigte Kritiken an dem deutschen Gesandten in Kowno geübt worden. Auf alle Fälle sollte im gegenwärtigen Moment der Gesandte, der an exponierter Stelle die Interessen des Deutschen Reiches zu vertreten hat, solchen Angriffen nicht ausgesetzt fein, um wirken zu können. (Beifall in der Mitte, Lärm bei den Nationalsozialisten und Rufe:Wann treten Sie ab?") Ich muß es auch ablehnen, auf Angriffe der litauischen Regierung, die ich für unverant- lvortlich und vertragswidrig halte, mit Repressivmaßnahmen zu reagieren. (Lebhafte Zurufe bei den Nationalsozialisten.) Ich habe ausdrücklich betont mit vorzeitigen Repressiv- maßnahmen.

Ich werde nicht zögern, Neprestivmaßnahmen gegen Litauen zu ergreifen, wenn die Umstände eS im richtigen Augenblick erforderlich machen. (Beifall.)

Zu den Äußerungen von F r e i t a g h hinsichtlich der Zollunion

betont der Kanzler, cs fei bereits jetzt Gemeingut aller wirt­schaftlich und politisch Einsichtigen in Europa, daß Österreich auf seinem eigenen Wirtsckastsraum nicht selbständig wirt­schaftlich bestehen könne. Die Reichsregierung ist auch heute bereit, an allen Maßnahmen teilzunehmen, die auf Grund des Gutachtens der Finanztommission ins Auge gefaßt werden sollten, um die wirtschaftliche Lage Österreichs zu erleichtern. (Sehr gut bei der Mehrheit; Rufe rechts:Soweit Frank­reich es erlaubt!") über den Verlauf der Möglichkeiten der

Genfer Abrüstungskonferenz

heute schon zu urteilen, scheint mir verfrüht. Das Urteil des Abgeordneten von Freytagh über das bisherige Ergebnis in Genf wird aber von weiten Kreisen nicht geteilt, besonders nicht vom Ausland. Der K 0 n v e n t i 0 n s e n t w u r f der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz wurde auch acitern nicht

Vorbereitungen für den 13. März.

Hitlers Einbürgerung vollzogen.

Er erhält eineNegierungsstelleinBraun- schweig.

Die braunschtvcigischc Regierung ver­breitet folgende Erklärung:In Übereinstimmung mit den Regierungsparteien hat die braunschweigische Staats- rcgicrung Hitler eine freie Regierungsstelle übertragen und wird ihn bei der braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin beschäftigen, wo er ausschließlich die Interessen der braunschweigischen Wirtschaft ivahrnehmcn wird.

Mit dieser Aufgabe Hitlers ist eine Vertretung beim Rcichsrat nicht verbunden. Die Aufgabe. Hitlers wird insbesondere darin bestehen, für die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen Braunschweigs in iveitestem Umfange tätig zu sein. Diese Lösung schließt jeden Zweifel an dem ernsthaften Willen der braun­schweigischen Regierung aus, Hitler mit einem Amt zu be­trauen, das er nicht nutzbringend für das Land aus- itben kann.

Es liegt die E r k l ä r u n g H i t l e r s vor, daß er die Stellung mit allem Nachdruck im Interesse des Landes Braunschweig wahrnchmen wird."

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Die Deutsche BoUSpartei und Hitlers Einbürgerung.

Braunschweig. Eine engere Vorstandssitzung der Deutschen VolkSpartei befaßte sich mit der Frage der Einbürgerung Hitlers. Es wurde scstgcstelll,, daß cS sich bei der vorgesehenen Lösung nicht um eine Scheinernennung handelt, sondern, daß die Ernennung ernsthaft sei. Damit seien auch die bisherigen Einwände der Deutschen Volkspariei gefallen. Es wird erklärt, daß die Partei gegen die Ernennung Hitlers zum braunschwei­gischen Beamten keine Bedenken mehr habe.

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Hindenburg über seine Kandidatur.

Der Reichspräsident empfing den Arbeitsausschuß der Vereinigten Hindenburg Ausschüsse, der ihm den Dank dafür anssprach, daß er sich bereit erklärt habe, das Amt des Reichsptästdeuten erneut zu übernehmen. Ter Arbeitsausschuß sei gewillt, sich mit aller Kraft für die Wiederwahl cinzusètzen, aber den Wahlkampf nur sitchltch und in ritterlicher Form zu führen.

Michspräfident von Hindenburg.

begrünte in seiner Erwiderung den Entschluß des Arbeits ausschuffes, den leider unvermeidlich gewordenen Wahl- ^myf <« narneHMer Form zu führen unD âs zu. ver- miibru NS« zu e^ut LorsÄS.rsnng der vorhSNSene«

als Diskussionsgrundlage genommen, sondern nur als Rahmen. Das.für die deutsche Zukunft und die deutsche Wirtschaft bedeutsamste Problem, so fährt der Kanzler fort, ist

die Reparationsfrage.

Kein politischer Schritt ist in den kritischen Tagen unter­nommen worden, ohne in eng st er Fühlung mit der amerikanischen Regierung zu stehen. Damit ist die Behauptung widerlegt, als ob wir die Initiative Hoovers auch nur im geringsten gestört hätten. Mit dem fran­zösischen Ministerpräsidenten habe ich alle schwebenden Fragen besprochen, wenn auch das Abrüstungsproblcm bei diesem kurzen Besuch nicht wesentlich vertieft worden ist. Jedermann weiß aber, daß der Zweck meiner Pariser Reise der Vorbereitung der Londoner Konferenz diente. Die Reparationskonferenz ist nun endgültig auf Juni fest­gesetzt worden. Deutschland hätte dringend gewünscht, daß durch einen früheren Zeitpunkt die wirtschaftliche Depres­sion, die von dieser offenen Frage ausgeht, schneller beseitigt und das allgemeine Vertrauen wicderhergestellt würde.

Die Lösung der Reparationsfrage bildet die Vorausseüung der Verständigung auch über andere wirtschaftliche Fragen! die notwendig ist, damit wir zur Milderung der Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt kommen.

Zu den Ausführungen über

die Deflation

taun ich erklären, daß die Reichsregierung alles tun wird, um einer fortschreitenden^ Deflation zu begegnen. Die Maß­nahmen des Preiskommisiars sind zu einem gewissen Abschluß gekommen. Weitere Maßnahmen werden noch hinsichtlich der öffentlichen Tarife für Gas, Elektrizität usw. erforderlich fein. Wir werden zu verhindern wissen, daß die Preise plötz­lich wieder in die Höhe gehen. Den Brotpreis wollen wir stabil halten. Alles hängt davon ab, daß die deutsche Währung stabil gehalten wird. Weil wir die Wirtschaft beleben und weil die Außenpolitik stark beeinflußt wird durch die innenpolitische Agitation in dieser kritischen Zeit, darum habe ich den Versuch gemacht, die parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichs­präsidenten herbcizuführcn. (Lärm und Gelächter bei den Rattonalsozialisten.) Ich habe von vornherein aus dem Standpunkt gestanden, daß cs gegenüber einer sich noch so scharf aebärbenben nationalsozialistischen Bcweauna nicht

(Fortsetzung auf Seite 2.)

Gegensätze führen könnte.Ich habe," betonte er,die Kandidatur nur auf der Grundlage vollster überpartcilich- keit übernommen und cs auf das bestimmteste abgclchnt, irgendwelche Bindungen den Parteien gegenüber einstigeren oder irgendeine Bedingung anzunehmcn; ich lverde auch weiterhin jede Festlegung nach der einen oder anderen Seite ablehnen. Ich bin Treuhänder des ganzen deutschen Bölkes, nicht der Beauftragte einer Partei oder Parteiengruppe, unb will nur meinem Gc- wiffen und dem Baterlandc verpflichtet sein."

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Vorbereitung der Wahl Hindenburgs.

Berlin. Die Hauptgeschäftsstelle der Hinvenburg-Aus- fchüfle teilt u. a. mit, die organisatorische Vorbereitung der Hindenburg-Wahl habe erhebliche Fortschritte gemacht. Neben den bereits bestehenden Landes- und Provinrialausfchüffen sind in allen Teilen des Reiches über 60 neue Wahlausschüsse ge­bildet worden. Alle Ausschüsse sind auf überparteilicher Grund­lage unter Teilnahme von Vertretern aller Berufs- und Volks­schichten gebildet, so daß der Charaktrr derVolkswahl" auch hier beachtet und gewahrt bleibt

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Zur Reichs-Präsidentenwahl erläßt das Präsidium des Württcmbcrgischen K r i e g c r b u n d e * eine Erklärung, in der den Mitgliedern anheimgestellt wird, ihre Stimme nach ihrer Aberzeugung abzugeven. Im gleichen Sinne hat sich auch der Vorstand des Krieger- Verbandes im Regierungsbezirk Magdeburg entschieden.

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Der Wahlkampf beginnt!

Die Nationalsozialisten eröffneten gestern in Braun­schweig den Wahlkampf um die Reichspräfidentschaft in 17 Versammlungen in der Stadt und den Vororten. Im Konzerkhaus verlas Minister Klagges eine Kund­gebung zur Verleihung des deutschen Bürgerrechtes an Ädolf Hitler.

Kleine Zeitung für eilige ^esec

* Reichskanzler Dr. Brüning, verteidigte in einer großen Rede vor dein Reichstag feine Politik.

* Adolf Hitler wird als RegicrungSrat der brauw chweigli chcn Gesandtschaft in Berlin zugeteilt werden.

* tm Favagprozeß wurden die Angeklagten zu hohen Ge- fänaniS- und Geldsträfcu verurteilt.

* Segffa SÄM sich 12000 Gastwirte für ter Sterlett ewschikdâ