Zulöaer MZeiger
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Nr. 55 — 1932
Fulda, Samstag, 5. März
Jahrgang
Französischer Kuhhandel.
Frankreich an der Donau.
An Deutschlands O ft g r e n z e hat das Versailler Diktat den p o l n t s ch e n Wall aufgerichtet. Im Süden u n d S ü d o st e n sucht Frankreich weiter Deutschland einzukesseln durch Schaffung einer Donausöderation, b. h. eines Bundes der^schech oslowakei,Jugoslawiens, Ungarns, Rumänien und Bulgariens, dem auch nach Frankreichs Wunsch O st e r - reich jetzt beitreten soll. Gelingt es, Österreich für diesen Plan, der wirtschaftlich aufgezogen ist, aber im Innern einen Ausfluß rein politischer französischer Machtpolitik darstcllt, natürlich mit $?ilfe französischen Goldes zu ködern, so wäre, so schließt Tardieu, die Lücke im südöstlichen Wall gegen Deutschland geschlossen. An einem solchen Zusammenschluß der Donauländer ist aber als Nachbar I t g l i e n stark interessiert und darum mutz Frankreichs Bestreben dahin gehen, Mussolini für diesen Plan zu gewinnen. Da für Frankreich Politik gleich Geschäft und Geschäft gleich Politik ist, so sucht es im Wege des: „Das gebe ich dir! Was gibst du
mir?*, d. h. im Wege des „Kuhhandels", Italiens Zustimmung auszuhandeln. Da es immer großzügig ist, wenn die Großmut aus Kosten anderer geht, so hat es ihm gleich ganz Kamerun angeboten, hoffend, eS durch Interessen auf kolonialem Gebiet von seinen europäischen Belangen abzuziehen.
Gefährliche „Vee eines planes".
Österreich zwischen Deutschland und Frankreich.
Die gute Aufnahme, die die deutschen Hilfsvorschläge an die Wiener R e g i e r u n & in der österreichischen Öffentlichkeit gefunden haben, ist in Berlin mit Befriedi- Aung vermerkt worden. In unterrichteten Berliner Kreisen ivird im Gegensatz zu dem sehr unbestimmt gehaltenen vonau • FöderationSplan des französischen Ministerpräsidenten auf die praktische Verwendbarkeit der Rutschen Vorschläge hingewiesen, die für Österreich wirkliche Hilfe bedeuteten. Es ist hier allgemein auf- Wen, daß die Pläne Tardieus beispielsweise in ""garn durchweg auf Ablehnung gestoßen, oder doch mindesten sehr kühl ausgenommen worden sind. Der Mderhall in der ungarischen Presse kennzeichnet die fran- MW)en Pläne bereits ganz richtig dahin, daß angesichts $er unendlich großen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind,
praktische Ergebnisse nicht zu erwarten
Khi bürsten. Nach Berliner Auffassung sieht der Tar- °>eusche Plan nur eine Vereinbarung für die notleidenden ^udoststaalen ohne Rücksicht aus die anderen Staaten vor, ganz abgesehen davon, daß auch der vorliegende Plan nicht "»mal erkennen läßt, was die französische Regierung «genttich genau will.
Es steht nunmehr einwandfrei fest, daß die deutsche Regierung von dem Donau-FöderationSplan <aioteu?
amtlich nicht unterrichtet
orden ist. An zuständiger Stelle wird jedoch betont, daß ^"u eincm fertigen französischen Plan zurzeit nicht um v L^ue; es handele sich zunächst offenbar lediglich mit k "^. ^ e eine s P Inne s" Daß sich Frankreich (Krm.»tar^en Plänen beschäftigte, sei in Genf schon seit dier». ''Oit bekanntgeworden, obwohl über den Inhalt Wane bislang nichts bekanntgeworden sei.
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Wfliifreidj will Kamerun verschachern, kürzlich ^«,èeu hat der italienischen Regierung zwischen E^Üäge für eine Bereinigung sämtlicher bo[itli*A,, i und Frankreich seit Jahren schwebenden Italienern"^ 'birtschaftspolitischen Fragen gemacht, den uiib nur Kamerun angeboten,
Podien1 wirtschaftlichem Gebiet große Vorteile vcr- Nach UmfA„ u' bleses Angebot, das seit dein Kriegsende f° verlai ,^>"nd Bedeutung einzig dasieht, habe jedoch, to), aus Italien nicht geantwortet. Man frage °uf die frrtl.»®tunbe Italien bisher in keiner Weise bicht bte frnM -J-v11 Angebote geantwortet habe, und ob -"Asches m.bzbsilchcn Vorschläge in Rom lediglich als ein ^"^u, ob " 'bver ausgefaßt worden seien, um zu cr-
Iiui ""berwcitig außenpolitisch gebunden sei.
Man könne jedoch annehmen, daß Italiens kühle Haltung gegenüber den französischen Angeboten durch andere Gründe bestimmt sei. Italien könne es nicht gestatten, die französischen Angebote als tatsächlichen Ausgleich der grundsätzlichen italienischen Forderungen gelten zu lassen, da noch immer das im Londoner Pakt von 1915 gegebene Versprechen unerfüllt sei, wonach im Falle eines siegreichen Ausgangs des Weltkrieges Kolonialgebiete in Afrika für Italien freigemacht würden.
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Frankreichs neues „Hinterland".
Donaufovermionsplan ohne Deutschland.
Über die Verhandlungen, die Tardieu in den letzten Tagen mit den Vertretern der Kleinen Entente, Österreich und Ungarn über eine engere wirtschaftliche Verbindung der Donaustaaten geführt hat, wird jetzt bekannt, daß bereits in den letzten Monaten der österreichischen Regierung von französischer Seite wiederholt zum Ausdruck gebracht
Wer hat wieder angefangen?
Noch Feuergefechte^bei Schanghai."
Die chinesische Regierung hat den chinesischen Oberbefehlshaber der Schanghaitrupen angewiesen, die Feindseligkeiten einzustellen, falls sie nicht von den Japanern angegriffen würden. Wie die E h i n e s e n melden, setzten die japanischen Truppen jedoch bei Nanschiang die Feindseligkeiten fort, wobei es wieder zu scharfen Feuergefechten gekommen ist. Die Hauptmasse der chinesischen Armee zieht sich gegen Quinsan zurück. Die Generäle der 19. Armer haben eine Erklärung abgegeben, daß sie durch das weitere japanische Vorrücken gezwungen seien, auf eine zweiteVerteidigungSlinie zurückzugehen. Sie feier entschlossen, diese bis zum letzten Mann und zur letzten Kugel zu halten.
Die Japaner beschuldigen ihrerseits die bei Wangfu liegenden chinesischen Truppen, die Feindseligkeiten erneut ausgenommen zu haben. Der japanische Oberbefehlshaber habe darauf der 9. Division den Befehl zum Angriff auf Nanschiang gegeben.
8000 Zivilisten in Tschapci getötet.
Nach Meldungen aus Nanking sind in Tschapci rund 5 0 0 0 Häuser eingeäschert und etwa 8000 Zivilisten getötet worden. Die Leichen liegen noch auf den Straßen. Das chinesische Stadtoberhaupt hat sich an das japanische Oberkommando gewandt mit der Bitte, für die Beseitigung der Leichen Sorge zu tragen.
Oie Front bei Schanghai.
Die japanische Frontlinie bei Schanghai befindet sich ungefähr an Der Grenze der 20 Kilometer-Zone, das heißt von Liuho im Norden über Taisang und Nanschiang bis Tschenju. Die Truppen, die diese Linie bereits überschritten hatten, wurden wieder zurückgezogen. In vielen Dörfern wurden die durchziehenden japanischen Truppen von chinesischen Scharfschützen beschossen, die gefangen- genommen und erschossen wurden.
Die chinesischen Truppen eröffneten verschiedentlich aus ihren neuen Stellungen hinter Wanschiang wieder das Feuer auf die in neue Frontlinien gehenden Japaner.
Japan verteidigt sich in der Völkerbundversammlung.
Der japanische Botschafter erklärte in Genf, daß die japanische Regierung nicht die Absicht habe, die gegen«
Karte von Schanghai.
worden ist, eine finanzielle Hilfe "Frankreichs könne für Österreich nur in Frage kommen, wenn in absehbarer Zeit eine engere wirtschaftliche
Verständigung zwischen Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei zustandegekommen sei. Gleichlautende Erklärungen sollen von französischer Seite der ungarischen Regierung gegeben worden sein. Tie französischen Wünsche gehen dahin, zunächst zwischen Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei Vereinbarungen auf der Grundlage von
Vorzugszöllen herzustellen, die den ersten Schritt für einen weiteren wirtschaftlichen Zusamenschluß dieses Blockes mit den übrigen Mächten der Kleinen Entente und mit Polen bilden soll.
Nach den französischen Plänen ist ausdrücklich eine Beteiligung Deutschlands an dem wirtschaftlichen Zusammenschluß dieser Staaten ausgeschlossen.
Es ist nicht bekannt, daß der französische Ministerpräsident Tardieu, sei es den deutschen Botschafter in Paris, sei es die deutsche Vertretung in Genf, auch über seine Pläne eines wirtschaftlichen Donaubundes zwischen Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei unterrichtet hat.
wärttge Lage km Linne politischer oder territorialer Ziele in Schanghai auSzunützen. Ebensowenig bestehe die Absicht, ein japanisches Konzessiv nsgebiet in Schanghai zu errichten.
Die japanische Regierung lehne es aber ab, die mandschurische Frage auf der Vollversammlung des Völkerbundes zur Verhandlung zu stellen.
Die Mandschurei sei der Schlüssel für die Lage im Fernen Osten. Japan habe derartig weitgehende Inter- essen in der Mandschurei, daß es unmöglich aus ihre Aufgabe ir^ diesem Gebiete gehen könne. Die japanische Regierung verfolge keine territorialen Ziele in der Mandschurei und werde sich auch an den
Grundsatz der offenen Tür halten. Es sei deshalb nicht weise, in den Völkerbundverhandlungen die Aussprache über diese Frage zu eröffnen, da hierdurch nur neue Verwirrungen und Gefahren entstehen könnten.
Der japanische Nachschub in Schanghai eingetroffen.
Schanghai, 5. März. (Eigene Funkmeldung.)
Die japanischen Truppennerftärfungen von 10 000 Mann, die bei Liuho und Wusung gelandet wurden, find in Schanghai eingetroffen. Dadurch erhöht sich die Zahl der japanischen Streikräfte auf 55 000 Kann. Dem japanischen Hauptquartier" zufolge herrscht an der Front Ruhe.
Der Lappopuisch zusammengebrochen.
Der Sonderkorrespondent der Rigaer „Segodnia* meldet aus Mäntsälä, daß dieses Hauptgebiet des Aufstandes von regierungstreuen Truppen eingekrcist, aber Mäntsälä selbst noch in den Händen der Lappoanhänger fei. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß der
Putsch der Lappoanhänger zusammengebrochen ist. Obgleich es nirgends zu ernsteren Zusammenstößen der angesammelten bewaffneten Kräfte gekommen ist — keine der beiden Parteien wollte mit dem Angriff beginnen — haben die Maßnahmen der finnländischen Regierung zahlreiche Lappoanhänger veranlaßt, wieder aus- einanderzugehen und damit von der Führung abzufallen.
Tnbuizahlungen brachien die Krise. Runciman über die englische Handelspolitik.
Auf einem Frühstück der ausländischen Preflcvcr- cinigung in London sprach sich der englische Handels» minister Runciman mit bemerkenswerter Offenheit über die Tributfrage aus. Er bezeichnete die Kriegsschulden und Tribute als die Ursachen der Krise, wodurch die Steigerung des Goldpreises und das Sinken der Warenpreise entstanden fei Er drückte ferner auch feine persönliche Ansicht, die an amtlicher Stelle bestätigt werden konnte, dahin aus, daß die E i n ft c 1t u n g der gewaltigen internationalen Zahlungen, die den Handrl vollkommen gestört hätten, daS einzige Mittel fein werbe, um dem Welthandel wieder einen neuen wirklichen Auftrieb zu geben.
Man könne eine wirkliche Wohlfahrt in der Welt erst dann erhoffen, wenn die Schuldenfrage neu geregelt sei. Runciman verteidigte dann die neue Zollpolitik Englands zum Teil damit, daß England nichts anderes tue als das, was andere Länder schon seit langem getan hätten.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
» Der Reichspräsident nahm, wie alljährlich, die Parade über das Wachregiment in Berlin ab.
• An der Schanghaifront ist es zu neuen Feuergcfechtey gekommen.
• Das entführte Kind des amerikanischen Fliegsrs Lindbergh konnte noch nicht gefunden werden.